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Autor Thema: Pingen  (Gelesen 3979 mal)

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Offline Jochem

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Pingen
« am: 19 Oct 05, 00:07 »
Hallo Leute,
sicher kennt ihr die Relikte von alten Tagebauen. Entweder ziehen Gräben dem Erzgang entlang, oder es sind runde Pingen, die dann oft ein Loch neben dem anderen den Gang entlangziehen.
Kann mir nun eineR erklären, warum die da Loch neben Loch gegraben haben anstatt einen durchgehenden Graben? Es ist doch wohl davon auszugehen, dass zwischen den Löchern auch noch Erz ist, oder nicht ??? ?

Gruß Jochem

Offline wolfilain

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Re: Pingen
« Antwort #1 am: 19 Oct 05, 00:35 »
Hallo

Also in gewisserweise kann man das denke ich mit einem Sammler vergleichen.
der gräbt doch meist auch nur ein Loch und Ackert nicht Systematisch alles durch.

Denn es gab viele Tagelöhner die auf gut Glück gegen Bezahlung eben nur einzelne Löcher gebuddelt haben.

grüße

Wolfilain

gn8 =)

Offline uwe

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Re: Pingen
« Antwort #2 am: 19 Oct 05, 07:25 »
Pingen sind eingebrochene Abbaue. Früher fand man oft Erzgänge ziemlich dicht unter der Oberfläche - sogenannte "Rasenläufer". Die wurden nicht im  Tagebau abgebaut sondern immer untertägig, damit man auch im Winter abbauen konnte. Das führte soweit, daß man oft sogar einen Tunnel vom Huthaus zur eigentlichen Fundstelle anlegte, nur damit man nicht mit den feuchten Arbeitskleidern an die kalte Luft mußte.

Diese oberflächennahen Gänge sind natürlich später eingebrochen und da diese eben oberflächennahe waren kam es zu einem sogenannten "Tagebruch" (tiefere Einbrüche kamen nicht bis an die Oberfläche, da die lockere Bruchmasse ein größeres Volumen als das feste Gestein hat).  Je nach Struktur des "Hängenden" kam es meist nicht zum Einruch des gesamten Ganges

Solche oberflächennahen Abbaue kann man gut im Greifensteingebiet Richtung Ehrenfriedersdorf im Wald finden.

Glück Auf
Uwe

Offline der Sauerländer

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Re: Pingen
« Antwort #3 am: 20 Oct 05, 00:41 »
Hallo Wolfilain, Hallo Uwe

Ihr habt beide nicht unrecht. Nur, das ist noch nicht die komplette Antwort.

Pingen, oder auch Bingen genannt,  können mehrere Ursachen haben.

Tagebau
Probeschurfe
Einbruch von Stollen
Einbruch von Abbau
Verfüllte Schächte

Zu unterscheiden sind hier einzelne Pingen oder s. g. Pingenzüge. Daran erkennt man oft die Ursache. Aber eben nicht sicher.

Eines muss man bei altem Bergbau bedenken....die "Alten" haben die Stollen immer am Ausgehenden angesetzt. Das Ausgehende wurde gesucht! Das erklärt häufig die Pingenzüge. Erz muss da nicht zwingend vorhanden sein.

der buddelnde....
Sauerländer

Offline Jochem

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Re: Pingen
« Antwort #4 am: 24 Oct 05, 20:25 »
Hallo, danke für die Antworten, aber viel schlauer bin ich noch nicht. Die Pingen, die ich im Kopf habe (Giesenbach, Schwarzwald) sind mit Sicherheit von oben gegraben, denn sie sind alle kreisrund und mehr oder weniger steil. Bestimmt ist da nix eingebrochen. Aber ein Loch neben dem anderen. Auch wieder zu systematisch, um es mit wild umsichbuddelnden Leuten zu erklären.

Und Sauerländer, dich hab ich nicht verstanden. Was ist das Ausgehende? Wie erklären sich dadurch die Pingenzüge?

Oder weiß vielleicht wer was konkretes von der Gegend?

Grüße, Jochem

Offline giantcrystal

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Re: Pingen
« Antwort #5 am: 24 Oct 05, 20:43 »
Pingen können vielerlei Form und Ursache haben. Man unterscheidet :

- Pingen, die bei der Erzsuche enstehen = Probeschürfe =  meist flache, rundliche  Löcher mit  darum gelagerten Aushubmaterial

- Einbruchspingen, die durch den Zusammenbruch untertägiger Abbauräume entstehen = meist größere, rundliche bis langgezogene Löcher, die meist kein Aushubmaterial drumherum liegen haben (aber können !)

- Lösungspingen = An sich natürliche, durch Auflösung von Karbonaten oder Sulfaten entstandene Hohlräume, also an sich Dolinen, die aber dem frühen Bergmann auffiielen und diese dazu verführten, gezielt nachzugraben. Beispiel : Siegerländer Sideriterzgänge, die oberflächlich ab und zu verkarstet waren.

Da es natürlich auch Mischungen dieser drei Grundtypen gibt, ist die Zuordnung im Einzelfall mitunter schwierig.


Glück Auf


Thomasi

Offline der Sauerländer

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Re: Pingen
« Antwort #6 am: 24 Oct 05, 21:38 »
Hi Jochem

Sorry....hätte ich wohl erklären sollen......

Also, Erzgänge können an der Erdoberfläche "ausstreichen" oder "ausbeißen".
Immer noch kompliziert?
Nein, sicher nicht.
Der Erzgang geht bis an die Erdoberfläche!!!

Die "Alten" nannten dieses gefundenen Erz....das "Ausgehende"!

Da nur sehr wenige Leute einen Markscheidezug vornehmen konnten, haben sie natürlich am "Ausgehenden" (aha) den Erzgang mittels Stollen aufgeschlossen. So einfach ist das.

Und jetzt haben wir wieder was Neues. Markscheidezug bzw. den Markscheider.
Markscheider waren geschulte Bergleute, die am streichen und fallen der Gesteinsschichten berechnen konnten, wie der Erzgang im Gestein verläuft.
Somit berechneten sie, wo man Stollen und Schächte ansetzen musste, um an die Erzlager zu gelangen bzw. wo ein Schacht abzuteufen war, um genau den Abbau zu treffen. Und so weiter.
Schon erstaunlich, wie genau damals mit einfachsten Mitteln präzise Zeichnungen der Gruben angefertigt wurden.

Die von dir gefundenen Pingen sehen heute sicher nicht mehr so aus wie vor vilen Jahren. Verfüllt, beigefallen oder nachträglich bearbeitet, kann man heute den Ursprung nicht mehr genau nennen.
Übrigens....Granat- und Bombentrichter sehen genau so aus. Leider!!!

 

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