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Autor Thema: Überprägung - Frage an die Geologen im Forum  (Gelesen 7834 mal)

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Offline Collector

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Hallo

ich versuche eine allgemeinverständliche Definition des Begriffes " Überprägung " im Atlas zu beschreiben.

Wie ich sehe, wird dieser Begriff zwar bei unzähligen geotektonischen - geochemischen - geophysikalischen Vorgängen angewendet , aber ich finde keine eindeutige und verständliche  Erklärung dafür.

Wer von den hier mitststreitenden Geologen kann " Überprägung " mal kurz , prägnant und aussagefähig interpretieren - ohen im einzelnen auf Metasomatose, replacement, Verdrängung, Diagenese etc etc etc einzugehen ?

Danke und gruß

collector

Online giantcrystal

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Re: Überprägung - Frage an die Geologen im Forum
« Antwort #1 am: 23 Nov 05, 15:38 »
Also ich verwende den Begriff nur sehr ungern, eben weil er so schwammig ist. Natürlich kann man sagen :

Das Gestein wurde tektonisch überprägt

Aber was heißt das schon ? Genausogut kann man sagen :

Das Gestein wurde verfaltet, oder : wurde tektonisch zerrüttet etc etc.

Nö, "überprägt" finde ich sehr unpräzise...

Glück Auf

Thomas
(Geologe)


Offline geomueller

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Re: Überprägung - Frage an die Geologen im Forum
« Antwort #2 am: 23 Nov 05, 17:52 »
Der Bergiff ist zwar in der Geologie allgegenwärtig aber wirklich sehr schwammig und letztlich ein unbestimmter Begriff der für alles mögliche herangezogen wird.

Vielleicht könnte man den Begriff so erklären das damit gemeint ist, das sich die ursprünglichen Eigenschaften oder der Zustand einer Materie (z. B. Gestein, Lagerung, Ort usw.)  durch die Veränderung von Rahmenbedingungen (z. B. Temperatur, Druck, Zeit usw.) in einen anderen höheren oder weiterentwickelten Zustand überführt wurde und der ursprüngliche Zustand oder die Eigenschaft nicht mehr erkennbar ist.

Dieser Versuch einer Erklärung klingt genau so schwammig wie der Begriff selbst :o ;D ;D ;D aber trifft die Sache schon einigermaßen, glaube ich ;)


Hier noch die eigentliche Def. des Begriffes, hat aber nun gar nichts mit Geologie zu tun:

"Überprägung ist die Verwendung einer Münze als Schrötling für eine neue Prägung. Überprägungen sind bereits aus der Antike bekannt und können in der Numismatik für Datierungsfragen ausgewertet werden."

Gruß Jürgen
« Letzte Änderung: 23 Nov 05, 17:59 von geomueller »

Offline wolfi

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Re: Überprägung - Frage an die Geologen im Forum
« Antwort #3 am: 23 Nov 05, 18:02 »
Servus Collector,
das ist mal wieder ein typisches Beispiel dafür, dass man mit Begriffen umgeht, ohne sie irgendwie definieren zu können. Das heisst, ich muss glattweg passen ???!
Aber der Versuch von Jürgen hört sich doch nicht übel an!
Servus + Glück auf
Wolfi

Offline Robin

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Re: Überprägung - Frage an die Geologen im Forum
« Antwort #4 am: 23 Nov 05, 19:13 »
Hallo,

Wichtig ist auch zu realisieren daß Überprägung oft in Bezug auf etwas steht, z.B. hydrothermale oder metasomatische Überprägung. Wer sagt schon "das Gestein ist überprägt"? Das würde nur bedeuten daß etwas verändert ist (also vom "starting condition" zu "evolved" - weiß leider nicht so schnell die richtige Deutsche Wörter dafür ;) ).

Trotzdem finde ich den Begriff gar nicht so schwammig! ::)

Gruß Robin

Offline Erik

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Re: Überprägung - Frage an die Geologen im Forum
« Antwort #5 am: 23 Nov 05, 19:33 »
Hallo,

...und der ursprüngliche Zustand oder die Eigenschaft nicht mehr erkennbar ist.

mmh, genau das ist eigentlich nicht der Fall. Ein Gestein ist dann "überprägt" wenn durch (relativ schwache) Metamorphoseprozesse - seien es tektonische, metasomatische etc - die Textur / Chemie etc zwar beeinflußt wurde, das Ausgangsgestein aber noch erkennbar ist. Warum sollte man ein Gestein sonst beispielsweise "metamorph überprägter Granit" nennen und nicht gleich Orthogneis?

Ein metamorph überprägter Granit wäre ein Granit der eine schwache Einregelung seiner Bestandteile erkennen läßt (flaserig), während die Mineralkörner aber noch nicht umkristallisiert oder großartig deformiert sind.


"Überprägung ist die Verwendung einer Münze als Schrötling für eine neue Prägung. Überprägungen sind bereits aus der Antike bekannt und können in der Numismatik für Datierungsfragen ausgewertet werden."

Das trifft es eigentlich ganz gut - die Ausgangsstruktur läßt sich noch "entziffern", sie wurde eben nur durch eine andere Struktur (da ist der Begriff schon wieder :P) "überprägt".

Robin hat genau Recht, der Bezug ist wichtig, dann ist der Begriff auch nicht mehr "schwammig". "Überprägt" alleine für sich gesehen kann alles mögliche bedeuten..

Gruß, Erik
« Letzte Änderung: 24 Nov 05, 08:46 von Erik »

 

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