Liebe (Hobby-)Paläontologen!
Wie kann es sein, dass ein Archaeopteryx einem der "renomiertesten" deutschen Institute zum Kauf angeboten wird und die sagen können: "Nein, Danke?"
Ich meine, die Wissenschaftler vom Senckenberg haben das Fossil untersucht, wissenschaftlich beschrieben und unterstreichen mit ihrem Artikel sogar noch, wie wichtig dieses Exemplar für die Evolution der Vögel und der Dinosaurier ist.
Wieso haben sie es dann nicht gekauft???
Wenn ich als Forschungsinstitut (wohlgemerkt mit Museum, wo ich wichtige Versteinerungen der Öffentlichkeit präsentieren kann!!!) die Möglichkeit bekomme, ein so wertvolles Fossil zu kaufen, dann versuche ich das doch um jeden Preis, oder nicht? Archaeopteryx ist ja nicht irgendein Fossil; Archaeopteryx ist DAS Fossil schlechthin. Fast jeder Schüler in Europa kennt den Namen dieses "Vogels", da er als perfektes Beispiel eines Brückentiers zwischen Reptil und Vogel in den Lehrbüchern des Biologieunterrichts steht.
Wieso also nicht für das Museum kaufen?
Natürlich haben es die Museen heutzutage schwer, mit ihrem geringen Etat auszukommen. Öffentliche Gelder fließen nicht mehr in dem Maße wie noch vor 16 Jahren... aber gar nichts zu unternehmen? Das Tier von den Amerikaner kaufen zu lassen? Einem Volk, das die Evolution nun komplett aus den Lehrbüchern, zu Gunsten eines göttlichen Schöpfungsaktes streichen will???
Wo bitte bleibt die moralische Verpflichtung der Senckenberg-Mitarbeiter und -Verwaltung???
Achja, eine moralische Verpflichtung war im Hause Senckenberg ja noch nie etwas, das wichtig war. Wenn man mal Platz und Geld braucht, verkauft man einfach einen Teil der Mineraliensammlung (schließlich muss man die marokkanischen Fälschungen ja irgendwo lagern...)
Das Erschreckende aber ist, dass der Fund geheim gehalten wurde! Weder das Stuttgarter Naturkundemuseum, noch die Bayerische Staatssammlung in München wußten etwas von diesem Exemplar!!! Und, damit bin ich mir auch sicher, dass die zuständigen Museen im Altmühltal, dem Bereich der Solnhofener Plattenkalke, nichts von diesem Fund wußten.
Dass die Menschen spenden, wenn es darum geht, ein so wichtiges Fossil für ein öffentliches Museum zu kaufen, hat man in München vor einigen Jahren gesehen. Es geht also!!! Zudem gibt es in Frankfurt genügend Banken, die ein kundenwirksames Interesse am Spenden haben und das Fossil mit Sicherheit gerne der Senckenbergischen Sammlung überlassen hätten.
Aber gar nichts zu unternehmen??? Das ganze still schweigend unter den Teppich zu kehren???
Es tut mir Leid, aber ich verstehe so etwas nicht!
Bleibt die Frage, ob das Stück rechtmäßig vom damaligen Sammler erworben wurde und damit ob der Verkauf nach Amerika überhaupt legal war... Im Science-Artikel (
http://www.senckenberg.de/files/content/forschung/abteilung/terrzool/ornithologie/archaeopteryx.pdf) der Senckenberg-Wissenschaftler wird darauf (bewußt?) nicht eingegangen: "The specimen was discovered in an unknown locality of the Solnhofen area [meiner Meinung nach, auf Grund der Färbungen der Platte, kommt es aus der Gegend um Eichstätt] and was housed in a private collection before it was recently acquired by the Wyoming Dinosaur Center..."
Wollten sich die Senckenberger also einen langen und teuren Rechtsstreit (siehe Solnhofener Wellnhoferia-Exemplar) ersparen???
Der ehemalige und damit in der Archaeopteryx-Affäre verantwortliche Direktor Fritz. F. Steininger wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem am 16. Dezember 2004 für sein Gesamtschaffen als Naturwissenschaftler mit dem Preis der Stadt Wien.
2004 wurde er außerdem Ehrenmitglied der Paläontologischen Gesellschaft.
Jemand, der solch große Fehler in seinem Amt begangen hat, sollte sich wirklich fragen, ob er diese Ehrungen zurecht erhalten hat!
...und sie dann anschließend zurückgeben!
Mit freundlichen Grüßen,
Lothar H. Vallon