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bescheidene Hölzer aus Österreich ..........

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Chlamys:
Hallo Werner
Die ersteren schauen mir schon so aus wie Fraßspuren von Exemplaren aus der Familie der Teredinidae. Manche Bohrgänge sind noch gut ausgekleidet. Aber die seichten Löcher auf der Palme dürften andere Ursachen haben, es ist keine Röhre nur eine halbkugelförmige Vertiefung.
Ich habe einige solcher Fraßspuren, die ich mir nicht erklären kann, wie in dieser Schlierkugel, bei der in der Mitte, ohne Bohrgänge an die Oberfläche solche kugeligen Hohlräume vorhanden sind. Vielleicht sind es Abdrücke von Samen.
lg
Chlamys

oliverOliver:
ok, "teredoartige" muss ich voll zustimmen - war nicht ganz korrekt von mir.
die Löcher in der Schlierkugel sehen aber deutlich anders aus - was das ist, da muss ich passen.
Bohrlöcher in der Palme: der Durchmesser sollte nicht überbewertet werden, Spuren von Teredo bzw. -artigen gibts in unterschiedlichen Dimensionen. Und auch dass die bzw. manche Löcher nicht durchgehen, spricht nicht dagegen. manche sind ja auch auf der "Rückseite" zu erkennen, und jedes Bohrloch begint anfangs als eine nur seichte Vertiefung. Vielleicht wurde das Palmenstück ja irgendwo an die Küste gespült, als manche Bohrmuschel-Löcher erst im Anfangsstadium waren.

Sargentodoxa:
Hallo Chlamys
Um eindeutig von Samenabdrücke zu sprechen, braucht man Detailfotos von den Wänden der "Hohlkugeln". Möglicherweise sind da Abdrücke der äußeren Testa von Samen/ Steinkernen vorhanden.

Hallo Oliver
 Bei Bruchstücken wird es immer schwierig sei. Vor Jahren hatte ich im ehem. Tgb. Klettwitz-Nord die Möglichkeit an Xylitstämmen die Tätigkeit von Bohrmuscheln zu beobachten. Es beginnt von außen mit kleinen Löchern ( ca. 2mm - die stark an Insektenbohrungen erinnern ) und werden dann im Inneren des Stammes immer größer. siehe auch beide Fotos  Glück Auf Werner

oliverOliver:
@ Chlamys  und Sargentodoxa:
Ich weiß, ich sollte nicht völlig übermüdet auch noch Forumsbeiträge schreiben (AW #91), da kommt nur Unsinn dabei raus – sorry.
Natürlich sind Bohrmuschellöcher von Teredo / -artigen an der Außenseite klein und erweitern sich im Inneren des Holzes (bzw. im Lauf der Zeit = mit zunehmendem Wachstum der Muscheln) zusehends, bis das Tier ausgewachsen ist – das verhält sich ja bei rezenten Teredo-Muscheln genauso, was mir auch durchaus bekannt ist (hatte das ja beim Melk-Fm – Limonitholz-Beitrag nochmals recherchiert bzw. „aufgefrischt“, es war aber bei AW #91 in meinem Hirn offenbar absolut nicht präsent).
--> Zu Teredo navalis rezent vgl. z.B.:
http://de.wikipedia.org/wiki/Schiffsbohrwurm (und dortige links)
http://www.1902encyclopedia.com/T/TER/teredo.html
http://www.wasser-lehrpfad.de/bohrmuschel.htm
http://www.schnecken-und-muscheln.de/galerie/galerie_teredinidae.htm
http://www.nmr-pics.nl/Teredinidae/album/index.html

Trotzdem halte ich die Löcher in dem Ottnangien-Palmenstück (AW #86) nicht für Insektenspuren. Bei xylobionten Insekten, die Fraßspuren mit größeren Durchmessern hinterlassen, handelt es sich ja meist um die Larven von Käfern – bzw. um die aus der Puppe geschlüpften Käfer, die sich nach außen fressen – die Bohrgänge gehen also von innen nach außen, und nicht umgekehrt (dto. bei Schlupfwespen, die von den Käferlarven leben, etc.). Oder anders gesagt, die Fraßgänge  mit dem größeren Durchmesser sind nach außen gerichtet, während für die Eiablage nur winzige Löcher von außen nach innen gebohrt werden, oder die Eier werden direkt unter die Rinde oder in Spalten abgelegt – was den gleichen Effekt hat: dann fressen sich die winzigen frisch geschlüpften Larven ins Holz, was ebenfalls nur kleine Löcher erzeugt. Das wird wohl im Miozän nicht anders gewesen sein – soweit kann man sich (glaube ich) auf eine aktualistische Vorgehensweise verlassen.
Die Gänge auf dem Palmenstück enden aber – soweit ersichtlich – alle eindeutig im „Holz“. Ich denke, die Löcher stammen also doch von irgendwelchen Bohrmuscheln, wobei aber außer den Teredoartigen noch andere Gruppen zu berücksichtigen wären.

Sollten sie eventuell doch den Teredoartigen (andere – rezente – Gattungen/Arten von „Bohrwürmern“: http://de.wikipedia.org/wiki/Schiffsbohrw%C3%BCrmer ) zuzuordnen sein, könnte uns das Stichwort „Fragment“ einer Lösung näher bringen. Das Palmenstück zeigt ja nicht die originale Palmen-Außenseite, sondern an der „Vorderseite“ eine abgerollte/verrundete Oberfläche.
Vielleicht geriet das Stück, nachdem die Bohrlöcher in der vorliegenden Dimension bereits vorhanden waren – eventuell auch erst nach der Versteinerung (Meeresspiegelschwankungen !) – in die Brandungszone des Ottnangium-Meeres, wo es fragmentiert und weiter abgerollt/abgeschliffen wurde („Vorderseite“; offenbar später nochmals Bruch an der „Rückseite“). Dabei könnten auf dem vorliegenden Fragment zufällig gerade nur die (teilweise verfüllten – Rückseite !) Enden der Bohrmuschelgänge erhalten geblieben sein, der Rest wäre wegerodiert oder/bzw. befand sich auf einem anderen Bruchstück. Wäre doch denkbar ?

Für wahrscheinlicher (oder zumindest ebenso wahrscheinlich) halte ich aber mittlerweile, dass die Spuren eventuell von anderen Bohrmuscheln – welcher Art auch immer – stammen, am ehesten wohl von solchen, die (in der Lebensweise) rezenten Gattungen wie Barnea, Zirfaea und Petricola nahe stehen.
Diese (rezenten) Bohrmuschel-Arten bohren sich nicht nur in verfestigtes Sediment und (weichere) Gesteine, sondern (seltener) auch in Holz, und sind zum Teil ebenfalls koloniebildend.
Vgl. z.B.:
http://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Fe_Bohrmuschel
http://www.unterwasser-welt-ostsee.de/html/weisse_bohrmuschel.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Krause_Bohrmuschel
http://de.wikipedia.org/wiki/Amerikanische_Bohrmuschel

Weiters wären eventuell noch andere Gruppen von Bohr- und Ätzmuscheln zu berücksichtigen, deren Tätigkeit auch öfters fossil belegt ist (z.B. an Kalkgeröllen aus marinen Sedimenten, aber auch an Muschelschalen: sh. z.B.:
http://www.landesmuseum.at/pdf_frei_remote/ANNA_71_0001-0012.pdf ).

Zu nennen wäre etwa die rezente Gattung Pholas (bohrt auch in härteren Gesteinen, aber angeblich manchmal auch in Holz), vgl.:
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Natural_History_-_Mollusca_-_Pholas.png
http://www.zeno.org/Naturwissenschaften/M/Brehm,+Alfred/Brehms+Thierleben/Niedere+Thiere/Der+Kreis+der+Weichthiere/Erste+Ordnung%3A+Dimyarier+(Dimyaria)/Familie%3A+R%C3%B6hrenmuscheln+(Tubicolae)/1.+Sippe%3A+Bohrmuscheln+(Pholas)/Pholas+dactylus
http://en.wikipedia.org/wiki/Pholas
http://www.schnecken-und-muscheln.de/galerie/galerie_pholadidae.htm
Die Ätzmuscheln legen ihre Röhren v. a. in Stein etc. an – ob sie auch an (frischem) Holz vorkommen, ist mir unbekannt.
Zu den Ätzmuscheln allgemein:
http://rd.springer.com/article/10.1007/BF01825527
http://www.springerlink.com/content/w30j26752776k260/fulltext.pdf
zur Gattung Lithophaga:
http://de.wikipedia.org/wiki/Lithophaga
Auch Arten der Gattung Petricola ätzen z.T. (anstatt wie andere Vertreter der Gattung zu bohren) --> Petricola lithophaga:
http://eol.org/pages/586165/overview
http://www.nmr-pics.nl/Petricolidae/album/index.html
https://docs.google.com/viewer?a=v&q=cache:utqIAm-vr40J:hw3.arz.oeaw.ac.at/0xc1aa500d_0x000efcf3.pdf+petricola+lithophaga&hl=de&gl=at&pid=bl&srcid=ADGEESjwUME-6ZsdNGHHq10a-cirvr00FYz__dwZPb7VvGJ6bJr142Nn6GKBM6IkLG9MmADGaKJsBeDyYOLg_DIaEdOKmajBP5u3FMnTnhmN1z3LHCKnuU6mG5rzIi679_SfpLnW93X6&sig=AHIEtbSEorGMdrAaostswpOyL2tOhPxncA
http://www.idscaro.net/sci/01_coll/plates/bival/pl_petricolidae_1.htm
http://www.naturamediterraneo.com/forum/topic.asp?TOPIC_ID=5429

Es gibt umfangreiche Literatur zu rezenten „Bohrwürmern“ (z.B.: Turner, R. D., 1966: A Survey and Illustrated Catalogue of Teredinidae (Mollusca: Bivalvia). Cambridge (Massachusetts): Museum of Comparative Zoology. IX, 265 pp.), Bohr- und Ätzmuscheln (z.B. die Arbeiten von Karl Kleemann: http://homepage.univie.ac.at/karl.kleemann/ ), die ich allerdings nicht im Detail kenne, weil es das Holz-Thema ja nur peripher berührt. Aber zu fossilen ? Keine Ahnung wie es damit aussieht, müsste ich erst recherchieren …..

oliverOliver:
Ergänzungen zu AW #74 + #76:

--> Link zum Kieselholz im Austria-Lexikon:
http://www.austria-lexikon.at/af/Wissenssammlungen/Fossilien/Holz#section-Wissenssammlungen_2FFossilien_2FHolz-Holzversteinert

@ Chlamys:
Eine Frage zum Kernholz „Peuerbach“ im Austria-Lexikon (Bild 9) – weil Kernerhaltung bei uns ja ausgesprochen selten vorkommt: ist das „nur“ ein Ast, oder ein größeres (Stamm-) Stück ? – Jedenfalls ein Super-Exemplar !
Und:
Auf der „Laurinsgarten“-Seite lassen sich leider ja nicht alle Fotos durch Anklicken vergrößern (z.B. das interessante Holz mit Nototeredo-Spuren im „Kapitel“ Bohrlöcher) – ist das so beabsichtigt oder Zufall ?
(dafür aber unter dem Stichwort „Nototeredo“ im Austria-Lexikon: http://www.austria-lexikon.at/af/Wissenssammlungen/Fossilien/Nototeredo )

--> Zu den Ottnangien-Zapfen: im Schlier ja, das hab ich gewusst, da hab ja auch oben (AW #59) einen link zu einer weiteren Sammler-Seite eingestellt. Aber die phosphorisierten aus den Sanden waren was völlig Neues für mich – bin noch immer sehr fasziniert davon !

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