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Arbeitstechnik im Anstehenden
Schaufelartist:
Hallo!
Ich hätte da mal ne Frage an die erfahrenen Steineklopfer unter euch. Was, außer einer gehörigen Portion Gewaltbereitschaft, dicken Muckies und guter Kondition, brauche ich um
möglichst effektiv Stücke aus dem Anstehenden zu lösen? (Oh, ich habe "Hirn" und "Werkzeug" vergessen – schadet ja meistens auch nicht ;-))! )
Damit jetzt nicht alle Antworten mit "Das kommt darauf an..." beginnen, hier ein Szenario:
Stellt euch den härtesten Granit, Basalt, Marmor... vor, den ihr euch vorstellen könnt. Gemeinerweise durchzogen von schmalen Klüftchen mit tollen Mineralien drin (hoher "Unbedingt haben wollen Faktor"). Ihr habt die offizielle Erlaubnis zu wüten. Die Wand an der ihr arbeitet ist massiv, nur 2m hoch und hängt nicht über – Lebensgefahr besteht nicht. Helm, Handschuhe, Brille, Pflaster – alle Sicherheitsvorkehrungen sind getroffen.
Eure "Mission Impossible": Ein paar Vorschlaghammergerechte Brocken zum gemütlichen Aufklopfen.
Welches Werkzeug packt Ihr ein und wie setzt ihr es ein?
Oder fahrt ihr wieder nach Hause und beschließt in ca. 2 mio Jahren wiederzukommen, wenn die Erosion die Arbeit für euch erleichtet hat?
P.s.: Nicht dabei und nicht in Aussicht sind: Dynamit, Pressluftbohrer, Caterpillar.
Ich bin gespannt...
giantcrystal:
Hier ein ganz heißer Tip :
Berichte in der einschlägigen Presse, das hinter der Wand das Bernsteinzimmer liegt...und in 2 Wochen kannst du die losen Brocken bequem einsammeln ;D
Nein im Ernst : Anhängig von der Lage der Klüfte empfiehlt es sich unter Umständen oberhalb der Wand - die ja nur 2 m hoch ist - anzusetzen und diese von oben her abzubauen = Prinzip der freien Ansatzfläche.
Glück Auf
Thomas
Schaufelartist:
Guter Tipp, sich die Gier der Sammlerkollegen zunutze zu machen...
Aber im ernst: Braucht man unbedingt spezielles Werkzeug? (Akku-Bohrhammer, Spaltkeile usw.)
Und wenn ja, wie setzt man es erfolgreich ein? (Bin schließlich Sesselpuper und kein Bergmann...)
Übrigens, vergesst die 2m hohe Wand (Ist sowieso rein Fiktiv gewesen)
LG Peter
Findus:
Hallo Schaufelartist,
ich muss nochmal Bezug nehmen zu Deinen "alles außer....." Angaben.
Also wenn Du nicht an einem Naturdenkmal oder sonstigen privaten Stellen, die mit Verboten belegt sind, herum klopfen willst, evtl. noch idealerweise eine Genehmigung vorliegt, d.h. dass Du problemlos an einer Stelle abbauen könntest, die letztendlich evtl. sowieso irgendwann mal abgebaut wird (Steinbruch???), dann würde ich Dir, obwohl ich mich hier schon einige male strikt gegen den Einsatz von Bohrern o.ä. ausgesprochen habe (in Verbindung mit Raffgier und Mineralienabbau aus rein kommerziellen Gründen!),trotzdem raten, in einen Baumarkt zu gehen und mich nach einer Akku - Hilti erkundigen. Die Leihgebühr pro Tag/Wochenende hält sich dabei meist in annehmbaren Grenzen.
Der unstrittige Vorteil dabei ist, dass Du keinen grösseren "Flurschaden" anrichten musst, sehr schnell bist, mit einem Minimum an Kraftaufwand und blauen Fingernägeln die besagten Klüfte ausbeuten kannst. Ein weiterer, sehr wichtiger Vorteil dabei ist, dass Du ganz gezielt von der Seite schräg zur Kluft hin bohren kannst und mit Spitzmeissel und wenigen Hammerschlägen die Stufen herausbrechen kannst, ohne dass die Kristalle zu sehr gestresst werden.
Grüsse,
Bernd ;)
P:s. Ich habe vor einiger Zeit auch mal in einem Steinbruch nach Mineralien gesucht und durfte nach vorheriger Nachfrage meine Hilti benutzen. Ich habe mir dazu ein Notstrom-Aggregat ausgeliehen. Ohne den Einsatz der Hilti wäre manche Stufe nicht geborgen worden, aber wie gesagt: ich hatte extra gefragt, ob ich die Hilti benutzen darf und bekam die Genehmigung dazu.
Ralf:
Nun, lassen wir mal die Bohrmaschinen und - hämmer weg, die kann man wirklich nur in den seltensten Fällen benutzen, kommts darauf an, was die Kluft beinhaltet und wie groß sie ist. Du schilderst ja ein Kluftsystem wie es meist aus sog. Fiederklüften besteht. Die darin enthaltenen Mineralien sind oft klein und empfindlich. Hier sucht man sich eine Kluftspalte aus, die am unattraktivesten wirkt und bearbeítet diese ohne Rücksicht auf den Inhalt, nur mit dem Ziel eine Angriffsfläche für die übrigen Spalten zu bekommen. Hier heißt es mit allem was man hat Platz zu schaffen. Dazu wird mit dem Vorschlaghammer vorgearbeitet, nicht zu dicht an der Kluftwand, weil sonst nur schmale Scherben abspringen, immer feste druff. Ziel ist, Risse im Gestein zu schaffen, die dann mit dem Meißel verfolgt werden. Das geht übrigens um so besser, je härter ( spröder ) das Gestein ist. Man sollte grundsätzlich von unten nach oben arbeiten. Andersrum besteht die Gefahr, das der obere Kluftteil auf den unteren fällt und alles zerdeppert.
Bei größeren Klüften sichert man den Kluftinhalt zuerst, am besten mit nassem Zeitungspapier. Moos oder Gras, zur Not die Jacke, gehen auch. Die ganze Kluft schön ausfüllen, dann geht auch nix kaputt. Auch hier kommt zuerst der dicke Hammer zum Einsatz. Wenige heftige Schläge zerstören meist weniger als viele kleine. Zusätzliche hilfreiche Werkzeuge sind Spaltkeile, Klufthaken und Brechstange. Ist die Kluft mit Lehm gefüllt, gilt es zuerst diesen zu entfernen. Zum einen findet man darin oft losgebrochene Kristalle oder Schwimmer, zum anderen muß man sich über den Kluftinhalt im klaren sein, bevor man loslegt. Dazu ist ein Holzspatel oder- löffel sehr gut geeignet. Damit kann man den Kluftlehm herauskratzen ohne im Lehm eingebettete Kristalle zu beschädigen. Gerade bei Calcit- oder Quarzklüften wird so manches schöne Stück ruiniert, wenn man mit dem Klufthaken darin herumstochert.
Die ganz genaue Vorgehensweise hängt von zu vielen Faktoren ab, um ein grundsätzliches Vorgehen zu schildern. Und, machen wir uns nix vor, in den allermeisten Fällen kommt man so 20 bis 30 cm tief, dann ist Ende ( von Kraft und/oder Zeit ).
Ganz furchtbar finde ich übrigens die Unart, zum Schluss mit der Brechstange oder dem Klufteisen in der Tiefe der Kluft herumzustochern um Kristalle abzuschlagen und herauszuputtern. Was man da rausbekommt ist fast immer Schrott und die Kluft ist zerstört. Das soll man denen lassen, die nach einem kommen und über mehr Zeit, Kraft, Erfahrung oder Möglichkeiten verfügen, den Inhalt zu bergen.
Gruß
Ralf
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