Hallo zusammen,
jetzt muss ich mich hier doch einklinken, obwohl ich eigentlich im Urlaub in Dänemark bin...
Belemnit: Nein!
Seelilienstielglieder: Nein! (Die bestehen aus Calcit-Einkristallen und zwar jedes Stielglied aus einem und das sieht man...)
Krebsbauten: Vielleicht, aber sicher nicht von
Callichurus (Wurde früher
Callianassa genannt, dieser Name ist aber ein jüngeres Synonym und ist deshalb laut den Regeln der zoologischen Benennung ungültig), da das eine rezente (das heisst heute lebend) Gattung ist.
Ok... dachte eigentlich, als ich die Dinger gesehen habe, nicht an Grabgange der Spurengattung
Thalassinoides, sondern eher an
Rosselia... Das sind senkrecht stehende Röhren, die mehr oder weniger konzentrische Kreise im Querschnitt haben (sogenannte Spreiten). Leider sieht man das an den Stücken nicht! Nur im Querschnitt links auf dem Bild kann man so was erahnen...
Jetzt da wir von Olli wissen, dass thalassinoide Gänge in der näheren Umgebung vorkommen, spricht eigentlich nichts dagegen! Spurenfossilien (auch Grabgänge) bleiben normalerweise nur erhalten, wenn sie ausgefüllt werden. Ist ja eigentlich auch logisch: Wenn ich auf einen Meeresboden weiteres Sediment draufschütte, rieselt das zwangsläufig in die Öffnungen eines Grabgangbaus ein und verfüllt ihn. Wenn der Grabgang in einem tonigen Sediment angelegt wurde und mit Sand verfüllt wurde, kann die Verfüllung besser zementieren. Das heisst, dass der Grabgang nur als Füllung übrigbleibt, wenn der Tonstein erodiert wird. Und ich denke, dass Du genau das gefunden hast...
Ein gemeinsames Auftreten der genannten Dinge (Sand, Flint, Windkanter (siehe anderer Beitrag)), ist in Quartären Ablagerungen nichts ungewöhnliches. So, wie Du den Aufschluss beschreibst, scheint es sich dabei um eine Ablagerung aus einer der letzten Eiszeiten zu handeln. Kenne mich aber in der regionalen Geologie Niedersachsens nun überhaupt nicht aus...
Ich hab nur irgendwo im Hinterhirn gehabt dass Callianassa die Aussenwand seiner Gänge mit irgendeinem Schleim verfestigt und daher auch die Röhre. Aber vielleicht gibts da auch verschiedene Variationen der Fossilisation.
Das stimmt! Es gibt tatsächlich verschiedene Typen dieser Krebsbauten... Gangsysteme, die in festen Sedimenten angelegt werden (z.B. Ton) werden
Thalassinoides genannt. Diese haben normalerweise keine besondere Wandstruktur (im rezenten manchmal tatsächlich Schleim, damit sich das Tier nicht verletzt, wenn's durchkriecht).
Erzeugt dieselbe Art ein Gangsystem in lockeren Sanden, wenn mit einem Einstürzen des Gangsystems gerechnet werden muss, erzeugt das Tier so genannte "Pellets" aus Schleim, manchmal Kot und Sand. Mit diesen Pellets baut es dann eine Art Tunnelverschalung und stabilisiert das Gangsystem. Diese Spuren nennt man
Ophiomorpha.
Wird das Gangsystem einem festen Substrat erzeugt, wo das Tier richtig fest kratzen muss, dass es die Röhren erzeugen kann, wird die Spur
Spongeliomorpha genannt. Die Kratzspuren sieht man dann stets!
(Jetzt noch ein Zusatz für die Systematiker unter Euch...: Seit dem Jahr 2000 werden alle dieser drei Spurengattungen unter dem Namen
Spongeliomorpha zusammengefasst, da die besondere Ausbildung der Wände substratabhängig ist und alle drei Ausbildungen in einander übergehen können. Michael Schlirf (Würzburg) fasste die drei Spurengattungen deshalb 2000 unter dem ältesten verfügbaren Synonym
Spongeliomorpha zusammen).
Bis dann,
Grüsse,
Lothar
P.S.: Salzsäure (übrigens sind 25% viel zu viel!!! Normalerweise testet man Calcit oder calcitischen Zement mit 3-5% Salzsäure. Wenn du höhere Prozentzahlen nimmst, schäumt jedes Karbonat!!! Habe 20% HCl bisher übrigens nur bei "Bauhaus" gesehen, steht bei Farben und Lacken...) Salzsäure-Untersuchung (sprich ob's schäumt) bringt aber nichts, da wenn nur das Bindemittel (Zement, mit dem die einzelnen Sandkörner miteinander verkitrtet sind) aus Calcit besteht, es kaum schäumt. Sollte der Sand aber aus Calcit bestehen, geht richtig die Post ab! Das lässt sich aber auch einfacher testen:
Einfach Glasflasche nehmen und mit dem Stein daran kratzen. Entstehen Kratzer, die auf der Flasche sichtbar bleiben, wenn man mit der Hand darüber reibt, handelt es sich mit grosser Wahrscheinlichkeit um Quarzsteinchen. Bei calcitischem Sand bleiben keine Kratzer auf der Flasche zurück.