Re: Neues Berggeschrei - Oder: Die Risiken der Bergbaubetriebe
Hallo, habe den Mega-Thread gelesen und wollte Euch meine Meinung als Sammler aber auch als Investor zum neuen Berggeschrei mitteilen.
Allgemein betrachtet gibt es Projekte und Lagerstätten noch reichlich in der Welt, in Deutschland und auch im Erzgebirge, nur Bergbau auf Kosten des Staates wird es in Zukunft keinen mehr geben in Deutschland.
Es mag sein dass für die Erschließung mancher Lagerstätte Subventionen seitens der EU oder spezieller Regionalförderprogramme bewilligt werden, dies wird aber nur einen kleinen Teil zur Erschließung neuer Rohstoffvorkommen beitragen.
Das alleinige Risiko jeder bergbaulichen Unternehmung liegt somit bei den Bergbaufirmen selbst. Und wenn man diese Fakten und Risiken im Einzelnen betrachtet wird man verstehen weshalb die Unternehmen bei der Erschließung neuer Vorkommen immer noch zurückhaltend sind.
Problematisch ist schon die Bewertung eine Lagerstätte. Prinzipiell können tausende oder Millionen von Tonnen eines Rohstoffes in einer Lagerstätte liegen, wertvoll ist der Rohstoff nur wenn nach der Förderung ein Gewinn für das Bergbauunternehmen herausspringt.
Über diesen Gewinn müssen aber nicht nur die Kosten zur Unterhaltung des Bergbaubetriebes, sondern auch Kosten aus dem Vorfeld des Betriebes, namentlich die Kosten der Rohstofferkundung, Lizenzkosten und Kosten zur Umweltverträglichkeitsprüfung finanziert werden.
Kleines Beispiel, was dabei alles „schief“ gehen kann: Die Harz-Minerals GmbH:
Die Harz Minerals GmbH besitzt eine Lizenz zur Erkundung des gesamten Westharzes.
Mittels TEM Erkundung wurde hier im Mai 2008 eine neue Gosetalanomalie am Rammelsberg bei Goslar südwestlich des UNESCO Weltkulturerbes Grube Rammelsberg aufgefunden.
Mann interpretierte aus diesen Daten ein „drittes“ Lager der berühmten SEDEX-Multimetallagerstätte.
Ein Bohrprogramm im Jahre 2009 erbrachte jedoch nur Kosten in Höhe von ca. 8 Mill.Euro jedoch keine neue Lagerstätte. Jetzt braucht man frisches Geld um tiefere Bohrungen zu finanzieren. Siehe Story:
http://www.scandinavian-highlands.com/media/1809/harz_minerals_gmbh_-_matinee_january_2010_-_deutsch.pdfhttp://forum.untertage.com/viewtopic.php?f=1&t=4332Weitere Risiken sind bekanntermaßen geologischer Schwierigkeiten bei Auffahrung und/oder Betrieb/Abbau der Lagerstätte oder auch natürliche Einflüsse wie aktuell die Flut in Queensland/Australien. Diese können Unternehmungen ebenfalls an den Rand der Existenzfähigkeit bringen.
Am extremsten und kritischsten ist aber der Faktor welchen schwankende Rohstoffpreise auf den Bergbau ausüben. Große Globalplayer wie BHP Billiton, Rio Tinto, XSTRATA etc. können einzelne Minen bei fallenden Preisen stilllegen, kleinere Betriebe gehen gnadenlos in Konkurs.
Als Beispiel gilt hierfür das Leichardt Kupferprojekt in Australien. Die vorherrschende Kupfervererzung von nur 0,5 Masseprozent hielt man bei Kupferpreisen vom 8000 $/Tonne und einem Lagerstättenvolumen von 8,8 Mill.T. Kupfer als rentabel. 2007 eröffnete die Firma Matrix-Minerals einen Tagebau sowie eine Verarbeitung für 5500 Tonne Kupfer/Jahr. 2008 musste die Firma aufgrund der durch die Finanzkrise verursachten fallenden Rohstoffpreise den Betrieb wieder einstellen. Matrix Minerals ging in Konkurs, die Lagerstätte wurde von Cape Lambert aus der Konkursmasse übernommen und ist bis heute nicht wieder in Betrieb.
Als letztes Risiko ergibt sich das Problem übermotivierter Umweltaktivisten. Dieses Problem ist ja in Deutschland leider vorherrschend, auch wenn die Wetterunbilden aufholen. Eine Umweltklage und der Bergbaubetrieb steht, die Kosten der Finanzierung und die Betriebskosten laufen jedoch weiter.
Aufgrund dieses letztgenannten Risikos ist es für mich auch verständlich, wenn vor Ort neuer Bergbauunternehmen (z.B. Niederschlag) Fotoverbot herrscht und die Bereiche generell weitläufig gegen Aktivisten und andere „Eindringlinge“ - leider auch Sammler - abgesperrt werden.
Prinzipiell werden sich also die Fundmöglichkeiten im sächsischen Bergbau weiterhin verschlechtern.
Ein - vielleicht nicht ganz ernst gemeinter - Vorschlag meinerseits: Einfach diesen Negativtrend umgehen und Aktien der Bergbauunternehmen kaufen !
Wenn Rohstoffpreise an den Weltmärkten aufgrund der Nachfrage weiter steigen und die Bergbaubetriebe große Gewinne einfahren werden auch die Aktien dieser Unternehmen kräftig zulegen.
Dann ist die Zeit gekommen Mineralienstufen von den Gewinnen einfach am Mineralienmarkt zu erwerben !
Glück Auf.
Uwe.