Fossilien / Fossils / Fósiles > Spurenfossilien (Ichnofossilien) / Trace fossils
Thüringen: unterer Muschelkalk - Fossil? / Rhizocorallium, Trias
Conny3:
Hallo Moni,
jenense (nach Jena) nur, wenn es im Röt vokommt und das Aussehen wie auf dem Bild zu sehen, hat. Alles andere, ob mit einer oder mehreren Spuren ist, wenn es nicht im Röt vorkommt (kommt nur in einer speziellen Bank auf der Unterseite vor) nicht jenense. Das ist dann auch Rhizocorallium aber eben alles andere (Comune,....) nur nicht Jenense.
Gruß Conny
Loddah:
Hallo Conny,
Kann ja verstehen, dass Dein Herz als Jenaer an dem Fossil Rhizocorallium jenense hängt...
ABER:
Spurenfossilien dürfen nicht wie Körperfossilien behandelt werden!!! Das bedeutet:
Spurenfossilien werden nach ihrem Aussehen und der etholgischen Interpretation benannt (Ethologie bedeutet: Je nachdem, was ein Organismus gerade macht, erzeugt er eine bestimmte Spur: Wohnen, Fressen, und das Gegenteil, sich fortbewegen usw...)
Spurenfossilien sind deshalb an keine stratigraphischen Einheiten gebunden. Wenn etwas gleich aussieht, bekommt es denselben Namen, ganz egal, ob es im Kambrium vorkommt oder rezent. Chondrites ist so ein Beispiel. Die Spur kommt im Kambrium (möglicherweise sogar schon im Präkambrium) bis heute durch die ganze Erdgeschichte hindurch vor. Es ist absolut unwahrscheinlich, dass es ein Lebewesen gibt und/oder gab, das seit über 550 Millionen Jahren auf der Erde wohnt und sich nicht verändert hat! Deshalb heißt ein wichtiger Leitspruch in der Ichnologie auch:
Eine Spur kann von mehreren verschiedenen Organismen erzeugt werden, so lange sich die Organismen ähnlich sehen und dieselbe Lebensweise besitzen. (z.B. südamerikanischer Kolibri und afrikanischer Nektarvogel: gleiche Lebensweise, gleiches Aussehen, aber überhaupt nicht miteinander verwandt! Weiteres Beispiel: Ichthyosaurier, Delphin und Pinguin (gleiches Ausshen, gleiche Lebensweise, nicht miteinander verwandt)
Anders herum geht's aber auch: Ein einzelner Organismus kann unterschiedliche Spuren erzeugen, es kommt nur darauf an, was er gerade tut. So kennt man zum Beispiel Fressspuren, Schreit- und Schwimmfährten von Trilobiten (Rusophycus (die sogenannten "Bilobiten" = Fressspur), Cruziana (= Schreitspur) und Monomorphichnus bzw. Dimorphichnus (="Schwimmspur") Drei Taxa erzeugt durch nur eine einzige Att, bzw. sogar nur durch ein einzigesTier!
Rhizocorallium jenense gibt es deshalb nicht nur im Röt (für Moni: "oberster Buntsandstein") und schon gar nicht nur in der Umgebung von Jena, sondern zum Beispiel auch im Nusplinger Plattenkalk (Oberes Kimmeridge = Oberjura) der westlichen Schwäbischen Alb.
@ Moni:
Die Spur, die Du hast ist eindeutig Rhizocorallium jenense.
Der Namen Rhizocorallium commune darf nicht verwendet werden, da der Erstautor sich nicht an die Regeln (International Code of Zoological Nomenclature, ICZN) für das Erstellen einer neuen Art gehalten hat. Im ICZN ist ausdrücklich geregelt, was man machen muss, wenn man eine neue Art beschreibt. Unter anderm dies hier:
1.) Typuslokalität angeben.
2.) Typische Schicht angeben, in der das (Spuren)fossil gefunden werden kann.
3.) Typen benennen (Holotyp, das ist das (Spuren)fossil, auf das sich die neue Art gründet. Es muss alle wichtigen Merkmale der neuen Art besitzen) und Paratypen, das sind alle anderen (Spuren)fossilien, die mit dem Holotyp aus derselben Lokalität und derselben Fundschicht stammen und dem Erstbeschreiber vorgelegen haben. Anschließend muss man eine genaue Beschreibung des Holotyps und der Art geben.
4.) Das ganze Zeugs abbilden.
5.) Vergleiche zu bereits bestehenden Arten diskutieren und die Unterschiede herausstellen.
6.) Das ganze Typusmaterial sollte dann noch in einer öffentlichen Sammlung hinterlegt sein.
Wenn etwas davon nicht befolgt wird, ist ein vergebener Name ungültig, da er wissenschaftlich nicht nachvollziehbar ist! Es muss auch in hundert Jahren noch möglich sein, die Typen zu untersuchen! Deshalb hat man diese Regeln erstellt.
"Rhizocorallium commune" wurde übrigens vor kurzem von Michael Schlirf in seiner Dissertation (2005; Uni Würzburg, dort auch als Download) neu beschrieben unter dem vorläufigen Namen Ilmenichnus new ichnospecies 2
Wenn Du die Unterscheidung machen willst, wie in Deinem letzten Beitrag, dann so:
1. nach ZENKER: ein horizontaler U-Bogen, der viele kleine u-förmige Rillen (das ist die sog. "Spreite") zwischen den Schenkeln des Us hat,
2. nach SCHMID: mehrere durch eine Röhre verbundene U-Bogen, wiederum mit vielen kleineren Us zwischen den einzelnen Schenkeln... Dieser Name ist aber nach wie vor ungültig!
Hoffentlich hat's jetzt jeder verstanden... Falls nicht, einfach nochmals melden und ich erklärs nochmal... ;D
Grüße,
Lothar
Conny3:
Hallo Lothar,
ja, dann wird es eben so sein. Für mich ist das trotzdem das Spurenfossil von Jena. :D Ich bin da ja auch nicht so der Spezialist, weil ich das alles nur so aus Hobby betreibe.
Herzliche Grüße
Der Conny
Coen:
Hm das ist ja mal sehr aufschlussreich gewesen, Lothar. Mal ein Dankeschön von meiner Seite. Jetzt bin ich wieder ein Pfund schlauer.
Demnach ist das hier
-> Klick mich ich bin ein Link
auch als Rhizocorallium jenense zu deuten? Dann kann ich da endlich mal eine Artbezeichnung dran setzen ;-)
Moni:
Hallo Conny,
mit “Röt” meinst Du die Salinarröt- bzw. Pelitröt-Folge des oberen Bundsandsteines? Soll im NW-Thüringen ca. 75-82m Mächtigkeit haben, bestehend aus Mergel,-Ton- und Schluffsteinen mit Anhydrit- und Dolomiteinlagerungen, wenige sandige Schichten sowie auch Steinsalz.
Wie passt das denn zeitlich zum unteren Muschelkalk? -dazwischen läge noch die Myophorien-Folge des oberen Bundsandsteines. Oder liegt eine Diskordanz vor?
Andere Variante wäre natürlich, daß die Lebenspuren in allen genannten geologischen Zeiträumen vorkommen (nicht unlogisch), aber dann frage ich mich, warum ich nur Muschelkalk erspäht habe.
Oder liege ich jetzt total daneben?
@ alle: Es freut mich übrigens sehr, daß Ihr Euch so intensiv an der Diskussion beteiligt; jedoch: Eure Texte verwirren mich :o - ich glaube ich muß auf Literaturbeschaffung gehen, damit ich mir alle Argumente mal auf der Zunge zergehen lassen kann ....
Gruß Moni
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
[*] Vorherige Sete
Zur normalen Ansicht wechseln