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Ein paar Fragen

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Casimir:
Hallo ich bin neu hier und studiere Geologie im Nebenfach, diese Seite ist sehr informativ
..aber ich habe 2-3 Fragen die ich nicht lösen konnte.
Vielleicht kann mir jemand weiterhelfen.

1.Bei Perthiten gibt es doch einen Wirtskristall und einen Gast oder?
   Welcher ist denn der Wirtskristall und der Gast?
2. Wodurch unterscheiden sich Rosenquarz und Coesit...außer durch die Farbe?
3.Kann mir jemand die Koordinationszahlen von Stishovit und Coesit nennen?


Vielen Dank
Casimir

smoeller:
Hallo,

Willkommen hier im Forum.
Ich studiere Mineralogie im 11. Semester.

Zu deinen Fragen:
1) Perthite sind "Verwachsungen" von Kalifeldspat (Kfs) und Plagioklas (Pl), wobei der Pl ein Na-reiches Glied (Ca < 30 %).Kfs + Anorthit (Ca-Pl) ist nicht mischbar. Bei hohen Temperaturen sind Kfs und Pl vollständig mischbar. Es entstehen Hochtemperaturmischkristalle. Bei weiterer Abkühlung sinkt die Mischbarkeit von Kfs und Pl, man erreicht einen Bereich, in dem zwei Feldspäte nebeneinander auftreten. Dazwischen liegt eine Mischungslücke, der Solvus. Ein Mischkristall, der z.B. 40 % Pl-Komponente enthält, zerfällt in einen Wirtskristall (in diesem Falle Kfs) und eine entmischte Phase (in diesem Falle Pl). Bei den Perthiten ist der Wirt Kfs, die Lamellen Pl. Das erhält man bei Hochtemperatur-Mischkristallen mit über 50 % Kfs-Komponente. Den umgekehrten Fall (Na-Pl mit Kfs-Lamellen) nennt man Antiperthit.

2) Coesit ist eine Hochdruckmodifikation von SiO2. An der Erdoberfläche ist der Coesit nur metastabil erhalten und dies nur, wenn er in Minerale eingeschlossen ist, die den Druck konservieren. Man findet Coesit nur an wenigen Orten der Welt, so im Meteoritenkrater Nördlinger Ries (Impaktmetamorphose) und in Granaten vom Dora Maira-Massiv in Italien (Versenkung von Kruste bis in 120 km Tiefe).
Coesit kristallisiert im Gegensatz zum trigonalen und unter Oberflächenbedingungen stabilen Tief-Quarz (Rosenquarz ist letztlich ein durch Spuren von Mn oder Ti-Mineralen rosa gefärbter Tief-Quarz) monoklin. Also Coesit monoklin und Tief-Quarz trigonal. Außerdem ist die Dichte von Coesit (3,01 g/cm3) höher als die von Quarz (2,65).

3) Bei Coesit und beim Stishovit ist ein Si von 4 O tetraedrisch umgeben.  Die Verknüpfung der Tetraeder ist aber eine andere.

Glück Auf!
Smoeller

uwe:
Hallo Ihr beiden,

Ich bin zwar kein Mineralogiestudent, finde aber derartige Beiträfe sehr interessant. Etwas ist mir jedoch unklar. Coesit ist monokliner Quarz, der unter hohem Druck entsteht. Was ist nun eigentlich metastabil. Bedeutet das, der Coesit kistallisiert um wenn er an die Erdoberfläche in den Bereich des Athmosphärendruckes kommt ?

Ich kann mir das nicht so recht vorstellen, den SiO2 ist für mich etwas recht stabiles, bei dem die Atome bzw. Moleküle sich bei "Normaltemperatur" nicht so schnell verschieben. Also müßte doch Coesit irgendwo herumliegen, oder ? Läßt sich Coesit optisch von Tiefquarz unterscheiden ? Tiefquarz und Hochtemperaturquarz bilden ja unterschiedlich ausgebildete Kristalle.

Sind bei Coesit jedem Siliziumatom vier Sauerstoffatome zugeordnet oder bilden die Sauerstoffatome des benachbarten Quarzmoleküls die Tetraederform ?

OK, das Forum ersetzt kein Mineralogiestudium, aber interessant wäre die Antwort auf meine Fragen schon.

Glück Auf
Uwe

aca:
Hallo,

Wenn ich das richtig sehe, sind die Koordinationszahlen folgende:
Coestit: 4
Stishovit: 6  (oktaedrisch)

Stishovit ist die einzig bekannte terrestrische SiO2-Modifikation mit der Koordinationszahl 6.
Es gibt noch Seifertit (Härte > 8, orthorhombisch), aber den kennt man meines Wissens nur aus Mars-Meteoriten.


Titan spielt bei der Farbe von Rosenquarz eventuell eine Rolle, jedoch nicht in Form
von Rutil, sondern als Spurenelement in einem faserigen eingeschlossenen Mineral,
das mit Dumortierit fast identisch ist. Es wird vermutet, dass es sich um ein
Fe2+-Ti4+ Farbzentrum handelt, das oxidationsempfindlich ist.

Den entsprechenden Artikel zur Farbe von Rosenquarz von Goreva et al. findet
man auch im Internet:
www.minsocam.org/MSA/AmMin/TOC/Articles_Free/2001/Goreva_p466-472_01.pdf

Gruss
Amir

Erik:
Hallo Uwe,


--- Zitat ---Was ist nun eigentlich metastabil. Bedeutet das, der Coesit kistallisiert um wenn er an die Erdoberfläche in den Bereich des Athmosphärendruckes kommt ?
--- Ende Zitat ---
Ja, im Prinzip ist das eine retrograde Metamorphose - bei nachlassenden Drücken wandelt sich Coesit wieder in Quarz um. Der Unterschied zwischen Coesit und "normalem" Quarz liegt eigentlich nur in der Verknüpfung der SiO - Tetraeder, die Koordination der Atome bleibt gleich: Beim Quarz sind die SiO - Tetraeder zu Sechserringen verknüpft, bei Coesit zu Viererringen. Dadurch besitzt der Coesit natürlich auch ein geringeres Volumen - man kann das bei Coesiteinschlüsse in Granaten aus Ultrahochdruckgesteinen (Eklogiten oä) beobachten: Durch die Volumenzunahme bei der Umwandlung in Quarz wird der Granat regelrecht gesprengt..

Siehe http://www-geol.unine.ch/Petrology/pic%20new/Coesit.jpg (Dünnschliff, das Korn in der Mitte ist "Meta-Coesit")

Optisch gibt es da aber keinen Unterschied.

Gruß, Erik

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