Vermischtes / Miscellaneous / Varios > Dies und Das / this and that

Lapis Juni 2006 - Amazonit und Farbe

<< < (4/4)

smoeller:
Hallo,

Ich glaube auch nicht, dass man so schnell eine Einigung über den Namen Amazonit bekommt.
Das liegt zum einen sicher an der Tatsache, dass sich Wissenschaftler aus unterschiedlichen Fachbereichen und unterschiedlichen Richtungen/Schulen innerhalb eines Faches meist spinnefeind sind. Dies will ich hier aber nicht vertiefen.
Zum anderen liegt es sicher auch daran, dass die Sache Mikroklin/Orthoklas nicht gerade einfach ist. Es gibt nämlich keinen vollständig triklinen Mikroklin mit einem Ordnungsparameter von 1 (sog. Maximum-Mikroklin). Vielmehr sind auch alle natürlichen Mikrokline eigentlich lamellar aus triklinen und monoklinen(= Sanidin) Domänen aufgebaut.
Orthoklase bestehen aus überwiegend monoklinen Domänen (Sanidin) mit beginnender Ordnung zu triklinem Mikroklin (Maximum-M.).
So stellt sich überhaupt die Frage, ob nicht alle Kalifeldspäte eigentlich Verwachsungen zwischen einem (reliktisch bzw. metastabil) erhaltenen Sanidin (Hochtemperatur-Kfs) und einem nicht realisierten theoretischen triklinen Tieftemperatur-Kfs (Maximum-Mikroklin) sind.
Allein die hierzu nötigen thermodynamischen Berechnungen sind aufwändig und umfangreich. Ein Ordnungsparameter in diesem Sinne ist die Entropie, die von Sanidin zu Mikroklin zunimmt (mit steigender Ordnung).
Ist schon die Messung dieser kleinen Effekte (meist < 100 J/mol) kompliziert, so ist die Messung von Fehlstelleneffekten außerordentlich schwierig. Spezielle Elektrowaagen liefern zwar heute Massenunterschiede auf der 7-10 Nachkommastelle, nur ist hier auch der Fehler entsprechend. Die Massedifferenz (entspricht Gewichtsunterschied) von Fehlstellenarmem Orthoklas und Amazonit mit Fehlstellen beträgt millionstel Gramm. Auch die thermodynamische und kinetische Beschreibung von Fehlstelleneffekten ist kompliziert und Bestandteil von Spezialvorlesungen.

Jeder Wissenschaftler, der eine Lösung gefunden zu haben glaubt, wird garantiert hinterher von einer ganzen Reihe anderer Wissenschaftler widerlegt, die den beobachteten Effekt (z.B. das Blei im Amazonit) nicht gefunden haben, dafür aber was anderes.

Dies alles nur, um einen Überblick über die Probleme bei der Messung solcher Effekte und der Bestimmung der Ursachen zu geben. 

Glück Auf!
Smoeller

Navigation

[0] Themen-Index

[*] Vorherige Sete

Zur normalen Ansicht wechseln