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Lapis Juni 2006 - Amazonit und Farbe

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berthold:
Hallo Peter,

jetzt streue ich noch etwas Salz auf die Wunde:

In dem Lexikon-Artikel lese ich:


--- Zitat ---Amazonit ist ein grün, blau oder blaugrün gefärbter Kalifeldspat, bzw. Mikroklin oder Orthoklas; ein kaliumhaltiges Aluminium-Silikat
--- Ende Zitat ---

Du schreibst aber hier


--- Zitat ---Selbst die sehr leicht rosafarbenen Feldspäte aus Kenticha in Äthiopien sind Amazonite.
--- Ende Zitat ---

...das passt schon mal nicht zusammen.

O.k. ich gehe einig, dass wir die Definition nicht an der Farbe festmachen (wie gesagt, für mich ist die Farbursache entscheidend). Eine Varietät kann aber keinesfalls keine zwei Väter haben, sprich Amazonit ist eine Varietät von Mikroklin ODER von Orthoklas. Grenzwertig ist die Benennung Orthoklas-(Amazonit) oder Mikroklin-(Amazonit) - da könnte ich noch mit leben.


--- Zitat ---Insoweit verliert der Name Amazonit als Farbvariante von Mikroklin seine Bedeutung.
--- Ende Zitat ---

Durch Benennung eines anderen Minerals mit dem gleichen Varietäts-Namen  :o ? Nee, dann sage ich jetzt zum violetten Flußspat von Wölsendorf auch Amethyst...

Du schreibst meine Definition (Forderung der von mir zitierten Autoren) sei ersetzt. Durch welche Definition bitte? (ich habe nicht alle von Dir zitierten Arbeiten aber die Definition würde mich brennend interessieren)

Gruß

Berthold

Stefan:
Die Frage die sich für mich stellt ob eine Varietät insbesondere "Amazonit" eindeutig defniert ist.

Der Begriff Honigspat ist auch eine Varietät und kann regional 2 völlig unterschiedliche Mineralien (Fluorit und Baryt) bezeichnen. Hier ist die Erscheinung ausschlaggebend.

Wie trefflich nun die Feldspat Varietät sich auf Orthoklas oder Mikroklin festlegen lässt ist für mich nach wie vor offen.

Wenn es nicht die Farbe ist, nicht der Bleigehalt, nicht das Mineral sond. max. die Mineralgruppe, was zeichnet dann Amazonit aus?

Gruß Stefan

berthold:
Hallo Stefan,

Honigspat ist tatsächlich eine lokale Bezeichnung - im Gegensatz zu Amazonit. Das kommt daher, dass man in früheren Zeiten den Sammelbegriff "Spat" für alle spatigen Mineralien verwendet hat. Deswegen kein gutes Beispiel.


--- Zitat ---Wenn es nicht die Farbe ist, nicht der Bleigehalt, nicht das Mineral sond. max. die Mineralgruppe, was zeichnet dann Amazonit aus?
--- Ende Zitat ---

genau das frage ich mich auch.  ;) Und solange ich keine bessere Definition habe bleibe ich bei der (von mir zitierten) durch Pb grün gefärbter Mikroklin.

Gruß

Berthold

Stefan:
Ich denke, wenn man den Artikel im Lexikon genau durchliest, die Ursache der Farbgebung primär in der Strahlung zu finden ist.

Blei könnte dabei einen Katalysatoreffekt haben, der aber nicht als alleiniges farbgebendes Element benannt werden kann. größere Bleikonzentrationen könnten zwar zu intensiverer Farbe bei geringerer Bestrahlungsdosis führen, sind aber nicht unbedingt notwendig. Heißt Blei kann hilfreich sein, aber die Strahlungsdosis ist entscheidend.

Das wäre was ich Schlussfolgern würde.

Gruß Stefan

Collector:

@Stefan

Deine Frage trifft den Nagel auf den Kopf - besonders, wenn ich mir die Analyse des sehr farbintensiven Florissant-Amazonit ohne nachweisbaren Bleigehalt ansehe.

Eine bis vor kurzem gültige Definition für Amazonit stammt von Petrov et.al. (1993)

Im Jahr 1993 schrieben Petrov et.al. :

"Strahlungs-induzierte, stabile (Pb-Pb)3+ Paare, welche die typische blaugrüne Farbe erzeugen, wurden nur in Amazonit-Typ Mikroklin gefunden. In anderer ähnlich gefärbten K- und Na-feldspäten sind solche Zentren nicht bekannt. Aus diesem Grunde sollte der Name Amazonit auf den klassischen, geordneten Mikroklin mit blaugrüner Farbe und mit (PbPB)3+-Paaren als Chromophore limitiert werden.

Desweiteren: Wenn durch wechelwirkende EPR und OA-messungen Amazonit-Typ (Pb-PB)3+-Zentren in anderen als den klassischen Amazoniten nachgewiesen werden, verliert der Name Amazonit seine Bedeutung.

Inwieweit dies auf den bleifreien Amazonit von Florissant zutrifft, beschreibt Petrov leider nicht. Aber - nobody is perfect.

So schön - so gut -  im Jahre 1993

Im Jahr 2000 beschrieben die im Literaturverzeichnis erwähnten japanischen Wissenschaftler tautm. (Pb-Pb)3+ im mitels EPMA und XPS (ESCA) untersuchten grünen Orthoklas von Broken Hill, welchen sie - wie anders - auch konsequent als " Green orthoclase (Amazonite) "  bezeichnen.

Damit wäre - das ist lediglich mein Verständnis - die o.a. "Forderung" von Petrov et. al. erfüllt.

Ich gehe davon aus, daß sich der seit über 100 Jahren eingebürgerte Name Amazonit für die blaugrüne oder grünblaue Farbvarietät von Mikroklin halten wird, auch wenn manche Autoren von Mikroklin-Amazonit, Orthoklas (Amazonit), Amazonit-Typ Mikroklin oder Amazonit-Typ  Orthoklas sprechen.

Daß es gebliche, graue und farblose Amazonite gibt, na ja, das wußte ich auch bisher nicht. Und daß es - im Gegensatz zur hinlänglichen Annahme - auch Amazonite ohne Blei gibt, war auch mir fremd.

Ich betrachte das Ganze als eine Transitions (Übergangs-)-Phase innerhalb der wissenschaftlichen Diskussionen. Und - inwieweit, wie von Frank erwähnt, Störstellen für die Farbgebung verantwortlich sein können, haben wir ja noch garnicht betrachtet.

Mit dem Amazonit-Artikel wollte ich keine Bombe werfen, sondern lediglich den bekannten aktuellen Stand zum Thema Amazonit erhellen. In diesem Artikel stehen keinerlei persönliche Meinungen, sondern nur Fakten, welche in geschriebener Form vorliegen ( außer auf der Hand liegenden Schlussfolgerungen )

Das einzige persönliche Anliegen, diesen Artikel zu schreiben war, daß ich nicht ohne weiteres althergebrachte Auffassungen und Meinungen akzeptiere, wie z.Bsp., daß die Farbe vom Bleigehalt abhängt. Da hat man ja wohl schon einiges mehr herausgefunden.
Es würde auch nicht erklären und wäre kaum plausibel, warum mein (abgebildeter) monokliner Orthoklas-Amazonit aus Broken Hill immer mehr seine smaragdgrüne Farbe intensiviert, je länger ich ihn ins Sonnenlicht lege und warum ein mehr als 2 Stunden über 500 Grad erhitzter blaugrüner Amazonit aus Brasilien auf einmal graubraun wird.

Mein Fazit

Für mich selbst ( und ich glaube, für jeden Sammler) bleibt Amazonit die grünlichblaue Varietät von Mikroklin, solange ich keinen Nachweis habe, daß es sich um Orthoklas-Amazonit handelt. (was ja mittlerweile durch spektroskopische Untersuchung möglich ist).

Und wenn ich dann einen Orthoklas-Amazonit habe, na Gott der Gerechte: Dann habe ich eben einen Orthoklas-Amazonit. What`s wrong about it ? (ähnliches Umdenken war ja auch jüngst bei der Umbenennung diverser Zeolithe erforderlich, indem bisher althergebrachte Namen eines allseits bekannten Minerals auf einmal - aufgrund minimalster Abweichungen im Chemismus (K,N, Ca) - zu drei neuen Mineralien mit eigenständigen Namen wurden.)


@Berthold

Das war - bei mir - überhaupt kein Salz auf die Wunde. (Zitat) .

Lieber Berthold, Du mußt Deinen violetten Fluorit nicht unbedingt Amethyst nennen.
Amethyst ist Quarz und kein Fluorit. Orthoklas-Amazonit und Mikroklin-Amazonit sind beides Feldspäte - was hat das mit Deinem Fluorit-Analogon zu tun ?

Auch wenns schwer fällt: Wir ( und wohl auch Prof. Petrov) werden uns wohl über lang an die neuen Definitionen gewöhnen müssen, nämlich daß es Mikroklin-Amazonite, Orthoklas-Amazonite sowie - ganz neu - auch  Albit-Amazonite und selbst Plagioklas-Amazonite gibt.

Im übrigen : Habe heute morgen - zum besseren Verständnis - noch einige Erläuterungen zur Definition von Amazoniten (Plural) im Artikel untergebracht, auch einige zusätzliche Fundstellen für Orthoklas-Amazonit angeführt.

gruß ins Wochenende und 4:2 für Deutschland.

collector


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