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Autor Thema: Schlacke? / incl. Disk. zu Neuenbürger Revier u. keltischer Fe-Verhüttung  (Gelesen 11068 mal)

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Offline Helicat135

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Hi!

bei unserer ersten Frühlingspflanzung am Montag habe ich ein Faustgroßes Stück schwarze Schlacke gefunden. Ich muss die erst noch reinigen und fotografieren. Also ich nehme einfach stark an, dass es Schlacke ist. Ist ein blasiges, schweres und scharfkantiges Ding. Nun die eigentliche Frage: wir haben unsere Felder in einem ehemaligen Keltischen Siedlungsgebiet. Könnte die Schlacke aus der Zeit stammen? Wie erkenne ich das?
Habe letztes Jahr auch einen ganz komisch geformten Eisenbollen gefunden - diesmal eventuell kein Tracktorteil - wie sonst immer. Es hat irgendwie die Form eines "Engels" mir ganz arg viel fanthasie. Kann das aus der gleichen Epoche sein? Habe schon auf einen Tektit gehofft aber es hat keine Schmelzkruste.

Offline smoeller

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Re: Schlacke?
« Antwort #1 am: 13 Mar 08, 23:19 »
Hallo,

Kann gut sein. Es gab mal eine Untersuchung über keltische Eisenverhüttung in der Gegend. Habe mal an der Uni einen Vortrag gehört zu dem Thema.

In Joldelund (Schleswig-Holstein) habe ich auch schon des öfteren Eisenschlacken aus der Eisenzeit gefunden, mal 9 Eimer aus einem Feld. Ist also nicht unwahrscheinlich.

Eisenerz kam unter anderem aus Neuenbürg bei Pforzheim. Dort weisen ein Wanderweg/Lehrpfad und ein Schaubergwerk auf den jahrtausendalten Bergbau hin. Limonit-Glaskopf ist dort heute noch reichlich zu finden.

Glück Auf!
Smoeller

Offline Helicat135

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Re: Schlacke?
« Antwort #2 am: 14 Mar 08, 13:08 »
Danke.

dann fahre ich doch mal hin nach Neuenbürg. Ist ja gar nicht soweit weg.

Wie erkenne ich ob es Eisenschlacke ist? Ich habe heute noch ein anderes Stück gefunden mit einer deutlichen Schmelzkruste. Sieht eher aus Wie Glas.

Bei uns um die Ecke, in Hochdorf, gibt es ein Keltenmuseum - vielleicht gehe ich da mal hin. So wie mein Eisenbollen aussieht könnte das irgendwie übergelaufen und abgeschlagen wurden sein. Ein Schlepperteil ist es deffinitiv nicht - die finden wir sonst immer im Feld..

Offline smoeller

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Re: Schlacke?
« Antwort #3 am: 14 Mar 08, 13:25 »
Hallo,

Es gibt neben kristallinen Schlacken mit vorwiegend Fayalit (Fe2SiO4), Magnetit(Fe3O4) und Wüstit (FeO) auch glasartige Schlacken aus frühgschichtlichen Schmelzen. Hatte die in Joldelund auch öfters gefunden. Ca. 20 % sind Glasschlacken.

In Neuenbürg schau mal vor dem oberen Stollen des Schaubergwerks, da liegt einiges an Limonit und Baryt.

Glück Auf!
Smoeller

Offline joungster23

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Re: Schlacke?
« Antwort #4 am: 20 Mar 08, 20:52 »
Zum Eisen...:       Könnte es die Engels Form haben weil es aus einem Schmelzofen stammt und so aus geschmolzen wurde...?   (Erster Durchgang)

Offline Gerdchen

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Re: Schlacke?
« Antwort #5 am: 20 Mar 08, 21:31 »
Hallo,

Wenn es wie vermutet aus der Zeit der Kelten stammt, ist es mit Sicherheit kein ausgeschmolzenes Eisen, da das Erz in Rennöfen verhüttet wurde. In diesen Rennöfen fand sich das "Eisen" als so genannte Luppe (Form eines ziemlich schwammigen Brotlaibs). Das Eisen lief niemals aus dem Ofen. Dafür reichte schon die Ofentemperatur nicht aus.
Gruß
Gerdchen

Offline Reinhold

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Re: Schlacke?
« Antwort #6 am: 12 Nov 12, 17:05 »
Hallo Gerdchen,
wärme nochmal ein altes Thema auf. Wir ( KA und PF) haben uns in letzter Zeit mit dem Neuenbürger Bergbaurevier beschäftigt und dabei auch keltische Schlacke gefunden. Sie kann an mehreren Stellen um Neuenbürg gefunden werden. Der Eisenanteil schwankt beträchtlich und bei stark eisenhaltigen Stücken kann das auch mit einem Magnet festgestellt werden. Die Schlacken sind aber nicht selbst magnetisch. Magnetit kommt meines Wissens im Neuenbürger Berbaurevier nirgends vor.
Solltest du Interesse an solchem Material haben, so kann ich dir gerne was zukommen lassen.
Glück Auf
Reinhold

Offline Uwe Kolitsch

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Re: Schlacke?
« Antwort #7 am: 12 Nov 12, 20:11 »
"Die Schlacken sind aber nicht selbst magnetisch."

Üblicherweise sind in solchen Eisenschlacken auch Magnetit und/oder Wüstit (beide magnetisch) enthalten.

Offline Schlacke

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Re: Schlacke?
« Antwort #8 am: 13 Nov 12, 09:20 »

Hi,

schaut euch mal die Ausgrabungs-Berichte in den "Archäologischen Ausgrabungen in Baden-Württemberg", von 1995-2010 an.  Darin wird die Rennfeuerverhüttung dargestellt, Schlackenvorkommen usw. Das Neuenbürger Revier mit seinen über 66 bekannten Erzgängen (nach Metz) ist bisher die einzige Eisengewinnung der Keltenzeit, nördlich der Alpen.

Glückauf!

Schlacke

Offline helgesteen

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Re: Schlacke?
« Antwort #9 am: 13 Nov 12, 21:22 »
Hallo Elmar,

Das Neuenbürger Revier mit seinen über 66 bekannten Erzgängen (nach Metz) ist bisher die einzige Eisengewinnung der Keltenzeit, nördlich der Alpen.

bist Du Dir da ganz sicher? Ich meine, kürzlich gelesen zu haben, dass bei Kandern keltische Eisengewinnung belegt ist.

Viele Grüße,
Helge

Offline Manfred Früchtl

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Re: Schlacke?
« Antwort #10 am: 13 Nov 12, 23:05 »
Hallo Schlacke
Die Kelten waren weit in Europa verbreitet. In den Alpen, im Süddeutschen Raum, Frankreich, Irland und England usw.
Sie haben überall Metalle verhüttet, Gold Eisen Silber Blei Kupfer. Es gibt viele archäologische Nachweise über Eisenverhüttung nördlich der Alpen, im Alpenraum selbst, in Manching, in Ingolstadt usw.
Aber ein Schlackenfund auf einem Acker muss noch lange nicht keltisch sein, es gibt auch frühmittelalterliche Schlacken.
Da die Schlacke aus dem nichteisenhaltigem Nebengestein besteht ist sie relativ leicht und dürfte wenig Eisen enthalten. Das Eisen ist als Lupe in fester glühender Form dem Rennofen entnommen worden und dann geschmiedet worden.
das schaut dann so aus.

Offline Manfred Früchtl

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Re: Schlacke?
« Antwort #11 am: 13 Nov 12, 23:10 »
Hallo das Bild (vorher) zeigt die Schlacke vor dem geleerten Ofen, diese ist sehr kleinteilig.
nachfolgende Bilder zeigen.
- Rennofen im Betrieb
- Entnahme der Eisenluppe
- Abschlagen der Schlacke

Offline Schlacke

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Re: Schlacke?
« Antwort #12 am: 14 Nov 12, 20:01 »

Hi,

@Helge, aus welcher Quelle stammt der Hinweis, würde gerne die Geschichte weiter verfolgen.

@Manfred, hier geht es primär um die Situation im Neuenbürger Revier, Nordscharzwald. Hier hat die Montanarchäologie nach sechs Jahren intensiver Geländeforschung eine einzigartige archäologische Denkmallandschaft mit gut erhaltenen Verhüt- tungsplätzen, eine zentrale Höhensiedlung und auch den zugehörigen Bergbau bearbeitet. Dieses Ensemble wird zur maßgeblichen Erforschung der späthallstatt- und frühneuzeitlichen Wirtschaftsstruktur im zentralen Mitteleuropa beitragen.
Zit. aus dem letzten Grabungsbericht v. G. Gassmann und G. Wieland, 2010.

Die Bilder der experimentellen Rennfeuerverhüttung geben ein ungefähres Bild, wie das Ganze abgelaufen sein könnte.
Der Verhüttungsvorgang richtet sich immer nach dem eingestzten Erz und evtl. Zuschläge.
Für den Mineralienfreund steht jetzt die Frage im Raum: Gibt es hier evtl. sekundäre Mineralbildungen. Die manganhaltigen Brauneisenerze sind im Neuenbürger Revier mit Baryt vergesellschaftet und dieser geht bei der Verhüttung in die Schlacke (Eigenfunde vor ca. 20 Jahren im Harz)

Glückauf!

Schlacke

Offline smoeller

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Re: Schlacke?
« Antwort #13 am: 14 Nov 12, 21:29 »
Hallo,

@Reinhold: Schlackenproben aus Neuenbürg würden mich durchaus auch interessieren. Beschäftige mich mit der Mineralogie, Geologie, Biologie, Geographie, Archäologie etc. des Schwarzwaldes und Kaiserstuhls.

Zu den Schlacken: Da hat der Uwe Kolitsch schon Recht. In der Regel ist Rennofenschlacke ein Gemisch aus Fayalith, Wüstit und Magnetit, allerdings gibt es durchaus auch glasigere Schlacken (die wohl auf hohe Quarzanteile im Ausgangserz zurückzuführen sind), die sind jedenfalls nicht magnetisch. Habe da bereits eine ganze Menge Proben von Joldelund unter dem Mikroskop gehabt. Wüstit und Magnetit treten erst unter dem Erz- oder Elektronenmikroskop deutlicher hervor, da sehr klein und recht unscheinbar. Dafür haften recht magnetitreiche Schlacken am Magneten.
Leider sind Eisenschlacken im Gegensatz zu Kupferschlacken recht artenarm an Sekundärbildungen. Häufigstes Mineral (ich kann im Moment nur für Joldelund sprechen) sind Eisenhydroxide (Limonit im weitesten Sinne, tw. Goethit, Akaganeit), tw. pseudomorph nach tafeligen xx, die wohl Ferrihydrit waren. Dann folgt der Vivianit als schönstes und meist einzig wirklich sammelnswertes Sekundärmineral, Teilweise im Übergang zu Metavivianit und dann Santabarbarait. Diese Minerale sind grundsätzlich auch von Neuenbürg zu erwarten. Dazu kommt noch Baryt (der auch von Joldelund aus Schlacken bekannt ist). Evtl. ist auch mit dem Vorkommen sek. Manganminerale zu rechnen.

Das Problem mit der Suche nach keltischen Bergbauspuren: In der Regel wurde damals Bergbau auf Eisenerze in flachen Pingen und Tagschürfen betrieben, genau wie im Mittelalter (und auch von den Römern). Solange keine eindeutig datierbaren Funde (Holzkohlereste, Keramik, Werkzeuge, Gebeine etc.) aus einer solchen Pinge, deren es im Schwarzwald allein tausende gibt, existieren, wirds schwer mit der Zuordnung. So mag so mancher Schurf in Wahrheit keltischen Ursprungs sein.

Gerade im Bereich des Klettgaues, der westlichen schwäbischen Alb und auch im Oberrheingebiet gibt es ausgededehnte Eisenlager. Diese gehören dem Dogger (Braunjura) und dem Eozän (sog. Bohnerzformation) an, die u.a. auch im Gebiet Kandern abgebaut wurde. Die Spuren des Bergbaus in diesen Gebieten sind z.T. von vor sicher 1600-1800 Jahren bis ins 19./20. Jhd. reichend. Die Anfänge reichen jedoch viel weiter. Neolithischer Hämatitbergbau (zur Herstellung von Farbe, Rötel) existierten bei Bad Sulzburg und Münsterhalden, Hornstein vom Isteiner Klotz wurde als Material für Flintwerkzeuge verwendet.

Glück Auf!
Smoeller


Offline smoeller

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Re: Schlacke?
« Antwort #14 am: 29 Nov 12, 16:05 »
Hallo,

Ich habe von Reinhold 2 Proben der Schlacke vom Grösseltal bei Neuenbürg erhalten und diese einmal (zumindest unter dem Binokular) untersucht. Es handelt sich um 2 Typen:

1. Glasige, blasenreiche Schlacke (Ofenwandschlacke). Tw. sehr quarzreich, möglicherweise Teil der Ofenwand, daran Reste des Lehmmantels. Blasig, viele weiße reliktische Quarzkörner (evtl. tw. in Tridymit umgewandelt?), andere Seite schwarzes, blasiges, eisenreiches Glas. Hier auch magnetische, graue bis grauschwarze Körner und körnige Aggregate. Dürfte Magnetit und wohl auch Wüstit sein. Ich plane evtl. einen Dünnschliff anfertigen zu lassen, um die Phasen Tridymit und Wüstit besser bestimmen zu können. Leider ist das so unterm Bino nicht möglich. Einziges Sekundärmineral sind rotbraune glasige Krusten aus Fe-Hydroxid (wohl Siderogel, aber von Joldelund sind in ähnlicher Ausbildung auch Akaganeit und Goethit beschrieben, Wittern (1992)).

2. Fayalitreiche Schlacke. Kristallin, dunkelbraun, sehr reich an Holzkohleeinschlüssen, in Drusen und Blasenräumen reichlich scharfkantige, tw. freistehende Fayalitkristalle. Sekundär ebenfalls nur Eisenhydroxid. In solchen Schlacken könnte mikroskopisch noch Wüstit drin sein, aber der lässt sich nix unterm Bino beobachten, nur im Anschliff unter dem Erzmikroskop.

Die sonst in derartigen Schlacken (z.B. in Joldelund) häufigen Minerale Vivianit und Goethit ps. n. Ferrihydrit (sechsseitige tafelige gelbbraune xx) sind hier nicht zu beobachten.

Glück Auf!
Smoeller

 

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