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Autor Thema: Rosenquarz ???  (Gelesen 20866 mal)

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Offline Philip Blümner

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Re: Rosenquarz ???
« Antwort #30 am: 21 Nov 04, 16:54 »
Collector, ich denke uwe wollte damit sagen, dass Rosenquarz kein eigenständiges
 eingetragenes Mineral ist laut IMA. Es ist SiO2 und nicht mehr.

Offline Collector

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Re: Rosenquarz ???
« Antwort #31 am: 21 Nov 04, 17:30 »
Hallo McSchuerf

hab´s ja auch so verstanden, wies der Uwe gemeint hat.
Rosenquarz ist Quarz, ist Quarz, ist Quarz !!!
Und noch dazu von der Seiser Alm !

EINVERSTANDEN !!!!!! ;D

collector

Offline uwe

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Re: Rosenquarz ???
« Antwort #32 am: 21 Nov 04, 18:21 »
Hallo,

ich meinte mit meiner Bemerkung, daß es verschiedene Möglichkeiten gibt, um Quarzkristalle rosa bzw. hellrot zu färben. Wir hatten Eisen, Mangan und Dumortierit   (Rutil eher unwahrscheinlich). Alle diese Varianten können meiner Meinung nach (ich betone "meiner unmaßgeblichen Meinung nach") als Rosenquarz angsprochen werden, da Rosenquarz eben kein wissenschaftlich definiertes, eigenständiges Mineral ist.

Die "Rosenquarze" der diskutierten Stufe von der Seiseralm sind nach meinem Dafürhalten durch Mangan rosa gefärbt, während der linke, von Waidler gezeigte Stein meiner Meinung nach durch Dumortieriteinlagerungen seine Färbung erhalten hat, denn das ist genau der Farbstich, den Dumorieritsplitter haben.

Ich finde diese Diskussion aber ausgesprochen interessant und lehrreich. Aus diesem Grund mache ich auch einen neuen Thread auf zum Thema Quarzvarianten. Quarzvarianten sind zwar schon mal diskutiert worden, aber nicht in dieser Tiefe.

Glück Auf
Uwe   

Offline berthold

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Re: Rosenquarz ???
« Antwort #33 am: 21 Nov 04, 19:52 »
Hallo,

ohne McSchürf zu nahe treten zu wollen, aber woher stammt die Information dass Rutil NICHT das färbende Mineral im Rosenquarz ist oder sein kann?   Ich zitiere SRTUNZ (Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie)

Zitat
... die meisten Rosenquarze erhalten ihre Färbung durch Streuung des Lichtes an feinst verteilten Rutilnädelchen.

und weiter:

Zitat
Der Farbträger ist Rutil in feinsten Nädelchen (rein koloidopitsch) und vieleicht Mn3+

Ich behaupte, dass Strunz sowas nicht geschrieben hätte, wenn es da keine Untersuchungen in dieser Richtung gäbe. Aber er schreibt ja auch "..die meisten Rosenquarze..." was für mich bedeutet, dass er ausdrücklich auch andere Ursachen für möglich hält. Ich denke, dass tatsächlich auch andere Ursachen für eine rosa Färbung in Frage kommen. Auf der Homepage vom Seilnacht finde ich:

Zitat
Beim Rosaquarz wir die rosa Färbung durch Phosphoratome und beim Rosenquarz durch Titanatome verursacht (Bild 14). Der Rosenquarz bildet nur sehr selten Kristalle.

ist für mich sehr logisch, da das größte mir in Deutschland bekannte Rosenquarzvorkommen (Kreuzberg Pleystein / Oberpfalz) ein Phosphat(Rest-)pegmatit ist. Etwas wissenschaftlicher ist die Rosenquarzfärbung nach MASCHMEYER u. LEHMANN 1982:

Zitat
In den Quarzen wurde ein Phosphorgehalt festgestellt, der wahrscheinlich auf den Einbau von AlPO4 aus der hydrothermalen Lösung zurückzuführen ist. In der Struktur substituieren je ein Al und ein P5+ zwei benachbarte Si4 -Ionen (gekoppelte Substitution). Durch ionisierende Strahlung wird von dieser Gruppe ein Elektron abgespaltet, das an anderer Stelle im Kristall metastabil eingefangen werden kann. Neben dem Elektronenzentrum bisher unbekannter Struktur bildet sich dabei ein einwertiges negatives Sauerstoffion, so dass man den Defekt als Al- O- -P Zentrum beschreiben kann, wobei die Punkte zwischen Al und O andeuten, das (im Gegensatz zur O--P Bindung) keine echte Bindung zwischen diesen Atomen vorliegt. Da P kleiner ist als Si, ist das O- näher bei P als bei Al. .......Die Bildungstemperaturen der Rosenquarze lagen bei 465-680°C. ........Die Farbzentren bildeten sich erst bei Raumtemperatur.

Es könnte ja auch sein, dass in einigen Fällen Dumorierit - wie beschrieben - zu der rosa Färbung führt. Für mich scheint jedoch die Phosphor-, und dann sogar noch die Rutil-Färbung wahrscheinlicher oder häufiger zu sein.

Gruß

Berthold


Offline Collector

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Re: Rosenquarz ???
« Antwort #34 am: 21 Nov 04, 21:35 »
Hallo Ihr Rosenquarz- Freaks

Bertholds Informationen sind einleuchtend, treffen jedoch m.E. nicht auf die Rosenquarze vom Duron-Tal (Seiser Alm ) zu.

1. In der Gesteins-Mineralparagenese der Seiser Alm Mineralien gibts keinen Phosphor.

2. In der Mineralparagenese der Seiser Alm Mineralien gibts keinen Dumortierit. Ist auch unwahrscheinlich, da Dumortierit i.d.R. nur in Al-reichen, regional metamorphisierten Gesteinen vorkommt und nicht in Basalten wie auf der Seiser Alm.

3. In der Mineralparagenese der Seiser Alm gibts weder Rutil noch TiO2.

4. Der Rosenquarz kommt in einem blasenreichen Gestein vor, welches veraltet als Melaphyr, aktuell aber als basaltisches Gestein vom Typus Tholeitbasalt bezeichnet wird.

5. Tholeitbasalte haben geringe Anteile an TiO2 ( kleiner als 5,5 %) und MnO (kleiner als 1%). Der SiO2-Anteil liegt bei ca. minus 56 %. Der FeO-Anteil ist kleiner als 15,0 %, der Fe2O3-Anteil kleiner als 6,0 %.

6. Sowohl der TiO2- als auch der MnO-Gehalt könn(t)en Ursachen der Farbgebung beim Rosenquarz sein.
(Lichtabsorption durch Ti-Ionen, die im Kristallgitter eingelagert sind. Mn-gehalt als farbgebende Quelle ist bisher nicht bewiesen, sondern eine Annahme ).

Insofern dürfte der alte Strunz wohl Recht haben mit Titan als farbgebender Ursache.

Literaturangaben: 

1.Wimmenauer, W., 1985; Petrographie der magmatischen und metamorphen Gesteine
2. Le Maitre, R.W., 1989; A classification of igneous rocks and glossary of terms
3. Rykart, R.; 197; Bergkristall; 2. Aufl.
4. Anthony, Bideaux, Bladh, Nichols; 1995; Handbook of Mineralogy; Vol. II, Silicates (part 2 )

collector

was man nicht alles als Nicht-Mineraloge lernt !

Offline McSchuerf

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Re: Rosenquarz ???
« Antwort #35 am: 22 Nov 04, 07:13 »
Hallo berthold,

Zitat
Hallo,
ohne McSchürf zu nahe treten zu wollen, aber woher stammt die Information dass Rutil NICHT das färbende Mineral im Rosenquarz ist oder sein kann?   Ich zitiere SRTUNZ (Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie)

ich sags gerne nochmal - auch wenn ich mich laufend wiederholen muss. Es steht sooooo im Lapis-Mineralverzeichnis..und ich habe das nicht erfunden! sorry..  da steht in Klammern (nicht RUTIL!)

Gruß Peter

Offline Philip Blümner

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Re: Rosenquarz ???
« Antwort #36 am: 22 Nov 04, 09:30 »
Hallo uwe!

es gibt bereits einen Quarz-Arten-Thread:

http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,833.0.html

Gruß
Philip

Offline berthold

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Re: Rosenquarz ???
« Antwort #37 am: 22 Nov 04, 10:46 »
Hallo,

...ohne die Rosenquarz-Färbungsfrage ins Unendliche treiben zu wollen (ähh, ja wir schreiben hier unter Mineralien bestimmen - andererseits geht der neue Thread in eine etwas andere Richtung) doch noch eine Anmerkung von mir. Ich habe mich etwas in das Thema eingelesen und muss feststellen, dass es eine Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen und auch Veröffentlichungen zum Thema Rosenquarzfarbe gibt. Aber scheinbar kommt fast jede Analyse zu einem anderen Resultat, bedonders dann, wenn der Rosenquarz von einem anderen Fundort kommt. Ist ja auch logisch, da die (nicht mineralogisch definierte) Bezeichnung Rosenquarz eben nur (z.B. als Handelsname) für einen rosafarbigen Quarz steht. Ich habe inzwischen einen ganzen Sack voll möglicher Ursachen gelesen, die man glauben kann oder auch nicht. Wiederlegen könnte man solche Färbungs-Ursachen aber meiner Ansicht nach nur, wenn man mit genau jenem Original-Rosenquarz (mit dem die betreffende Untersuchung gemacht wurde) analytisch zu einem anderen Resultat käme oder Fehler in der betreffenden Arbeit nachweisen könnte. So eine globale Aussage wie im Lapis-Mineralienverzeichnis (danke Peter) offensichtlich steht würde ich deswegen nicht unterschreiben. Das würde ja Rosenquarz als IMMER durch Dumorierit gefärbten Quarz definieren. 

Hier einige Literaturhinweise zur Rosenquarz-Farbe:

Lehmann, B., 1969, Zur Farbe von Rosenquarz, Neues Jahrbuch für Mineralogie Monatshefte, S. 222-225

Lehmann G., und Bambauer, H., 1973, Quarzkristalle und ihre Farben, Angewandte Chemie, v. 85 S. 281-289

Masgutov, R. V., 1962, The coloring of rose quartz, Izvestiya Akademiya Nauk Kazakhskoy SSR, Ser Geology, v. 3, S. 85-87

Smith G., Vance, E. R., Hasan, Z., Edgar, A., and Runciman W. A., 1978, A charge transfer mechanism for the colour of rose quartz, Physica Status Solidi, vol. 46, S. K135-K140

Vultee J., and Lietz, J. , 1956, Über die Rolle des Titans als Färbungsursache von Blau- und Rosenquarzen, Neues Jahrbuch Naturwiss, v. 51, S. 81-82

Holden, E. F., 1924, The cause of color in rose quartz: Geological Society of America Special Papers, v. 9, S. 75-88

Holden, E. F., 1924, The cause of color in rose quartz: Geological Society of America Special Papers, v. 9, S. 101-108

Das ist keine vollständige Liste und es ist leicht erkennbar, dass das Thema weitaus koplexer ist, viel komplexer als dass man sagen könnte, Rosenquarz ist durch xyz gefärbt. Und ja, es gibt auch neuere Arbeiten, die wieder zu anderen Resultaten kommen.

Gruß

Berthold


@Collector: Volle Zustimmung, was den (möglichen) Rosenquarz von der Seiser Alm (Duron-Tal) betrifft; Mit der immer hier nach einem Foto notwendigen Vorsicht. 

@McSchuerf: Ist Dir die Quelle (Untersuchung, Analyse oder Veröffentlichung) bekannt, nach der laut Lapis Dumortierit färbendes Mineral ist, ich wäre daran sehr interessiert!

Offline McSchuerf

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Re: Rosenquarz ???
« Antwort #38 am: 23 Nov 04, 06:29 »
Hallo Berthold,

ich werde das gerne nochmal eruieren, woher Lapis dieser Erkenntnis hat, das generell Rosenquarz nach neuesten Untersuchungen Dumortierit als Farbgeber enthalten soll.. :)

Gruß Peter

Offline uwe

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Re: Rosenquarz ???
« Antwort #39 am: 23 Nov 04, 17:46 »
Ich denke es läßt sich zusammenfassen, daß es viele verschiedene Möglichkeiten für rosa gefärbten Quarz gibt. Es läßt sich weiterhin aus den Beiträgen und Quellehinweisen herauslesen, daß alle diese, aus unterschiedlichen Ursachen rosa gefärbten Quarze von einer mineralogischen Autorität schon mal als Rosenquarz bezeichnet wurden. 

Also, um auf das Eingangsthema zurück zu kommen - es gibt, oder besser gab, doch Rosenquarz von der Seiser Alm.

Gruß
Uwe

Offline berthold

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Re: Rosenquarz ???
« Antwort #40 am: 23 Nov 04, 21:06 »
Hallo,

jetzt habe ich zufällig mal im Lapis Mineralienverzeichnis 3. Auflage 1998 (also NICHT die aktuelle) nachgesehen:

Zitat
Rosenquarz=rosafarbener Quarz mit feinstfaserigem Rutil, Schmuckstein-Varietät

...die haben sich anscheinend um 180 Grad gedreht -  :-\ aber man muss ja nicht alles glauben was da drinnen steht.

Gruß

Berthold

 

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