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Autor Thema: Uranglimmer eingeatmet - was nun?  (Gelesen 15124 mal)

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Offline Markus Fuchs

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Uranglimmer eingeatmet - was nun?
« am: 08 Feb 15, 20:51 »
Hallo zusammen,

mir ist was saublödes passiert und bin ganz schön beunruhigt.

Ich erzähle mal von Anfang an:

Ich habe von einem Bekannten Material geschickt bekommen, darunter auch kleine Stüfchen Rauchquarze aus Bergen/Vogtland (laut Beschriftung).

Ich entnahm ein kleines ca. 2,5*2,5cm großes Stüfchen. Da es aber allem Anschein nach "staubig" erschien, reinigte ich es mit einem harten Pinsel bevor ich es unter dem Stereomikroskop betrachtete. Leider sah ich dort nicht nur Rauchquarz, sondern auch einen (wirklich hübschen) Uranocircit-Kristall. Mit leichter Panik griff ich zu einem der noch "staubigen" Stüfchen und legte es unter das Stemi: Glimmerstaub! Ich habe dann sofort den Arbeitsplatz mit einer UV-Leuchte abgesucht und die bereits großzügig verteilten Partikel mit einem feuchten Tuch aufgenommen. Das Tuch und den Reinigungspinsel der auch voller Partikel war habe ich entsorgt.

Nun die Frage eines ehrlich besorgten Mitmenschen, der zwei kleine Kinder hat:

Es besteht natürlich die Gefahr das ich Partikel des Uranglimmerstaubes bzw. kleine Teilchen eingeatmet habe (Alphastrahler!). Ich denke nicht, dass es sich um eine große Menge gehandelt haben kann, aber was ist im Falle eines Alphastrahlers schon eine "unbedeutende" Menge...

Muss ich mir Sorgen machen? Ein Anruf bei der Klinik brachte nur ein "da kennen wir uns nicht aus, aber wird schon nicht so schlimm sein..."

Kann mir einer der Experten bzw. jemand mit langjähriger  Erfahrung im Umgang solchem Material Rat geben? Ich meide eigentlich solche Uranmineralien auch wegen meiner Kinder wie die Pest, aber nun ist es halt passiert.

Mit besorgtem Gruß
Markus Fuchs

Offline guefz

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Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
« Antwort #1 am: 08 Feb 15, 21:09 »
Hallo,

jetzt wo das Kind in den Brunnen gefallen ist, bleibt eben nur das was du schon gemacht hast: gründlich sauber machen ohne den Dreck weiter zu verteilen. Wie dein unfreiwilliger Selbstversuch in Sachen Radioaktivität ausgehen wird, kann dir auch hier niemand zuverlässig sagen.

Günter

Offline limestone

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Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
« Antwort #2 am: 08 Feb 15, 21:29 »
Hallo Markus,
ich würde das was Du und Dein Bekannter gemacht haben schon unter grobe Fahrlässigkeit einordnen.
Jeder der sich wenigstens ein wenig mit Mineralien aus Bergen auskennt weiss, dass die Rauchquarze dort oft zusammen mit Uranglimmer vorkommen.
Der Aussage von Günter stimme ich voll zu.
Noch ne kleine Frage, wohin hast Du die kontaminierten Sachen entsorgt?
Glück Auf
Ralf

Offline Nathan

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Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
« Antwort #3 am: 08 Feb 15, 21:41 »
Hallo Markus,

ich kann meinen Vorrednern nur zustimmen.
Was die Gesundheit angeht kannst Du nur warten und hoffen, dass es gut für dich ausgeht. (Davon gehe ich aus, da die Mengen, welche Du eingeatmet hast sehr gering sein dürften.)
Hier zeigt sich wieder mal, wie wichtig eine Kennzeichnung der Stücke bzw. die Auseinandersetzung mit dem Thema und dem Fundort ist.
Die Stücken solltest Du aber auf keinem Fall im Hausmüll entsorgen.

Gruß
Philipp

Offline Markus Fuchs

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Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
« Antwort #4 am: 08 Feb 15, 21:59 »
Hallo zusammen,

Vielen Dank für eure ersten Antworten. Leider kannte ich den Fundort nicht und habe bei Rauchquarzen, die ich sonst nur aus dem alpinen Raum her kenne nicht an Uranmineralien gedacht. Ein klassischer Fall von dem man sich wünscht die Zeit zurückzudrehen und dann alles richtig zu machen.

Sollte ich eurer Meinung nach einen Arzt aufsuchen?

und: Wie entsorge ich die Stüfchen fachgerecht?

Herzlichen Dank für eure weiteren Ratschläge!

Markus

Offline Hg

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Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
« Antwort #5 am: 08 Feb 15, 22:13 »
Hallo Markus,

ich würde da keine Panik schieben.
Wenn Du zu einem Arzt gehst hat der mit großer Sicherheit nicht wirklich Ahnung was er machen soll. Bei Mediziner und Chemie bzw. Gefahrstoffen kommt nicht immer was gescheites heraus  ;)
Bei der Menge würde ich da weniger Bedenken haben. Den Staub mit einem feuchten Tuch aufzunehmen war schon ein guter Schritt.

Wenn Du dir bei der Entsorgung nicht sicher bist, kannst Du mir das schicken und ich kümmere mich darum. Schreib mir einfach eine PM wenn ich mich darum kümmern soll.

Gruß,
Andreas

Offline Nathan

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Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
« Antwort #6 am: 08 Feb 15, 22:20 »
Hallo Markus,

ich würde Dir ebenfalls von einem Arztbesuch abraten. Dieser weiß i. d. R. nicht, was er machen soll (ich wüsste auch nicht, ob man da überhaupt etwas tuen kann).

Bei der Entsorgung könnte Dich ein Anruf hier http://www.grb-mbh.de weiterbringen.

Gruß
Philipp

Offline Hg

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Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
« Antwort #7 am: 08 Feb 15, 22:25 »
Der Ratschlag mit der Landessammelstelle ist gut gemeint aber ordentlich am Ziel vorbei geschossen. Schau mal nach den Freigrenzen für natürliche radioaktive Strahler in der Strahlenschutzverordnung nach  ;) Das sind schon wirklich ordentliche Mengen.
Vermutlich würden die solch ein "Bröckchen" nicht mal annehemen. Anderseits wäre mal die Reaktion von denen interessant, wenn man mit so einem "Abfall" ankommen würde.

Offline Nathan

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Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
« Antwort #8 am: 08 Feb 15, 22:37 »
Hallo Andreas,

hatte ich mir auch schon gedacht. Aber man kann es ja mal versuchen. Schließlich kann Uranocircit durch die Glimmerstäube schon gefährlich werden.
Wie würdest Du damit verfahren? Gern auch per PM.

Gruß
Philipp

Offline pseudonym

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Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
« Antwort #9 am: 08 Feb 15, 22:58 »
Man muss sich mal überlegen das bei ,, weitem nicht alle Kumpel ´´ die in der Wismut gearbeitet haben von eingeatmeten Alphastrahlern Lungenkrebs bekommen haben . So und nun stelle man sich mal vor wie vielen Kilo oder sogar Tonnen alphastrahlerhaltigen Staubes diese Leute im Lauf ihres Lebens ausgesetzt waren .

Und nun setze man bitte die Menge Staub die auf so einer Stufe rumliegt   in Relation dazu ....

Natürlich kann gerade das eine eingeatmete Teilchen den Krebs auslösen , das kann aber auch jeder zufällige natürliche Zerfall der in deiner Nähe stattfindet , das kann jedes Körnchen Feinstaub deines Dieselautos oder eines Kohlekraftwerkes  , jede kleine Asbestfaser von Nachbars Dach  , jeder passive /aktive  Zug Tabakrauch - und tausend andere Ursachen .

Dann sind da noch die Leute die in Bergen gearbeitet haben , wer das Material von dort kennt weiß das allerhand Circit rumliegt , einfach so an der Oberfläche , bröselig - man müsst mal abends mit ner Uv-Lampe hingehen , sieht bestimmt gut aus .

Natürlich hat man Angst , das ginge mir auch so , ich versteh das völlig - aber ich denke und hoffe das du mit dem Schrecken davon kommst , ziehe bitte die richtigen Schlüsse für die Zukunft aus der Sache und pass nächstes mal besser auf .

edit openpit:
Themenferne Frage entfernt.



« Letzte Änderung: 17 Feb 15, 07:30 von openpit »

Offline limestone

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Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
« Antwort #10 am: 08 Feb 15, 23:02 »
Hallo,
Markus hat ja schon geschrieben, dass er das Material entsorgt hat. Daher stellt sich die Entsorgungsfrage hier nicht mehr.
Mich interessiert, wie und wo entsorgt Ihr Eure radioaktiven Abfälle?
Glück Auf
Ralf

Offline CRYSTALLOGIC

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Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
« Antwort #11 am: 09 Feb 15, 01:45 »
Hallo,

geh besser davon aus, dass du aller Wahrscheinlichkeit nach garnichts davon eingeatmet hast.
Und falls doch: "Dosis facit venenum!"

Und all jene, die meinen, dass Ärzten dazu eh nichts (Gescheites) einfallen würde, können ja mal nach ´Bronchiallavage´oder auch ´bronchoalveoläre Lavage´ googlen...

Gruß

edit: ´Let´s panic later´ (C.Newman)

« Letzte Änderung: 09 Feb 15, 01:51 von CRYSTALLOGIC »

Offline Glück auf

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Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
« Antwort #12 am: 09 Feb 15, 08:28 »
Hallo !
Schön wäre es wenn in Zukunft Uranhaltiges Material verschickt wird, dies gut verpackt und deutlich gekennzeichnet ist!!
Man sollte unbedingt an andere denken !!
Hatte auch schon ein Stück in einem Päckchen geschickt bekommen, das einfach so drin lag weil es aus der Dose gefallen war, wusste auch nicht gleich was es ist, weil nichts in dieser Hinsicht ausgemacht war, merkte es erst als ich eine LW UVlampe daran hielt...
Wünsche Dir alles Gute !!
Gruß Klaus

Offline uwe

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Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
« Antwort #13 am: 09 Feb 15, 08:37 »
Klar ist Uranglimmerstaub schädlich, ich denke aber wie "Crystallogic", daß Du nichts eingeatmet hast. Du wirst ja wohl kaum die Probe zerschlagen und dabei tief eigeatmet haben.
Gruß
Uwe

Offline Markus Fuchs

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Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
« Antwort #14 am: 09 Feb 15, 11:26 »
Hallo zusammen,

da es mir keine Ruhe gelassen hat bin ich nun doch zu einem wirklich sehr kompetenten Lungenfacharzt gegangen, der selber Mineralien sammelt. Davon wollte ich euch berichten. Vielleicht nutzen meine Erfahrungen ja noch weiteren Sammlern. Mein Fazit: Der Weg zu einem Fachmann lohnt immer, auch wenn es nur darum geht, die Sachlage korrekter einschätzen zu können.

Der Arzt hat mich fürs Erste beruhigen können, er denkt nicht, dass hier ein bleibender Schaden für meine Gesundheit enstanden ist, will aber noch im Laufe der Woche einen befreundeten Experten für Arbeitsunfälle mit Schwerpunkt Radioaktivität in München befragen. Außerdem möchte er zur Absicherung in Abständen von 6 Monaten noch zwei-, dreimal ein differenziertes Blutbild anfertigen. Dieses diene aber eher meiner "Nervenberuhigung", stellt aber nach seiner Aussage dennoch einen "sinnvollen Mittelweg zwischen Emotion und Rationalität" dar. So wie er die Sache dargestellt hat, hält er den Glimmerstaub für gerade noch nicht "lungengängig", was ich so verstanden habe, dass die Lunge diesen auch wieder in absehbarer Zeit los wird (viel Trinken!). Als Begründung dafür nannte er seine Erfahrung aus der Zeit als Betriebsarzt in einem großen Bergbaubetrieb. Andererseits hat er natürlich auch nichts verharmlost. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich durch diese blöde Sache was Folgenschweres ergeben könnte, ist sicher nicht dadurch kleiner geworden, aber wohl eben auch nicht unermesslich viel höher. Seiner Einschätzung nach ist das "lungengängige Polonium, das Raucher mit jeder Zigarette aufnehmen", ein größeres Problem als die einmalige "Vielleicht-Inkorporation" eines Uranminerals in sehr geringen Mengen. Zudem hat er mir als Mineraliensammler den Rat gegeben generell einen Staubsuager mit Hepa-Filter zu verwenden, um eine Staubaufwirblung zu vermeiden.

Und noch eine Erfahrung: Der Glimmerstaub setzte sich bevorzugt an metallischen Gegenständen ab, wohl ein elektrostatischer Effekt. Zudem habe ich zum Abpinseln einen Kameraobjektiv-Pinsel verwendet, der ebenfalls Staubfunsel auf diese Weise festhält. Vielleicht kann diese Information ja mal nützlich sein.

Vielleicht weiß ich am Wochenende schon mehr und kann euch darüber berichten.

Und noch was: Ich gebe allen Kommentatoren hier Recht: Es ist absolut unverantwortlich radioaktives Material ungekennzeichnet zu verschicken. Hier sehe ich aber zuerst den Absender in der Pflicht, gerade auch bei Ebay-Käufe etc. Ich habe natürlich auch was daraus gelernt. Auch ich werde in Zukunft alle Mineralien (ich sammle auch in der Wölsendorfer Ecke, da findet man auch strahlendes Material) mit UV-Leuchte und Geigerzähler (ich verwende dazu einen Gamma-Scout) überprüfen, bevor ich was in die Finger nehme oder gar verschicke/abgebe.

Ich möchte mich nochmals bei allen bedanken, die mir dabei geholfen haben, die Angelegenheit in ein rationales Licht zu rücken.

Herzliche Sammlergrüße
Markus (der sein Hobby sicher trotzdem  weiterbetreiben wird...)

 

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