Das sehe ich eigentlich nicht so. Die Schreibweise ist eigentlich recht einheitlich bei den meisten Mineralen. Ob die Endung nun -ite im Englischen oder -it in Deutschen oder -iet im Niederländischen usw. ist, finde ich recht unwesentlich. Natürlich gibt es dann noch einige Fälle, wo dies nicht zutrifft, dies sind aber meist seit historischen Zeiten bekannte Minerale, für die sich eben in den jeweiligen Sprachen alte Namen erhalten haben.
Unglücklich und überflüssig finde ich die Endung -ith im Deutschen, auch wenn es sich von "lithos" ableitet. Das gibt es nur noch im Deutschen, in anderen Sprachen hat man auf das -h verzichtet. In der Aussprache gibt es sowieso keinen Unterschied, und Minerale sollten im Deutschen (bis auf ein paar Ausnahmen) auf -it enden.
Nomenklaturen für Minerale analog der biologischen gab es, eine erste bereits 1748 von Hill. Linné hat seine Nomenklatur für Tiere und Pflanzen von 1735 schließlich selber 1770 auf die Minerale erweitert. Weitergeführt wurde dies Gmelin. Dana hat eine lateinische binomiale Nomenklatur ursprünglich 1836 auch noch verwendet, eine recht bekannte wurde von Glocker noch 1847 publiziert (Ein Ausschnitt daraus ist hier
http://tw.strahlen.org/pdf/Chalcostibit3.pdf zu sehen.
Etliche weitere Autor haben sich ebenfalls daran versucht, ohne aber zu einer einheitlichen Nomenklatur zu finden. Eine Ursache ist sicher, dass der Kenntnisstand über die Minerale, speziell was den Chemismus betrifft, sich in der Zeit, als diese lateinischen Nomenklaturen aufkamen, ständig verändert und erweitert hat, so dass eigentlich ständige Umbenennungen notwendig geworden wären. Zudem gab es zum Teil exzessive Beschreibungen von "Unterarten", wodurch die Systematiken auch unhandlich und schließlich unbrauchbar wurden. Ich glaube nicht, dass heute noch jemand einen Namen wie "Pyricubium maximum foliaceum" für gestreiften würfelförmigen Pyrit oder "Pyricubium solidum minus" für ungestreiften würfelförmigen Pyrit verwenden möchte.
Ein weiteres Problem dürfte es sein, sinnvolle Gattungsbezeichnungen für die Minerale zu finden. Man muss sich nur die aktuellen Änderungen in der Systematik zwischen dem Strunz 8. und 9. Auflage ansehen (hunderte Minerale hätten umbenannt werden müssen, da "Gattungsnamen" nicht mehr gestimmt hätten.
Zum Glück sind alle diese Nomenklaturen gescheitert.
Ein Calcit, der in Rhomboedern kristallisiert benötigt keinen eigenen Namen, sondern ist eben ein Calcit, der in Rhomboedern kristallisiert. Und ein Cobalt-haltiger Calcit benötigt auch keinen eigenen Namen ("Cobaltocalcit", und ich habe auch schon die völlig unsinnige Bezeichnung "Calcit-(Co)" dafür gesehen), sondern ist eben ein Cobalt-haltiger Calcit. Wenn man dafür eigene Namen schaffen würde, müsste man auch immer definieren, ab welcher Grenze der denn gilt (ab 0,1 % Co, ab 1 % Co, ab 5 % Co oder was auch immer ...?). Gar nicht erst zu denken an einen Cobalt-haltigen Calcit, der in Rhomboedern kristallisiert, und natürlich dann von einem unterschieden werden müsste, der nur als Kruste vorkommt ...... Soetwas ist völlig überflüssig.
Es gibt die internationalen Mineralnamen (mit ein paar Abweichungen in den einzelnen Sprachen), und die werden verstanden. Wenn ich im Gelände unterwegs bin, sage ich z.B. auch meist "Zinkblende", aber auf das Etikett kommt "Sphalerit", und es gibt kein Problem, wenn ich das Stück mal ins Ausland vertauschen sollte.
Verständigungsschwierigkeiten können ja vermieden werden, in dem man auf die meist völlig überflüssigen Lokalbezeichnungen verzichtet - oder sie eben z.B. in Klammern zu dem internationalen Namen setzt. Speziell auf Börsen habe ich den Eindruck, dass viele dieser Namen nur verwendet werden, um ein manchmal recht gewöhnliches Mineral besser verkaufen zu können.
Glück Auf
der Stollentroll