Bergbau und Verhüttung / Mining and Smelting / Minería y Fundición > Zeugen des Bergbaus / evidence of mining
Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
dendrocopos:
Neues aus dem Erzgebirge.
Freie Presse Chemnitz online / erschienen am 28.11.2017
Bergbau in Zinnwald soll aufleben
Der Deutschen Lithium ist das Bergrecht für das gut 250 Hektar große Areal an der Grenze zu Tschechien bewilligt worden. 2019 soll es losgehen.
Freiberg/Zinnwald. Der Claim ist abgesteckt - so kommentiert Professor Armin Müller den Bescheid, den er vom Sächsischen Oberbergamt erhalten hat. Darin erteilt die Freiberger Behörde der Deutschen Lithium GmbH die "bergrechtliche Bewilligung zur Gewinnung bergfreier Bodenschätze" in einem etwas mehr als 250 Hektar großen Gebiet zwischen Zinnwald und Altenberg. Müller ist Geschäftsführer der Freiberger Firma, die hier ab 2019 nach Lithium-Eisen-Glimmer graben und ab 2021 voll produzieren will. Das Material, das von Mineralogen auch Zinnwaldit genannt wird, ist als Lithiumlieferant interessant. Das Leichtmetall wird in Lithium-Ionen-Akkumulatoren verwendet und gewinnt angesichts der immer breiteren Nutzung von Elektroautos, Smartphones und Akkuwerkzeugen an Bedeutung.
Rund 500.000 Tonnen Gestein sollen pro Jahr aus dem Bergwerk mit sechs Sohlen bis in eine Tiefe von etwa 300 Metern abgebaut werden. Das Material werde in Altenberg gemahlen und die Körner mittels eines Magnetabscheiders "sortiert", so der 56-jährige Firmenchef weiter: "Dabei machen wir uns zunutze, dass Zinnwaldit auch Eisen enthält." Das so gewonnene Konzentrat soll dann in einer Chemieanlage bei Dresden auf etwa 1000 Grad erhitzt und gelaugt werden, um Lithiumverbindungen zu gewinnen, die verkauft werden können. Die geplante Jahresausbeute liegt nach den Worten des Chemikers bei 8000 Tonnen. Auf dem Weltmarkt werde die Tonne derzeit mit bis zu 12.000 Dollar gehandelt. Aus dem geschätzten Vorrat von 96.000 Tonnen reinem Lithium ließen sich theoretisch etwa 500.000 Tonnen Lithium-Verbindungen gewinnen - der Boden unter Zinnwald wäre damit etwa 5 Milliarden Euro wert.
Müller hält diese Zahl aber für zu reißerisch. Erstens lasse sich die Lagerstätte nicht restlos ausbeuten - geplant ist ein Kammerbergbau, bei dem sogenannte Pfeiler stehen bleiben - und zweitens dürfte der Tonnenpreis wieder sinken. "Wir erleben seit 2015 einen Hype. Zuvor hat die Tonne lange Jahre etwa 6000 Euro gekostet", weiß der Fachmann. Die Schwierigkeit des Projekts bestehe daher weniger im Abbau und der Verarbeitung des Materials, so Müller, "sondern darin, auch dann noch profitabel zu sein, falls der Preis sinkt." Dazu werde derzeit eine "bankenfähige Machbarkeitsstudie" erarbeitet; immerhin werden für die Investitionen gut 100 bis 120 Millionen Euro benötigt. Auch so haben die derzeit fünf Mitarbeiter der Deutschen Lithium noch jede Menge "Hausaufgaben" zu erledigen. So sind beispielsweise ein Rahmenbetriebsplan und diverse Gutachten für das Bergwerk zu erarbeiten. "Bei der Genehmigung prüfen die Behörden, ob wir alle Schutzvorschriften beispielsweise für die Menschen, das Wasser und die Luft in dem Gebiet einhalten", erläutert der Geschäftsführer.
Seine Firma hat ihren Sitz an der Berthelsdorfer Straße 111 in Freiberg - im Verwaltungsgebäude der in Liquidation befindlichen Solarworld. Sie war 2008 als Solarworld Solicium GmbH gegründet und nach dem Einstieg der Bacanora Minerals in diesem Jahr - der kanadische Konzern hält 50 Prozent der Anteile und hat eine Kaufoption für den Rest - in Deutsche Lithium umbenannt worden. An dem Projekt in Zinnwald wird seit 2010 gearbeitet. Zunächst wurden Erkundungsbohrrungen ausgewertet und verifiziert, die zum Teil bis 1917 zurückreichen. 2013/14 sind dann sechs weitere Bohrungen niedergebracht worden; bis Jahresende soll das Erkundungsnetz um 15 weitere Bohrungen verdichtet werden. In Zinnwald war seit dem Mittelalter Zinn abgebaut worden. Der letzte Schacht wurde 1991 im nahen Altenberg geschlossen. "Die Leute dort haben großes Interesse am Bergbau", sagt Müller. Die Zinnwaldit-Lagerstätte selbst reiche bis nach Tschechien hinein: "Es gibt im Altbergbau Untertage sogar ein Gitter an der Stelle, wo die Grenze verläuft." Auf böhmischer Seite lägen etwa zwei Drittel der Gesamtvorräte. Diese untersuche ein australisches Unternehmen genauer.
Glück auf!
Frank
dendrocopos:
Heute in der Presse:
Berggeschrey im Erzgebirge - Der lange Weg zum Bergwerk Von Martin Kloth, dpa
Der Goldrausch heißt im Erzgebirge Berggeschrey: Der Ansturm auf Bodenschätze erlebt dort aktuell die vierte Auflage. Aus fünf Dutzend Projekten ist bislang ein Bergwerk entstanden. In absehbarer Zeit könnten weitere in Betrieb gehen.
Schwarzenberg (dpa/sn) - Aufwändig, langwierig, kostspielig - aber im Idealfall auch ertragreich. Angetrieben von dem weltweit seit Jahren steigenden Bedarf an Rohstoffen erlebt das an Bodenschätzen immer noch reiche Erzgebirge eine Renaissance des Erzbergbaus. Seit 2006 wurden beim Sächsischen Oberbergamt in Freiberg 60 Vorhaben auf Erkundung, Errichtung und Betrieb neuer Bergwerke im Bereich Erz und Spat genehmigt, sagt Oberberghauptmann Bernhard Cramer im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Mit Stand vom 26. Juni gab es in Sachsen noch 16 genehmigte Erkundungen, drei weit fortgeschrittene Projekte sowie ein aktives Bergwerk. «Das ist der neue Bergbau-Hype, der sich global auf spezifische Erzlagerstätten ergeben hat», sagt Cramer. Es ist dies das vierte Berggeschrey seit den ersten Silberfunden im 12. Jahrhundert. Als Berggeschrey wird im Erzgebirge ähnlich dem Goldrausch in Amerika der Ansturm auf Bodenschätze bezeichnet.
Dass von einst 60 Projekten nur noch ein Drittel fortgeführt wird, ist für den Oberberghauptmann ganz normal. Bei vielen Unternehmen seien es nur kurzfristige Aktivitäten. «Die Guten bleiben.» Die weltweite Erfahrung besagt laut Cramer, dass auf 100 Projekte ein neues Bergwerk kommt. «Wir hatten jetzt 60, ein Bergwerk steht schon, zwei sind weit entwickelt», bilanziert er für Sachsen. Das neue Berggeschrey unterscheide sich jedoch sehr deutlich von den drei vorherigen, weil es erst ein Bergwerk gebe, sagt Cramer. «Wir werden hier nicht wieder 30 verschiedene Bergwerke im Erzgebirge in den nächsten 100 Jahren haben. Aber der Begriff an sich schlägt die Brücke zwischen dem, was war, und dem Versuch, wieder einen Anschluss herzustellen», betont er.
Das erste und derzeit einzige Untertagebergwerk in Sachsen seit 1992 ist die Grube Niederschlag nahe Oberwiesenthal. Dort wird Fluss- und Schwerspat abgebaut. Weitere aktive Bergwerke könnten im Schwarzenberger Ortsteil Pöhla für Zinn und Wolfram, in Zinnwald für Lithium und in Schleife im Landkreis Görlitz für Kupfer entstehen. «Diese drei Projekte haben ein Recht auf Errichtung und den Betrieb eines Bergwerks», sagt Cramer. In Pöhla erkundet das Unternehmen Saxony Minerals & Exploration AG (SME) aus Halsbrücke (Landkreis Mittelsachsen) seit Dezember 2016 das Erdreich. Der Erkundungsschacht hat fast die vorgesehene Tiefe von 175 Metern erreicht. Man sei dabei auf das erwartete Wolfram- und Flussspat-Lager gestoßen, so die SME. Schon 2012 hatte die Firma die Bewilligung für den Abbau von Wolfram, Zinn und Flussspat erhalten. 2014 waren die Probebohrungen abgeschlossen worden.
Wer in Sachsen Bodenschätze heben will, braucht einen langen Atem. Das Genehmigungsverfahren inklusive Rahmenbetriebsplänen, Umweltverträglichkeitsprüfungen und Raumordnungsverfahren ist kompliziert und dauert lange. Zuerst wird ein Antrag auf eine bergbaurechtliche Erlaubnis erteilt. «Hier fällt noch nicht die Entscheidung über eine Investition für die Nutzung, sondern man guckt sich die Lagerstätten an und entwickelt Pläne», sagt Cramer. Danach folgt der begründete Antrag für die Errichtung und den Betrieb eines Bergwerks. Im Verlaufe dieser Phase würden über Investitionen entschieden und Geldgeber akquiriert. «Wenn das durch ist, dann müssen sie plötzlich eine Investition über 100 oder 200 Millionen Euro tätigen», erläutert Cramer. Und weiter: «Deswegen gibt es diese sehr komplexen, langen Vorgänge, die alle technisch, geologisch, finanziell und rechtlich miteinander abgestimmt sein müssen.»
geomueller:
Hallo alle,
es gibt wieder einmal Meldungen neuen Erzvorkommen im Erzgebirge und Hoffnungen auf möglichen Bergbau. Siehe Link:
https://www.mdr.de/sachsen/chemnitz/annaberg-aue-schwarzenberg/zinn-vorkommen-erzgebirge-bockau-100.html
Glück Auf, Jürgen
rutilquarz:
Hallo Bergbaufreunde,
den folgenden Artikel wollte ich eigentlich an die Freie Presse schicken, ich denke, er ist auch hier ganz gut angebracht:
oliverOliver:
hallo Petra,
ich seh da nach dem Doppelpunkt aber leider nix!
;)
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