Mineralien / Minerals / Minerales > Allg. Diskussionen Mineralien / General discussions minerals
"Milchquarz": Bergkristallvarietät oder eigene Quarzvarietät?
Frank1984:
Hallo,
Eine sehr interesante Diskussion führt ihr hier.
Für MICH gibt es eine Definition des Begriffes Varietät nicht.
Denn eine Variation zwischen zwei gleichen Stoffen liegt im Auge des Betrachters. Und wird von jedem selbst festgelegt. Meist um auf eine unterschiedliche Ausführungen selber Dinge (Sprache, Minerale u.s.w.) hinzuweisen.
Jeder kann sich also selber aussuchen ob ein Smaragd für ihn eine
Varietät vom Beryll ist oder nicht. In Büchern wird der Begriff verwendet um auf "Besonderheiten" hin zu weisen. Er kann sein Milchquarz also entweder als Varietät bezeichnen wenn es für ihn eine andere Form von Quarz ist.
Aber wie bereits erwähnt wer legt fest was der Ausgangsstoff ist und was eine Varietät.
Mfg Frank
smoeller:
Hallo,
@Stefan: Beim Beryll kann man noch von Varietäten (Smaragd, Aquamarin usw.) sprechen, ebenso beim Korund (Rubin, Saphir), da sich diese in physikalischen und chemischen Aspekten geringfügig von dem Mineral, dem sie zugeordnet sind unterscheiden. So enthalten Rubine und Smaragde Chrom, welches nicht nur die Farbe bedingt, sondern auch physikalische Eigenschaften wie Absorption von Licht (letztlich Ursache der Farbgebung, sehr schön an den Spektren und an der Fluoreszenz z.B. von Rubin zu erkennen) beeinflusst. auch unterscheidet sich hier die Varietät geringfügig im Chemismus (Beryll + Chrom + Vanadium = Smaragd), wobei der Ersatz von Al durch Cr nie so weit geht, dass hier ein neues Mineral vorliegt. Bei höheren Gehalten an Fremdelementen könnte man sogar von einem Mischkristall aus dem "eigentlichen" Mineral und einer oder mehreren (oftmals rein hypothetischen) Endgliedern ausgehen.
Andererseits kann man sich sehr wohl streiten, wenn es sich wie beim Milchquarz um Farbvarietäten handelt, deren Farbe auf Einschlüssen beruht. Mit den Einschlüssen geht ja keine Veränderung des Wirtsminerals einher. Insofern könnte man Milchquarze (mit Luftblasen oder Flüssigkeitseinschlüssen) und Bergkristall (ohne dergleichen) tatsächlich als reinen Quarz bezeichnen. Die Benennungen solcher Varietäten sind oft uralt und haben über Jahrhunderte Eingang in alle Bücher gefunden. Heute sollte man aber vielleicht besser nur noch von Quarz reden, es sei denn, man meint spezielle Quarze mit abweichenden Eigenschaften (Amethyst, Chalcedon usw.).
Betrachtet man jedoch Bergkristall allein aufgrund seiner Transparenz als eigene Varietät, so muss man auch den Milchquarz den Status als Varietät zubilligen.
Ich ordne in meiner Sammlung die Stufen eines Minerals (auch bei Quarz usw.) immer dem Namen des eigentlichen Minerals zu. Erst in der nächsten Zeile bzw. in der Datenbank unter "Varietät" oder "Ausbildung" folgt dann die Bezeichnung der Varietät. So hält man seine Sammlung frei von unnötigen und veralteten Bezeichnungen.
Eine allgemeingültige Definition für "Varietät" ist meines Erachtens kaum möglich. Jeder versteht darunter einen anderen Bereich. Je nachdem, auf welchem Niveau und Gebiet er tätig ist. Der eine versteht darunter auch alte Bergmannsbezeichnungen wie Rubinblende als roter Sphalerit, der andere sagt, dass sei keine eigene Varietät. Auch, ob man spezielle Aggregatformen (Glaskopf, Schalenblende (hier im Sinne von Sphalerit gemeint) oder Blätterspat) als Varietäten oder lediglich als Wachstums/-Aggregatform auffasst, ist letztlich jedem selbst überlassen. Ebenso Mineralien mit Einschlüssen oder spezielle fundorttypische Ausbildungen.
Glück Auf!
Smoeller
Ralf:
Was ist denn eigentlich eine Variante ?
Bei den Insekten sind Varianten häufig. Man definiert es vereinfacht ausgedrückt so:
Man hat eine Stammform, irgendwann einmal beschrieben. Nun gibt es aber u.U. jede Menge Individuen der Gleichen Art, die sich in Form und/oder Farbe deutlich von der Stammform unterscheiden. Sind nun die Nachkommen einer solchen Spielart immer das genaue Ebenbild der Elterntiere, spricht man von einer Variante. Sind die Nachkommen unterschiedlich, ist es keine Variante.
Um es zu verdeutlichen:
Es gibt in unseren Breiten einen Nachtfalter namens Birkenspinner ( Biston betularia ). Die Stammform ist weiß mit schwarzen Sprenkeln. Nun gibt es dieses recht häufige Tier aber in allen Farbschattierungen, von rein weiß bis komplett schwarz. Paaren sich z.B. zwei komplett schwarze Falter, können die Nachkommen alle möglichen Farbschattierungen haben. Man spricht hier nicht von einer Variante, sondern von Melanismus. Als Stilblüte geht man immer mehr dazu über, besondere Spielarten ( z.B. die komplett schwarzen ) als forma zu bezeichnen. So heißt der schwarze eben Biston betularia f.(orma) carbonaria. Ist aber eigentlich Quatsch.
Im Gegensatz dazu gibt es einen Laufkäfer ( Carabus auronitens ). Die Stammform hat grüne Flügeldecken. In Belgien gibt es eine Form mit fast schwarzen Flügeldecken. Paaren sich zwei Käfer dieser Form, haben die Nachkommen immer auch schwarze Flügeldecken, sind also mit den Elterntieren identisch. Hier spricht man von einer Variante, eben Carabus auronitens var. putzseisy.
Das sind nur mal zwei Beispiele.
Die Mineralien machen es uns nun schwer, da sie sich ( leider ) nicht fortpflanzen.
Wenn man nun überhaupt über Varietäten bei Mineralien sprechen will, muß zunächst die Stammform definiert sein. Diese könnte man vielleicht bei einigen aus der Erstbeschreibung ableiten. Ein zweiter Ansatz wäre, die am häufigsten vertretene Form als Stammform anzunehmen und daraus Varianten abzuleiten. Auch das dürfte m.E. schwierig sein.
Der Zweite Punkt wäre festzulegen, welche Kriterien erfüllt sein müssen, um eine bestimmte Ausbildung als Variante ansprechen zu können. Dies müsste dann aber international gültig sein.
Alles in allem ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen.
Im allgemeinen Sprachgebrauch ist es sicher richtiger von Formen oder Ausbildungen zu sprechen. Dabei ist die Stammform abstrakt. Bergkristall, Milchquarz, Rauchquarz etc. sind Formen oder Ausbildungen von Quarz.
Ralf
berthold:
Hallo,
--- Zitat ---Die Mineralogen sind ein kurioses Völkchen
--- Ende Zitat ---
:D
Es gibt -auch in anderen Wissenschaften- zahlreiche Begriffe die sich nicht so einfach definieren lassen und dennoch uneingeschränkt verwendet werden. Einfaches Beispiel: "Rot" Klar, man könnte nach RAL, DIN, oder ISO mittels Farbmetrik usw. einen Punkt (Farbort) bestimmen, der "rot" ist, aber wo sind dann die Grenzen nach "orange", "violett", "rosa" usw. ? Nein, schon da scheitert jede Definition und man stellt sich - wenn möglicherweise auch nur geringfügig anders - irgendeinen Farbeindruck/Bereich beim Begriff "rot" vor.
Würde jetzt jemand auf die Idee kommen den Begriff "rot" durch den (z.B. nach DIN 5033 definierten) Begriff "Farbe" zu ersetzen? Wohl eher nicht. Und ebenso macht es das kuriose Völkchen. Wir können zwar mit keiner Zahlenangabe, Messmethode usw. die Varietäten z.B. von Quarz definieren. Aber sie sind doch existent. Wenn ich sage "Amethyst" teile ich mehr mit, als wenn ich sage "Quarz". Und wir finden den Begriff "Amethyst" in zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten. Da auch die Wissenschaft z.B. in diesem Zusammenhang von "Quarz-Varietäten" ("amethyst, the purple quartz variety") spricht habe ich kein Problem mit dem Begriff "Varietät".
Gruß
Berthold
Navigation
[0] Themen-Index
[*] Vorherige Sete
Zur normalen Ansicht wechseln