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Autor Thema: fragen zur radioaktivitaet und deren auswirkungen  (Gelesen 38859 mal)

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Offline sabine

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Re: fragen zur radioaktivitaet und deren auswirkungen
« Antwort #30 am: 04 May 07, 21:13 »
guten abend. :)

nochmal eine frage: werden gegenstaende, die sich ganz in der naehe eines kistchens mit radioaktiven mineralien befinden (also z.b. die holzschachtel drumherum) oder auch andere mineralien in der naehe nicht mit der zeit radioaktiv kontaminiert?

danke!

Offline smoeller

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Re: fragen zur radioaktivitaet und deren auswirkungen
« Antwort #31 am: 05 May 07, 00:22 »
Hallo,

Rein theoretisch ist dies tatsächlich denkbar. Aber bei den Mengen, die du wohl haben könntest und der Zerfallsrate des Urans ist es eher so gut wie ausgeschlossen, später radioaktiven Müll zu bekommen.

Das Hauptproblem ist folgendes: Radon zerfällt unter Bildung fester Tochterprodukte, insbesondere Polonium, die ebenso radioaktiv sind. Ausgasendes Radon bildet also metallische Zerfallsprodukte, die sich dann irgendwo niederschlagen, auch am Döschen.

Gefährlich wurde dies aber im Falle von Uranbergleuten, die ständig mit der schlechten Stollenluft größere Radonmengen einatmen. Das schwere Gas kommt zum Teil nicht wieder aus der Lunge heraus und zerfällt nach 2 Tagen zur Hälfte in andere Alphastrahler (Polonium), die als Metall in der Lunge bleiben und dort erhebliche Schäden verursachen. Man nennt dies Schneeberger Krankheit, eine Form von Lungenkrebs.

In gut durchlüfteten Räumen ist aber die Akkumulation von Radon äußerst gering.

Keine Sorge also, solltest du nicht gerade einen Bleisarg um ein 20 kg Stück Pechblende haben.

Glück Auf!
Smoeller

Offline sabine

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Re: fragen zur radioaktivitaet und deren auswirkungen
« Antwort #32 am: 05 May 07, 00:32 »
hallo Smoeller,

naja, das ist ja nicht nur das radon... ausserhalb des kaestchens ist strahlung messbar, die betastrahler kommen wohl ja durch das bisschen plastik durch. gleich das zweite element der zerfallsreihe ist ja ein betastrahler... und das zerfaellt dann ausserhalb des behaeltnisses weiter.

ok, das z.b. radon in unserer luft zerfaellt ja auch so vor sich hin, insofern...
kann man da irgendwelche angaben machen, d.h. wieviel uSv oder wohl eher mSv - ausserhalb des kaestchens gemessen - ueber welchen zeitraum zu einer messbaren (groesseren) kontamination fuehren wuerden? oder sind 10 kilo pechblende auf jeden fall noch ok (scherz). ;D


ps: danke, mit "schneeberger krankheit" hab ich jetzt noch einen interessanten begriff zum googeln. ;)

Offline smoeller

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Re: fragen zur radioaktivitaet und deren auswirkungen
« Antwort #33 am: 05 May 07, 00:40 »
Hallo,

Meines Erachtens ist es halt das Radon, was Probleme machen wird. Denn Radon zerfällt halt weiter.

Beta-Strahlung als solches besteht aus nahezu masselosen (10-32 g) Teilchen (Elektronen/Positronen), die nicht weiter zerfallen, aber von der Materie absorbiert werden. Das Mutterisotop (Uran-235 z.B.) bleibt hingegen an Ort und Stelle und sorgt nicht für Kontamination.

Das größte Problem indessen sind sicher die Uranblüten und- Glimmer, bei denen nach und nach durch abfallende Körnchen des Minerals der ganze Kasten kontaminiert wird.

Glück Auf!
Smoeller

Offline sabine

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Re: fragen zur radioaktivitaet und deren auswirkungen
« Antwort #34 am: 05 May 07, 00:52 »
ach so... ich dachte, dass die betastrahler ebenfalls noch weiter zerfallen. hmm, da hatte ich wohl was falsch verstanden.

insofern muesste es bei einem wirklich versiegelten kasten ja zu keiner weiteren kontamination kommen, da das radon ja nicht entweichen und auch die betastrahlung zu keiner weiteren kontamination fuehren kann.

danke fuer die info!

Offline Hg

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Re: fragen zur radioaktivitaet und deren auswirkungen
« Antwort #35 am: 05 May 07, 01:07 »
Hallo,
die Kontamination durch Radioaktivität wird hauptsächlich durch Teilchen (Stäube) des Minerals verursacht, das eingedost ist. Durch Radon verursachte Radioaktivität ist meines Erachtens "Erbsenzählerei". Man braucht schon eine mörderaktive Stufe, um durch Radon-Töchter verursachte Kontaminationen zu messen. Die Krankheiten, die smöller beschreibt wurden durch etwas größere Mengen an U-Erze verursacht (hauptsächlich im Bergbau).
Beta-Strahlung besteht ja bekannterweiße aus Elektronen (bzw. Positronen). Die haben keine allzugroße Reichweite und gelangen kaum durch die Plexiglasdosen bzw. ein wenig Abstand von der eingedosten Dose genügt völlig aus.
Beta-Strahler zerfallen zwar, aber die daraus entstanden Nuklide bleiben weiterhin innerhalb der (hoffentlich gut) verschlossenen Mineraliendose.

@smöller
Zitat
Das Mutterisotop (Uran-235 z.B.) bleibt hingegen an Ort und Stelle und sorgt nicht für Kontamination.
schau mal nach, zu wieviel % U-235 in natürlichem Material vorkommt  :-\
und berechne mal die Masse Po-210, die aus der Zerfallsreihe von U-238, die aus einer Stufe von wenigen Gramm U-Mineral bestehend, entsteht ;)

Gruß
Andreas

Offline sabine

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Re: fragen zur radioaktivitaet und deren auswirkungen
« Antwort #36 am: 05 May 07, 01:13 »
ich hoffe meine dauernden fragen nerven nicht

@Hg

also ist das, was ausserhalb des kaestchens und auch noch in 20 cm abstand gemessen werden kann, doch eher die gammastrahlung die ein paar posts weiter oben von dir beschrieben wurde und nicht etwa betastrahlung?

aber... du hast doch geschrieben

Zitat
Mit einem Geiger-Müller kann man nur Alpha und Beta nachweisen

irgendwie versteh ich das nicht... ???

Offline Hg

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Re: fragen zur radioaktivitaet und deren auswirkungen
« Antwort #37 am: 05 May 07, 16:13 »
Hallo,
naja, das mit der Abschirmung der Betas durch die Plexiglasdose ist eben nur relativ. Ein gewisser Teil geht da schon durch. Wenn man richtig abschirmen möchte, müsste man mit Blei o.ä. herangehen. Aber mit dem nötigen Abstand ist das alles halb so kritisch (Abstandsgesetz A~1/r²).
Mit einem Geiger-Müller-Zähler kann man keine Gamma-Strahlung (oder nur sehr schwierig) nachweisen, da die Wechselwirkung der Strahlung mit dem Zählgas einfach sehr gering ist und dadurch kaum die kaskadenförmige Ionisation im Zählgas ausgelöst werden kann.
Gruß
Andreas

Offline MichaelP

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Re: fragen zur radioaktivitaet und deren auswirkungen
« Antwort #38 am: 05 May 07, 17:57 »
Hallo zusammen,
letzte Woche habe ich im Vogtland Uranmineralien gesucht und gefunden, und da ich irgendwie ein ungutes Gefühl dabei hatte, habe ich mir ein Strahlenmeßgerät gekauft und gerade folgenden Versuch durchgeführt.
Das Gerät hat drei Meßmodi: 1. Gamma-, 2. Beta- und Gamma-, sowie 3. Alpha-, Beta- und Gammastrahlung
Geprüft wurde die Strahlung eines ca. 7x3x1 mm großen Stückes Uranocircit.
Gemessen wurden die Pulse im Zeitraum von 1 Minute.

1. Messung ohne Mineral
Gamma: 28
Beta und Gamma: 31
Alpha, Beta und Gamma: 31

2. Messung mit Mineral im Abstand von 2 cm
Gamma: 29
Beta und Gamma: 141
Alpha, Beta und Gamma: 167

3. Messung mit Mineral in Plastikdose, Abstand 2 cm
Gamma: 30
Beta und Gamma: 74
Alpha, Beta und Gamma: 85

4. wie 3., jedoch Abstand 10 cm
Alpha, Beta und Gamma: 28

Mein Fazit (als Laie):
keine gefährliche Gammastrahlung
Halbierung der Alpha- und Betastrahlung durch Verpackung in Plastikdose
ab ca. 10 cm (bei Lagerung in Plastikdose) keine erhöhte Strahlung feststellbar

Wie auch immer, ich werde die Stücke fotografieren und dann in den Keller bringen.

Viele Grüße

Michael

Offline sabine

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Re: fragen zur radioaktivitaet und deren auswirkungen
« Antwort #39 am: 05 May 07, 18:49 »
hmmm, also ich habe ein dosimeter mit geiger-mueller-zaehlrohr.

dieser kann sowohl die aequivalenzdosis (in uSv und uRem) sowie "gramma radiation energy" (in MeV) messen.

angezeigt wird aber immer nur die aequivalenzdosis, einzeln einstellen kann man da leider nichts.
ich gehe davon aus, dass mit diesem geraet also immer kombiniert alpha- beta- und gammastrahlung zu messen sind?
(ist ein radex rd1503)

Michael, was hast du denn genau fuer ein messgeraet, wenn ich fragen darf?

Offline MichaelP

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Re: fragen zur radioaktivitaet und deren auswirkungen
« Antwort #40 am: 05 May 07, 20:39 »
Hallo Sabine,
es ist ein Gamma-Scout von der gleichnamigen Firma.
Viele Grüße
Michael

Offline sabine

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Re: fragen zur radioaktivitaet und deren auswirkungen
« Antwort #41 am: 05 May 07, 22:06 »
ahh ja, das ding hab ich bei conrad gesehen glaube ich... fuer fast 300 euro. :o

tolles ding, aber eben... der preis. die USB version ist suuuper, das waer fuer 300 euro echt was... aber nein, die kostet ja gleich 500 euro. :-\
naja, ist ja auch der ferrari unter den strahlungsmessgeraeten. ;D

darf ich fragen wieviel uSv/h bei dem kleinen stueck uranocircit angegeben werden?

Offline smoeller

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Re: fragen zur radioaktivitaet und deren auswirkungen
« Antwort #42 am: 05 May 07, 22:39 »
Hallo Hg,

Wollte damit lediglich die Bedenken von Sabine zerstreuen. Ich weiss sehr wohl, dass die Mengen an Polonium äußerst gering sind und man deshalb kaum damit rechnen muss, damit die Kästen zu kontaminieren.



Uranocircit ist halt deswegen gefährlich, weil er beim bewegen staubt und man bald radioaktiven Staub in der Kiste hat.

Meine Meinung: Solange man nur kleine Proben sammelt, sollte man ausschließlich wegen dem Staub aufpassen, der lungengängig ist (Kästen gut abdichten), nur bei größeren Stufen mit höherem U-Gehalt, insbesondere Pechblende ist auch auf den Strahlenschutz (Bleikammer, Abstand usw.) zu achten.

Glück Auf!
Smoeller

Offline sabine

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Re: fragen zur radioaktivitaet und deren auswirkungen
« Antwort #43 am: 05 May 07, 23:05 »
hallo,

nur noch mal zum verstaendnis...
ich hab keine uebertriebene angst oder sonstwas vor radioaktiven mineralien... dafuer ist es eh schon zu spaet, habe ein paar kleine stufen zuhause (und dort auch nicht in einen keller verbannt). sie sind gut verpackt und in einem gewissen abstand ist die strahlung genau so hoch wie auch z.b. in der kueche, insofern ist wohl alles tutti.

ich wuerde nur gern mehr wissen, das ist alles.

also so wie ich das verstanden habe:

- gibt es messgeraete, die sowohl alpha- beta- und gammastrahlung messen - wie der gamma-scout von Michael.
- ausserdem gibt es messgeraete, die scheinbar nur gammastrahlung messen? wie mein radex rd1503
- und es gibt messgeraete, die beta- und gammastrahlung messen.
- es gibt messgeraete, die ausserdem die pulse anzeigen koennen, siehe gamma-scout - aber messen muss doch jedes messgeraet diese um auf die aequivalenzdosis zu kommen, oder? nur eine anzeige in Bq gibt es bei diesen nicht?

- es entsteht (fast?! lt. frank) immer gamma-strahlung wenn ein atomkern zerfaellt, ganz egal ob alpha- oder betazerfall.
- ausserdem entsteht - je nach element -  heliumkerne (alphazerfall) elektronen (betazerfall).
- uran 238 zerfaellt also in mehrere alpha- oder beta- strahlende elemente, die jedoch (fast) immer auch zusaetzlich noch gammastrahlung aussenden.

- mein messgeraet, das scheinbar nur gammastrahlung messen kann, zeigt also weit weniger an als ein messgeraet, das alpha- beta- und gammastrahler messen kann (vergleiche Michael's messungen).
oder... was sagt uns dieses manual.... http://illy.homelinux.net/tmp/mineralien/manual.gif

sorry, irgendwie ist das nicht einfach fuer jemanden, der sich noch nie vorher mit der materie beschaeftigt hat... :-[
oder ik bin doof, kann ooch sein. :P

Offline MichaelP

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Re: fragen zur radioaktivitaet und deren auswirkungen
« Antwort #44 am: 05 May 07, 23:12 »
in 2 cm Entfernung gibt das kleine Stück Uranocircit bis zu 1,70 MikroSv/h ab.
Die normalen Werte (ohne Uranmineral) liegen bei mir so zwischen 0,15 und 0,30.
Das schwankt ständig.

Wie gefährlich das alles wirklich ist, mag ich nicht beurteilen.
Bei mir um die Ecke ist eine alte Bleimine. Vor den Halden stehen große Schilder, die auf die Gesundheitsgefahr hinweisen.
An den Halden des Uranbergbaus im Vogtland standen keine Schilder.
Direkt neben der Halde Bergen-Streuberg ist ein Cafe mit einem Kinderspielplatz.
Würde das alles genehmigt, wenn es so gefährlich wäre ?
Ich weiß es nicht.

 

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