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Autor Thema: Oolith-Geschiebe von Bornholm  (Gelesen 29346 mal)

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Offline Psaronius

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Oolith-Geschiebe von Bornholm
« am: 06 Sep 07, 14:57 »
Habe bei meiner letzten Exkursion auf Bornholm im Steilufer der Südküste(Risegaard) einen Oolithen gefunden. Obwohl in der Geschiebeliteratur vereinzelte Funde von Oolithen in Norddeutschland und Dänemark erwähnt werden, paßt mein Exemplar zu keinem der beschreibenen Arten.
Auch hiesige Fachleute von der Uni guckten recht ratlos...
Hat jemand ähnliche Fünde getätigt, eine Idee oder weitere Literaturhinweise zu der Problematik ?
Werde auch noch ein Foto einstellen...
Hoffe auf Meinungen,
Gruß Psaronius

PS: Die Größe der einzelnen Ooide bis ca. 10 mm;
        zwischen und in diesen Fossilienreste (meist Schalen von Mollusken)...
« Letzte Änderung: 05 Apr 13, 11:29 von oliverOliver »

Offline Psaronius

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Re: Oolith-Geschiebe von Bornholm
« Antwort #1 am: 06 Sep 07, 15:08 »
Hier das angekündigte Foto:

http://img248.imageshack.us/img248/1/oolith077gu6.jpg
Oolith-Geschiebe von Bornholm
« Letzte Änderung: 05 Apr 13, 11:27 von oliverOliver »

Offline Psaronius

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Re: Oolith-Geschiebe von Bornholm
« Antwort #2 am: 06 Sep 07, 15:14 »
Und noch ein Detail:

http://img120.imageshack.us/img120/7380/oolith076oc0.jpg
Oolith-Geschiebe von Bornholm
« Letzte Änderung: 05 Apr 13, 11:29 von oliverOliver »

Isarkiesel

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Re: Oolith-Geschiebe von Bornholm
« Antwort #3 am: 07 Sep 07, 08:46 »
Hallo Psaronius,

im "Hucke" (Einführung in die Geschiebeforschung) finden sich Hinweise auf oolithische Geschiebe aus dem oberen Jura (Malm), die im östlichen Ostseeraum (Danzig, Pommern) häufiger sein sollen (das könnte ja mehr oder weniger auch noch Bornholm einschließen), in Deutschland aber wohl eher selten sind. Diese Geschiebe sollen auch Fossilien enthalten. Leider war keine Abbildung verfügbar, so dass kein direkter Vergleich möglich ist - aber es ist immerhin eine Spur ;)

Gruß,
Holger

Offline Psaronius

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Re: Oolith-Geschiebe von Bornholm
« Antwort #4 am: 07 Sep 07, 10:02 »
Hallo,
habe natürlich "Hucke" auch in dieser Richtung nachgeschlagen, auch in anderer Geschiebeliteratur sind Oolithe erwähnt. Allerdings sind deren Beschreibung und auch einige Fotos nicht mit meinem Stück identisch. - Meist sind die Ooide wesentlich kleiner, Farbe und Fossilgehalt sind auch anders.
Auch die wenigen Stücke in den Sammlungen, - u.a. Uni Greifswald, sehen anders aus...
Die Frage ist ja auch, wo dieses Stück hergekommen sein könnte, sprich Primärfundstelle im Anstehenden, müßte ja irgendwo nördlicher liegen...
Danke und gruß
Psaronius

Isarkiesel

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Re: Oolith-Geschiebe von Bornholm
« Antwort #5 am: 07 Sep 07, 10:28 »
Hallo,

die Größe der Oolithen ist in der Tat erstaunlich. Da es nach den Fotos den Anschein hat, dass diese Bildungen um "Kerne" (kleine Steinchen, Fossilbruchstücke) herum entstanden sind, stellt sich die Frage, ob es sich tatsächlich um Oolithe im strengen Sinne (rein anorganischen Ursprungs) oder um Onkoide (fossile Algenmatten) handelt. Auf letztere habe ich in meiner kleinen Geschiebebibliothek gar keinen Hinweis gefunden. ... ???

Eine dumme Frage von jemandem, der Bornholm nicht kennt: Würdest Du Verschleppung des Stückes durch Menschen an seinen ursprünglichen Fundort ausschließen?

Insgesamt stellt sich bei einem solch "exotischen" Fund vielleicht die Frage, ob man nicht  einen Beitrag im Geschiebesammler schreiben sollte, in dem man dieses Stück beschreibt und um Hilfe bei der Bestimmung bittet.

Gruß,
Holger

Offline Psaronius

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Re: Oolith-Geschiebe von Bornholm
« Antwort #6 am: 07 Sep 07, 11:09 »
@Isarkiesel

Habe mir die Frage, ob das Stück eventuell durch irgendwelche Zweibeiner dorthin umverlagert wurde,
auch schon gestellt.... Da das Stück aber direkt in einer relativ frisch aufgeschlossenen Wand des Steilufers steckte, erscheint mir das eigentlich unwahrscheinlich.
Übrigens war die Reaktion einiger Wissenschaftler recht lustig: Zuerst ein "Aha, ein Oolith, die kommen hier als Geschiebe manchmal vor.." oder so ähnlich. Aber dann beim weiteren Nachfragen absolute Ratlosigkeit ! Keiner hatte sich damit jemals richtig beschäftigt. Angeblich sollen im Greifswalder Bodden mal Oolithe erbohrt worden sein, allerdings in einigen Hundert Metern Tiefe... Ansonsten hatte auch keiner eine Idee, wo dieses Gestein anstehen könnte.
Zur Oolith-Definition. Die anorganische Genese ist klar, aber in einigen Publikationen wird auch die Möglichkeit der Bildung von Ooiden um Fossilienresten herum  nicht ausgeschlossen...
Eine Publikation in der Geschiebeliteratur zur Problemklärung ist vielleicht gut, ich wollte nur vorher mal hören, ob noch andere ähnliche Funde getätigt haben, oder dazu was wissen.
Übrigens sammel ich schon einige Jahre auf Bornholm, habe bisher soetwas aber nur ein einziges Mal gefunden.
So, das dazu,
Gruß
Psaronius

Isarkiesel

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Re: Oolith-Geschiebe von Bornholm
« Antwort #7 am: 23 Sep 07, 09:35 »
Hallo Psaronius,

auf die Gefahr hin, dich mit Ideen bezüglich Herkunft zu nerven, die Du bereits kennst oder verworfen hast: Im Schulz (Geologischer Führer für den norddeutschen Geschiebesammler), Kapitel 9.4.2.2, sind vergleichbare Bildungen aus dem Silur Gotlands beschrieben. (Ärgerlich: Zwar war ich diesen Sommer auf Gotland, habe aber die entsprechenden Fundorte nicht besucht, kann also keinen direkten Vergleich liefern.) Immerhin: Das Silur steht schließlich auch auf dem Grund der Ostsee großräumig an, so dass es nicht unvorstellbar ist, dass Dein Fundstück aus einer derartigen Schicht stammt.

Gruß,
Holger

Offline Psaronius

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Re: Oolith-Geschiebe von Bornholm
« Antwort #8 am: 23 Sep 07, 10:08 »
Hallo,
Du nernvst überhaupt nicht und es freut mich, wenn das Thema interessiert.
Die Literaturquelle kenne ich auch. - Hab ja alles zugängliche nach Oolithen durchforstet.
Leider sind in den Büchern kaum Fotos vorhanden und wenn doch, dann ähneln die Stücke darauf nicht meinem Fund.
Ich glaube auch, das das Anstehende auf dem Grund der Ostsee zu suchen ist, da mir keiner auf dem skandinavischen Festland Vorkommen von Oolithgesteinen nennen konnte.
Interessant ist aber vor allem die Seltenheit. Selbst das Norddeutsche Geschiebearchiv an der Greifswalder Uni (enthält auch alle Sammlungen der Rostocker Universität) hat bloß einen Oolithen im Bestand !
Eine andere Frage: Aus welcher Ecke stammst Du ? Gibt es bei Euch zufällig "normales" Oolithengestein ?
Wäre an Vergleichsmaterial interessiert... In S-Deutschland gibt es ja einige Vorkommen...
Das wars auch schon, bis demnächst
Gruß
Psaronius

Isarkiesel

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Re: Oolith-Geschiebe von Bornholm
« Antwort #9 am: 23 Sep 07, 10:27 »
Hallo Psaronius,

wie der Nickname verrät, lebe ich im (meistens  ;D schönen) Bayern. Die einzigen Gesteine, die hier als vergleichbare Bildungen häufiger zu finden sind, stellen onkolithische Bildungen aus der Trias der Alpen dar, bei denen ebenfalls kleinere Bruchstücke von Muschelschalen, Seeigelstacheln etc. durch Algenmatten unregelmäßig überwuchert wurden. Diese sind mit Deinem Fund, bei dem neben der Größe auch die Regelmäßigkeit der Schichten auffällt, nicht wirklich vergleichbar. Leider habe ich kein Foto parat (und die Strukturen sind im Foto auch nicht leicht darzustellen), so dass ich hier kein Vergleichsbild anbieten kann. Werde ich aber gerne nachholen, wenn es Dich interessiert. Auch ein Vergleichsexemplar kann ich - falls gewünscht - gerne zur Verfügung stellen.

Die "echten" Oolithen, also die rein anorganischen Bildungen, kenne ich auch nur aus der Literatur.

Gruß,
Holger

Offline Psaronius

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Re: Oolith-Geschiebe von Bornholm
« Antwort #10 am: 23 Sep 07, 10:30 »
Hallo Isarkiesel,
danke für die schnelle Antwort.
Würde mich über ein Foto oder einen Beleg des von Dir erwähnten Materials freuen.
Was sammelst Du ?
Muss leider gleich los, d.h. ich verabschiede mich erst einmal aus dem Forum bis heute Nachmittag.
Also, bis demnächst,
noch einen schönen Tag,
Gruß
Psaronius

Offline smoeller

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Re: Oolith-Geschiebe von Bornholm
« Antwort #11 am: 28 Sep 07, 12:26 »
Hallo,

Es gibt auch Oolithische Kalke im unteren Muschelkalk (sog. Schaumkalk oder mu4) und im oberen Muschelkalk sowie im Malm Süddeutschlands. Insbesondere aus dem Rogenstein des Malm im südlichen Oberrheingraben sind mir größere Oolithe bekannt. Es ist nun ja durchaus denkbar, dass der Malm im Bereich der Ostsee ausstreicht. Allerdings ist mir Malm aus dem norddeutschen Tiefland nur als Gerölle in der Kreide (Lägerdorf und Helgoland) bekannt, jedoch nicht anstehend.

Glück Auf!
Smoeller

Offline Psaronius

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Re: Oolith-Geschiebe von Bornholm
« Antwort #12 am: 28 Sep 07, 18:18 »
@Smoeller
Habe gestern gerade einiges an Literatur gewälzt.
Oolithe, verschiedenen Alters und Herkunft (auch Schweden) als Geschiebe sind auch darin erwähnt.  - allerdings sehen auch die viel anders aus: Kleinere Ooide, dichter gepackt und typische Fossilreste.
Bin also noch nicht fündig geworden. Hast Du zufällig ein Foto von dem Gestein, welches Du erwähnt hast ?
Wäre interessant es mal zu sehen...
Ansonsten danke ich für den Tipp,
Gruß
Psaronius
 

Offline smoeller

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Re: Oolith-Geschiebe von Bornholm
« Antwort #13 am: 28 Sep 07, 18:48 »
Hallo,

Versuche Sonntag mal ein Bild von dem Rogenstein zu machen.

Glück Auf!
Smoeller

Offline Psaronius

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Re: Oolith-Geschiebe von Bornholm
« Antwort #14 am: 28 Sep 07, 19:32 »
Hallo,
danke schon im Voraus !
Übrigens sehen die meisten Rogen-Steine wirklich wie der namensgebende Fisch-Rogen aus...
Bei meinem Geschiebe allerdings sind die Ooide relativ dünn in der Matrix verstreut.
- Was anderes: Hast Du an die roten Flinte gedacht ?
Gruß
Hartwig

 

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