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Autor Thema: Mineral aus Nieder-Beerbach  (Gelesen 3447 mal)

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Offline felsenmammut

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Mineral aus Nieder-Beerbach
« am: 08 Nov 07, 11:56 »
Glück Auf!

Seit einigen Wochen rätsel ich an einigen Stufen aus Nieder-Beerbach rum. Ursprünglich wollte ich nur die Zinkblendekristalle aus dem Calcit befreien mit Essigsäure. Dabei tauchten noch eine ganze Menge anderer Minerale auf. Das meiste sind Erze die ich bestimmen kann, die aber leider schlecht auskristallisiert sind. Da wären Bleiglanz, Bornit, Kupferkies, Pyrit. Dann fanden sich noch einige Kristalle eines 6seitigen, säuligen Minerals (Erz) das langsam zu einer Spitze zuläuft (wie eine langgestreckte Pyramide) und ein dunkelgrünes Mineral (irgendein Chlorit?) das reichlich auf dem Kluftrand zu finden ist, sitzt zum Teil auch auf den Erzen drauf.

Die Erze befinden sich alle in einem maximal 2 cm dicken Calcitgang ohne Quarz am Rand. Die meisten Erze sitzen mehr oder weniger fest am Rand, während der Calcit nahezu den gesamten Gang ausfüllt. Gelegentlich sind einige Schuppen des dunkelgrünen Minerals im Calcit eingelagert. In den wenigen Hohlräumen findet man schöne glänzende Kristallaggregate von Zinkblende (zum Teil honigfarbend). Da diese Zinkblendeaggregate immer größtenteils vom Calcit umschlossen sind, hab ich den Calcit entfernt, zumal er auch keine brauchbaren Kristalle ausbildete. Vollkommen in Calcit eingewachsen findet man auch noch weitere einzelne Zinkblendekristalle (?) als honigfarbende Plättchen. Es müssten also deutlich verzerrte Kristalle sein.

Das fragwürdigste Mineral, um das es mir hier vor allem geht, befindet sich schwimmend im Calcit. Nur selten ist es mal am Kluftrand angewachsen. Es kommt immer büschelförmig vor, wobei die einzelnen Kristalle voneinander weggebogen sind. Meistens ist es mit dem dunkelgrünen Mineral (als Schuppen im Calcit) verwachsen.  An einigen Stellen ist es allerdings unverwachsen und man erkennt einen rotbräunlichen Schimmer im Durchlicht. Mit bloßem Auge erscheint es als schwarzes,  glänzendes Mineral.

Ich habe schon die Mineralliste von Nieder-Beerbach durchgearbeitet und entweder Arseniosiderit oder Allanit für möglich gehalten. Aber beides passt auch nicht so richtig, da sie in so nadeliger Aufsbildung deutlich bräunlicher sind. Von einem einheimischen Sammler, den ich im Steinbruch getroffen habe,  wurde mir das ganze (nach meiner Meinung sehr flüchtigem draufgucken) als Löllingit bezeichnet. Der müsste aber deutlich metallisch-grauer aussehen. Was also könnte dieses Mineral sein?

Da ich noch keine geeignete Technik habe um Mineralfotos von Mikros zu machen, habe ich die eine Mikromountstsufe über den Scanner abgelichtet.

Glück Auf!

Felsenmammut

Isarkiesel

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Re: Mineral aus Nieder-Beerbach
« Antwort #1 am: 08 Nov 07, 12:03 »
Hallo,

Betechtinit vielleicht? Habe ich in einer alten Odenwaldsammlung in ähnlicher Form von diesem Fundort gesehen.

Gruß,
Holger

Offline -M-

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Re: Mineral aus Nieder-Beerbach
« Antwort #2 am: 08 Nov 07, 14:35 »
 Hallo,

            "... einige Kristalle eines 6seitigen, säuligen Minerals (Erz) das langsam zu einer Spitze zuläuft ..."  -  könnte Pyrrhotin sein


             "...Es kommt immer büschelförmig vor,...
              ...  man erkennt einen rotbräunlichen Schimmer im Durchlicht. Mit bloßem Auge erscheint es als schwarzes,  glänz. Mineral..."
               
                -  ( büschelf.) - kannst du die einzelnen Individuen konkreter beschreiben ?
                -  ( schwarz,glänzend) - kannst du den Glanz konkreter beschreiben ?
                             
               Gruß-M-

Offline smoeller

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Re: Mineral aus Nieder-Beerbach
« Antwort #3 am: 08 Nov 07, 16:05 »
Hallo,

Betechtinit wäre möglich. Es kommt in dem Vorkommen auch Trechmannit vor, der rote Innenreflexe hat, ist aber meines Wissens nicht so feinnadelig. Allerdings können auch Kupfersulfide wie Djurleit oder Digenit in nadeliger Ausbildung vorkommen. Die haben auch blauviolette Anlauffarben.

Glück Auf!
Smoeller

Offline raritätenjäger

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Re: Mineral aus Nieder-Beerbach
« Antwort #4 am: 08 Nov 07, 20:28 »
Betechtinit ist meines Wissens bisher vom Glasberg nicht bestimmt worden und die Trechmannite waren wie ich glkaube auch alles Fettelite?

Glückauf
Andreas

Offline felsenmammut

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Re: Mineral aus Nieder-Beerbach
« Antwort #5 am: 09 Nov 07, 22:23 »
Glück Auf!

@-M- Die säuligen Kristalle sind definitiv Pyrrhotine, hätte ich ja auch selber darauf kommen können. Mit dem Magneten lies sich eindeutig ihr Magnetismus nachweisen.

Zu den noch unbestimmten Kristallen:
Die Kristalle an sich sind erst einmal vollkommen schwarz und undurchsichtig. Nur an den Spitzen werden sie rötlich oder orange durchscheinend. Man erkennt keine ausgebildeten Spitzen. Die Kristalle laufen fast alle eher ganz langsam zu einer Spitze zu. Man erkennt auf den Flächen deutliche Streifungen, bzw Absetze. An diesen Absetzen werden die Kristalle entweder etwas dicker oder dünner. Manche Kristalle werden zum Ende zu deutlich dicker. Im Prinzip sehen die Kristalle weitestgehen aus wie nicht perfekt gestapelte Spielkarten. Der Abstand der Absetze ist in den Bereichen wo die Kristalle keine deutliche Dickenzunahme haben kleiner als der Kristalldurchmesser. Vom Querschnitt her sind es (sehr wahrscheinlich, ganz genau erkennt man es nicht) immer sechseckige Formen. Es scheinen auch Zwillingsbildungen längst zur Kristallwachstumsrichtung möglich zu sein. Man könnte meinen es sind dann 12eckige Kristalle (man kann es aber schlecht nachzählen) die schon sehr rund aussehen. Quer zur c-Achse scheinen die Kristalle nur uneben zu brechen. An Spaltflächen von derberen Stücken erkennt man aber auch sehr glatt ausgelidete Bruchflächen. Hier kann ich aber nur vermuten ob die Bruchflächen (100) oder (010) sind.
Auf frischen Bruchflächen ist der Glanz kräftig metallisch glänzend, gelegentlich matter. Man könnte ihn durchaus als Fettglanz bezeichnen.

Die zinkblendeartigen Kristalle findet man haufenweise in unmittelbarer Nähe und zum Teil auch mit dem Mineral verwachsen. Man könnte fast denken dass sie manchmal sogar epitaktisch aufgewachsen sind.

Mir ist da gerade etwas eingefallen als ich über "zinkblendeartig" nachdachte. Wäre es möglich das es sich bei dem unbekannten Mineral und auch bei den zinkblendeartigen Kristallen um Wurtzit handelt? Das würde erklären warum die zinkblendeartigen Kristalle immer als sechseckige, mehr oder weniger dicke Tafeln auftreten und besonders gerne in diesem unbekannten Mineral mit rummehren. Die langgestreckte Form der Nadeln wäre für Wurtzit vielleicht etwas ungewöhnlich aber mit dem sechseckigen Querschnitt nicht unmöglich. Da Wurtzit an der Kristallspitze dazu neigt dicker zu werden, wäre auch diese Kristallbildung an einigen Individuen erklärt. Damit würde sich vielleicht auch erklären warum die Büschel sich immerweiter auseinander biegen.

Glück Auf!

Felsenmammut

Offline Uwe Kolitsch

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Re: Mineral aus Nieder-Beerbach
« Antwort #6 am: 10 Nov 07, 16:39 »
Hat mich spontan etwas an spindelförmigen Sphalerit aus Cornwall erinnert, den ich mal PXRD-analysiert hatte.
http://www.mindat.org/photo-21209.html

Offline felsenmammut

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Re: Mineral aus Nieder-Beerbach
« Antwort #7 am: 15 Nov 07, 10:56 »
Glück Auf!

@ Uwe Kolitsch: Die spindelförmigen Cornwall-Sphalerite haben schon eine Menge Ähnlichkeiten mit meinen Kristallen, die zu Büscheln
gruppiert sind. Die Kristalle auf meinen Stufen sind nur viel länger, bzw. nadelförmiger.

Offline -M-

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Re: Mineral aus Nieder-Beerbach
« Antwort #8 am: 15 Nov 07, 14:34 »
Hallo Felsenmammut -

Würde denken - Wurtzit passt eigentlich deiner Beschreibung nach ganz gut ( kommt gar nicht so selten in strahlig - nadeligen -Aggr. vor  )
Betechtinit - kann zwar ganz ähnlich aussehen, ist aber meines Wissens nach, vom Glanz her - eindeutig metallisch,
und scheint nicht bräunlich, oder wie auch immer durch.

Gruß -M-

 

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