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Autor Thema: E.ON Montan GmbH  (Gelesen 8501 mal)

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Offline berthold

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E.ON Montan GmbH
« am: 25 Jun 08, 08:49 »
Hallo,

immer wieder finde ich als Rechtsnachfolger von Bergbaubetrieben im ganzen Bundesgebiet die E.ON Montan GmbH (Beispiel Wölsendorf). Mich würde nun interessieren was das für einen Hintergrund hat. Auf den ersten Blick ist das ja ein toteles Defizit-Geschäft denn vielfach muss der Rechtsnachfolger Sicherungsarbeiten durchführen (lassen), Schächte verschließen, Tagesbrüche verfüllen ... von möglicher Haftung ganz zu schweigen. Nur, womit verdienen die Geld?

Gruß
Berthold

Offline Schluchti

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Re: E.ON Montan GmbH
« Antwort #1 am: 25 Jun 08, 10:10 »
Es wird sich dabei um schlichte Vermögensverwaltung handeln, die evtl. vor dem Hintergrund der Spekulation auf eine potentielle Wiederaufnahme zu sehen sein könnte. Die Gesellschaft wurde als E.ON Achte Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH gründet. Inzwischen wurde die E.ON Montan GmbH am 08.08.2007 mit der E.ON AG verschmolzen und als übertragender Rechtsträger am 13.09.2007 gelöscht.

Hier kann der Jahresabschluss zum 31.12.2006 abgerufen werden:

http://www.unternehmensregister.de

Also nicht allzu üppig der Geschäftsumfang.

Offline berthold

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Re: E.ON Montan GmbH
« Antwort #2 am: 25 Jun 08, 10:54 »
Hallo Schluchti,

sehr seltsam. Ich frage mich wie man mit so einer Bilanzsumme Sicherungsmaßnahmen / Folgekosten wie beim Schwelbrand im Ilse-Bergbau oder bei Tagebrüchen wie Höntrop (Marianne) abdecken konnte. In einigen Fällen (der großen Mehrzahl) halte ich eine Spekulation auf eine potentielle Wiederaufnahme des Bergbaus für absurd. Ich hatte mit einer Firma Kontakt, die im Auftrag der E.ON im Wölsendorfer Raum Sicherungsmaßnahmen durchführt, da steckt schon in der Planung ganz schön Aufwand (Gutachten, Bohrungen, Begehungen ...) und damit Kosten drinnen, die eigentliche Sicherung kostet dann aber nochmal so richtig Geld.

Gruß
Berthold

Haldenschreck

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Re: E.ON Montan GmbH
« Antwort #3 am: 25 Jun 08, 14:06 »
... die eigentliche Sicherung kostet dann aber nochmal so richtig Geld.

hallo berthold,
aus steuerlichen gründen ist es aber verständlich.

haldenschreck

Offline berthold

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Re: E.ON Montan GmbH
« Antwort #4 am: 25 Jun 08, 14:21 »
Hallo,

Zitat
aus steuerlichen gründen ist es aber verständlich.

verstehe ich nicht, kannst Du mir das genauer erklären? Ich kenne kein wirtschaftlich denkendes Unternehmen, dass sich ohne Not so ein unkalkulierbares Risiko und sicheres Defizit-Geschäft ans Bein binden würde.

Gruß
Berthold

Offline Schluchti

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Re: E.ON Montan GmbH
« Antwort #5 am: 25 Jun 08, 14:52 »
Über die Gründe kann man sicher nur spekulieren. Möglicherweise übernimmt /übernahm die E.ON auch einfach nur die "Abwicklung" und Endverwahrung dieser Gruben in Eigenregie gegen Kostenausgleich von den ursprünglichen Betreibern. Dies könnte vielleicht den Vorteil für die Gesellschafter der ursprünglichen Betreibergesellschaften haben, daß die ursprünglichen Betreibergesellschaften schneller liquidiert werden konnten, ohne sich selbst noch um die Verwahrung kümmern zu müssen. Möglicherweise das ganze dann auch als Risikogeschäft zum Pauschalpreis. Wie gesagt nur Spekulation.

Interessant ist auch, daß die Gesellschaft offenbar keine Grundstücke in den Sachanlagen hält.

 
   

Haldenschreck

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Re: E.ON Montan GmbH
« Antwort #6 am: 25 Jun 08, 16:21 »
Hallo,

Zitat
aus steuerlichen gründen ist es aber verständlich.

verstehe ich nicht, kannst Du mir das genauer erklären? Ich kenne kein wirtschaftlich denkendes Unternehmen, dass sich ohne Not so ein unkalkulierbares Risiko und sicheres Defizit-Geschäft ans Bein binden würde.

Gruß
Berthold

hallo,
also abschreibungsobjekte und "verlustbringer" gibt es doch zuhauf. sicherlich werden die gmbh-verluste mit anderen einnahmen verrechnet. manche wissen nicht wohin mit dem geld, suchen abschreibungsmöglichkeiten und leben von der steuerersparnis.

unkalkulierbares risiko? das risiko ist i.d.r. auf höhe des gesellschaftskapitals beschränkt

haldenschreck

Offline berthold

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Re: E.ON Montan GmbH
« Antwort #7 am: 25 Jun 08, 16:44 »
Hallo,

Zitat
Interessant ist auch, daß die Gesellschaft offenbar keine Grundstücke in den Sachanlagen hält.


ja, eine eigenartige Konstruktion. Die Grundstückseigentümer sind in aller Regel Privatpersonen/Landwirte. Kurios z.B. das Besucherbergwerk Kocherstollen. Der Gundstückseigentümer hat einem Verein das Bergwerk verpachtet, der Verein hat den Stollen zum Besucherbergwerk ausgebaut, die E.ON hat aber die Sicherungsmassnahmen für die Tagesöffnungen durchzuführen.

@Haldenschreck: Schon klar, aber das ist doch kein Abschreibungsobjekt! Da ist ja hinterher kein Wert da. Möglicherweise habe ich in meiner Betriebswirtschaftsvorlesung nicht genügend aufgepasst aber: Was nutzt ein, sagen wir um x Millionen geringerer Gewinn (für den man x/2 Millionen Steuer zahlen müsste) wenn man hinterher nicht etwas (abgeschriebenes) Werthaltiges hat?

Zitat
das risiko ist i.d.r. auf höhe des gesellschaftskapitals beschränkt

nur, die Montan GmbH ist inzwischen mit der E.ON AG verschmolzen - wie hoch war nochmal dernen Kapital?  :o

Gruß
Berthold

Offline Schluchti

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Re: E.ON Montan GmbH
« Antwort #8 am: 25 Jun 08, 17:29 »
Zitat von: berthold

nur, die Montan GmbH ist inzwischen mit der E.ON AG verschmolzen - wie hoch war nochmal dernen Kapital?  :o

Laut Handelsregister EUR  1.734.200.000,00

 ;D

Haldenschreck

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Re: E.ON Montan GmbH
« Antwort #9 am: 25 Jun 08, 20:07 »
Schon klar, aber das ist doch kein Abschreibungsobjekt! Da ist ja hinterher kein Wert da.

hallo nochmals.

gut, dass mit der verschmelzung habe ich überlesen; meine anmerkung zur risikohöhe demnach falsch. trotzdem sehe ich da "werte", die durchaus in den büchern stehen können; diese werte können auch immateriell sein, z.b. zugesicherte rechte.
grundstückeigentümer ist meistens ein anderer. wenn ich irgendwo mutung einlege, mir danach abbaurechte eingeräumt werden, dann kaufe ich auch nicht gleich den ganzen "berg". so braucht man auch keine grundstücke in den sacheinlagen, abbau- bzw. nutzungsrechte genügen.

haldenschreck

Offline triassammler

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Re: E.ON Montan GmbH
« Antwort #10 am: 26 Jun 08, 00:34 »
Hallo!

So mal als blutiger Laie der sich den Jahresurlaub zum Ausfüllen der Steuererklärung nimmt kam mir eine Überlegung jenseits des (im Jahresbericht tatsächlich als sehr ärmlich ausgewiesen) Umsatzes: Löst dieses Tochterunternehmen möglicherweise die Frage nach dem Wohin von Filterstäuben etc., die im eigentlichen Kernbereich des Konzerns anfallen? Wäre doch denkbar, dass man sich damit das Know-How und die Lokalitäten sichert, um bei weiter steigenden Deponiekosten selbst was in der Hinterhand zu haben? Natürlich nicht in Form von Besucherbergwerken, aber die haben sicher noch einiges mehr?

Um es klarzustellen: Ich unterstelle keinerlei unlauteren Absichten dabei und bin überzeugt dass in vollem Umfang nach den geltenden Gesetzen gehandelt wird. Ich hielte es nur für einen vorausschauenden unternehmerischen Schachzug. Schließlich lässt sich auch die Süddeutsche Salzwerke AG die Müllentsorgung in ihren Stollen gut bezahlen.

Und wie sieht das eigentlich aus - wenn ich das Nutzungsrecht für ein Gelände erwerbe, kann ich da dann auch Windräder aufstellen?   ;D

Offline berthold

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Re: E.ON Montan GmbH
« Antwort #11 am: 26 Jun 08, 08:22 »
Hallo,

@triassammler: Also Entsorgung (da gibt es nicht nur Filterstaub sodern auch Asche, radioaktiven Müll usw.) möchte ich eigentlich ausschließen. Die Abschluss-Arbeiten beinhalten ja das dauerhafte unzugänglich-machen der Bergwerke (z.B. werden Schächte versprengt, x-Tonnen Beton reingegossen ...). Das Bergrecht betrifft nur die bergbauliche Nutzung - keinesfalls Windräder.

Am plausibelsten erscheint mir das von Schluchti angedachte Risikogeschäft. Wobei: Warum sollten die Gesellschafter in eine GmbH kurz vor der Auflösung nochmal richtig Geld reinstecken?

Gruß
Berthold

Offline Schluchti

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Re: E.ON Montan GmbH
« Antwort #12 am: 26 Jun 08, 08:53 »

Am plausibelsten erscheint mir das von Schluchti angedachte Risikogeschäft. Wobei: Warum sollten die Gesellschafter in eine GmbH kurz vor der Auflösung nochmal richtig Geld reinstecken?


Denkbar wäre, dass die alten Betreibergesellschaften sauber liquidiert werden sollten. Dazu müssen aber auch alle Verbindlichkeiten bedient werden. Wenn aus der Betreibereigenschaft eine Nachhaftung für Sicherungs-/Verwahrungsarbeiten resultiert, könnten erstens die Kosten hierfür möglicherweise nicht vollständig abgeschätzt werden und zweitens, kann es noch sehr lange dauern, bis irgendwann feststeht, daß keine Verbindlichkeiten der alten Gesellschaft mehr bestehen. Vorher kann aber auch das in Geld umgesetzte Gesellschaftsvermögen nicht an die Gesellschafter verteilt werden. So würde man auf der einen Seite möglicherweise Planungssicherheit bekommen und zweitens die Altgesellschaften schneller sauber abwickeln können, um im Interese der Gesellschafter das überschüssige Gesellschaftsvermögen zu verteilen.

Wie gesagt, ist nur wilde Spekulation beim Versuch, dahinter einen Sinn zu erblicken.  ;)   

Offline Anatas

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Re: E.ON Montan GmbH
« Antwort #13 am: 26 Jun 08, 09:53 »
Hallo,

Am plausibelsten erscheint mir das von Schluchti angedachte Risikogeschäft. Wobei: Warum sollten die Gesellschafter in eine GmbH kurz vor der Auflösung nochmal richtig Geld reinstecken?

Gruß
Berthold

Ich denke mal das nicht nur die alten Betreiber-Gesellschaften Interesse an der sauberen Abwicklung haben, sondern auch die Kommunen sowie Land und Bund
Als negatives Beispiel ist hier Frankreich (gegenüber dem Ruhrgebiet) zu nennen, wo die Montan-Firmen liquidiert wurden und sich  keiner mehr um die Altlasten des
Kohleabbau kümmerte, die Wasser-Pumpen versagten und die Häuser ganzer Dörfer durch Absenkungen unbewohnbar wurden oder in sich zusammenstürzten (TV-Bericht). 

E.ON ist sicher als Global Player zu bezeichnen. Der "Gewinn" an der Sache muss also nicht unbedingt bei der E.ON Montan AG liegen;
spekulativ könnte ja auch der Mutterkonzern von den Kommunen (oder Land bzw Bund)  durch die Vergabe von Stromlizenzen etc.
(z.B. Erlaubnis Bau Wasserkraftwerke etc.)  für die wichtigen Sicherungsarbeiten der alten Bergbaugebiete "entlohnt" werden.

Grüße   Anatas

Offline berthold

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Re: E.ON Montan GmbH
« Antwort #14 am: 26 Jun 08, 11:16 »
Hallo Anatas,

bei aller Liebe, aber das kann ich mir eben nicht vorstellen, gerade weil E.ON ein Global Player und eine AG ist. Das mit der Vergabe von Lizenzen /Energielieferverträgen läuft anders ... wie alle Kommunalpolitiker wissen :P.

Gruß
Berthold


 

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