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Autor Thema: Pyriklasit  (Gelesen 7011 mal)

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Offline vanderheide

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Pyriklasit
« am: 02 Jul 08, 19:28 »
Verehrte Mineralienkenner
Beigefügt findet Ihr zwei Fotos.
Folgende Hinweise gab mir ein Geologe:
Der Stein ist zu bezeichnen mit Pyriklasit.
Fundort: Ivrea-Zone (Süd-Tessin, Schweiz).
Liegt im Dreieck von Domodossola, Locarno, Intra Verbanir.

Bestandteile des Steines: Pyroxen, Feldspat, Granat
Zu den Detailaufnahmen: ich bin dran den Stein zu schleifen.
Linkes Bild: fad, weil Grobschliff.
Rechtes Bild: diese Stelle ist poliert

Frage zu Detailaufnahme links: das dunkele Material (Pyroxen) irrisiert im Licht, aber nicht gleichmässig. Es kommt einem vor, als ist dieses Material aus Teilen gefügt. Jeder Teil hat eine eigene Richtung, eine eigene Reflexion des Lichtes. Bei der Reflexion leuchtet dieses Stelle auf, wie ein Stück glänzender Stahl.
Ist das kennzeichnend für Pyroxen oder sind hier wieder welche Übergänge?
Gruss
Hans

Offline vanderheide

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Re: Pyriklasit
« Antwort #1 am: 02 Jul 08, 19:30 »
Detail-Aufnahmen

Offline vanderheide

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Re: Pyriklasit
« Antwort #2 am: 02 Jul 08, 19:31 »
mist! die Detail-Aufnahmen sind vertauscht! Links poliert, rechts nur Grobschliff

Offline caliastos

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Re: Pyriklasit
« Antwort #3 am: 02 Jul 08, 20:21 »
sieht man auch so was grob- und feinschliff ist.

auf den bildern sieht es so aus als sei der pyroxen zerbrochen. da sieht man nicht jeden kristalübergang. aber das glänzen kommt halt daher, daß die kristalle irgendwie im gestein orientiert liegen. also schaust auch aus verschiedenen winkeln uaf verschiedene flächen. so als würdest du eine glasscheibe im licht bewegen. nur in bestimmten winkeln wird die spiegeln. das machen die kristalle auch.
da ist das mineral egal. das ist typisch für jedes geschliffene objekt.

Offline smoeller

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Re: Pyriklasit
« Antwort #4 am: 03 Jul 08, 10:36 »
Hallo,

Pyriklasite sind Granulite, die aus Pyroxen (Ortho- und Klinopyroxen), Plagioklas sowie wechselnden Gehalten an Granat und Quarz bestehen. Schreibe gerade meine Diplomarbeit über ähnliche Gesteine Süditaliens.

War aber auch schon in der Ivrea-Zone. Dort sind derartige Gesteine nicht selten.

Allerdings: Die Ivrea-Zone (benannt nach dem Ort Ivrea) liegt im Piemont in Norditalien, nicht in der Schweiz. Es handelt sich um ein Stück gekippte Kruste.

Glück Auf!
Smoeller

Offline caliastos

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Re: Pyriklasit
« Antwort #5 am: 03 Jul 08, 11:29 »
wobei ich mich zu erinnern meine, daß teile der ivrea-zone auch in der schweiz als schuppe vorkommen.

Offline vanderheide

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Re: Pyriklasit
« Antwort #6 am: 05 Jul 08, 22:40 »
Hallo Caliastos und Sebastian
Vielen Dank für die Reaktionen. Klar, von der Ivrea-Zone ragt nur eine Spitze in die Schweiz. Als solche liegt sie in Italien. Da hast Du völlig recht, Sebastian.
Ich muss meine Fragen verdeutlichen und noch mehr bebildern:
1. Du sprichst von Granulite. Ich beobachte - und nenne das nun so - das Pyroxen, wie eine Gesteinsmasse, die nicht homogen ist, sondern aus gesonderten Stücken besteht, die "zusammengeschoppt" (gefügt) sind (Granuli sind auch Teilchen). Stimmt das so?
2. Jedes Stück scheint seine eigene Richtung zu haben. An der Bruchstelle werden kristalline Flächen sichtbar. Hier spiegelt die Kristallfläche das Licht, wie sonst eine Kristallfläche irgendeines Kristalles Licht spiegelt. Das Material scheint aus Plättchen zu bestehen, die zum Teil auch gebogen sind. Das Innere des Steines scheint "bewegt", hingegen das Plagioklas kommt mir vor wie eine Schicht.
Wenn ich den Stein schleife, so ist die Lichtreflexion schillernd, irisierend, verwandt mit Perthitstrukturen (Feldspate) nur ist das Material nicht farbig sondern glänzendem Stahl ähnlich. Ist das typisch für Pyroxen?
3. In der Mineralienatlas steht das Pyroxen kein Mineral ist, obschon dort Abbildungen verschiedener Pyroxen-kristalle zu sehen sind. Das hat mich leicht verwirrt. ZB. Aquamarin setzt sich aus vier Elemente zusammen (Al2 Be3 (Si6 O18)), wobei die Blaufärbung vom Eisen stammt. Ich nahm an: wenn etwas eine klare Kristallform hat, ist es ein Mineral. Dem ist also nicht?!!
Hier die Bilder geschliffene, irisierende Oberfläche. Dann Bruchfläche - Strukturen.
mit den besten Grüssen
Hans
« Letzte Änderung: 11 Jul 16, 15:08 von oliverOliver »

Offline caliastos

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Re: Pyriklasit
« Antwort #7 am: 06 Jul 08, 17:28 »
1) verwende am besten keine eigenen definitionen, sondern die standarts. für granulite schau dir mal das hier an http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Granulit und für pyroxen nochmal http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Pyroxen und http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Mineralgruppe/Pyroxen

2) das jeder kristall seine eigene richtung zu haben scheint ist verständlich. stell dir gestreifte würfel vor, die du beim würfeln ausschüttest. jeder würfel wie irgendwie anders zum liegen kommen. so ist das auch bei mineralen. sie haben alle eine typischen, +/- orientierten aufbau. wie sie aber im gestein zum liegen kommen ist aber nur zufallsbedingt. an bruchflächen hast du bruchflächen und kristallflächen gleichzeitig. jede fläche kann dabei aber das licht unterschiedlich reflektieren.

gebogene plättchen könnten glimmer sein. das irreguläre und lagige bereiche auftreten ist normal. an der lichtreflexion würde ich beim anschliff nicht unbedingt mienrale bestimmen. da kann man sich auch zienlich verhaunen.

dein dunkles mineral könnte übrigens auch eine hornblende sein.

3)
naja, pyroxene beschreibt, wie auch amphibole, eine silikatmineralgruppe, die sich schwer aufteilen läßt sofern man nicht in die analytik einsteigt. daher wird das meist so pauschal verwendet. die minerale der anderen gruppen lassen sich hingegen mit relativ einfachen mitteln bestimmen. aber bei pyroxen und amphibol beißt es bei den meisen einfach aus.

aquamarin ist zwar ein eigenes mineral, aber insofern auch nur eine modifikation der zahlreichen berylle. genauso wie quarz, rosenquarz, und rauchquarz... nur quarzmodifikationen sind. du kannst das so sehen: es gibt eine grundform, sagen wie eine automarke, die du halt in verschiedenen farben, also mit unterschiedlichen lackfarben haben kannst. ist bei den mineralen nicht anders.

das eine klare kristallform ein mineral ausmacht stimmt nicht. nimm fluorit und pyrit. beide bilden gerne mal würfelförmige kristalle aus, sind aber verschiedene minerale. genauso sind granat und pyrit beide kubische minerale. auch das gleiche kristallsystem weißt minerale nicht zu.

man weißt nur kristalle einem gewissen kristallsystem zu, nicht umgekehrt.

was ein kristall ein bestimmtes mineral ist, hängt von sehr vielen faktoren ab. die gängigsten siehst ja in den mineraldaten hier im forum.

Offline smoeller

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Re: Pyriklasit
« Antwort #8 am: 07 Jul 08, 10:40 »
Hallo,

Granulit (von lat. granulus = kleines Körnchen) ist eine Bezechnung für Hochtemperatur-Metamorphite (mehr als ca. 700 °C). Der Name wurde zuerst für helle, feinkörnge Gesteine in Sachsen (Granulitgebirge) geprägt und später auf als Faziesbegriff auf alle Gesteine in einem Druck-Temperatur-Bereich angewandt. Typische Minerale sind Biotit, Sillimanit, Cordierit, Feldspäte, Quarz, Granat und Pyroxene. Der Name Pyriklasit steht für basische Granulite, die aus Pyroxen + Plagioklas sowie oft Granat und Quarz bestehen. Aus der Ivrea-Zone kenne ich derartige Gesteine aus eigener Anschauung. Das dunkle dürfte Orthopyroxen (Hypersthen=Mischkristall Enstatit-Ferrosilit mit etwa Fe:Mg = 50:50) sein, der hat oft diesen Schimmer auf den Spaltflächen. Granat-Plagioklas-Orthopyroxen-Quarz ist zudem eine gängige Paragenese in derartigen Gesteinen.

Glück Auf!
Smoeller

Offline vanderheide

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Re: Pyriklasit
« Antwort #9 am: 08 Jul 08, 00:00 »
Hallo Sebastian und Caliastos
Herzlichen Dank für die Ausführungen. Deine Aufforderung, Caliastos, Standards statt eigene Definitionen zu verwenden, würde ich gerne Folge leisten, kann es aber immer nur im Nach-Hinein! Ich las die Bezeichnung "Granulit" nicht als Granu-lith (lith - Stein, dabei wird oft das  h nicht mehr geschrieben), sondern dachte an einen Ausdruck für die Beschaffenheit des Materials: "bestehend aus Granula".
Klar im Lexikon steht es gut beschrieben ... und... das Foto unten = der Stein, den ich habe! Bin also voll zufrieden! Besten Dank.
Super-Beschreibung Sebastian... nur so bekomme ich auch etwas mit.... herzlichen Dank.
Wo denkst Du hin, Caliastos: ich würde an der Lichtreflexion beim Anschliff Mineralien bestimmen wollen? Sorry, die Lichtreflexion ist ein Merkmal, viele Mineralien haben besondere Lichtreflexionen. Ich fragte:"Ist das typisch für Pyroxen?" Da ist doch klar, dass ich die Bestimmung des Materials als gegeben voraussetzte und nun zudem wissen wollte, ob es auch eine Eigenschaft dieses Materials ist!
Sebastian hat das nun bestätigt, vielen Dank.
Wurde missverstanden Caliastos:
"das eine klare kristallform ein mineral ausmacht stimmt nicht. nimm fluorit und pyrit. beide bilden gerne mal würfelförmige kristalle aus, sind aber verschiedene minerale. genauso sind granat und pyrit beide kubische minerale. auch das gleiche kristallsystem weißt minerale nicht zu".
Ich sagte meine Annahme:"wenn etwas eine klare Kristallform hat, ist es ein Mineral." Das ist egal, ob es würfelförmig, tetraederförmig, oktaederförmig oder die Form eines Pentagondodekaeders hat. Diese sind alle "klare Kristallformen". Wenn etwas kristallisieren kann - so dachte ich - kann es nicht "Gestein" sein. Es muss "edler" als Gestein, also ein Mineral sein. Und da war ich enttäuscht, als ich unter Pyroxenkristallen keine chemischen Formel fand. Hier hast Du mir etwas mehr angedeutet Sebastian.
Diese Bemerkung verstehe ich nicht, Caliastos:"man weißt nur kristalle einem gewissen kristallsystem zu, nicht umgekehrt".
Also sollte ich die Würfelform des Pyrits nicht als Eigenschaft dieses Materials anschauen?
So weit, besten Dank für die Hilfen und bestem Gruss.
Hans


Offline caliastos

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Re: Pyriklasit
« Antwort #10 am: 08 Jul 08, 07:46 »
kleiner tipp: endet ein name dem klang nach auf "it", so hat man sehr oft gesteine oder minerale vor sich. allerdings nur bedingt gültige eselsbrücke.

das einfachste ist immer wenn einem namen und begriffe fehlen: beschreiben was man sieht mit einfachen worten ohne fachbegriffe zu nutzen, sofern man sich nicht sicher ist.

was die lichtereflexion angeht, nun, bei opaken und v.a. erzmineralen ist das eine gängige bestimmungsmethode. typische, besondere optische effekte stehen an sich in den daten der minerale im forum. nur bei der reflexion hat man oft auch schlicht effekte, die auf die räumliche lage, bruchmuster und so beruhen. denke da immer nicht an den glanz wenn ich das so lese.

das mit der kristallform hatte ich bewußt formuliert um bischen klarheit zu schaffen. es stimmt jedenfalls nicht, daß etwas kristallisiertes kein gestein sein kann. den sehr viele gesteine sind definitiv kristallin, denn sie bestehen aus zahllosen, z.b. in der schmelze ausgefällten kristallen oder in schmelze eingeschlossen usw. daher kommt auch der name "(das) kristallin".

die würfelform des pyrites nicht als typische eigenschaft anzusehen würde ich mit ja beantworten. pyrit ist kubisch, das schließt die würfelform mit ein. aber wenn du mal kurz einen blick hier unter pyrit wirfst, dann siehst du, daß der würfel an sich nicht mal sehr häufig ist. das kubische system umfaßt weitaus mehr formen als nur den würfel. wenn du sagst: der würfel ist typisch üyrit, dann wären alle anderen formen, die pyrit einnimmt untypisch und man müßte zweifeln, daß es sich um pyrit handelt.

Offline vanderheide

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Re: Pyriklasit
« Antwort #11 am: 08 Jul 08, 22:32 »
Hallo Caliastos
Voll einverstanden mit Deinen Ausführungen! Vielen Dank.
Zu Kristallbildung werde ich nächstens mal in der Rubrik Diskussionen um etwas anfragen.
Dieses Thema scheint mir abgeschlossen.
Besten Dank!
Hans

 

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