Fossilien / Fossils / Fósiles > Kopffüßer / Cephalopoda
Rollmarken von Ammoniten
Helicat135:
Naja, Sand, Lehm, Ton, alles ne Frage der Korngröße 8)
Ich kann mich an Beobachtungen am Meer erinnern, wo man schon deutlich gesehen hat, dass Sediment massiv bewegt wurde.
Ich weiss ja auch nicht, wie schnell/langsam die Dinger gerollt sind.
Wäre halt interessant.
Tapir:
--- Zitat von: Helicat135 am 26 Oct 08, 17:42 ---Naja, Sand, Lehm, Ton, alles ne Frage der Korngröße 8)
--- Ende Zitat ---
Du sagst es. Und in den entsprechenden Diagramm siehst Du auch dass Transport und Korngröße nicht linear zusammenhängen. (Und du warst am Meer in einer Stillwasserlagune und hast gesehen wie die Strömung Sand auf dem Karbonatschlamm transportiert hat? :o )
Immer dran denken: Meer ist nicht gleich Meer, Strömung nicht gleich Strömung und die Natur ist (und war) schon immer etwas komplizierter. ;)
Helicat135:
Naja, es war mal Wellengang und mal Gezeitenströmung.
Und, dass die Natur nicht immer durchschaubar ist, stelle ich täglich fest. Da gibts ja die Lieblingsfrage: was ist denn da draussen?!? ;D
hermann:
Interessant wären vor allem die Ammoniten mit Stacheln..... ob die nun schnell gerollt sind oder langsam ist doch wurscht ;D
triassammler:
@Helicat:
--- Zitat ---Die Idee beides nebeneinadner zu präsentieren - Ammo und Rollmarken- scheinst Du ja zu haben.
--- Ende Zitat ---
Joar. Die schwebt mir schon länger vor. Leider wachsen Aspidoceraten mit gut erhaltenen Stacheln nicht auf Bäumen.
--- Zitat ---tolle Stücke sind das. Sowas hätte ich auch sehr gerne in der Sammlung.
--- Ende Zitat ---
Leider ist es fast aussichtslos, als Privatperson für die Lokalität eine Sammelgenehmigung zu bekommen :'( Das klappt bei mir auch nur alle paar Jahre mal.
--- Zitat ---Mich interessiert nur: wenn da so eine starke Strömung war, dass Tier über den Boden rollte/hüpfte, warum sind die Spuren dann so deutlich erkennbar?
Sollte der Sand nicht auch vom Wasser bewegt worden sein?
--- Ende Zitat ---
Es geht um fast reinen Kalkstein, nicht um Sandstein.
Vorweg mal: Das, was sich in Painten bergen lässt, sind immer die stabilen Hangendplatten mit den Negativen der Rollmarken. Sie sind 5 und mehr mm dick und bestehen aus einem extrem feinkörnigen Coccolithen-Kalkstein mit ca. 3% Tonbeimengung ("Flinz"). Die Liegendplatten, die eigentlichen Markenträger, haben einen Tonanteil von 5-7%, sind nur 1-2 mm dick und zerfallen meist schon beim Aufdecken der Hangendplatte ("Fäule" = faules, unbrauchbares Gestein), . Flinze tragen auf ihren Oberseiten meist keine Marken, und wenn doch, dann nur sehr undeutlich. Das Erhaltungspotenzial für die Marken ist also im Tongehalt des Sediments begründet.
Die Adhäsion der Coccolithenplättchen (D = 5-20 Nanometer) zusammen mit der vergleichsweise hohen Tonbeimengung ist in diesem Mikromaßstab sehr hoch, der Kalk-Ton-Schlamm war zur Zeit der Markenbildung zähplastisch. Weiter spielen Mikrobenmatten auf der Sedimentoberfläche eine Rolle, die die Oberfläche frühzeitig fixiert haben. Die Matten lassen sich indirekt durch Abdrücke von Zerreissungen, Entgasungskanälen (sog. Spratzmarken) u. a. nachweisen. Auch eine kleinmaßstäbliche Wasserschichtung durch unterschiedliche Salinität ist denkar. Die Sprungschicht zwischen den Wasserkörpern unterschiedlicher Salinität wirkt dann in gewissem Maß auch als hydromechanische Grenze. Das Hjulström-Diagramm berücksichtigt solche zusätzlichen Faktoren nicht.
Natürlich hat dies nicht auf jeder Schichtfläche einer Fäule funktioniert. Es gibt auch Schichtflächen, auf denen die Abdrücke nur schemenhaft hinterlassen oder erhalten wurden. Teilweise lässt sich auch beobachten, dass auf ein und derselben Fläche unscharfe und detaillierte Abdrücke gemeinsam vorkommen, wobei die detaillierten Marken die unscharfen überschneiden. Hier wurden offensichtlich in mehreren Episoden bereits geprägte Marken wieder ausgelöscht und danach neue hinterlassen.
Interessant ist, dass Liegend- und Hangendplatte im Bereich einer Marke oft schlechter trennen als auf ungestörten Schichtflächenbereichen. Neben der besseren Verzahnung durch die Markenskulptur könnte hier auch eine Rolle spielen, dass eine bereits bestehende Mikrobenmatte bei der Markenprägung beschädigt wurde und sich neu aufgelagertes Sediment so besser mit dem Liegenmaterial verbinden konnte, als dies bei einer intakten, trennenden Mikrobenmatte der Fall gewesen wäre.
Es ist also durchaus machbar, dass einerseits genügend starker Wellengang bzw. ausreichende kontinuierliche Strömung geherrscht hat, um die Marken entstehen zu lassen, andererseits das Sediment zäh genug war, um nicht direkt von der Strömung beeinflusst worden zu sein. Wenn wir davon ausgehen, dass die Ammoniten überwiegend als leere Gehäuse in die Lagune verdriftet wurden, war auch kein besonders großes Gewicht zu bewegen und damit keine große Strömungsenergie zu postulieren.
Als Hintergrundinfo sei gesagt, dass die Plattenkalklagen episodische Sedimentationsereignisse darstellen. Außerhalb der Lagune wurde durch Wetterereignisse Kalkschlamm aufgewirbelt und als Kalktrübe in die Lagune verfrachtet, wo er sich in kurzer Zeit (wohl wenige Tage) zu einer einheitlichen Plattenkalklage abgelagert hat. Danach herrschte längere Zeit Stille, während der unter normalen Wetterbedingungen Marken, Spuren und Organismenreste auf die Sedimentoberfläche gelangten und sich Bewuchs durch Mikrobenmatten einstellte. Das nächste Sedimentationsereignis hat diese Fläche dann rasch bedeckt und somit konserviert. Wie man so schön sagt: "Die Zeit steckt in den Fugen, nicht in den Platten selbst."
Fäulen stellen Perioden besonders geringen Kalkeintrags dar, so dass die Hintergrundsedimentation an eingewehten und eingeschwemmten Tonmineralen Bedeutung erlangen konnte. Die Ablagerungszeit einer Fäulenschicht war also noch einmal höher als die einer gleich mächtigen Flinzlage.
@hermann:
--- Zitat ---Nur schon die genaue Stachellänge kann schon so an einem Abdruch bestimmt werden.
--- Ende Zitat ---
Nicht bei diesem Stück, denn wenn ich den Windungsabdruck nicht dazu habe, kann ich nichts über die absolute Eindringtiefe der Stacheln ins Sediment aussagen. Dazu kommt, dass die Stacheln bzw. Dornen der Aspidoceraten dem eigentlichen Gehäuse nur aufsitzen und über eine von einer Schalenlamelle gebildete Sollbruchstelle von diesem abgetrennt sind. Bricht ein Dorn ab, bleibt ein Höcker zurück. Sollte der Abdruck also von einem Gehäusebruchstück mit beschädigten oder abgebrochenen Dornen stammen (und davon ist bei einem Gehäusefragment auszugehen), ist die Tiefe der Abdrücke nicht mit der Länge der Stacheln eines intakten Exemplars gleichzusetzen. Ich muss wohl parallel mit Exemplaren mit intakter und "verstümmelter" Erhaltung vergleichen...
Möglicherweise komme ich weiter, wenn ich Abstände zwischen Dorneninnen- und Außenreihe und zwischen den einzelnen Dornen messe, sowie die absolute Anzahl der Dornen pro Windung hochrechne. Ich habe das Stück nicht bei mir zu Hause deponiert und komme wohl erst irgendwann in den nächsten Wochen dazu, wieder direkt an ihm zu arbeiten.
@Helicat nochmal:
--- Zitat ---Interessant wären vor allem die Ammoniten mit Stacheln..... ob die nun schnell gerollt sind oder langsam ist doch wurscht
--- Ende Zitat ---
Nein, ist es eben nicht. Der Ammonit erzählt mir keine Geschichte, der steht nur tot in der Vitrine rum und setzt Staub an. Toll wäre, Ammonit und Marke nebeneinander präsentieren zu können, damit würde ein Stück Erdgeschichte lebendig.
Gruß,
Triassammler
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