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Autor Thema: Pyrit Konservieren mit Wasserstoffperoxid?  (Gelesen 16416 mal)

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Offline Wegschmeißit

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Pyrit Konservieren mit Wasserstoffperoxid?
« am: 12 Nov 08, 15:33 »
Hallo.

Das Thema Pyrit, bzw Markasit konservieren ist hier ja schon einige male angesprochen worden.
Nun ist mir auf der Mineralienbörse in Ennepetal (8.11. - 9.11.) folgendes passiert:

ich bin über den Stand vom Herrn Bernd Eckel (Inhaber von meilen-stein) gestolpert.
Als erstes interressierten mich natürlich die Galenitstufen vom Stbr. Meyer, Hastenrat.
Er pries aber auch auf einem Blatt Kugelpyrit in Mattbraunkohle, Fundort Grenze AC-Lichtenbusch/Rheinland an
(Bericht im Lapis 3/07). Auf seinen Etiketten für die Stufen empfiehlt er eine Konservierung mit Pyritkonservierer
oder Silberkolloid.
Darauf angesprochen meinte er aber zu mir das daß bei diesen Stufen nicht funktioniern würde,
da beide Substanzen die Kohle angreifen. Dann sagte er mir er hätte auf der Börse in München einen
"Geheimtipp" gehört: (somit ist er jetzt nicht mehr geheim  ;D ) Da hat ihm ein Sammler oder Händler gesagt er solle die
Stufen aus einer Pipette mit Wasserstoffperoxid behandeln!  :o

Herr Eckel teilte meinen Einwand als ich ihm sagte das daß schwer vorstellbar ist, da Wasserstoffperoxid
Sauerstoff abgibt und damit die Zersetzung von Pyrit wohl eher beschleunigen würde. Aber der Sammler/Händler
in München meine wohl das es funktioniert, da die Zersetzung von Pyrit von innen heraus geschieht.  ???

Herr Eckel möchte das Verfahren nun selber testen und darüber auf seiner Webseite berichten:
www.meilen-stein.de

Was haltet ihr davon? Hat einer schonmal was ähnliches (auch in München) gehört?

Gruß Dirk
 

Offline Krizu

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Re: Pyrit Konservieren mit Wasserstoffperoxid?
« Antwort #1 am: 12 Nov 08, 15:51 »
tja, kann - kann nicht.

wenn die Zersetzugn unter Bakterienbeeinflussung stattfindest, ist H2O2 gar ncith so schelcht. 1% H2O2 sollte alle Bakkies killen.

Aber wenn nicht, ist entstehendes Fe-Oxid ein Katalysator für die Zersetzung.

MfG

Frank

Offline Blackminer

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Re: Pyrit Konservieren mit Wasserstoffperoxid?
« Antwort #2 am: 12 Nov 08, 17:55 »
Das würde mich auch interessieren! H2O2 oxidiert doch nur und dann?

(Mir geht es um einige "blühende" Stücke aus dem Erzgebirge.)

Offline Hg

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Re: Pyrit Konservieren mit Wasserstoffperoxid?
« Antwort #3 am: 12 Nov 08, 17:59 »
Zitat
H2O2 oxidiert doch nur und dann?

das ist nicht ganz richtig
http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Wasserstoffperoxid
Zitat
Wasserstoffperoxid (H2O2) kann sowohl als Oxidationmittel, aber auch als Reduktionsmittel wirken (amphoterer Redoxcharakter).

Offline caliastos

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Re: Pyrit Konservieren mit Wasserstoffperoxid?
« Antwort #4 am: 12 Nov 08, 18:06 »
also wenn das geht, dann aber nur in sehr geringer konzentration. natürlich gibt es schwefelfressende bakterien, aber wie das bei pyritstufen ist... da würde ja jeder pyrit schnell zerfressen sein. sollte also nicht bei jeder stufe klappen. bei braunkohlepyrit halte ich es für wahrscheinlicher, dass die in der braunkohle vorhandenen huminsäuren schuld am zerfall sind.

peroxid und pyrit/markasit vertragen sich nicht gut. hatte das letztens leidig festgestellt, weil ich bei einem kleinen fossilstück nicht an den anhaftenden pyrit gedacht hatte. ergebnis: rostrot und versaut, weil der pyrit verrostet ist.  ur um "mögliche" bakterien zu killen wäre mir das zu riskant.

Offline Axinit

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Re: Pyrit Konservieren mit Wasserstoffperoxid?
« Antwort #5 am: 12 Nov 08, 18:38 »
Servus allerseits,

die Behauptung, dass sich Schwefelkies (welche Modifikation in welchen Mengenanteilen vorliegt, weiss man ja nie so genau  ;) ) mit Wasserstoffperoxid "konservieren" laesst, halte ich fuer aeusserst fragwuerdig.

Die Verfahren, die in der Literatur beschrieben werden (Behandlung mit Ethanolaminthioglycollat/Ethanol= Pyritkonservierer bzw. Begasen mit Ammoniak) sind vielfach von professionellen Konservatoren erprobt und von der Wirkungsweise her auch nachvollziehbar.

Selber habe ich beide Verfahren ausprobiert - die Begasung mit Ammoniak finde ich am Einfachsten (da laesst sich auch improvisieren). Die Konservierung ist nie wirklich preiswert zu haben, mit  Schmutz und Gestank verbunden, der langfristige Erfolg ist leider auch nicht garantiert.

Mit der Konservierung von Schwefelkies aus Kohlefloezen (Anthrazit) habe ich gemischte Erfahrungen - einen meiner schoensten Funde musste ich wegen zu sehr fortgeschrittener Umwandlung entsorgen.

Mit anderen Worten, bei den klassischen Verfahren da stimmt die Chemie ... bei der Anwendung von H2O2 ist ein wie auch immer gearteter Wirkmechanismus fuer mich  nicht nachvollziehbar.


GA

Harald


P.S.: Wie soll die Konservierung von Schwefelkies mit Ag-Kolloid (welches ?) funktionieren ?

Offline Wegschmeißit

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Re: Pyrit Konservieren mit Wasserstoffperoxid?
« Antwort #6 am: 12 Nov 08, 19:58 »
Klar ist wohl das die Konzentration des Wassertoffperoxids sehr niedrig gehalten werden muß.

Aber da stell ich mal die Frage an die Mineralogen und Chemiker unter uns:
was passiert eigentlich beim Zerfall von Pyrit/Markasit? Von innen heraus? Durch äußere
Einflüsse? Was passiert da chemisch gesehen?
Wenn man das weiß kann man sich auch eher vorstellen was bei H2O2 passiert.

Dirk

Offline Krizu

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Re: Pyrit Konservieren mit Wasserstoffperoxid?
« Antwort #7 am: 12 Nov 08, 20:02 »

Aber da stell ich mal die Frage an die Mineralogen und Chemiker unter uns:


Dann muss ich als Physiker ruhig sein  :-X  :D ;)

Frank

Offline smoeller

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Re: Pyrit Konservieren mit Wasserstoffperoxid?
« Antwort #8 am: 12 Nov 08, 20:06 »
Hallo,

Pyritzersetzung kann tatsächlich durch Bakterien verursacht werden, dies wurde im Rahmen einer Doktorarbeit an der Uni Kiel jüngst behandelt. Dabei erwiesen sich insbesondere Archeen als effektiv. Habe den Vortrag dazu letztes Jahr gehört, weiss aber nicht mehr den genauen Mechanismus. Dieser Prozess ist wohl für saure Grubenwässer und Hangrutschungen in Braunkohleseen verantwortlich. In jedem Fall wird dabei Sulfat produziert. In der Regel sind die Ausblühungen auf Pyrit auch solche Sulfate, wobei insbesondere Melanterit, Copiapit und Halotrichit sowie Rozenit, bei Anwesenheit von Ca-Ionen auch Gips.

Glück Auf!
Smoeller

Offline Wegschmeißit

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Re: Pyrit Konservieren mit Wasserstoffperoxid?
« Antwort #9 am: 12 Nov 08, 20:06 »

Aber da stell ich mal die Frage an die Mineralogen und Chemiker unter uns:


Dann muss ich als Physiker ruhig sein  :-X  :D ;)

Frank

 ;D Wenn du als Physiker zum Thema etwas beitragen kannst dann immer her damit.

Offline Wegschmeißit

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Re: Pyrit Konservieren mit Wasserstoffperoxid?
« Antwort #10 am: 12 Nov 08, 20:08 »
Hallo,

Pyritzersetzung kann tatsächlich durch Bakterien verursacht werden, dies wurde im Rahmen einer Doktorarbeit an der Uni Kiel jüngst behandelt. Dabei erwiesen sich insbesondere Archeen als effektiv.


Was um alles in der Welt sind Archeen?  ???

Offline Krizu

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Re: Pyrit Konservieren mit Wasserstoffperoxid?
« Antwort #11 am: 12 Nov 08, 20:11 »
guckst du hier

http://de.wikipedia.org/wiki/Archea

BTW: Beim Silber wird auch die antibakterielle Wikrung genutzt.

Frank ;-)

Offline jürgen lange

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Re: Pyrit Konservieren mit Wasserstoffperoxid?
« Antwort #12 am: 12 Nov 08, 20:18 »
ich denke die zersetzung von pyrit geht wohl über eine katalyse des gebildeten schwefligen säure/schwefelsäure unter wasserverbrauch aus der umgebungsluft oder vom reinigen. aus eisensulfid bildet sich dann (ggf unter oxidation mit luftsauerstoff bei vorliegen von zweiwertigen eisen-verbindungen) eisensulfat. eisensulfat mit wasser bildet sicherlich auch dann eine stark saure lösung im sinne von schwefelsäure. ich will mich hier nicht über reaktionsgleichungen auslassen. wer will, der kann irgendwo auch etwas über selbst entzündliche pyritlagerstädten lesen - die oxidation dort würde eisenoxid und so2 bilden. aus so2 mit wasser kommen wir dann zu schwefliger säure. aus schwefliger säure evtl. weiteroxidation zu schwefelsäure.

dann wäre ein abfangen dieser schwefligen säure/schwefelsäure und der verhinderung von wasserzutritt die beste methode. abfangen von schwefliger säure/schwefelsäure ginge wohl alkalisch (ammoniak oder ammoniak-verbindungen wie das ammoniumthioglycolat). das  trocknungsmittel sollten alkalisch sein (also kein calciumchlorid oder phosphorpentaoxid, auch silikagel wäre eventuell grenzwertig).  wäre das ein weg?

gar kein wasser verwenden beim reinigen oder spülen. es sollten lösungsmittel wie aceton, isopropanol oder so genommen werden, die ihrerseits wasser aufnehmen können, evtl. getrockneter brennspiritus. trocknungsmittel für diese lösungsmittel sollte dann alkalisch sein. vorsichtig damit umgehen, diese stoffe können sich entzünden. nicht mit wasser mischbare lösungsmittel (benzin etc.) bringen es nicht. mit den bakterien macht das durchaus auch sinn, da die kleinen selbst auch bei niedrigen pH-werten stabil sein können.
(sauer = niedrige pH-Werte)
von wegen wasserstoffperoxid müsste man mindestens alkalisch arbeiten, da da wohl die reduktive wirkung vorliegt (so ich mich erinnere .........lang lang ist's her).
dann das ganze trocken aufbewahren und zutritt von säuren verhindern (vielleicht reicht auch bereits das kohlendioxid, welches mit luftfeuchtigkeit ja auch eine schwache säure bildet.

ich hatte mal in der vitrine einen reinen kohlenbrocken, der sich dann im laufe der monate selbst zerlegte in einen haufen unansehlichen pulver. da war nicht mal pyrit markasit dabei.

soviel dazu jürgen lange/de


Offline Wegschmeißit

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Re: Pyrit Konservieren mit Wasserstoffperoxid?
« Antwort #13 am: 12 Nov 08, 20:24 »
guckst du hier

http://de.wikipedia.org/wiki/Archea

BTW: Beim Silber wird auch die antibakterielle Wikrung genutzt.

Frank ;-)


Klasse! Nu brauch ich auch noch ein Biologiestudium um ein Mineralogisches Problem zu verstehen!
Hätt ich in der Schule doch mal besser aufgepasst! ;D

@Krizu: Da hat der Physiker doch auch gleich seinen Beitrag geleistet!  ;)

Im Ernst: Danke für den Link. Sehr informativ.
« Letzte Änderung: 12 Nov 08, 20:27 von Wegschmeißit »

Offline smoeller

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Re: Pyrit Konservieren mit Wasserstoffperoxid?
« Antwort #14 am: 12 Nov 08, 21:00 »
Hallo,

In Kohle ist in der Regel framboidaler Pyrit enthalten. Das ist mikroskopisch feiner Pyrit, der manchmal als Rest von Schwefelbakterien angesehen wird. Dieser framboidale Pyrit ist in Braunkohlenabbauen ein Problem, da er sich leicht zersetzt und dann die Hänge zum Gleiten kommen. Daher niemals in frisch gefluteten Braunkohleseen baden gehen!! Unterseeische Hangrutsche lösen Flutwellen bis mehrere Meter Höhe aus. Hier dürften Bakterien beteiligt sein.

Glück Auf!
Smoeller

 

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