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Autor Thema: Pflanzenfunde in der Oberen Süßwassermolasse des Alpenvorlandes  (Gelesen 9813 mal)

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Offline Bullifan

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 Hallo

heute ein kleiner Bericht aus der Molasse des Alpenvorlandes. Im Gebiet östlich von Augsburg gibt es eine größere Anzahl
von Sandgruben. Diese Sande überdecken die Ablagerungen der Oberen Süßwassermolasse als jüngstes Glied der
Molasseablagerungen. Beim Sandabbau werden diese Ablagerungen freigelegt und wenn man Glück hat, erfährt man
rechtzeitig davon. Und wenn man noch mehr Glück hat bekommt man die Erlaubnis sich dort austoben zu dürfen.

Obere Süßwassermolasse Tertiär, Miozän, Ottnang bis Pannon 18 bis 8 Mio

Zur Zeit der Oberen Süßwassermolasse muß man sich die jetzige Voralpenlandschaft als artenreiche Sumpfwälder mit einer
Unzahl an Wasserläufen aller Größen, Sümpfen, Mooren und Altwasser vorstellen. Die Flora hat sich zu heute schwer
unterschieden. Hier wuchsen Sumpfzypressen und Wasserfichten und jede Menge laubabwerfende Bäume. Hier lebten
Krokodile, Zwerghirsche, Mastodonten  und Dinotherien. Das Klima war  warm gemäßigt.
In den trockeneren Bereichen wuchsen immergrüne Lobeerwälder. Vergleichbar mit der heutigen Vegetation im Mittelmeerraum
oder Teneriffa.
Und deshalb ist es spannend hier zu suchen, denn man weiß nie, was zum Vorschein kommt. Vom Fund des Schädels eines
Urelefanten bis zum Pflanzenhäksel ist alles möglich. Wenigstens theoretisch.
Praktisch sind die meisten Funde pflanzlicher Natur. Häufig sind auch noch Schnecken und Muscheln. Alles andere reines Glück.

Die fundträchtigen Schichten zeigen sich als grauer oder blaugrauer Mergel. Verschiedentlich aber auch als fester
Süßwasserkalk. In diesem Falle sind beide Vorkommen vertreten. Über die Ablagerungsbedingungen möchte ich hier nichts
sagen, da ich davon nichts verstehe. Außer, daß es sich hier wahrscheinlich um einen brackischen Ablagerungsraum handelte,
da die Schichten sehr lehmig sind.

Bild 1: Zeigt den Aufschluß linksseitig. Ganz links außen herrscht der blanke Lehm vor. In der Mitte dagegen eine Wand aus relativ
             festen Kalksteinen.
Bild 2: Aufschluß rechtsseitig. Je weiter man nach rechts kommt, desto mergeliger wird der Untergrund. Hier konnte ich in etwa
             halber Höhe eine etwa 20cm dicke Bank mit inkohltem Pflanzenhäksel finden.
Bild 3: Aus dieser "Häkselschicht" stammen diese Grasreste. Wie man sieht, sind sie hauchdünn. Nur die schnelle Anwendung von
             verdünnten Ponal verhinderte das Zerfallen.
Bild 4: Auch hier ein Grasrest. Die inkohlten Pflanzen zerfallen nach dem Trocknen sehr schnell zu Staub.
Bild 5: Auf brackischen Ursprung deutet das hohe Vorkommen von Wassernüssen hin. Diese Wassernüsse konnte ich sowohl in
             den festeren Kalken als auch in den Mergelschichten finden.
Bild 6:Ebenfalls aus den Kalksteinen
Bild 7: In den mergeligen Partien, in diesem Fall Aufschluß rechtsseitig halbe Höhe, lagen die Wassernüsse als Kohlehäutchen vor.
             Hier hilft ebenfalls schnell mit Ponalwasser übergießen.
Bild 8; Der einzige "tierische Fund". Die zerdrückte obere Hälfte einer Schnecke.

Leider werden die Sandgruben nach Nutzungsende wieder verfüllt. Aber ich hoffe, daß dies in diesem Fall noch wenigstens bis zum
nächsten Jahr dauert. Ich konnte leider nur dreimal suchen. Beim ersten Mal nix zum Verfestigen dabei, alle Funde zerfallen. Beim
zweiten Mal Ponalwasser dabei, aber nix gescheites gefunden. Erst beim dritten Besuch konnte ich die obigen, zugegebenermaßen
dürftigen Funde machen. Aber es ist noch nicht aller Tage Abend. In einer benachbarten Grube wurde schon mal der Schädel
eines Urelefanten gefunden. Muscheln sind häufiger, zerfallen aber bei einem scharfen Blick.

Meine Quellen: Erläuterungen zur Geologischen Karte von Bayern, Bayerisches Landesamt München
                               Bau und Werden der Allgäuer Landschaft, Herbert Scholz

Und nun Viel Spaß

Grüße von Reiner dem Bullifan
« Letzte Änderung: 20 Mar 13, 09:31 von oliverOliver »

Offline Bullifan

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Offline Geomaxx

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Hi Reiner
wie immer, Deinen Bericht mit Vergnügen gelesen, in der Gegend ist ja wirklich einiges geboten, wenngleich sich die Aufschlußverhältnisse rasend schnell ändern.
Die Wassernuss-Fruktifikationen sind wohl der Art Trapa heeri zuzuordnen, die seitlichen Fortsätze der Frucht stehen dabei eher waagrecht bis nur leicht nach oben geneigt ab, bei anderen Trapa-Arten, wie z.B. Trapa strausii sind die Arme steil aufwärts gerichtet. Zur Unterscheidung kannst auch das Verhältnis von Fruchthöhe zu Fruchtbreite hernehmen. Bei T. heeri schwankt das Verhältnis zwischen 0,9 und 1,7, bei T. strausii ist das Verhältnis 1,9, nie kleiner. Andere Trapa-Arten kommen meines Erachtens nicht in Frage (T. minuta, T. moravica; dazu T. natans erst im ausgehenden Pliozän).
die von Dir beschriebenen "Gräser" sind entweder Cyperaceen (Sauergräser wie z.B. Gattung Carex) oder aber auch zusammengeschwemmte Blattreste, es gibt da einige lanzettförmige Kandidaten unter den Salix-Arten (Weiden) wie z.B. Salix varians oder S. lavateri, S. angusta. Zudem gibt es schmalblättrige Daphnogene-Arten (D. lanceolata).
Weiterhin viele schöne Funde ...und natürlich Fundberichte!
Glück Auf!
GEOMAXX

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Hallo Max

erstmal Danke an den treuesten Leser meiner Berichte. Ich weiß, Du bist ein Tertiärfreak. Bei Interesse, die Fundstelle kann ich Dir
übermitteln. Ich habe jetzt in den Verkaufslisten von Leitfossil.de eine Abbildung von einer Wassernuß gefunden.
Unter der Bezeichnung Hemitrapa heissigii GREGOR
Gefunden 1982 von Dr. Gregor in Pfaffenzell. Diese Fundstelle bzw. diese Schicht gibts ja leider nicht mehr.
Ist das jetzt was anderes oder bloß eine andere Bezeichnung. Sieht jedenfalls für mich gleich aus.

Grüße aus Fürstenfeldbruck von Reiner dem Bullifan

Offline Geomaxx

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Hi Reiner,
die Fundstelle, die Du beschreibst, kenn ich slebstredend (als alter Dauer-Durchforster der umliegenden Landkreise !
Die feinen Blättermergel dort sind wirklich interessant, wenngleich auch stark gestört und bei zwei Blitzbesuchen ohne entsprechendes Equipment habe ich die Bergung gar nicht erst angefangen, zumal ich den Eigentümer jeweils nie errreicht habe und ich ohne Genehmigung nirgends reinspaziere.
Das mit Hemitrapa sp. oder Trapa sp. ist gar nicht so einfach, ich ging bei der Bestimmung halt anhand der Fotos vor und habe die für Hemitrapa sp. typischen Merkmale halt ausgeschlossen, die da wären:
Der Keimkegel (das spitzkegelige Dingsda in der Fruchtmitte) ist nicht deutlich von den Flügelansätzen abgesetzt, sondern stülpt sich übergangslos hervor, in einem Bild meine ich zu erkennen, daß die 4 Fortsätze nicht in einer Ebene liegen (ist am ehesten zu diskutieren, die Fruchtbasis ist leider nirgends zu sehen), zudem erscheint die Frucht in der Längsachse eine Symmetrieebene zu besitzen (auch schlecht zu erkennen)
Vielleicht sollte man das näher klären, denn auffällig ist, daß die Phytozone (also die Schichtenparallelisierung anhand von Pflanzenfunden) in beiden Fundstellen die gleiche sein sollte (!), vielleicht kann H-JG da weiterhelfen?
Glück Auf!
GEOMAXX

Offline Bullifan

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Hallo Max

danke nochmal für Deine Ausführungen. Was die Betretungserlaubnis anbelangt. Ich habe den Hinweis auf diese Grube
telefonisch persönlich von HJG. Er hat mit dem Besitzer, dem gehört auch die Grube in Oberzell, abgesprochen, daß von
ihm empfohlene Sammler sich in den beiden Gruben austoben dürfen. Wenn es Probleme gibt kann man sich jederzeit
auf HJG berufen. Logischerweise hat er sich ausbedungen, daß besonders interessante Funde zuerst an ihn gemeldet
werden. Vielleicht ist was fürs Museum Augsburg dabei.

Grüße von Reiner dem Bullifan

Offline Bullifan

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Hallo an alle Tertiärfreunde

die Fundstelle östlich Augsburg gibt es noch. Besonders die Mergel sind hochinteressant. Konnte körperlich erhaltene
Schnecken (10 und 15mm), unbekanntes Blatt (könnte aber auch was anderes sein?) und Muschelreste finden. Sollte diese
Fundstelle noch länger bestehen, sind noch weitere Funde möglich.
hier ein paar Bilder:
« Letzte Änderung: 06 May 09, 22:19 von Bullifan »

Offline Bullifan

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« Letzte Änderung: 04 Feb 17, 15:53 von oliverOliver »

 

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