Hallo Schneebrot! (

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Hier mal die Meinung eines fertig gebackenen Geologen. Muss dazu sagen, dass ich noch ganz klassisch an einem sehr kleinen Institut auf Diplom studiert habe. Was die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge angeht, können vielleicht andere noch was dazu sagen.
Studieren solltest Du Deiner Neigung und Deinem Interesse entsprechend, weniger unter dem Aspekt der Vorkenntnisse. Die bekommst Du im Grundstudium ohnehin zur Genüge, es gibt zahlreiche Nebenfächer wie (Geo-)Physik, Chemie, Zoologie, Botanik, Bodenkunde, Geographie, Gesteinskunde, (Geo)Informatik, uvm., von denen einige zwangsweise absolviert werden müssen, andere freiwillig sind.
Deine Mitstudenten kommen von der Schule mit völlig unterschiedlichen Neigungsfächern, so dass tatsächlich der größte Teil des Grund-/Bachelor-Studiums darin besteht, den Studenten die gemeinsamen Basics beizubringen, wie Gesteinskunde, Mineralogie, Kartenkunde, allgemeine Geologie und Paläontologie. Anschauliche Erfahrungen wirst Du dann auf zahlreichen Studienexkursionen sammeln können, bei denen es von Vorteil ist, wenn man sich mit Zelt und Schlafsack und einfachsten Verhältnissen anfreunden kann.
Am allerwichtigsten ist es, während des Studiums am Ball zu bleiben und sich nicht dem trügerisch leichten Studentenleben nach dem Motto: "ich mache nur das Pflichtprogramm" hinzugeben. Je mehr Du am Anfang lernst, umso leichter kommst Du später im Studium weiter! Lücken einige Semester später auffüllen zu müssen, kann einem sehr die Freude am Studium vermiesen.
An Physik und Chemie kommst Du im Studium keinesfalls vorbei, das sind Essentials für das Verständnis der ganz grundlegenden naturwissenschaftlichen Zusammenhänge. Dieser Teil kann in der Tat sehr anstrengend und oft auch frustrierend sein, aber da musst Du einfach durch. Ich hatte auch sehr hart daran zu knabbern.
Ob das Studium schwer ist? Jein! Man ist nicht auf Rosenblüten gebettet, hat aber den Vorteil, sich mit sprichwörtlich be-greifbaren Sachverhalten auseinander zu setzen, die nicht so abstrakt sind wie Jura, BWL u. ä. Natürlich muss man viele Dinge erst mal schlicht auswendig lernen, aber irgendwann fügt sich das alles zu einem großen, zusammenhängen, selbsterklärenden Bild. Wichtig ist der Spaß an der Natur (und an der Erkenntnis, dass sich nicht alles in Formeln pressen lässt) und die Fähigkeit zum Staunen. Sehr hilfreich ist es, wenn man eigenständig denken und kombieren kann und sich seine eigenen Gedanken über Sachverhalte macht.
Das Studium lebt sehr von Diskussionen mit Kommilitonen und Professoren sowie generell vom gegenseitigen Austausch. Es ist durchaus ein "Teamstudium", und auch auf Exkursionen ist Teamarbeit gefragt. Einzelkämpfer tun sich eher schwer. Da kommen wir zu den "soft skills", die genauso wichtig sind wie Fachwissen.
Auch ein wichtiges Thema: Die Berufsaussichten!
Die sind sehr gut und werden es die nächsten Jahre über auch bleiben. Der global gestiegene Rohstoffbedarf und gesteigertes Umweltbewusstsein hat eine Vielzahl von neuen Jobs für Geologen in den unterschiedlichsten Bereichen geschaffen - z. Zt. kann ca. 1/3 des Bedarfs an Geologen nicht gedeckt werden! Die Jobs sind, im Gegensatz zum Zustand von vor einigen Jahren, attraktiv vom Anforderungsprofil und von der Bezahlung her. Vor allem internationale Unternehmen suchen händeringend flexible Mitarbeiter für Langzeit-Auslandseinsätze. Besonderen Wert wird auch hier auf Teamfähigkeit und Entscheidungsfreudigkeit gelegt.
So, das mal im groben Überblick. Wenn noch Fragen offen sind: nur zu!
Gruß,
Triassammler