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Kann ich Geologie studieren?
minuwe:
Wollte früher (ca. 1980) mal Geologie studieren. Da riet mir ein Geologe ab: 80 % Schreibtischarbeit. Da ließ ich es sein. Nach den obigen Posts scheint das heute ja anders zu sein ???
Gruß
Uwe
Tapir:
Deshalb überzieht der Durchschnittliche B.sc.Student in Deutschland ja auch um 2 ,5 Semester ;)
Und wie man das auf die Reihe bekommt, hmm, unsere Uni hat mir da 2 Lösungsansätze mitgegeben:
Prüfungsamt: "Sie sollen ja auch studieren und nicht arbeiten" (auf die Frage wie ich dann (über)leben soll kam dann die selbe Antwort wie von einem Dozenten:)
Dozent: "das ist Ihr Problem. Früher wars ja auch nicht einfach"
Effektiv für jemanden der in den neuen Studiengängen Geologie studiert und arbeiten muß: im Schnitt 25 Semesterwochenstunden, Je SWS 45 min Vor- und 45 min Nachbereitungszeit, 20 Stunden Arbeit (oder Freiberuflich mehr) Besonders erfreuen tun dann Dozenten/Professoren der "alten Garde" die Ihre Vorlesungen vom zeitumfang mal schnell verdoppeln "weil man das ja eigentlich wissen muß". Das Zeitmanagement das im Bolognapapier vorgesehen ist wird nur von wenigen jüngeren Vorlesenden eingehalten.
Aber trotz allem: Ich habs nicht bereut (bisher) den B.sc.geol. gemacht zu haben und nun den Master dran zu hängen. (und das als Chemienull)
Und: 80 % Schreibtischarbeit? Klar... Aber in den meisten anderen Berufen die nach einem Studium folgen, ist diese Zahl wesentlich näher an den 100% dran.
triassammler:
--- Zitat ---Und: 80 % Schreibtischarbeit? Klar... Aber in den meisten anderen Berufen die nach einem Studium folgen, ist diese Zahl wesentlich näher an den 100% dran.
--- Ende Zitat ---
Konkret ist es doch so: Im Idealfall sammelst Du im Gelände Deine Daten und wertest die dann am Schreibtisch aus. Dass das Auswerten deutlich länger dauert als das Datensammeln liegt auf der Hand. Die Zeiten, wo Geologen mit salbungsvollen Worten durchs Gelände gezogen sind und die Büroarbeit ihren Assistenten überlassen haben, sind schon lange vorbei.
Ich hab übers komlette Studium hinweg 3 Tage studiert, 2 Tage voll in einer Firma gearbeitet, und am WE gelernt, vertieft, nachgearbeitet. Mir fiel es aber auch leicht, weil mich sowohl das Studium als auch der Job (Informatik) extrem interessiert haben und ich beides selten (nicht: nie!) als wirkliche Belastung empfunden habe. Dass einerseits die Profs gemosert haben, weil man mal nicht anwesend war, und andererseits der Arbeitgeber bei dringenden Projekten über Nichterreichbarkeit nicht erfreut war, waren Schattenseiten, aber da musste ich halt durch.
Ich bereue weder das Studium, noch den Nebenjob dabei - vor allem letzterer hat mir wertvolle Kenntnisse über die berufliche Wirklichkeit in Deutschland geliefert, die "Nur-Studenten" sich erst noch in ihrem ersten Job nach dem Studium erwerben müssen.
Das Leben ist kein Ponyhof ;)
Gruß,
Triassammler
Schneebrot:
Danke für die Antworten! :) :) :)
Chemie wird kacke, aber da komm ich durch. In der Schule hat man ja auch immer ein paar Fächer die man nicht leiden kann und kommt trotzdem weiter :).
Noch zwei Fragen :P:
1.) Ist man während des Studiums oft weg? Irgendwo hab ich mal gelesen, dass man in der Studienzeit oft verreißt. Wär hammer!
2.) Und wie siehts im Beruf aus? Würde in der Zukunft denk ich schon ganz gern irgendwann mal ne Familie haben... Wär doof wenn ich dann oft rumreisen müsste. Ab und zu mal ist sehr gut, wie gesagt: Ich bin nicht jemand der gerne nur rumsitzt. Klar ist das von Job zu Job unterschiedlich... Da müsst ich mich noch orientieren. Geologen die nach Erdöl suchen (naher Osten etc.) gibts denk ich wenige. In ner Wüste Wasser suchen....... hmmmmmmmm :(.... Die meisten arbeiten denk ich mal in Baufirmen (oder?).
Am besten wärs wenn ich nen Job hätte, bei dem ich hauptsächlich zu Hause bin und ab und an (ein paar Mal im Jahr) verreise. Ist sowas möglich bei Geologen oder ist man ständig unterwegs?
PS: Hauptsach Lamp uf de Kop un Sonnenbrille: 8) -------> ;D
triassammler:
--- Zitat ---Ist man während des Studiums oft weg? Irgendwo hab ich mal gelesen, dass man in der Studienzeit oft verreißt. Wär hammer!
--- Ende Zitat ---
Das tut man in der Tat! War zumindest während meiner Studienzeit (vor 4 Jahren) so. Jedes Jahr gab es ein Pflicht-Geländepraktikum (10-14 Tage) mit steigendem Schwierigkeitsgrad in Südfrankreich und Spanien (Profilaufnahme, geologische Kartierung) und zusätzlich eine zu erreichene Pflichtanzahl von Exkursionstagen, wobei man da aus dem Gesamtangebot der Exkursionen je nach Gusto auswählen konnte. Ich habe da aber deutlich mehr als die vorgeschriebene Exkursionsanzahl belegt, und das wird auch durchaus begrüßt. Daneben gab es noch besondere Schmankerl wie eine lagerstättenkundliche Exkursion nach Chile. Auch Deutschland habe ich dadurch ganz gut kennen gelernt.
Grundsätzlich richtet sich das Exkursionsangebot einer Uni danach, welche Schwerpunkte das Institut hat. Bei uns war das eben Südeuropa, daneben die ganz lokale Regionalgeologie.
Die Reise- und Unterbringungsbedingungen sind dabei aber oft sehr einfach - Zelt, Hütten, Kochen über dem Lagerfeuer ;D Wer an so was Spaß hat - hatte ich - ist da genau richtig. Wenn Du das halbe Sommersemester nur von Exkursion zu Exkursion gehechelt bist, bist Du nach ein paar Wochen auch mal wieder froh, zu Hause zu sein und fließend Wasser zu haben ;)
--- Zitat ---Und wie siehts im Beruf aus? Würde in der Zukunft denk ich schon ganz gern irgendwann mal ne Familie haben... Wär doof wenn ich dann oft rumreisen müsste.
--- Ende Zitat ---
Ich würde die Wahl des Studiums nicht jetzt schon von einer 10 Jahre in der Zukunft liegenden Familienplanung abhängig machen. Du kannst auch durchaus gute Jobs in regionalen Unternehmen finden, wenn es nötig ist: Geothermie, Altlastenerkundung, Ingenieurbüros, Bauunternehmen - sie alle suchen Geologen, und zwar mehr, als jedes Jahr die Uni absolvieren.
--- Zitat ---Geologen die nach Erdöl suchen (naher Osten etc.) gibts denk ich wenige. In ner Wüste Wasser suchen....... hmmmmmmmm .... Die meisten arbeiten denk ich mal in Baufirmen (oder?).
--- Ende Zitat ---
Ich habe keine genauen Zahlen parat, aber im internationalen Bereich arbeiten sehr viele Geologen in der Kohlenwasserstoffprospektion. Der Bereich saugt die Geologen mittlerweile geradezu auf, schult sie auf die spezifischen Bedürfnisse des Unternehmens und setzt sie dann weltweit ein. Unternehmen wie Statoil suchen aber explizit sehr mobile und flexible Mitarbeiter, die ein paar Wochen oder Monate hier, dann dort, und dann wieder ganz woanders sind. Entsprechend langfristig sind die Verträge angelegt - zur Gründung einer Familie und Elternzeit mal schnell ein paar Jahre Auszeit nehmen wollen ist da nicht drin. Dafür bist Du für das Unternehmen schlicht zu teuer.
Ähnlich ist es mit den großen Bergbauunternehmen - die haben überall in der Welt Bedarf nach Geologen, aber man muss bereit sein, nur für das Unternehmen zu leben. Im Gegenzug gibt es eine großzügige Bezahlung und ein sehr spannendes Leben.
Ein "Job zu Hause" wäre dann in der Tat das Ingenieurbüro in der nächsten Stadt, ein Geothermieunternehmen o. ä. Aber die unterhalten typischerweise keine internationalen Zweigstellen, weil es regionale Firmen sind, also groß mit Reisen wird da nichts sein.
Bei der Wahl des Arbeitgebers (die für Dich ja noch in weiter Ferne liegt!) solltest Du also zuerst mal schauen, ob die Unternehmensstruktur Deine persönlichen Wünsche von der Gestaltung der Arbeit überhaupt unterstützen kann. Ein Vorteil ist, wenn Du ein "guter" Geologe bist, also die entsprechenden Leistungen aus dem Studium nachweisen kannst. Dann stehen Dir viele Türen offen.
Gruß,
Triassammler
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