Vermischtes / Miscellaneous / Varios > Dies und Das / this and that
Kann ich Geologie studieren?
spotts:
Hallo Schneebrot,
wie bereits an anderer Stelle erwähnt:
ohne die Bereitschaft viel "nebenbei" zu Lernen oder sich möglichst oft im Gelände aufzuhalten wird aus dem Studium nur ein schöner Zeitvertreib.
Leider werden meiner Meinung nach viel zu viele Nebenfächer durchgezogen (bis zu 70%), meist bleibt dabei die Geländearbeit auf der Strecke.
Aus meiner Erfahrung sind mathematische Kenntnisse wichtig, dann sind, zumindest war das in Bonn so, die anderen Nebenfächer (Mathe, Physik, Chemie) immer zu schaffen. Alles andere mehr oder weniger Sinnvolle kann man sich anlernen.
Das wichtigste bei deiner Studienwahl und besonders in der Geologie überhaupt ist, dass du mit viel Herz und Interesse dabei bist.
Solange du dich noch fragst ob du vieleicht Geologie studieren möchtest, würde ich mich nach etwas anderem umsehen.
Ob du viel unterwegs bist hängt natürlich von deinem Job ab. Ob du in zehnJahren (wie lange möchtest du studieren?) einen Job findest ist eh nicht zu sagen. Mit der Familienplanung ist das auch vom Job abhängig.
Mein Vorschlag: wenn du wirklich viel unterwegs sein kannst und es dir Spass macht - verzichte auf die Familienplanung. Es gibt fast immer Ärger.
Zitat Triassammler:
Bei der Wahl des Arbeitgebers (die für Dich ja noch in weiter Ferne liegt!) solltest Du also zuerst mal schauen, ob die Unternehmensstruktur Deine persönlichen Wünsche von der Gestaltung der Arbeit überhaupt unterstützen kann. Ein Vorteil ist, wenn Du ein "guter" Geologe bist, also die entsprechenden Leistungen aus dem Studium nachweisen kannst. Dann stehen Dir viele Türen offen.
Zitat Ende
Wer kann sich anhand der Unternehmensstruktur als Anfänger mit persönlichen Wünschen einen Job "aussuchen"? Und dass gute Leistungen die Türen öffnen - solch einen grenzenlosen Optimismus hatte ich auch mal...
Dennoch: ich habe das Studium nie bereut.
Gruss
Spotts
(Geologe)
triassammler:
Hallo spotts!
--- Zitat ---Wer kann sich anhand der Unternehmensstruktur als Anfänger mit persönlichen Wünschen einen Job "aussuchen"? Und dass gute Leistungen die Türen öffnen - solch einen grenzenlosen Optimismus hatte ich auch mal...
--- Ende Zitat ---
Ich bin immer noch Optimist. Und das hat mich bisher ganz gut durchs Leben gebracht ;D
Scheint leider so ein verbreiteter Fatalismus zu sein, dass man glaubt, egal wie man sich anstrengt, man bekomme doch nicht, was einem zustehe. Für meinen derzeitigen Job besitze ich keinerlei Hochschulqualifikation (im Gegensatz zu fast allen meinen Kollegen), vom Arbeitgeber wird das persönliche Engagement aber honoriert (nicht nur materiell) - es wird in der Tat auf die echten Leistungen, nicht auf irgendwelche Hochschultitel geschaut! Also, ganz so düster ist es dann auch nicht...
Ich weiss nicht, ob ich richtig verstanden wurde: Ich wollte damit sagen, dass man sich vor einer Bewerbung grundsätzlich Gedanken machen sollte, ob das Unternehmen bzw. der Arbeitsplatz überhaupt was für einen ist. Persönlich würde ich lieber ein halbes Jahr Bewerbungen schreiben und mich so lange anderweitig durchschlagen, als das Nächstbeste zu nehmen, was gerade greifbar ist, mich aber in keiner Weise befriedigt...
Beim Rest stimme ich Dir aber zu!
Gruß,
Triassammler
michael berghäuser:
Hallo Leute, ;D
ich wußte gar nicht, daß Geologen wieder (schon wieder) so gefragt sind. :D
Hab 1996 in Mainz mein Diplom gemacht und vor/während des Studiums haben wir auch solche Aussagen zu hören bekommen.
Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, daß es sehr schwierig ist, einen dauerhaften, gut bezahlten Job egal wo zu bekommen. Zu meiner Zeit saßen Geologen mit mehr Erfahrung drauf, und heute dürfte es nicht viel anders sein.
Wollte auch Praktika im Gold oder Erdöl machen, aber für Lau, das war mir nicht ausreichend.
Glückauf
vom Geologen Michael, nun im IT-Sektor tätig
caliastos:
na praktika lässt man einen ja fast nur noch für lau machen, egal welche fachrichtung, selbst wenn es bei staat ist. bezahlung bei praktika (die während des studiums auch gefordert sind) sind meist glück. gute bezahlung erst recht. schon mal die fernsehberichte über die praktikantenausbeute gesehen? passt wie faust auf auge. praktikanten machen inzwischen meist vollwertige jobs, allerdings haben die nicht die nötige erfahrung. schert auch keinen, weil billig. merkt man auch als kunde oft genug. von denen die praktika machen mussten und von denen ich es weis hatten 10% gut bezahlte. bei 30% gab es dann zwischen 100-400€ im monat, von denen locker 50% für fahrtkosten weggingen. der rest hat unbezahlte gemacht. und dabei hat die mehrheit 2 verschiedene praktika gemacht. späterstens wenn du die geleisteten praktika vorweisen musst ist dir die bezahlung egal.
dass szu viel nebenfächer reingejubelt werden stimmt vollkommen. da beklagen sich sogar dozenten, dass die leute zu wenig ins gelände kommen und von nebenfächern mehr ahnung als von dem stein vor deren füßen. was ich kenne ist ein grundstudium aus 90% nebenfach, also über 4 semester. bio (1sem), physik (2 sem), chemie (3sem) und mathe (2sem) incl. zugehörige laborpraktika in ch und ph. daneben nur randlich geo-fächer. daneben sowas wie technische meachnik und andere bauingenierufächer. +/- kommst du auf 25-40% geologie im ganzen studium. und das auch noch gerne breit gefächert.
geographie interessiert an sich nur randlich. da interessiert keinen wo welcher ort liegt, sondern vielmehr die geograpische postion eines gebirge, das von land x nach y reicht und z.b. die klimatischen folge. einwohnerzahl von tralala, wenn interessiert's, sind eh nicht lang genug da und erst seit wenigen augenblicken der erdgeschichte.
wichtig ist gesteine, ihre eigenheiten, entstehung und vorkommen zu kennen. in die liga gold, öl, diamant und vergleichbar zu kommen ist schwer. zum einen heißt es gut sein, dann sind beziehungen nicht verkehrt, vorkenntnisse im spezielles sektor und das glück, das die leute brauchen. weil: viele dieser firmen bilden ihr personal selber aus und fort und halten daten akribisch unter verschluß.
vor paar jahren war geologie noch zulassungsfrei für jedermann. inzwischen sind vermehrt vorgespräche und zulassungsbeschränkungen aktiv. eienrseits scheint es populärer zu werden, andererseits aber sind viele dabei, die schnell wieder aufgeben oder nur eine parkposition einnehmen und hoffen evtl. nachher einen schein anrechnen lassen zu können.
schönes beispiel: 150 angemeldete erstsemester. davon erscheinen schon mal nur 100 bis 110 überhaupt zu dene ersten vorlesung. den rest sieht man nicht einmal. davon hauen dann 30-40 weil es ihnen zu schwer wird oder sie keine lust mehr haben. 10 bis 20 packens es nicht. da dies aber resourcen bindet kommen zunehmend auswahlverfahren rein. zudem reicht auch der restbetrag oft aus um die personalgrenzen zu sprengen. der einst enge kreis wird annonymer. kenne kaum studienfächer wo dozenten jeden ihrer studenten in allen semestern namentlich kennen und darüber hinaus. in den höheren semestern fällt die formelle anrede meist noch weg.
an sich machbar. die frage ist: will man und hält man durch? du hast da auch schön viele übungen, die dir die wochenenden und abende gewaltig füllen. arbeiten nebenher ist schon eng. die meisten die rausfallen mussten nebenher noch arbeiten.
giantcrystal:
Noch einmal ein Statement von mir :
Auch wenn es sich etwas platt anhört, aber ich glaube, man sollte sein Studium - egal ob Geologie, Biologie, Römische Archäologie oder Angewandte Sinologie - lieben !
Tut man dies, ist man eigentlich automatisch auch gut in seinem Fach, auch wenn zweifellos die eine oder andere Klippe während des Studiums zu umschiffen bleibt (in meinem Fall in Göttingen war das beispielsweise das Physikpraktikum..uff!)
Ist man gut...und wichtiger noch : ist man sich dessen bewusst, das man besser ist als manch anderer ---> Ausstrahlung von Selbstbewußtsein kombiniert mit Fachwissen --> so stellt es auch kein großes Problem dar, eine befriedigende Stellung in der Geologie zu finden.
Studiert man dagegen Geologie oder Biologie etc etc, nur weil einem nichts besseres einfällt oder weil der NC nicht gepasst hat und macht man dann auch nur seiner Pflichtscheine und Geländeübungen, so sollte man sich beizeiten nach etwas anderem umsehen. Ein paar Semester Geologie reichen dann sicherlich und sind auch keineswegs von Nachteil, ist doch Geologie so ziemlich das einzige "universal - naturwissenschaftliche Studium" und auch das einzige "vierdimensionale" Studium im weiten Lehrangebot !
Nein, ich erkläre jetzt nicht, wieso das Geologiestudium vierdimensional, da könnt ihr gerne mal raten ;D
Glück Auf
Thomas
P.S. . Zum Thema aktuelles Stellenangebot. Tatsächlich gibt es derzeit / bis jüngst einen erheblichen Bedarf für Lagerstättengeologen sowohl im Steine - Erden Sektor als auch im Metall / Kohlenwasserstoffbereich...sowohl in Deutschland als auch in klassischen Bergbauländern wie Kanada und Australien. Es steht aber zu befürchten, das dieser Bedarf gerade wegen der Wirtschaftskrise kurzfristig drastisch zurückgeht....wie es dann in fünf oder zehn Jahren aussieht, weiss eh kein Mensch, auch kein Professor
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
[*] Vorherige Sete
Zur normalen Ansicht wechseln