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Kann ich Geologie studieren?
giantcrystal:
Und noch ein Wort zum Thema Praktikum
Man sollte sehr früh damit anfangen und möglichst bezahlte Praktika machen. Das geht durchaus, wie man an folgender Zusammenstellung meiner damaligen Praktika sehen kann
Studium in Göttingen 1981 - 1987 (Diplom Geologie / Paläontologie)
Praktikum (1 Monat) Sommer 1982 / 2. Semester : Goldexploration am Hohen Goldberg, Rauris mit St, Joe (Alternativ wäre es UT Braunkohlengrube Stolzenbach gewesen)
Praktikum (2 Monate) Winter 1982 - Sommer 1983 (so nebenbei mit etwa 4 - 8 Wochenstunden) : Mineralienhandel in Göttingen
Praktikum (1 Monat) Sommer 1984 : Dokumentation Abteufung Schächte Gorleben im Gefrierverfahren bei der DBE
Praktikum (1 Monat) Sommer 1986 : Auswertung Explorationsprogramm Zinnpegmatite Uis Tin Mine / Namibia (anschließend noch 1,5 Monate geologische Exkursionen in Namibia mit zahlreichen Bergwerksbefahrungen)
Natürlich war es nicht ganz einfach, immer bezahlte Praktika zu finden, aber auch das gehört dazu, um ein erfolgreicher Geologe zu werden. Schließlich will man später mal seine Brötchen verdienen
Glück Auf
Thomas
caliastos:
was mir zu den exkursionen einfällt:
du reist dabei nicht quer durch die welt. vieles ist regional gebunden. warum in die usa und strukturen ansehen, die es hier auch gibt? ist immerhin auch eine zeit und kostenfrage. kleinere exkursionen nutzen oft wochenden und feiertage, größere die semesterferien. gezahlt wird selber. und da kosten die großen exkursionen gewaltig. konnte nicht eine der größeren mitmachen weil ich das nicht hätte bezahlen können. wenn der aushang für die anmeldung einer exkursion kommt, die in 3 monaten stattfindet und die anmeldung bis in 2 wochen gelaufen ist und expliziet dorten steht, das bis monatsende der betrag von 400€ + einzuhalen ist um verbindlich angemeldet zu sein, dann ist es nicht so einfach mal schlappe 400€ aus der tasche zu ziehen und nochmal 300-400€ für die 14 tage zurückzubehalten, da es nur die anzahlung war und man sich unterwegs auch noch selbst zu versorgen hat.
das ist echt ärgerlich wenn du dir selber sowas nicht leisten kannst oder nirgends das geld leihen kannst. die einzige exkursion, die ich mir hätte leisten können weil es geldtechnisch gerade gereicht hätte lag genau innerhalb des zeitraums meiner zwischenprüfungen. klasse, no time. keiner der nicht gerade in einer der wochen prüfung hatte konnte mit. um die tage so zu bekommen sammelst du kleinere exkursionen und hast noch weniger zeit weil du öfters weg bist. also auf sowas einstellen und am besten vorher genug geld haben. 50€ die dir am monatsende nach abzug aller kosten frei verfügbar bleiben reichen nicht für die großen exkursionen.
man bedenke: +/- studiengebühren, semesterbeitrag, evtl. fahrtkosten, evtl. miete, evtl. keine bafögberechtigung, evtl. nicht genug zeit für viel jobben nebenbei (nicht jeder will mitarbeiter, die nur unregelmäßig arbeiten können, weil sie auf exkursion sind oder keine zeit finden), evtl. kein stipendium, kosten für exkursionen
wenn man es sich leisten kann und machen will, warum nicht? aber inzwischen wird das ganze echt zunehemnder luxus und die zahl deren, die wegen des geldes nicht studieren nimmt erheblich zu. schau nur mal in die jahrgänge unter dir. wenn man da diejenigen fragt, die man dort kennt wie viele wegen geld nicht studieren, dann ist die zahl ziemlich gestiegen.
@ giantcrystal
da haste aber viel zeit in den semesterferien gehabt. und ehrlicherweise gesagt: damals war das mit der bezahlung noch ganz was anderes. die fehlende bezahlung hat sich erst gegen 2000 zunehemend etabliert.
giantcrystal:
@ Caliastos
naja, mag sein, das sich das Studium heute etwas anders darstellt. Was aber bezahlte Praktika anbelangt, so habe ich erst im September dringend einen Praktikanten für ein bezahltes Praktikum für ein Gold - Projekt in der Oberpfalz gesucht, unter anderem auch in diesem Forum...
Resultat ....?? was mich zum einen sehr erstaunt, zum anderen auch ziemlich enttäuscht hat. Seitdem frage ich mich, ob da im heutigen Studium nicht etwas falsch läuft.
Auch von anderen Seiten sind mir leider schon ähnliche Befürchtungen zugetragen worden
Glück Auf
Thomas
triassammler:
Auch wenn sich die Diskussion langsam von Schneebrots Kernfragen wegbewegt (obwohl die Kontroverse ihm vielleicht zeigt, dass es schwer ist, pauschale Aussagen über ein Geologiestudium zu treffen und Erfahrungen sehr subjektiv sein können), bin ich doch überrascht, was für Vorstellungen zum Thema Studium und Beruf anscheinend existieren. Dass das Studium nicht einfach eine verlängerte Schulzeit ist, wo einem alles hinterhergetragen wird, sollte doch klar sein. Da muss schon jeder Student selbst auf die sinnvolle Ausarbeitung eines Studienplans achten, wissen was er will, sich fachlich entsprechend orientieren...
Und was Praktika angeht: Zumindest im Bereich der Geologie ist mir nicht bekannt, dass hier ein oder mehrere Praktika als Prüfungsvoraussetzung erwartet werden. Und wenn: Es gibt Möglichkeiten, zumindest nach den Aushängen in meinem ehemaligen Institut zu urteilen. Vom 4-wöchigen paläontologischen Praktikum als Grabungshelfer (unbezahlt, Unterkunft und Verpflegung frei) bis zur (leidlich bezahlten) Teilzeitstelle in Ingenieursbüros war da alles geboten. Darf ich als Student ernsthaft erwarten, wie ein "Großer" bei meinem Praktikum bezahlt zu werden? Kann ich das nicht auch mal langfristig sehen, das erworbene Wissen als Gewinn und Investition in die berufliche Zukunft, statt zu denken: Für 15 € die Stunde steh ich morgens aber nicht auf.... ?
Der Grund für die durchaus hohe Abbruchquote im Geologiestudium liegt unter anderem darin, dass es von vielen Studenten nicht als "bequem" empfunden wird - eine Exkursion wird durchgeführt, auch wenn es regnet oder friert, das Programm muss ja absolviert werden. Einige kommen mit den körperlichen Anforderungen der Geländearbeit (ganztägige Profilaufnahme in Südspanien bei 40° C ist nicht immer lustig) nicht zurecht. Wieder andere stellen fest, dass es nichts wird mit dem wissenschaftlichen Elfenbeinturm, und bevorzugen einen Abschluss mit "eleganterem" Nimbus... Meine Feststellung ist, dass die Absolventen, die es durchziehen und schaffen, duchweg begeisterte, engagierte und tüchtige Leute sind.
Wie von giantcrystal bemerkt:
--- Zitat ---Ist man gut...und wichtiger noch : ist man sich dessen bewusst, das man besser ist als manch anderer ---> Ausstrahlung von Selbstbewußtsein kombiniert mit Fachwissen --> so stellt es auch kein großes Problem dar, eine befriedigende Stellung in der Geologie zu finden.
--- Ende Zitat ---
Niemand trägt einem ein Jobangebot hinterher! Man muss sich darüber im Klaren sein, was man will, wer man ist, was man kann, und das muss man aktiv an den Mann/die Frau bringen! Nicht nur in der Geologie muss man sich als Arbeitnehmer richtig verkaufen können. Gesundes (!) Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen ist gefragt! Niemand wird einem einen Job übertragen, wenn man an der eigenen Fähigkeit, ihn zu bewältigen, zweifelt. Das sind die soft skills, die genauso viel zählen wie fachliche Kompetenz.
Speziell Jobs, die Entwicklungs-, also Aufstiegspotenzial, besitzen, verlangen es, dass man in der Lage ist, vor Vorgesetzten, Mitarbeitern, Untergebenen seine Meinung fundiert zu vertreten und Entscheidungen sicher und selbstständig zu treffen.
Darauf bereitet das Studium leider generell nicht oder nur ungenügend vor. Zwar gibt es an den meisten Unis das Angebot von Rhetorikkursen, und in meinem Studium wurde auch das Erarbeiten und öffentliche Vortragen wissenschaftlicher Vorträge in einem gesonderten Seminar geübt, aber den grundlegenden Charakter eines Menschen kann das Studium nicht formen, genauso wenig, wie die Schule den Eltern die grundlegende Erziehung ihres Kindes abnehmen kann.
Meiner Beobachtung nach scheitert die Ergreifung des "Traumjobs" tatsächlich oft genug daran, dass man sich die Herausforderungen nicht zutraut, sich den Stress oder Aufwand nicht machen möchte und dann doch lieber den Weg des geringsten Widerstands geht, der leider oft genug an einem einsamen Schreibtisch endet, wo man dann die Tätigkeit des "einer unter vielen" erledigt.
Und sollte es doch mal mau mit den Berufsaussichten sein: Das Geologiestudium bietet eine so breit gefächerte Ausbildung und Wissensbasis, dass man in vielen Bereichen als Quereinsteiger unterkommen kann!
Gruß,
Triassammler
spotts:
Vieleicht noch einmal zu den Exkursionen:
natürlich kosten die Geld - allerdings kann man nirgends besser etwas über das Gelände lernen als dort. Ob es wirklich die United Steaks sein müssen ist eben die Frage. Selbst bei mir in der Eifel können nahezu sämtliche Geländekurse durchgeführt werden. Kartierungen, Vulkanologie, Paläontologie, Sedimentologie und bei Bedarf noch tiefergehende Betrachtungen. Aber: sobald die Studenten "Eifel-Exkursion" hören ist das Interesse rapide gesunken. Da klingt der Vulkanismus der Auvergne natürlich besser, ist aber auch teurer (dennoch schöne Gegend).
Seit Jahren habe ich immer wieder Studenten in meiner Region, und wenn bei einer Kartierungsübung in der Kalkmuldenzone nur Sandsteine gegen Kalke, vieleicht noch Vulkanite, abgegrenzt werden können, ist das für mich als bekennender Geländegeologe erschreckend. Über die tektonischen Übungen möchte ich schweigen...
Natürlich gibt es auch Ausnahmen - leider viel zu wenig.
Hauptsache die 20 Semesterwochenstunden allgemeine Chemie mit Praktikum und 4 Wochen quantitatives Praktikum werden absolviert, dazu kommen vier Wochen Physikpraktikum, 4 Wochen Biologie Praktikum, sowie je 6 SWS Mathe-, Physik- und Chemievorlesungen.
Wenn die selbe Zeit mal für die praktische Ausbildung eingesetzt würde, sähe das schon anders aus.
Bei den geforderten 45 Exkursionstagen habe ich über 120 absolviert. Geschadet hat es bestimmt nicht.
Meine Empfehlung nicht nur an die Studenten: fahrt möglichst überall und so oft es geht in's Gelände. Am Besten mit jemandem der sich auskennt .
Inzwischen war ein neuer Beitrag eingestellt worden - Nachtrag:
Viele "gute" Fachleute erkennt man daran wie sie über ihre Arbeit oder ihr Hobby reden. Wenn dort das Leuchten in den Augen erscheint ist das gut. Auch die Leidenschaft muss stimmen. Da wurden schon viele Punkte angesprochen. Natürlich ist gerade das Geologie-Studium breit gefächert und schon anspruchsvoll, es ist trotzdem schade nach solch einer Ausbildung in unterbezahlten Jobs (15 €/Std? WO!!) unter zu kommen oder den Job als wiss. Abteilungsleiter nicht zu bekommen weil man sich dort für eine Tanzpädagogin entschieden hat (authentisch).
Gruss
Spotts
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