Mineralien / Minerals / Minerales > Systematik und Klassifikation / Systematics and Classification
Zucker-Ein Mineral?
minuwe:
--- Zitat ---an sich alles logisch
--- Ende Zitat ---
Eben nicht alles, denn selbst die IMA räumt zunächst ein:
--- Zitat ---However, there are other cases in which human intervention in the creation of a substance is less direct, and the borderline between mineral and non-mineral can be unclear.
--- Ende Zitat ---
Das bedeutet, dass die Grenzen fließend sind, es eben nicht von Natur aus gegeben ist, was zu den Mineralien gehört, so dass es die IMA es erst festlegen und definieren muss.
Daher ist die Art Beitrag von Stollentroll die einzig mögliche Antwort, die man geben kann, nämlich die jenigen zu zitieren, die es festgelegt haben. Das zeichnet den wahren Fachmann in dieser Hinsicht eben aus.
Gruß
Uwe
caliastos:
dieser sollte allerdings auch nicht immer blind zitieren.
halden sind eher eine grauzone, weil niemand mit sicherheit sagen kann oder will wann der menschliche einfluss endet. um das etwas abstrakt zu formulieren: der begriff "natürlich nachwachsender rohstoff holz" oder "natürlicher, biologischer anbau" wird mit der gleichen begründung wie bei halden witzlos, wenn es um einen forst geht, wo alle bäume in reihe stehen. sind die nun natürlich oder nicht? natürlich gewachsen wie die minerale in der halde: ja; natürlicher ursprung der wachstumsbedingung nein.
das hat eher was von spitzfindigkeit an sich
Doc Diether:
ich glaube, wir haben da Grenzbereiche und das sind auch die Sekundärbildungen auf Halde. Der eine rechnet das schon zum menschlichen Eingreifen. Klarer ist das schon bei Schlacken. Da ist klar der menschliche Eingriff. Bei der Halde könnte das ja auch durch einen Bergsturz (mit Erzader) passieren. - Klar ists wieder bei Mineralbildung durch Zement und Kalk im Bergwerk. -
Witzig wirds natürlich bei durch Harn (menschlich und tierisch), Schiet und natürliche Zersetzung entstehenden Oxalaten, Harnsäure etc. Auch interessant beim Struvit (Hamburger Kirche): der entsteht, weil man früher die Leichen zwecks Desinfektion und Geruchsbeseitigung in den Kirchen und sonstwo mit Kalk überstreut hat. Und das wirkt dann im Laufe der Zeit so, daß sich eben der Struvit bildet. - Bei den vielen bernstein-ähnlichen Substanzen gibts unzählige als Mineral anerkannte Stoffe. - Auch bei den Wachsen z.B. von der Braunkohle (z.B. "Dinit") gebildet, gibts einige natürliche Mineralien.
Gruß
Diether
giantcrystal:
Ja, Zucker ist ein interessantes Thema und eigentlich auch gar nicht problematisch
Zucker wie auch viele andere kristalline Substanzen wie zum Beispiel Harnstoff, Bilirubin und etliche mehr, finden sich als gut ausgebildete Kristalle sowohl in Pflanzen als auch in menschlichen und tierischen Urin sowie in verschiedenen "Steinen" = Nieren-, Harnröhren und ähnlichen Konkretionen
Nähere Informationen zum Beispiel hier :
http://www.agora.crosemont.qc.ca/urinesediments/doceng/doc_004.htm
Es handelt sich - wenn man den Menschen einmal völlig beiseite lässt - eindeutig um natürliche Bildungen, die halt an lebende Organismen gebunden sind.
Und hier liegt wohl die Krux : Obwohl völlig natürliche Bildungen und somit durchaus als Minerale anzuerkennen, fühlt sich keiner so recht
zuständig : die Mineralogen nicht, weil Ihnen die biologischen Kenntnisse fehlen, und die Biologen nicht, weil sie meist wenig Ahnung von Mineralogie haben...
Grundsätzlich handelt es sich aber meiner Meinung nach per defintionam bei den genannten Substanzen - und auch noch ein paar anderen - durchaus um Mineralien. Zur Erinnerung die Definition eines Minerales :
Ein kristalliner*, natürlich enstandener Feststoff* homogener Zusammensetzung
Glück Auf
Thomas
* = wobei es auch hier jeweils Ausnahmen gibt : z.B. Opal und Quecksilber
minuwe:
Wieso ist Wasser kein Mineral, wenn Eis eins ist? Wegen "flüssig" kann es nicht sein, da Quecksilber auch flüssig ist. Vermutlich, weil es sich mehr oder weniger um eine Mixtur von Substanzen handelt, also in der Natur kaum rein vorliegt.
Noch eine kleine Begebenheit:
Die Halde 296 des Uranbergbaues Schlema/ Alberoda wurde in den Achziger Jahren vom Spitzkegel befreit, oben wurde ein großes Becken ausgehoben und diente dann jahrelang als Abfallbecken für menschliche Rückstände regionaler Abort- und Klärgruben.
Natürlich ist der Schlamm entsprechend in die Halde versickert und die aggressiven Stoffe haben gewiß die Bildung diverser Sekundärminerale, vor allem wohl an Arsengangstücken begünstigt. Bei der aktuellen Sanierung der Halde hat man diesen Bereich des Sickerbeckens extra deponiert und extra dick mit Rotliegendlehm abgedeckt, erst danach weiteres Haldenmaterial darübergelagert, was von der chemischen Aktivität dieses Materials zeugt.
Auch hier sind für mich zumindest diese Mineralbildungen eben solche. Für die Sammlung allerdings kaum bestimmbar und meist bunt- krustig.
Uwe
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