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Autor Thema: Säurelöslichkeit von Clausthalit  (Gelesen 4976 mal)

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Offline minuwe

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Säurelöslichkeit von Clausthalit
« am: 27 Apr 09, 20:10 »
Hallo,

um Selenide wie Clausthalit unter Carbonaten (Calcit, Dolomit) hervorzuholen wüsste ich gerne, welche Säuren diese vertragen. Ein Versuch mit Salzsäure hat die Kristallaggregate zwar freigelegt, jedoch bräunlich verfärbt.

Danke für alle Beiträge.

Gruß
Uwe

Offline -M-

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Re: Säurelöslichkeit von Clausthalit
« Antwort #1 am: 27 Apr 09, 20:52 »
Hallo Uwe,
keine Ahnung, aber wenn du "genug" Material hättest, würde ich mir an deiner Stelle einfach ne Test-reihe von
harmlos nach aggressiv überlegen. HNO3 und H2SO4 kann man vermtl. gleich ausklammern.
Andererseits könnte man auch mal überlegen, ob bzw. wie man die erwähnte Verfärbung evtl. wieder beseitigt bekommt.
Alles in allem dürfte das ne Frage für die echten Chemiker hier im Forum sein - davon gibt es ja einige ... soll´n sich
gefälligst mal Gedanken machen.

Gruß -M-

Offline minuwe

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Re: Säurelöslichkeit von Clausthalit
« Antwort #2 am: 27 Apr 09, 21:14 »
Hallo -M-,

ist leider so, dass die Stücke mit den Seleniden nicht allzu üppig sind, weder in Menge noch Größe. Dachte halt auch, dass ein  Chemiker eventuell die Theorie kennt oder jemand schon Erfahrungen hat. Versuche bleiben immer noch, aber das ist dann so ähnlich als wolle man testen, wieviel Hammerschläge der Goldschmuck verträgt  ;)

Gruß
Uwe

Offline Axinit

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Re: Säurelöslichkeit von Clausthalit
« Antwort #3 am: 27 Apr 09, 21:26 »
Servus,

da hilft vermutlich nur Ausprobieren (Mineralien reinigen gehoert nicht wirklich zum Theorieballast im Chemiestudium  ;D). PbSe = Clausthalit laesst sich (unter geeigneten Bedingungen) unter Saeureeinwirkung sicherlich in (hochgiftigen  ;)) Selenwasserstoff und das entsprechende Bleisalz zerlegen.

Wie -M- schon schrieb, oxidierende Saeuren wie Salpeter- oder Schwefelsaeure sind mit Sicherheit ungeeignet. An Deiner Stelle wuerde ich einmal versuchen, die Clausthalit-Kristalle mit verduennter Ameisensaeure freizulegen.

Mit einer 5 - 10 %,  waessrigen Ameisensaeure-Loesung anfangen und dann die Konzentration steigern und viel Geduld mitbringen ...  . Bei einer Calcit-Matrix sollte dies funktionieren, bei Dolomit bin ich mir eher unsicher.

Vielleicht hat ja noch irgend jemand eine bessere Idee - wer weiss.

Viel Spass beim Probieren

GA

Harald

P.S.: Ameisensaeure ist auch nicht "ohne" - Handschuhe und Schutzbrille nicht vergessen !


Offline smoeller

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Re: Säurelöslichkeit von Clausthalit
« Antwort #4 am: 27 Apr 09, 21:33 »
Hallo,

Im Allgemeinen ist PbS wenig löslich in Säure (PbSe verhält sich da sicher ähnlich). HCl ist wohl unbedenklich, die Verfärbung könnte von Fe im Calcit sein, oder es war ein anderes Fe-Mineral da (Dolomit mit geringem Fe-Gehalt ist ja nicht so selten in der Gegend).

Habe mal Matildit, Berryit/Gustavit und Galenit mit Erfolg aus Calcit geätzt. Mit Essigessenz aus dem Supermarkt. Dauert ein wenig länger als HCl. Funktioniert nicht bei Dolomit, hab ich schon mit Stücken aus der Gegend probiert (Schlema und Frohnau).

Glück Auf!
Smoeller

 

Offline minuwe

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Re: Säurelöslichkeit von Clausthalit
« Antwort #5 am: 27 Apr 09, 21:56 »
O. K., gehe mal mit schwächeren Säuren wie der Methansäure ran, die haben ja die Imker. Stimmt, der Belag hat sich eventuell aus dem sehr roten Dolomit gelöst, oder er kommt vom UO2, der reichlich in der Stufe ist. Wobei ich die FeO- Verwitterungsschicht auf anderen Dolomitstücken mit HCl entfernt habe.

Oder es ist ein Cu- haltiges Selenid, aber die sind so weit ich weiß alle nicht silberweiß.

Werde da mal mit Dithionit probieren, die Verfärbung weg zu kriegen. Wenn die Selenide direkt im Dolomit stecken, hat man sicherlich keine Chance  ???


Offline minuwe

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Re: Säurelöslichkeit von Clausthalit
« Antwort #6 am: 28 Apr 09, 22:35 »
Die Anlauffarbe geht zwar nicht weg, ist auch kein "Rost", in der Vergrößerung glänzt es aber noch metallisch. Außerdem sitzen direkt auf dem Clausthalit überall Büschel nadliger, gelblich- metallisch glänzender Kristalle, was wird das nun sein?

Gruß
Uwe

Offline Doc Diether

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Re: Säurelöslichkeit von Clausthalit
« Antwort #7 am: 05 May 09, 14:37 »
Hallo Minuwe,
bei Mineralien hilft die Normalchemie nicht so sehr, weil in den Mineralien häufig weitere Elemente (teils nicht in den Formeln enthalten) enthalten sind. Bleiselenid (Clausthalit) ist äußerst ungeläufig bei normalen Chemikern. Da hat Smoeller recht: Vergleich mit dem Bleiglanz.
Bleiglanz verträgt keine Salzsäure, da sich weißes unlösliches Bleichlorid bildet. Schwefelsäure genauso: es bildet sich unlösliches Bleisulfat. Salpetersäure und heiß müßte gehen. Da liegt aber die Crux: wir wollen ja das Mineral reinigen und nicht auflösen (evtl. gering anlösen). Da muß man sich herantasten, wie schon vorgeschlagen, erst mit verdünnten Säuren, die man dann steigert in der Konzentration. Wenns weggeht: gut. Der  Verschlag Ameisensäure klingt nicht schlecht.
Zum Dolomit: Der sollte ja ursprünglich weggelöst werden. Löst sich nur in heißer ziemlich konz. Salzsäure. Eisengehalt könnte beschleunigen.
Jetzt versuchs noch mal in dem Sinne.
Gruß
Doc Diether

Offline Hg

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Re: Säurelöslichkeit von Clausthalit
« Antwort #8 am: 10 May 09, 22:02 »
Hallo,
das Buch "Mineralien - Handbuch und Führer für den Sammler" von Duda, Rejl und Slivka gibt für den Clausthalit eine Löslichkeit in HNO3 und H2SO4 an.
Ich würde versuchen mit steigender HCl-Konzentration die Carbonate wegzulösen.
Hmm, der bräunliche Belag......könnte sein, dass bei Vorhandensein von Sulfiden die Schwermetalle gleich als Schwermetallsulfide ausgefällt werden (CuS ist z.B. braun). Die sind sehr schwerlöslich und auch kaum weg zu bekommen.
Bei solchen Reinigungen laufen möglicherweise so viele chemische Reaktionen simultan ab (das Mineral und vorallem das Muttergestein trägt unter Umständen so viele Elemente), dass eine vernünftige Erklärung schwierig ist.
Gruß,
Andreas

Offline minuwe

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Re: Säurelöslichkeit von Clausthalit
« Antwort #9 am: 11 May 09, 16:09 »
Hallo Doc Dieter und Hg,

werde eure Hinweise beachten. Es scheint schon so, dass der Clausthalit nicht angegriffen ist von HCl 24 % und der Belag wohl ein beim Ätzen gebildetes Salz darstellt. Habe zwar einige Stufen, leider nicht so viele, um eine Versuchsreihe zu fahren. Zusammen mit Clausthalit kommen noch andere Selenide vor, deren Kupfergehalt auch zu Verfärbungen führen kann. Werde versuchen, die Dunkelfärbung mit verschiedenen Säuren (oder Ammoniak oder Laugen?) in steigender Konzentration wieder hell zu bekommen. Leider steckt der Clausthalit, wenn nicht gleich in Uraninit, doch häufiger in Dolomit als in Calcit.

Gruß
Uwe

Offline minuwe

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Re: Säurelöslichkeit von Clausthalit
« Antwort #10 am: 14 Jun 09, 20:32 »
Hallo,

die Säurelöslichkeit ist geklärt, in HCl nicht löslich.
Da ich das Bino wieder da habe, ergibt sich in der Vergrößerung eine völlig neue Sicht  ::) Die Paragenese ist folgendermaßen:

Matrix: Dolomit, darauf ein Rasen rot durchgefärbte Quarz xx, darauf eine Schicht Clausthalit und Chalkopyrit, z. T. als xx, darauf gruppierte Kugeln Pechblende, direkt auf diesen Kugeln igelartig metallische Nadeln aufgewachsen, welche keine Endflächen erkennen lassen, aber die breiteren sind längsgestreift. Innerste Gangfüllung Calcit (weggeätzt). Der oben beschriebene "Belag" ist also der dumpfe Glanz der Pechblende, der Claushalit glänzt seitlich und zwischen der Pechblende metallisch heraus. Dies ließ sich mit der Lupe nicht erkennen und ich vermutete Niederschlag aus der Säure.

Frage: Was könnten die Nadeln sein? Vermute Bismuthinit, finde aber nichts dazu. Versuche sind schwierig (sehr klein), Foto z. Zt. nicht möglich.

Gruß
Uwe

 

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