http://vfmg.de/der-aufschluss/hausen - Mineraliengrosshandel.comhttps://www.mineral-bosse.de

Autor Thema: Mineralienmanipulation - wie weit darf man gehen?  (Gelesen 4679 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline strahler1975

  • ***
  • Beiträge: 439
    • Mineralien Tirol´s
Das Geschirrspülerthema hat mich unweigerlich auf eine Neue Frage gestossen, über die ich immer wieder mal grüble, wenn ich Mineralien
reinige und die für mich notwendigen Schritte einleite um eine Stufe gut aussehen zu lassen, oder vor dem Zerfall zu schützen.
Wie weit darf man gehen, um eine Stufe zu erhalten oder besser zu präsentieren ?

Ich gebe auch gleich einige Beispiele mit auf den Diskussionsweg :

In den Geschirrspüler

In die Chemikalie

Einölen

Lackieren (Klarsichtlack)

Schleifen und Polieren von Kristallen

Ankleben von abgesplitterten Teilen

Bestrahlen

etc.etc.

Über Fälschungen mit angeklebten Teilen spreche ich nicht, das ist klar - das tut man nicht !
Ich würde aber gerne von euch wissen, wie ihr das Thema seht - was ist noch akzeptabel und was zuviel? 
« Letzte Änderung: 08 Apr 13, 21:25 von oliverOliver »

Offline grauerstar

  • ***
  • Beiträge: 306
  • Wulfenit - Los Lamentos
    • Mistermineral.com
Re:Mineralienmanipulation - wie weit darf man gehen?
« Antwort #1 am: 11 Aug 09, 07:55 »
In den Geschirrspüler >> ist okay

In die Chemikalie >> um unerwünschte Teile zu mobilisieren/zu lösen sicher in Ordnung

Einölen >> schon zu viel des Guten

Lackieren (Klarsichtlack) >> nur zum Schutz gegen Zerfall, wobei es auch hier bessere Möglichkeiten gibt

Schleifen und Polieren von Kristallen  >> geht nicht!

Ankleben von abgesplitterten Teilen >> mit entsprechender Deklaration noch vertretbar

Bestrahlen >> m.M.n. nicht in Ordnung


Grüße,
Robert
« Letzte Änderung: 08 Apr 13, 21:27 von oliverOliver »

Offline prehnit100

  • ***
  • Beiträge: 481
Re:Mineralienmanipulation - wie weit darf man gehen?
« Antwort #2 am: 11 Aug 09, 08:06 »
für mich ein 'no go' sind einölen, lackieren, nachpolieren, bestrahlen, etc. denn damit wird das stück bewust verändert. das ist sicherlich üblich für schmuckzwecke  ;) , sollte aber nicht bei mineralstufen angewendet werden.
grenzwertig sehe ich das reparieren von beschädigten stücken: zwar verändere ich damit nicht den urzustand des stückes, jedoch verändere ich deutlich den marktwert da unbeschädigte stücke meist seltener sind und somit teurer. eine eindeutige dokumentation sehe ich als pflicht !
ebenfalls in die dokumentation eines stückes gehören behandlungen mit chemikalien wie salzsäure, oxalsäure, etc. gegen die anwendung dieser dinge um aus einem 'häßlichen entlein' einen 'strahlenden schwan' zu machen habe ich keine bedenken
(grob gesagt: das entfernen von teilen eies stückes halte ich für akzeptabel - das hinzufügen nicht )
reinigung mit wasser (ob unter dem wasserhahn oder im geschirrspüler) mit oder ohne zugabe von reinigungsmitteln - oder bei stufen welche kein wasser vertragen mit alkohol, etc. - halte ich für eine normale behandlung und daher auch nicht für dokumentationswürdig.

soweit meine persönliche sicht der dinge

Offline giantcrystal

  • ******
  • Beiträge: 2.363
Re:Mineralienmanipulation - wie weit darf man gehen?
« Antwort #3 am: 11 Aug 09, 09:52 »
Ich denke hier hat jeder seine persönlichen Grenzen und über das Thema kann man sehr ausdauernd und kontrovers diskutieren. Was auch schon verschiedentlich mit Verve getan wurde, so erst letztens in Mindat

Viele Mineraliensammler sind "Puristen" und können sich mit Verbesserungen aller Art nicht anfreunden. So sinkt der Wert eines "reparierten" Minerales, selbst wenn nur zusammengehörende Kristallstücke wieder zusammengefügt werden, für viele Mineraliensammler erheblich.

Auf der anderen Seite lassen sich viele Mineralien nur dann sehen, wenn sie zum Beispiel mit Salzsäure oder anderen Säuren von störenden Karbonaten freigelegt werden oder überdeckendes Eisenhydroxid mittels Oxalsäure beseitigt wird.

Jeder muß und sollte hier also seine eigene persönliche "Schmerzgrenze" ziehen...

Mit tolerantem Glück Auf

Thomas

Offline franksch

  • ***
  • Beiträge: 352
Re:Mineralienmanipulation - wie weit darf man gehen?
« Antwort #4 am: 11 Aug 09, 22:04 »
Hallo,
wie schon gesagt: jeder hat seine eigenen Grenzen. Und auch diese gilt es zu tolerieren, auch wenn die eigene Meinung davon abweicht. Warum soll ich eine beim Knacken verunglückte Stufe mit seltenen oder schönen xx wegschmeißen, wenn sie für eigene, dokumentarische Zwecke irgendwie reparabel ist? Die Angabe der Reparatur gehört aber immer mit erwähnt, besonders natürlich, wenn die Stufe weitergegeben wird.  Unter dem Bino erkennt man reparierte Stufen eh schnell.
Eine leider recht sichtbare Reparatur häng ich im Bild mit an. Voller Freude fand ich beim Formatieren meiner diesjährigen Clara- Ausbeute dieses Aggregat- fast 8mm lang. Leider auf sehr bröseligem Baryt. Beim Einkitten der Stufe in eine Dose geschah dann das Maleur: eine Unachtsachkeit -vielleicht durch die Freude über diese besonders schöne Ausbildung- und knacks- weg war der gesamte komplette obere Teil, der sich ähnlich wie ein Blumenstrauß ausbreitete. Einen Teil konnte ich recht sichtbar ankleben-der Rest reichte zumindest für eine EDX- Analyse, die den Akanthit bestätigte. Ein Jammer, wenn man die ursprüngliche Form gesehen hat. Aber auch zu schad, um zu entsorgen.

Grüße aus Berlin
franksch

Offline Fritzi

  • ******
  • Beiträge: 1.208
Re:Mineralienmanipulation - wie weit darf man gehen?
« Antwort #5 am: 11 Aug 09, 22:29 »
Hallo,

meine Meinung zu dem Thema ist:

unannehmbar für mich - in den Geschirrspüler, Einölen, Nacharbeiten von Kristallen, Bestrahlen

annehmbar für mich - in die Chemikalie, Lackieren (um zu konservieren), Ankleben abgesplitterter Teile (mit Vermerk auf Etikett)

Beste Grüße
Fritzi

Offline Emil Box

  • ***
  • Beiträge: 388
Re:Mineralienmanipulation - wie weit darf man gehen?
« Antwort #6 am: 12 Aug 09, 00:07 »
Eigentlich sollte jede Behandlung angegeben werden, vorallem wenn sich das Mineral ändern kann durch chemische, thermische oder mechanische Behandlung.
Vielleicht werde ich es in Zukunft auch machen. ;)(Wink-Smiley funktioniert nicht)
Gruß
Milo

Offline giantcrystal

  • ******
  • Beiträge: 2.363
Re:Mineralienmanipulation - wie weit darf man gehen?
« Antwort #7 am: 12 Aug 09, 14:14 »
Eigentlich sollte jede Behandlung angegeben werden, vorallem wenn sich das Mineral ändern kann durch chemische, thermische oder mechanische Behandlung.

Tja, hmmm. ich würde mal sagen, durch mechanische Behandlung kann sich jede Mineralstufe ändern. Ich denke da zum Beispiel an einen Hammerschlag oder so  ::)

Glück Auf

Thomas

Offline marcel

  • ***
  • Beiträge: 77
Re:Mineralienmanipulation - wie weit darf man gehen?
« Antwort #8 am: 12 Aug 09, 15:39 »
Hammerschlag etc. ist ja normal,
Dadurch legt man z.B. Innenliegende Kristalle frei.
Aber wen ich mit ner Schleifmaschine an unebene Fluorite drangehe um "perfekte"
Würfel zu machen, sollte man es dazuschreiben.
Sonst wäre es ja Betrug (bezogen auf Verkauf).

Meine meinung:
Schleifmaschine, Poliermaschine......
gehören nicht an Mineralien.
Auser man erstellt schmucksteine aus kaputten Bergkristallen  ;D

Gruß,
Marcel
« Letzte Änderung: 08 Apr 13, 21:28 von oliverOliver »

Offline Emil Box

  • ***
  • Beiträge: 388
Re:Mineralienmanipulation - wie weit darf man gehen?
« Antwort #9 am: 13 Aug 09, 00:09 »
Ich wollte vorher auf Änderungen zu einem anderen Mineral hinweisen.
z.B. Reduktion Fe3+ > Fe2+
Clathrat-Struktur Änderung (z.B. Melanophlogit bei 55°C) oder mechanisch, ob ein Hammer nötig ist oder Ultraschall reicht weiß ich nicht.
Der Kristallwasser-Gehalt kann sich auch ändern.
Gruß
Milo

Offline Klinoklas

  • *****
  • Beiträge: 827
Re:Mineralienmanipulation - wie weit darf man gehen?
« Antwort #10 am: 15 Aug 09, 12:39 »
Ich habe auch schonmal eine Stufe geklebt welche mir auf den Boden fiel. (Zerbrochen in 2 Teile!)
Natürlich wurde das in der Dokumentaion notiert aber wer ist da eigentlich auf die Idee gekommen
das ich sie hätte wegschmeißen müssen weil sie mir aus Unachtsamkeit herunterfiel?

Jetzt wo sie sauber geklebt (repariert) ist kann ich mich weiterhin an der Stufe erfreuen und
das ist meiner Meinung nach solange sie in meinem privaten Besitz ist auch in Ordnung.

Von bestrahlen, einölen und so weiter halte ich garnichts. Das gehört verboten.

Gruß
René

 

Mineralienatlas - Fossilienatlas - Info-Center

Neueste Beiträge Neueste Beiträge