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Autor Thema: Asbest stabilisieren  (Gelesen 13681 mal)

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Offline Lapislazuli

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Asbest stabilisieren
« am: 21 Nov 09, 12:03 »
Hallo werte Sammlergemeinde!

Vor einigen Monaten habe ich eine Stufe Chrysotil-Serpentin (Asbest, Funddatum um 1970) von Silbach Winterberg / Sauerland erstanden, welche ich in meiner Sammelvitriene aufbewahre. Beim Berühren der Stufe fallen immer ein paar Teilchen weg. Wenn man die Glastüren der Vitriene auf und zu macht, entsteht ja ein Luftsog, welcher theoretisch die Asbestfasern verteilen könnte. Gibt es möglichkeiten, die Stufe zu stabilisieren? Ist eventuell Haarlack dafür geeignet? Bin für alle Anregungen Dankbar! Anbei noch ein paar Bilder der Stufe (Höhe: 15 cm, Breite: 6 cm).

Glück Auf

Edgar

Offline Lapislazuli

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Antw:Asbest stabilisieren
« Antwort #1 am: 21 Nov 09, 12:04 »
Bilder

Offline Geomaxx

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Antw:Asbest stabilisieren
« Antwort #2 am: 21 Nov 09, 18:17 »
Hi
verwendet werden im Allgemeinen Schutzüberzüge auf Kunstharzbasis, entweder Aceton-löslich oder wasserlöslich. Im Handel erhältlich ("Restfaserbindemittel", Verwendung bei der Asbestsanierung), aber auch andere Kunstharzprodukte z.B. Mowilith und Paraloid (Kremer Pigmente).
Die LSM-löslichen haben den Vorteil, eng anliegende, kaum auffallende Filme auszubilden.
Glück Auf!
GEOMAXX

Offline uwe

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Antw:Asbest stabilisieren
« Antwort #3 am: 21 Nov 09, 20:52 »
Eine Asbeststufe in der Sammlung ist absolut ungefährlich, auch wenn diese nicht konserviert ist.

Zur Gefährlichkeit von Asbestfasern folgende Geschichte: Ich hatte vor 50 Jahre im Rahmen meiner Berufsausbildung in der Chemieindustrie auch eine Laborausbildung. Wir haben die Reaktionsgefäße zur Wärmeisolierung mit Asbestschnur umwickelt. Asbest war damals noch nicht geächtet. Wir Lehrlinge haben aus Übermut die Asbestschnur zerpflückt und uns gegenseitig mit den Gummibällen der Spritzflaschen ins Gesicht gepustet.

Voriges Wochenende haben wir uns alle nach 50 Jahren wieder mal getroffen - alle waren noch gesund und munter, keiner vom Lungenkrebs dahin gerafft.

Asbest ist nur dann gefählich, wenn man den asbesthaltigen Stäube über Jahrzehnte ständig ausgesetzt ist.

Gruß
Uwe

Offline Lapislazuli

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Antw:Asbest stabilisieren
« Antwort #4 am: 21 Nov 09, 22:13 »
Hallo

@ Geomaxx: Danke für deine Tipps. Ich befürchte nur, dass das Material in solch Kleinmengen nicht zu kriegen sein wird. Habe dann aber auch Angst, die Stufe zu ruinieren, weil es nach der Behandlung wie ein dicker durchsichtiger Panzer aussehen könnte. Gerade fällt mir ein, das es im Baumarkt Tiefengrund zu kaufen gibt (sollte wohl am besten farbloser sein ;D). Der versiegelt ja auch saugende und sandende Wände vor dem Streichen / Tapezieren. Könnte das vielleicht gehen? Wäre besimmt ne günsige und schnelle Alternative. Denke bereits über Tests nach.

@Uwe: Ja, vielleicht hast du recht mit deiner Aussage. Vielleicht wird doch ein bischen viel Wirbel um Asbest gemacht. Ich habe mal im Fernsehr eine Doku gesehen, da hat ein Rentner gesagt, er habe 40 Jahre in der Baustoffproduktion Asbest verarbeitet und er ist immer noch gesund.  Bin jetzt hin- und hergerissen ob versiegeln oder nicht. In Natura wird er natürlich schöner aussehen.

Vielleicht kommen ja doch noch ein paar Beiträge, die mir die Entscheidung erleichtern könnten, gerne aber auch noch andere Versiegelungsmöglichkeiten. Aber das sollte ja hier bei 2798 registrierten Mitgliedern kein Problem sein. ;D

Glück Auf

Edgar
 

Offline smoeller

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Antw:Asbest stabilisieren
« Antwort #5 am: 21 Nov 09, 22:22 »
Hallo,

1. Gefährlich ist nur ein bestimmter Bereich im Längen- zu Durchmesser-Verhältnis der Fasern. Die sichtbaren Fasern sind kaum gefährlich. Ein höherer Anteil an gefährlichen Fasern wirst du ohnehin erst erzeugen, wenn du den Stein pulverisierst oer grob behandelt. Allein das einmalige anfassen wird da nicht viel machen.

2. Chrysotil ist durch seine Kristallstruktur (erinnert an eine Teppichrolle) nicht so gefährlich wie Blauasbest (Krokydolith oder Riebeckit), der zur Amphibolgruppe gehört, die Fasern sehen wie Speere aus.

Glück Auf!
Smoeller

Offline Lapislazuli

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Antw:Asbest stabilisieren
« Antwort #6 am: 21 Nov 09, 22:47 »
Meine Bedenken sind jetzt wirklich zerstreut. Die Stufe bleibt wie sie ist und wird nicht stabilisiert. Danke für eure Beiträge!

Glück Auf

Edgar

Offline Embarak

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Antw:Asbest stabilisieren
« Antwort #7 am: 21 Nov 09, 23:41 »
Hi,
Habe auch seit Jahren ein 20cm-Asbest in der Sammlung zu liegen.Habe ihn sicherheitshalber mit Druckverschluss
eingetütet,aber unbehandelt.
Aus dem Laborbereich kenne ich auch noch die asbestbeschichteten Bunsenbrenner-Unterlagen.Sie sind aus gutem Grund
nicht mehr zulässig und mussten schon vor vielen Jahren durch Ceran-Platten ersetzt werden.
Asbeststäube können sich in den Lungen-Alveolen festsetzen und werden vom Körper nicht absorbiert,und können als
Dauerreiz auch karzinogen wirken. Es steigt also nur eine statistische Wahrschlichkeit,die man nur mit einer großen
Anzahl Betroffener/nicht Betroffener vergleichend belegen kann.
Vielleicht wird doch ein bischen viel Wirbel um Asbest gemacht. Ich habe mal im Fernsehr eine Doku gesehen, da hat ein Rentner gesagt, er habe 40 Jahre in der Baustoffproduktion Asbest verarbeitet und er ist immer noch gesund.
Voriges Wochenende haben wir uns alle nach 50 Jahren wieder mal getroffen - alle waren noch gesund und munter, keiner vom Lungenkrebs dahin gerafft.
Asbest ist nur dann gefählich, wenn man den asbesthaltigen Stäube über Jahrzehnte ständig ausgesetzt ist.
Das sind leider nur Scheinargumente,mit denen man eigentlich alles ad absurdum führen kann.
Ich möchte übrigens nicht einfach rummosern,ich bin Laborsicherheitsbeauftragter und bei den laschen Sicherheits-Einschätzungen von Nicht-Biologen geht mir manchmal der Hut hoch !!
Zum Abschluß hier noch der "Tüten-Asbest"
Gruss
Norbert B.




Offline Wasserhund

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Antw:Asbest stabilisieren
« Antwort #8 am: 22 Nov 09, 02:32 »
Habe auch einen Asbest (Chrysotil) in meiner Sammlung, der ist einfach eingedost. Solange die Luftbewegung nicht zu groß ist, bzw. kein Ventilator davor steht mache ich mir da keine Sorgen. Man bedenke die Diskussion um die Restaurierung alter DDR-Turnhallen, wo am Ende raus kam daß die Belastung durch die Aufwirbelung der Fasern durch die Arbeiter viel schlimmer war als wenn man nix gemacht hätte. Offen würde ich Asbest zwar nicht rumliegen lassen, aber ich denke da wird auch viel übertrieben.

Embarak hat natürlich Recht, Sicherheit darf nicht unterschätzt werden.

Grüße,

Offline Krizu

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Antw:Asbest stabilisieren
« Antwort #9 am: 22 Nov 09, 11:18 »
Hallo,

im Vergleich zu "normalen" Fasern hat Asbest je nach Zusammensetzung ein enormes Krebspotential.
Aber: Jeder Raucher kennt einen Raucher der 100 Jahre geworden ist.
Es sind meist  sogenannte stochastische Schäden, also Schäden in in der Wahrscheinlichkeit deutlich werden.

Ich würde die Stufe in ein schönes Döschen packen und gut ist.

MfG

Frank

Offline Lapislazuli

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Antw:Asbest stabilisieren
« Antwort #10 am: 27 Nov 09, 21:05 »
Ja, das so eine Reaktion kommen wird, war mir schon fast klar. ;D Ich wollte auf  keinen Fall die Gefährlichkeit von Asbest verunglimpfen. Ferner wollte ich aufzeigen, dass man nicht automatisch erkranken muss, nur weil man mit Asbest jahrelang zu tun hatte. Das man die Bunsenbrenner-Unterlagen aus dem Verkehr gezogen hat ist klar. Täglicher Gebrauch heißt täglicher Abrieb und somit ständige Staubproduktion. Die Stufe steht aber  normalerweise in der Vitrine und wird nicht bewegt / angefasst. Und im Vergleich von jahrelangen täglichen Kontakt  zu einer Stufe, der mal beim Herausholen nach vielleicht zwei Jahren ein Bröckchen abfällt, sehe ich im Nachhinein die Gefahr auch nicht als so groß an, vor allem nach der Ausführung von Stefan. Bei der wolligen Stufe von Embarak hätte ich aber auch schon größere Bedenken.
Eindosen habe ich mir auch schon überlegt, sieht halt m. E. in einer Sammlervitrine nicht so toll aus.

Nichts für ungut ;)

Edgar




PS: Wer noch etwas Lust zum Lesen hat, kann sich das hier ja noch reinziehen:

Meine Nachbarin hat mir von einer anderen Fernsehdoku berichtet. Anscheinend war Asbest früher auch in bestimmten Mörteln oder Estrichen drin. Wenn heutzutage Wohnungen / Bäder saniert werden, analysiert keiner (oder die Wenigsten) die Baumaterialien (auch Bodenbeläge) auf Asbest. Handwerker kommt, Bad wird entkernt, Schutt in den Container vor dem Haus und der nächste Handwerker macht im Bad weiter. Oft gibt es ja nicht mal ein Fenster im Bad und man steht in einer einzigen Staubwolke mit nem windigen Mundschutz, wenn überhaupt (bin selbst erschrocken, weil wir gerade das Bad von meinem Bruder sanieren). In dem Beitrag ist auch bemängelt worden, dass der verseuchte Schutt dann einfach an der Straße herumsteht. Da kräht kein Hahn danach (bis auf diese eine Dokumentation). Es wissen so viele Heimwerker aber auch Profis nicht, wie gefährlich es sein kann, ein altes Haus oder Wohnung ohne Altbausanierungsprofis umzubauen in punkto gefährlicher Belastungen.
Aber wir nehmen auch genügend andere Giftstoffe aus unserer Umwelt insbesondere mit dem Essen auf (z. B. mit Pflanzenschutzmitteln belastetes Paprikapulver). In einem anderen Bericht haben sie die Körper / Leber verstorbener Menschen analysiert. In ihnen konnten sie teilweise 12 bis 15 verschiedene Chemikalien und dergleichen in hohen Konzentrationen nachweisen, was der Mensch zu Lebzeiten alles aufgenommen hat. Die Bilanz war Zitat: "Eigentlich Sondermüll". Ja, hat nichts mit dem Forum gemein, war nur mal so zum Nachdenken über Gesundheitsrisiken.

 

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