Hallo
Als ich als noch als mineralogischer "Grünschnabel" meine ersten Berichte über meine Heimat, die Rhön, im Aufschluss veröffentlichen wollte, wurden diese nicht akzeptiert, da sie nicht den Ansprüchen der Aufschluss-Leser genügten. Wenngleich sich so mancher gefreut hätte, zu erfahren, wo man Olivinkristalle, Baryt, Lepidokrokit- und Smithsonitstufen sammeln konnte. Nundenn, ich wusste damals nicht, dass ich versehentlich den Aufschluss mit einer Sammlerzeitschrift verwechselt hatte und nicht begriff, dass es sich bei der damaligen "Aufschlussgemeinschaft" um einen Haufen von Selbstdarstellern handelte, die die Zeitschrift als sekundäre wissenschaftliche Publikationsplattform benutzten.
Als ich als dann als etwas fortgeschrittener Sammler, nunmehr von meiner Firma nach Spanien delegiert, die beiden ersten Sammler- und Fundstellenberichte über Spanien im Aufschluss veröffentlichte, bekam ich soviel Kritik und selbst Schimpfe, dass ich erst mal die Schnauze voll hatte von Fundstellenberichten. Ein Grund war, dass damals Spanien ja für die meisten "viel zu weit" weg war und zweitens diejenigen, die aufgrund meiner Berichte sofort die Fundstellen aufsuchten, Schätze aus 1000 und einer Nacht erwarteten (die es seit hundert Jahren nicht mehr gab), .besonders Sammler, die schon mit dem Anhänger kamen um mal eben 5000 Aragonite für die Sammlung abzuholen.
Ein paar Jahre später, verbunden mit dem Beruf, lebte ich in verschiedenen Teilen der Welt und hatte da natürlich einiges zu Fundstellen zu berichten - wohlgemerkt, immer selbst aufgesuchte Fundstellen. Bis auf den von mir ersten im Lapis veröffentlichten Peru-Bericht berichtete ich nicht mehr weiter, da diese Berichte (nicht nur meine, auch die von anderen Sammlern aus Nicht-Deutschland) alle zu "exotisch" waren: Kommentare, wie: " da kommt man ja eh nicht hin und wen interessiert denn das schon". Und außerdem: Da sprechen die ja spanisch oder englisch.
Diese Kritik zu " zuviel exotische Fundstellen" gabs ja dann ständig am Lapis. Anmerkung: Nachdem seit einigen Jahren der in die Alpen verliebte Redakteur den Kurs des Lapis wieder auf heimische Gefilde, e.g. Österreich, Schweiz brachte, gabs natürlich wieder ne ganze Menge Sammler, denen der Lapis zu "alpin" war. Und dann die Sammler, die auf einmal Berichte über China, Pakistan und Namibia vermissten.
Jetzt bin ich wieder in Spanien. Um mich rum nicht wenige Möglichkeiten zum Sammeln. Ich bin im Monat mindestens an zwei Fundstellen. Alleine oder in der Gruppe. ( hier gibts ganz rege Gruppenaktivitäten). Ich könnte fotografieren, beschreiben, meine Zeit aufwenden. Aber: Für wen ? Für was ? Bestimmt nicht für die Handvoll Sammler, die einmal im Jahr nach Spanien fahren und dann in der Regel nach La Union oder nach Berbes eilen. Hier ist eine direkte Kommunikation bestimmt sinnvoller.
Mein Fazit: (betone: mein Fazit) aus mehr als 30 Jahren schreiben oder nicht schreiben: Herrgottsakra, wem kann man' s eigentlich Recht machen ?
Dass nun auf einmal der Mineralienatlas "zu wissenschaftlich" und zu trocken sein soll, ist Ansichtssache. Ich kann mich nicht erinnern, dass es im Lapis, der Mineralienwelt, im MinRecord, der Bocamina oder im Règne Mineral auch nur einmal Berichte über "Nebenschauplätze" gab. Und trotzdem - auch ohne Nebenschauplatzberichte, werden diese Zeitschriften von abertausenden Sammlern gelesen und gekauft.
Ich kann auch nicht verstehen, was Frösche, Schmetterlinge, Blumen oder persönliche Reiseerinnerungen auf einer geologisch-mineralogischen Seite verloren haben.
Kann es nicht eher so sein, dass grade, weil der Mineralienatlas in der Vergangenheit (und leider sporadisch auch noch heute) ein eher flaches, aber deshalb für manche ein feuchtes (Gegenteil von trockenes) "Forumsniveau" für Hobbyisten, Schüler, Kinder, Dachboden-Opas-Nachlass-Urlaubsfund-Möchtegern-Sammler war, dass deswegen die "richtigen" Sammler, nämlich die, welche auch Fundstellenberichte schreiben könnten, weggeblieben sind oder seit etwa 2 Jahren messbar immer weniger im Atlas werden ? (Von den etwa 1.500 deutschsprachigen Sammlern mit Wissen und Sammelerfahrung sind leider nur ganz, ganz, ganz wenige hier im Atlas (ich schätze weniger als 20). Und -sehr, sehr, sehr viele Sammler, besonders fortgschrittene, erfahrene, bekannte Sammler, haben noch nie vom Mineralienatlas gehört.).
Mit locker vom Hocker, Nebenschauplätzen und spaßigen Sprüchen werden wir diese wichtigen Sammler wohl kaum dazu bringen, im Atlas Fundstellenberichte zu schreiben.
Ich bin froh, an der Gestaltung und am Aufbau der einzigen deutschsprachigen mineralogisch (plus geo + paläo)- Internetseite mitwirken zu dürfen. Auch wenn meine über 1000 geologischen Beiträge und meine Portraits 90% der Sammler nicht oder nur am Rande interessieren.
Aber lieber 10% Interessierte als 90% Urlauber, die Schlacke auflesen, den Unterschied zwischen einem Mineral und Kuhscheiße nicht kennen und sich dann als Sammler und Mitglied im Atlas registrieren und / oder lockere Sprüche loslassen.
In diesem Sinne
collector