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Autor Thema: Fund - unbekanntes Mineral! Künstlich?  (Gelesen 9194 mal)

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Matthias

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Fund - unbekanntes Mineral! Künstlich?
« am: 08 Dec 10, 15:53 »
Hallo,

anbei einige Fotos eines Minerals(?), welches von mir in Schweden
an der Westküste der Insel Öland gefunden wurde. Auf der Suche
nach Fossilien traf ich immer wieder auf ein merkwürdiges Gestein,
welches außen verwittert war (siehe Bild 1) und nach dem
Aufbrechen mit einem mittelmäßig starken Hammerschlag innen
eine kristalline Struktur (Basaltartig, siehe Bilder 2 und 3) aufwies.
Der Stein ist schwarz und etwas glasig, riecht eventuell auch etwas
streng und scheint mir beim Erhitzen mit einer kleinen Flamme zu
zerspringen(?). Keine Ahnung was das sein könnte. Vielleicht angespülte
Schlacke/Sinter irgendeiner Ausprägung? Über Hilfe zur Bestimmung
würde ich mich freuen. Danke!

Angaben:
* Fundort: Westküste Süd-Öland, Schweden, Strandfunde am Steinufer
* Funddatum: 08/2010
* ungefähre Größe: siehe Bierdeckel
* leichter Geruch?, bröselt leicht ab, leicht spaltbar, zerspringt im Feuer
* schwarz, mineralisch, glasig, mini-basaltartige struktur
* Fund-"Aggregate" massiv-kugelig, nur innen mineralisch

Gruß
Matthias
« Letzte Änderung: 20 Apr 13, 15:59 von oliverOliver »

Online stoanklopfer

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Re: Fund - unbekanntes Mineral! Künstlich?
« Antwort #1 am: 08 Dec 10, 17:13 »
Hallo,
das sieht ganz nach Calcit aus. Der Geruch könnte von eingeschlossener bituminöser Substanz herrühren (dunkle Farbe spricht auch dafür).

stoanklopfer

Offline raritätenjäger

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Re: Fund - unbekanntes Mineral! Künstlich?
« Antwort #2 am: 08 Dec 10, 17:15 »
Hallo,

genau so ist es. Das ist Calcit mit bituminösen Einschlüssen, sogenannter Anthrakonit. Kommt auch irgendwo in Schweden vor, man findet das Material öfter als Geschiebe in Norddeutschland.

Gruß
Andreas

Offline triassammler

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Re: Fund - unbekanntes Mineral! Künstlich?
« Antwort #3 am: 08 Dec 10, 17:35 »
Hallo Matthias,

Anthrakonit kommt auf Öland sehr häufig vor, und zwar in den kambrischen Sedimenten. Da die bis auf wenige Stellen (bspw. Degerhamn) nur am Ostseegrund und nicht an Land ausstreichen, findet man Anthrakonitbrocken häufiger an den Stränden zwischen jüngerem Material, wo sie von Stürmen angespült wurden.

Gruß,
Rainer

Matthias

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Re: Fund - unbekanntes Mineral! Künstlich?
« Antwort #4 am: 08 Dec 10, 18:07 »
Hallo,

vielen Dank für die Hilfe. Dann ist es ja ein "tollerer" Fund als ich erst
vermutet habe...

Anbei noch das dritte Bild. Oben hat irgendetwas nicht ganz geklappt,
so dass ich zweimal das gleiche Bild sehe...

Gruß
Matthias

Offline gladhammar

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Re: Fund - unbekanntes Mineral! Künstlich?
« Antwort #5 am: 09 Dec 10, 07:50 »
Hallo Matthias,

auf dem dritten Bild könnte es sich durchaus um Alaun handeln. Der steht dort zwischen dem Sandstein und dem Muschelkalk an. Bei Mörbylånga wird der wohl auch abgebaut.

Glück Auf
Detlef

Matthias

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Re: Fund - unbekanntes Mineral! Künstlich?
« Antwort #6 am: 09 Dec 10, 14:03 »
Hallo,

also das dritte Bild zeigt dasselbe Stück nur von einer anderen Seite. Meinst du mit Alaun den
ganzen "Stein" oder nur eine bestimmte Schicht?

Ich habe jetzt einige Bruchstücke der kristalinen Masse (Bildmitte) in 25%ige Essigsäure gelegt
und es braust leicht und ließ sich über Nacht auch auflösen. Ich würde jetzt schlußfolgern, dass
es sich tatsächlich um Calcit handelt und Alaun ausgeschlossen werden kann. Korrekt?

Gruß
Matthias

Offline triassammler

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Re: Fund - unbekanntes Mineral! Künstlich?
« Antwort #7 am: 09 Dec 10, 15:02 »
Hallo!

Wieso "Alaun"? Das ist ganz normaler Anthrakonit.
Alaun wurde lediglich künstlich aus den kambrischen bituminösen Schiefern ("Alunskiffer", Alaunschiefer) Ölands über mehrere Zwischenschritte (Brennen, Laugen...) hergestellt. Bei Mörbylånga sind tatsächlich noch die Reste alter Gruben- und Fabrikationsgebäude zu sehen, nebst historischen Bergarbeiterhäusern (Denkmal). Das ausgebrannte und abgelaugte Restmaterial wurde direkt am Strand abgekippt und bildet dort heute meterhohe Steilufer mit sehr hübschen Brandfarben  8) Bei dem Prozess wurde Anthrakonit zu Löschkalk, von dem ist heute in dem verwitterten Abraum nichts mehr zu finden. Allerdings hat das Brennen teilweise sehr schön den Tonschiefer gehärtet, so dass man am Fuß der Halden-Klippen gut erhaltene Fossilien darin finden kann. An bestimmten Stellen wurde vorab ausgesiebtes taubes Material wie Anthrakonit- und Stinkkalkknollen deponiert, dieses liegt noch unverändert vor.
Alaun ist dort jedenfalls nicht zu finden.

Ich werde heute Abend mal ein paar Bilder dazu einstellen.

Gruß,
Rainer

Matthias

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Re: Fund - unbekanntes Mineral! Künstlich?
« Antwort #8 am: 09 Dec 10, 15:41 »
Hallo nochmal,

also anstehenden Alaunschiefer gab es dort tatsächlich in geringer Entfernung. Dort können ja meines
Wissen gerade solche Anthrakonitknollen drin vorkommen. Und knollig waren meine Fundstücke ja auch,
ich musste diese immer erst aufschlagen um die Kristalle zu sehen. Wenn diese Knollen dann regelmäßig an
den Strand/ins Meer gekippt wurden, dann habe ich vermutlich eben solche gefunden. (und wie oben
beschrieben löst es sich in 25%iger Essigsäure -> Calcit)

Gruß
Matthias

Offline Matthias

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Re: Fund - unbekanntes Mineral! Künstlich?
« Antwort #9 am: 09 Dec 10, 17:00 »
...so, hab mich jetzt mal angemeldet.

Gruß
Matthias

Offline gladhammar

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Re: Fund - unbekanntes Mineral! Künstlich?
« Antwort #10 am: 09 Dec 10, 18:03 »
Hallo,

habe voriges Jahr von einem älteren Sammler ein sehr ähnliches Stück von dort als Alaun geschenkt bekommen. Auch mit bituminösen Geruch. Habe das so hingenommen, ohne wenigstens mal Essigsäure drauf zu tun. Habe ich heute nachgeholt. Ist Calcit. Sorry mein Fehler.

Glück Auf
Detlef

Offline triassammler

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Re: Fund - unbekanntes Mineral! Künstlich?
« Antwort #11 am: 09 Dec 10, 22:42 »
Hallo,

hier noch die versprochenen Bilder der "Halden-Klippen" bei Mörbylånga.

Gruß,
Rainer

Offline triassammler

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Re: Fund - unbekanntes Mineral! Künstlich?
« Antwort #12 am: 09 Dec 10, 22:44 »
...noch eines, das Haldenmaterial im Detail: Schön bunt!

 

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