Hallo Tina,
wenn es auch Fossilien sein dürfen, hier mal eine Reportage von mir einkopiert:
Fossilien sammeln in Deutschland
Jurassic Park ist überall – Auf der Jagd nach Urzeitschätzen
Suchen und Sammeln steckt uns in den Genen. Schon seit
grauer Vorzeit. Heute muss niemand mehr für seinen Lebensunterhalt Tiere jagen und Beeren finden. Und darum kompensiert so mancher diesen Urtrieb mit einem passenden Hobby. Etwa Stöbern nach antikem Schmuck auf Flohmärkten. Oder Briefmarken sammeln. Spannender ist allerdings die Suche nach Fossilien, was einer Schatzjagd nach Relikten aus der Urwelt gleich kommt. Aber Vorsicht, Fossiliensammeln hat fast Suchtpotential, wie einst der Goldrausch. Kinder sind besonders leicht dafür zu begeistern – und oft viel geschickter und ausdauernder beim Aufspüren von Versteinerungen als ihre Eltern.
Fundstellen gibt es fast überall in Deutschland. Da, wo
Gesteinsschichten oder Sedimentablagerungen zutage treten. Oft bewegen sich Fossiliensammler an diesen Stellen allerdings in einer rechtlichen Grauzone. Denn Steinbrüche - auch solche,
die nicht mehr bewirtschaftet werden, Straßengräben, Äcker, Felder, Baustellen und sonstige Plätze, an denen sich die Erde auftut, haben einen Besitzer. Und den müsste man, streng genommen, vor der Suche um Erlaubnis bitten, schon aus Sicherheitsgründen. Da das nicht immer möglich ist, sollten vor allem Anfänger am besten auf offiziell zugelassenen Flächen suchen. Die besten und für Familien geeigneten Plätze stellen wir hier vor.
Schieferbruch Kromer in Ohmden bei Stuttgart, Baden-Württemberg
„Auf dem Boden Hand und Knie, kriecht man fort, oh süße Müh’!“ besang schon der schwäbische Lyriker Eduard Mörike (1804 – 1875) die Leidenschaft des Fossiliensuchens in einem Gedicht. Baden-Württemberg ist ein El Dorado für Fossilienfreunde. Gut 60 Millionen Jahre lag diese Region im Erdmittelalter unter einem tropischen Meer. Später falteten sich die Alpen auf und stauchten die Gesteine in ihrem Vorland. Diese kippten und gaben Sedimentschichten des früheren Meeresbodens mit all seinen Fossilien frei. Es gibt viele Fundstellen auf der Schwäbischen Alb und in ihrer Umgebung. Besonders interessant sind die Schieferbrüche etwa 40 Kilometer südöstlich von Stuttgart. Sensationelle Entdeckungen waren die 13 vollständig erhaltenen Skelette von Plesiosauriern. Sie wurden bis zu vier Meter lang und hatten paddelförmige Flossen. Beeindruckend sind auch die Versteinerungen von delfinähnlichen Fischsauriern, Meereskrokodilen, Flugsauriern und einer Vielfalt von Fischen wie Haie, Störe und Quastenflosser. Im Schieferbruch Kromer in Ohmden werden Hobbysammler garantiert etwas finden. Nicht unbedingt einen Saurier. Mit Sicherheit aber 180 Millionen Jahre alte Ammoniten, tintenfischähnliche Belemniten, Muscheln und Gagat. Dabei handelt es sich um versteinerte Holzkohle, die zu Schmuckstein poliert werden kann. Der Schieferbruch ist der einzige in der Umgebung, der noch in Betrieb ist, um Steinplatten für Tische, Wand- und Bodenfliesen zu gewinnen. Dadurch wird ständig neues Material gefördert, das durchsucht werden darf. Ein Tipp: Verfärbungen im Schiefer und Wölbungen auf glatten Flächen deuten auf Versteinerungen hin. Mit Hammer und Flachmeißel werden die Schieferschichten dann behutsam getrennt. Eine prima Ergänzung zum Steine klopfen ist der Besuch im nahen Urweltzentrum Hauff. Hier wird gerade eine 94 qm große Seelilienkolonie präpariert, die im Steinbruch Kromer gefunden wurde. Ausgestellt sind unzählige Fossilien der Region von Weltrang. Ein besonderes Stück zeigt ein fast vier Meter langes Fischsaurierweibchen mit einem bereits geborenen Jungen und fünf Embryonen im Leib.
Info: Schieferbruch Kromer,
www.schieferbruch-kromer.de Kalksteinbruch Rüdersdorf im Märkischen Oderland, Brandenburg
Was haben der Berliner Reichstag, das Brandenburger Tor und das Olympiastadion von 1936 gemeinsam? Wie viele andere prominente Gebäude in der Hauptstadt sind sie aus Rüdersdorfer Kalkstein gebaut. Der wird schon seit dem 13. Jahrhundert in dem östlichen Vorort Berlins gewonnen. So entstand der größte geologische Aufschluss in Norddeutschland, vier Kilometer lang und zwei Kilometer breit. Neben dem aktiven Kalktagebau ist auf einem 17 Hektar großen Areal ein Museumspark um historische Industriegebäude errichtet. Besucher können auf Land Rover-Touren das Außengelände erkunden. Unterwegs erklärt der Führer, wie der Kalkstein vor gut 240 Millionen Jahren entstanden ist, wie er abgebaut und verarbeitet wird. Am spannendsten sind natürlich die Stopps zum Suchen nach Versteinerungen. Sozusagen auf dem Boden eines Urzeitmeeres lassen sich Muscheln, Schnecken, Schlangensterne, muschelähnliche Armfüßer, Seelilien und die Zähne kleiner Haie finden – und mit sehr viel Glück auch Wirbel oder Rippen eines Nothosauriers. Das berühmteste Fossil aus dem Rüdersdorfer Kalksteinbruch ist das 1904 entdeckte vollständige Skelett dieses Meeresreptils. Die etwa zwei Meter lange Schwimmechse lebte entlang der Küste und konnte sich auch an Land bewegen. Heute ist das Skelett im Berliner Naturkundemuseum zu sehen. Das „Haus der Steine“ im Museumspark zeigt in seiner geologischen Ausstellung einen Abguss des Fundes. Nach de Exkursion können die Teilnehmer ihre gesammelten Fossilien bestimmen lassen und auf Wunsch selbst präparieren.
Info: Museumspark Rüdersdorf,
www.museumspark.deNettersheim in der Eifel, Nordrhein-Westfalen
Kaum zu glauben, aber vor etwa 380 Millionen Jahren lag die Eifel in Äquatornähe. Erst die Kontinentalverschiebung rückte diese Region an ihre heutige Stelle nahe der Grenze zu Belgien. Und wo jetzt Wanderer durch die Mittelgebirgslandschaft streifen, breitete sich in grauer Vorzeit ein warmes tropisches Meer aus. In einem riesigen Korallenriff lebten Panzerfische, Schnecken, Armfüßer, Tintenfische und Organismen wie Schwämme und Seelilien. Im „Naturzentrum Eifel“ in Nettersheim bekommen Besucher beim Betrachten des Korallenriff-Aquariums eine Vorstellung, wie es einst dort ausgesehen haben mag. Im benachbarten „Haus der Fossilien“ zeigen diverse Sammlungen, was von dieser einstigen Vielfalt marinen Lebens heute noch zu finden ist. Auf Äckern, Feldern, Baustellen und in Straßenböschungen treten immer wieder Versteinerungen zu Tage. Offiziell erlaubt ist das Suchen auf dem „Fossilienacker“, der zum Naturzentrum gehört. Dieses Feld wird immer wieder umgegraben, auch der Regen wäscht stets neue Fundstücke an die Oberfläche. Man kann dort auf eigene Faust suchen oder vormittags mit einem Führer des Naturzentrums auf Sammeltour gehen. Dazu sollte man sich allerdings zwei Tage vorher anmelden. Der Experte hilft beim Aufspüren und Bestimmen der Schätze. Am Nachmittag können die Funde dann in einem Kurs unter Anleitung präpariert werden. Aufgesägt kann man oft die Struktur der Versteinerungen erkennen. Danach wird per Hand geschliffen. Dadurch werden die Fossilien besser sichtbar und bekommen einen schönen Glanz.
Info: Naturzentrum Eifel,
www.nettersheim.deEichstätt im Altmühltal, Bayern
Wer hier mit Hammer und Flachmeißel Kalkplatten spaltet, fiebert nach einem Sensationsfund: dem berühmten Urvogel Archaeopteryx. Weltweit wurden erst zehn Versteinerungen
des Zwittertieres aus Saurier und Vogel entdeckt, alle im bayerischen Altmühltal. Im eigenen Steinbruch des Museums Bergér in Eichstätt dürfen auch Kinder Forscher spielen. Zuvor aber ist es sinnvoll, einen Rundgang durchs Museum mit seinen über 2000 ausgestellten Fossilien zu machen. Die Funde stammen alle aus den Steinbrüchen der Familie Bergér. Während einer kostenlosen Führung erfährt man viel über die Entstehung von Versteinerungen, Fundmöglichkeiten und die richtige Technik beim Umgang mit dem Werkzeug. Dann geht es los, mit Geduld und Fingerspitzengefühl. Die weichen Kalksteinschichten lassen sich leicht und sauber trennen. Oft haben Kinder den Bogen schneller heraus als ihre Eltern. Die besten Suchplätze sind natürlich die, wo nicht schon andere ihren Abraum aufgehäuft haben. Ab und zu legt ein Bagger unberührte Schichten frei, das sind die besten Stellen. Fast immer findet sich etwas. Meistens fingernagelgroße Haarsterne, manchmal kleine Fische, Krebse, Schnecken, Libellen, Ammoniten oder Wasserlilien. Seltener Rochen oder sogar Meeresschildkröten, denn in der Jurazeit vor 150 Millionen Jahren war das Altmühltal die Lagune eines tropischen Ozeans. Sollten Sie wirklich einen Archaeopteryx oder eine andere Rarität entdecken: Melden Sie sich im Museum. Dort hilft man Ihnen bei der Bergung, Bestimmung und Präparation des Fundes. Die Chancen stehen gut, dass es einen Finderlohn gibt, vielleicht wird das gute Stück auch angekauft - wenn Sie sich davon trennen können.
Info: Museum Bergér,
www.museum-berger.deBrodtener Ufer bei Travemünde an der Ostsee,
Schleswig-Holstein
Jetzt ist eine gute Zeit, um am Brodtener Ufer zwischen Travemünde und Niendorf an der Ostsee nach Fossilien zu suchen. Besonders Winterstürme, heftige Regenfälle und die Brandung verursachen an dem 15 bis 20 Meter hohen Steilkliff Abbrüche. Jedes Jahr weicht die Küstenlinie bis zu 60 cm zurück. In den Eiszeiten hatten die Gletscher am heutigen Ufer Gesteinsmassen aus verschiedenen Erdzeitaltern aufgetürmt. Darum können auch die unterschiedlichsten Versteinerungen gefunden werden. Interessant ist, dass die Strömung hier aus dem so genannten Geschiebemergel Sand löst und zu den Badeorten Niendorf und Travemünde transportiert. Die schwereren Steine bleiben zurück. Zwischen Kalkstein, Granit, Sandstein, Gneis, Feuerstein und Kreide lässt sich mit geübtem Auge so manches Fossil finden. Am besten sucht man systematisch immer ein, zwei Quadratmeter ab. Dabei geht man in die Hocke und dreht möglichst viele Steine um, auch aus den darunter liegenden Schichten. Mit etwas Geduld kann man versteinerte Seeigel, runde Kalkschwämme, Reste von Trilobiten, Schnecken, Korallen, Muscheln und „Donnerkeile“ entdecken. Diese patronenförmigen braunen Fossilien waren einst der harte Teil einer Tintenfischart. Im ganz feinen Kies
liegen oft Segmente von Seelilien und Armfüßergehäuse. Übrigens lohnt sich ein Spaziergang am Steilufer schon wegen einer der wichtigsten Uferschwalbenkolonien in Europa. Die Einfluglöcher zu den Brutröhren der Vögel sind in einigen Metern Höhe deutlich zu erkennen.
Info: Lübeck Tourismus,
www.luebeck-tourismus.deSo entstehen Fossilien: Ein totes Tier wird auf dem Meeresgrund rasch mit Schlamm bedeckt oder an Land mit Sand, zum Beispiel durch einen Erdrutsch. Die Weichteile zerfallen, die härteren Knochen bleiben übrig. Manchmal bleiben sie unverändert in dieser geschützten Umgebung über Jahrmillionen liegen, man spricht dann von direkter Erhaltung. Wenn sich in den Hohlräumen der Knochen Mineralien absetzen, beginnt die Versteinerung. Es passiert auch, dass Knochen völlig von saurem Wasser aufgelöst werden. Der Hohlraum füllt sich mit Mineralien und so entsteht eine komplett steinerne Kopie des Skeletts. Fossil leitet sich vom lateinischen „fossilis“ ab und bedeutet „ausgegraben“.
Ausrüstung: Beim Suchen in Steinbrüchen helfen ein Geologenhammer (ca. 45 Euro) und ein Flachmeißel (ca. 15 Euro). Sinnvoll sind auch eine Schutzbrille (ca. 9 Euro) und Schutzhandschuhe (ca. 4 Euro). Wer ganz auf Nummer Sicher gehen möchte, trägt einen Schutzhelm (ca. 10 Euro). Alles ist zum Beispiel im Internet zu beziehen beim „Fossiliensammler-Bedarf“,
www.fsb-shop.com. Zeitungspapier und Stoffbeutel sollte man mitbringen, um Funde sorgfältig zu verpacken. Proviant und eventuell Sonnenschutz nicht vergessen, an warmen Sommertagen heizen sich schattenlose Steinbrüche schnell auf.
Buchtipps und Zeitschrift: „Steine und Fossilien“, 7,95 Euro. Schön bebilderte, informative Zeitreise durch die Erdgeschichte. Arena Verlag, für Kinder und Erwachsene gleichermaßen geeignet. „Fossilien – über 500 Versteinerungen“, 12,95 Euro, BLV-Verlag, sehr umfassendes, trotzdem handliches Bestimmungsbuch. „Fossilien“, Quelle & Meyer Verlag, 8,70 Euro. Zeitschrift für Hobbypaläontologen mit vielen Informationen über Fundgebiete.
Fossilien-Reisen: z.B. Geologisch erleben,
www.geologisch-erleben.de oder Richter-Fossilien-Reisen,
www.richter-fossilien-reisen.deInternetseite für Fossilienfans: z.B.
www.fossilienatlas.de Viel Erfolg,
Seelilie-Heike