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Epidot-Oktaeder ?? Hexagonal ??
Collector:
Hi Thomas
die hohen Preise für pakistanische Mineralien sind nicht neu. Im Gegenteil.
Ich war schon 1998 in Skardu, Shingus und im Nanga Parbat-Gebiet und habe bis auf 5.300 m Höhe Mineralien gesucht und Pakistan recht gut mineralogisch bereist, bis hin in die Basare von Peshawar, wo das eigentliche Mineraliengeschäft stattfindet.
Schon damals waren die Preise exorbitant, selbst bei den einfachsten Bauern und dann konvertierten Mineralienschürfern - in deren Hütten gabs kaum vernünftige Aquas oder Rubine oder Fluorite ohne dafür die richtige Menge Dollars hinzulegen. (Man merke: Monatseinkommen eines durchschnittlichen Gilgit-Arbeiters: US$ 25.-; Monatseinkommen eines einigermaßen guten pakistanischen Mineraliendealers aus Peschawar: US$ 12-15.000).
Der Grund für die hohen Preise sind weder Drogen noch die Taliban: Es sind amerikanische (und einige wohlbekannte europäische Dealer), die von Anfang an die Preise hochgetrieben und enorme Profite eigefahren haben. Sie sind die echte Ursache des Preisniveaus. Sie zahlen den Pakistanis hohe Preise, kriegen natürlich dafür auch die besten Stücke, aber damit auch ein Monopol. Die Namen kann ich Dir gerne per PM nennen, es sind nicht sehr viele. Durch die Begierlichkeit und die Profitmanie der Amis sind auch die Pakistanis auf den Gier-Trichter gekommen. In der Folge dieser Jagd nach Gewinn entwickelten sich in Peshawar die pakistanischen gierigen Raubtiere, die seit langem den Markt bestimmen und mit den Amis und den bestimmten Europäern (Franzosen und Deutsche) im Boot sitzen.
Und Afghanistan ? Identisch. Läuft auch sehr viel über Peshawar. Und wer ist vorne dran ? Auch wieder amerikanische Dealer.
Don't forget: Its business - not collecting.
Gruß
collector (Bild: Ich selbst beim Mineralien-Handeln in Nagar, 4.600 m, Karakorum, Pakistan).
cmd.powell:
Hmm, ok, das die Ammis natürlich mal wieder alles übretreiben müssen tut auch noch sein übriges zu der Preisproblematik. Von Alfredo Petrov (tummelt sich hier auch gelegentlich mal rum - Viele Grüße falls Du das liest) hab ich eine interessante Geschichte aus Bolivien gehört: Dort ist es so, das es inzwischen in fast jedem Bergdorf mindestens ein Internet-Cafe gibt und sich viele Bergleute bei ebay anschaun, was "ihre" Stufen dort auf dem Markt bringen. Und wenn er (also Alfredo) dann die dortigen Bergleute besucht um Stufen einzukaufen, wollen die natürlich gleich die Preise für ihre Stufen haben, wie sie bei ebay gehandelt werden. Ich kann mir ganz gut vorstellen, das es in Pakistan ähnlich abgeht. Und wenn es dann noch Händler mit den entsprechend gut betuchten Kunden gibt, schrauben sich die Preise natürlich frei nach oben.
Naja, man kann darüber denken wie man will und sich drüber ärgeren oder es einfach so hinnehmen. Klar mache ich auch gerne Schnäppchen, wer nicht, aber auf der anderen Seite bin ich auch bereit, für eine schöne Stufe was hinzulegen. Ob ich jetzt 300 Euronen für solch einen Epidotpseudooktaeder ausgebe muss ich mir allerdings auch noch dreimal überlegen. Auf Börsen schaue ich dann eigentlich immer erstmal, ob ich da nicht vielleicht doch etwas mehr für mein Geld bekommen. Letztlich muss man abwägen, ob einem das Stück so viel Geld wert ist. Auch ich muß schließlich für mein Geld ackern gehen.
Was mich persönlich stört ist, wenn die Leute auf irgendeinen Trend aufspringen: Paradebeispiel sind die "Zepterfluorite", die ja nun wohl auch im großen Umfang gefälscht werden. Ich persönlich finde die zwar interessant, aussehn tun die aber nach nichts und mir wären die höchstens 5 Euro wert (ich rede jetzt natürlich von den Orginalen). Das die Dinger preislich auf dem Markt so abgegangen sind liegt doch nur daran, das irgendwer die entsprechend vermarktet hat und somit einen Run auf die Teile ausgelöst hat. Ironie der Geschichte ist, das die wenigsten der Sammler, die diese Fluorite sich leisten konnten, Ahnung davon haben, was es mit den Stücken auf sich hat. Gleiches gilt doch jetzt auch für die Epidote: Oktaedrische Epidote ? Ich wette, die Wenigsten, die sich die Dinger gekauft haben, wissen etwas mit dieser Aussage anzufangen. Es geht nur um das "Besondere" und das "Exklusive". Kaviar ist teuer und kann sich nicht jeder leisten, schmeckt eigentlich auch gar nicht, aber wichtig ist ja auch nur, das es sich nicht jeder leisten kann. Ähnlicher Trend: SUV's ! Wozu benötigt man hier in Deutschland einen "Geländewagen" ? Und dann auch noch mit lackierten Stoßstanden (schon klar, lackierte Stoßstanden im Gelände) !? Letztlich alles Egoprotesen. Als wissenschaftlich mutiviertem Sammler ärgert mich dieser Umstand fast mehr als die Preise, zumal ja genau dieser Umstand die Preise mit nach oben treibt. Naja, am Ende muss jeder selber entscheiden, was er wofür hinblättert. Mineraliensammen ist und bleibt ein Luxus, sofern man nicht nur Selbergesammeltes hat.
Axinit:
Servus,
Peter hat die "Preisgestaltung" fuer pakistanische Minerale sehr schoen beleuchtet ... aehnliches laeuft natuerlich auch anderswo ab.
Mir geht es nicht darum, auf Boersen "Schnaeppchenjagd" zu betreiben. Ich habe allerdings den Eindruck, dass fuer pakistanische Epidote oder Axinite mittlerweile mehr als fuer Stufen von klassischen europaeischen FO (d.h. fuer mich z. B. Oisans) verlangt werden.
Wenn die Stufen einwandfrei (d.h. unbeschaedigt) sind und sich der FO halbwegs genau dokumentieren laesst, ist dies vermutlich durch Angebot und Nachfrage zu rechtfertigen.
Letzlich muss dies jeder fuer sich entscheiden. Mir waere im Zweifelsfall ein heimischer, am besten ein selbstgefundener Epidot, am liebsten.
GA
Harald
Collector:
Hallo Markus
dass das Internet die Welt verändert hat, ist schon richtig; insofern sollte man diese interessante Variante, wie von Alfredo P. erwähnt, nicht unterschätzen.
Hohe Preise, hauptsächlich verursacht durch einige wenige, den Weltmarkt im Hi-End dominierende US- und europäische Dealer, sind jedoch älter als das Internet. Die Ursachen sind etwas anders, basieren aber meist auf denselben immer wieder angewandten Spielregeln und Szenarien:
*1. An verschiedenen Orten der Welt gibts interessante Mineralien, die i.d.Regel durch traditionellen Bergbau oder durch "Specimen mining" gefördert werden.
*2. Es ist dann aber nicht so, dass sich vielleicht irgendein Reisender oder Sammler an diesen Ort der Welt verirrt und dann auf gut Glück "Wow" auf schöne Mineralien stößt, die er der armen Sau von Bergmann für nen Appel und n' Ei abluchst. Nein, im Gegenteil. Wird heute morgen sonstwo auf der Welt was gefunden, was Gewinn verspricht, weiß es 3 Stunden später die kaufkräftige Riege der US- und Europa-Dealer; wobei die Reviere ziemlich scharf abgegrenzt sind. (Die Amis dort, wo englisch gesprochen wird, die Franzosen in Vietnam und Westafrika).
*3. Die ganz großen im Geschäft (Amis) haben eigene bezahlte lokale Leute (Mineralienspione) vor Ort in der Nähe der Minen stationiert oder beschäftigen Einkäufer, die das ganze Jahr weltweit unterwegs sind
*4. Berichtet der Mann vor Ort oder Einkäufer, dass die Neufunde lukrativ sind, erhält er den telefonischen Auftrag: Kaufen ! ALLES was rauskommt. (Bps.: einer der jüngsten Funde attraktiver Vanadinite, ca. 1.000 bis 1.200 Stufen (!) wurde komplett von X...X in den USA gekauft. Weitere Beispiele: Prehnite und Epidote aus Mali, Aquamarine und Jeremejewite aus Namibia, Super-Granate aus Brasilien, rosa Fluorite aus Pakistan, Tansanite aus Tansania, Liddicoatite aus Madagaskar etc etc etc.).
*5. Wie rechnet sich das ? Zuerst hat der Käufer die Freiheit, jeden Preis der Welt zu gestalten. In diesen Preisen stecken natürlich die Einkaufspreise (Bergmann-Abgabepreise), sowie die Gewinnspannen der lokalen Mittelsmänner, die Löhne der "freien" Mitarbeiter vor Ort, Schmiergelder, die Transport- und Marketingaufwendungen und natürlich ein satter Gewinn. Oft ist es so, dass, wenn z.Bsp. in einem Lot von 1.000 Stufen auch nur 3 oder 4 Hi-End-Stufen sind, diese schon den gesamten Aufwand für den Gesamtkauf finanzieren können. Alle anderen 996 Stufen sind 100% Gewinn ! Von diesen 996 gehen 980 in den Markt, meist über Dealer der 2. Liga. 16 werden vom Superdealer in eigenem Namen verkauft. Nur Rennpferde sind billiger !
*6. Ich habe selbst 2 mal die Erfahrung mit den Exklusivkäufern gemacht. Irgendwann in den 1970er Jahren stand ich in Marokko vor einem Riesenstapel Holzkisten mit etwa 6.000 - 7.000 der zu den weltbesten zählenden, tiefblauen Azuritstufen aus Touissit sein. Leider konnte ich nicht eine einzige Stufe daraus erwerben - nur anschaun - da die gesamte Menge bereits an einen US-Dealer verkauft war.
Ähnliches passierte meiner Frau und mir In Uis in Namibia bei einem Händler, vor uns etwa 10 Tische, übersät mit ausgesucht schönen glasklaren Amethystquarzen. In Unkenntnis der Situation, aber im Glauben, dass wir bei einem seriösen Händler sind, suchten wir uns ein paar schöne Kristalle aus und legten sie zur Seite. Irgendwann platzte ein junger US-Dealer in den Raum und schrie uns an: "What the hell are you doing with my quartzes ?". Irgendwann verstanden wir, dass dieser Dealer die gesamte Monatsproduktion der Arbeiter vom Brandberg, mehrere tausend Stücke, komplett aufgekauft und tw., obwohl physisch noch in Namibia, schon in den USA weiter verkauft hatte.
*7. Eine Abwandlung dieser Spielregel ist, dass einige Dealer den Schürfern vor Ort schon "auf Verdacht" jeden Monat eine bestimmte Summe zahlen, damit diese, sollten sie auf einen guten Fund stoßen, diesen nur und exklusiv dem Dealer zukommen lassen. Wie heißt es so schön ? Wes Brot ich ess, des Lied ich sing !
Lange Rede, kurzer Sinn: Was wenige wissen ist, dass - zumindest was die Mineralien der etwas besseren Sorte angeht - der Weltmarkt von wenigen, meist US-Dealern dominiert wird; ein sehr ähnliches Spiel wie das der Banken mit den verdummten Menschen.
Sollten die bolivianischen Bergleute wenigstens ab und zu soviel für ein Mineral bekommen, wie sie es in ebay sehen, sei es Ihnen vergönnt. Meist ist es aber nicht so. Die Monster-Gewinnspannen werden woanders erzeugt und eingestrichen.
Nachdem ich wieder einmal bei einem bekannten US-Dealer einen spanischen Aragonitkristall mit 6 cm Länge und 2,5 cm Durchmesser für 260.- US$ Fixpreis als verkauft gesehen habe, bin ich auch langsam überzeugt, wie Harald es schrieb, dass Selbersammeln die eigentliche Quintessenz des Mineraliensammelns ist. Alles andere ist Profit, Gier, Jagd nach Egotrips und kindisches Machtstreben.
Gruß
collector
Krizu:
--- Zitat von: Collector am 08 Jul 11, 22:04 ---Nachdem ich wieder einmal bei einem bekannten US-Dealer einen spanischen Aragonitkristall mit 6 cm Länge und 2,5 cm Durchmesser für 260.- US$ Fixpreis als verkauft gesehen habe, bin ich auch langsam überzeugt, wie Harald es schrieb, dass Selbersammeln die eigentliche Quintessenz des Mineraliensammelns ist. Alles andere ist Profit, Gier, Jagd nach Egotrips und kindisches Machtstreben.
--- Ende Zitat ---
Hallo Peter
jauw ein wahres Wort. Ich könnte Dir heute noch die Stelle zeigen, wo ich die erste Pyritknolle fand. Oder ich mir die Knochenfuge im Knie brach, auf der Suche nach einer Brachiopode. Ein tolles Erlebnis war auch die Kluft mit Sauerländer unf Hg mit den Barytkristallen. Dsa Erlebnis ist geiler als der Kristall - meistens ;-)
Warum habe ich mich im Studium um die Kristallzüchtung gekümmert? Quasi das gleiche - nach einem Tag bis drei Wochen hast du manchmal einen Klunker in der Hand. Den ersten Kristall habe ich noch heute 8)
Der gefundene Kristall hat durch die Erinnerung einen höheren Wert und durch das Erlebnis als ein gekaufter...
Mfg
Frank
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