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Autor Thema: Große Uranmineralsammlung - Gefahr?  (Gelesen 10232 mal)

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Offline Ratz

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Große Uranmineralsammlung - Gefahr?
« am: 01 Sep 11, 23:11 »
Hallo liebes Mineralienatlas-Forum!

Oft habe ich hier schon mitgelesen doch zur Anmeldung konnte ich mich bis jetzt noch nicht durchringen. Heute ist dieser Tag aber gekommen  :)

In der Vergangenheit habe ich schon oft Themen und Beiträge zu radioaktiven Mineralen gefunden, heute aber bin ich auf Youtube auf etwas gestoßen, was mich doch sehr erstaunte.

Eine junge Frau, die Uranmineralien sammelt, zeigt ihre Sammlung und hält an die "besten" Stücke ein Dosimeter. Bei einem Stück, sie spricht von "reinem Uranerz" zeigt dieses Dosimeter einen Wert von 244 µSv/h, was meinem Halbwissen nach von der Größenordnung her den Werten von der näheren Umgebung des verunglückten Tschernobyl-Reaktors entspricht. Es heißt, ohne die Abdeckung des Gefäßes würden Werte von 800 µSv/h erreicht. Anfänglich fässt sie dieses Stück auch an. Auch der Uranglimmer wird später mit bloßer Hand angefasst. Abgesehen von diesen beiden stehen dort noch eine Menge anderer Stufen ohne Abdeckung herum.

http://www.youtube.com/watch?v=TILdbT7wjm0

Mir ist schon klar, dass die Strahlenbelastung mit Entfernung abnimmt aber ist die Menge an Mineralien, die dort herumsteht, nicht auch schon gefährlich?

Viele Grüße

Offline cmd.powell

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Re: Große Uranmineralsammlung - Gefahr?
« Antwort #1 am: 02 Sep 11, 02:30 »
Hi

Also bei eine großen Menge an radioaktiven Mineralen sollte man sich schon Gedanken über die Sicherheit machen. Ein gute Schutz ist sicherlich, solch eine Sammlung nicht in Wohnräumen aufzubewahren ! In einem sonst selten genutzen Raum, z.B. Keller oder Dachboden, setzt man sich automatisch weniger der Strahlung aus. Zu der direkten Strahlenbelastung kommt immer auch noch evtl. radioaktive Stäube, welche bei Uranglimmern etc. durchaus auftreten können. Diese sind hochgradig Gefährlich, da sie eingeatmet werden können und einmal im Körper können sie natürlich entsprechenden Schaden anrichten. Außerdem kommt es noch zu einer gewissen Radonbelastung. Radon ist ein radioaktives Edelgas, welches als Zwischenprodukt in der Zerfallsreihe von Uran auftritt. Als Gas kann es aus die Mineralen austreten und somit leicht in den Körper gelangen. Je mehr radioaktive Minerale desto mehr Radon desto "ungesünder".
Also, eine kleine Menge an radioaktiven Stücken kann man sicherlich problemlos auch in Wohnräumen in die Vitrine stellen (hab ich bei mir auch so gemacht), aber bei größeren Mengen würde ich davon Abstand nehmen. Ich habe - natürlich - auch meine Stufen gemessen und habe sie so platziert, das ich sie an den gewöhnlich genutzen Bereichen meiner Wohnung keine erhöhte Strahlenbelastung habe, direkt an der betreffende Vitrine ist die Belastung allerdings auch deutlich erhöht, da stehe ich aber auch nicht dauerend rum.

Offline Embarak

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Re: Große Uranmineralsammlung - Gefahr?
« Antwort #2 am: 02 Sep 11, 10:35 »
Hallo

Der in dem video gezeigte Uraninit ist schon ungewöhnlich groß. Da er keine Fluoreszenz hat, könnte ein kleineres Belegstück eigentlich genügen.  ;)
Die Autorin sammelt scheinbar gerne "heißes Zeug", worauf auch die Uran-Glas-Murmeln deuten.
Eine hätte als Beleg doch gereicht.
Stücke in der Größe, wie die aufgeführten Zippeit, Torbernit, Uranophan und Uranocircit findet man häufiger in Sammlungen.
cmd.powell hat die wesentlichen Punkte schon aufgeführt.

800 µSv/h ist schon sehr heftig, aber der Vergleich mit Tschernobyl stimmt so nicht.
Der Wert entspricht 7000mSv/Jahr = 7 Sv/Jahr . Das ist ein Wert, der zuletzt in Fukushima direkt an den havarierten Reaktoren pro Stunde gemessen wurde, wenn man den Medien Glauben schenken darf.
Mikro und milli gehen in der Berichterstattung manchmal durcheinander und schon ist ein Fehler vom Faktor 1000 möglich.
Mir wäre das Uraninit-Stück für die Sammlung deutlich zu groß !
Aus dem Video geht nicht hervor, ob die Sammlung im Wohnzimmer oder in einem abgelegenen, gut belüfteten Kellerraum steht.
Im Berliner Naturkundemuseum stehen übrigens ebenfalls recht große Stufen von Uranmineralien, allerdings kein großer Uraninit. Man geht dort davon aus, daß der Durchschnittsbesucher einmal im Jahr in relativ kurzer Zeit durch den Saal wandert und nicht stundenlang vor einzelnen Stufen verweilt.
Der Stuhl des Aufsichtspersonals steht auch bewußt am entgegengesetzten Ende des Saales.

Gruß
Norbert

Offline Ratz

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Re: Große Uranmineralsammlung - Gefahr?
« Antwort #3 am: 02 Sep 11, 14:32 »
Danke für die Antworten!

800 µSv/h ist schon sehr heftig, aber der Vergleich mit Tschernobyl stimmt so nicht.

...

Im Berliner Naturkundemuseum stehen übrigens ebenfalls recht große Stufen von Uranmineralien, allerdings kein großer Uraninit. Man geht dort davon aus, daß der Durchschnittsbesucher einmal im Jahr in relativ kurzer Zeit durch den Saal wandert und nicht stundenlang vor einzelnen Stufen verweilt.
Der Stuhl des Aufsichtspersonals steht auch bewußt am entgegengesetzten Ende des Saales.

Ich habe jetzt nicht an das Innere des Reaktors bzw. an die Strahlung zum Unglückszeitpunkt gedacht, sondern eher an die heutige Umgebung des Reaktors. Oft findet man Bilder bzw. Videos von diesem Punkt aus

Dort habe ich schon einige ähnliche Werte gesehen (sofern die Einheiten tatsächlich den angegebenen entsprechen). In "populärwissenschaftlichen" Sendungen hieß es oft, dass Aufenthalte an dieser Stelle nur einige Minuten lang tragbar seien.

Im Museum für Naturkunde war ich vor 2 Wochen - dort habe ich nur in einer der länglichen Vitrinen, die jeweils zwischen den hohens stehen, einige, vielleicht 2-3 cm große Stufen gesehen. Es kann aber genauso gut sein, dass ich die größeren übersehen habe.

edit:
Bild wegen copyright entfernt


« Letzte Änderung: 02 Sep 11, 22:35 von Hg »

Offline seisteff

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Re: Große Uranmineralsammlung - Gefahr?
« Antwort #4 am: 02 Sep 11, 15:18 »
Hallo

Von dieser Frau gibt es noch mehr Videos auf dieser Seite, da hält sie sich den Geigerzähler an den Körper
und er piepst wie verrückt. Leiter kann ich nicht verstehen was sie sagt,sie spricht englich.


Offline Ratz

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Re: Große Uranmineralsammlung - Gefahr?
« Antwort #5 am: 02 Sep 11, 18:02 »
Hallo

Von dieser Frau gibt es noch mehr Videos auf dieser Seite, da hält sie sich den Geigerzähler an den Körper
und er piepst wie verrückt. Leiter kann ich nicht verstehen was sie sagt,sie spricht englich.

Hi,

magst du das Video verlinken? Ich bin in der Sprache noch relativ fit und würde das Wichtigste, sofern sie nicht mit technischen Fachbegriffen um sich wirft, zusammenfassen.

Offline Embarak

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Re: Große Uranmineralsammlung - Gefahr?
« Antwort #6 am: 02 Sep 11, 20:35 »
Hallo
Hat zwar nichts mit der eigentlichen Frage zu tun,
Zitat
Es kann aber genauso gut sein, dass ich die größeren übersehen habe.
Habe einen Schnappschuß . so sind u.a schöne Stufen in einer hohen Vitrine an der Fensterfront !
Aber auch dort waren die Messwerte außen an der Glasscheibe recht moderat. Habe mir keine Zahlen notiert, aber nach meiner
Erinnererung war das Highlight ein unscheinbarer Vandenbrandeit in einer der flachen Vitrinen, allerdings war dort der Abstand
zwischen Mineral und Glas geringer.
An den Messwert von 800µSv/h kam keines auch nur annähernd heran.
Der Wert kommt mir zu hoch vor, habe aber kein Vergleichsmaterial in der Größe ..   8)
Was zeigt das Gerät an, wenn die Sammlerin schon selber tickert?

Gruß
Norbert



Offline Hugo

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Re: Große Uranmineralsammlung - Gefahr?
« Antwort #7 am: 04 Sep 11, 13:03 »
Moin!

Wenn es um das Video geht, in dem sie sich den GammaScout an den Hals hält, dann stammt die Radioaktivität nicht von ihrer Mineraliensammlung! Ihre Schilddrüse wurde szintigraphisch untersucht, und zu diesem Zweck wurde ihr Technetium (99m Tc) injiziert.
Trotzdem sind manche der in anderen Videos gezeigten Handlungen zweifelhaft, sie hat beispielsweise mal Uranglimmer in einer Kugelmühle zermahlen. Wie man auf so eine Idee kommen kann, ist mir schleierhaft...
Ihr hattet auch von Uranglas gesprochen, und das ist m. E. weniger gefährlich als manche befürchten. Ich sammele selbst solche Gläser, in erster Linie wegen der beeindruckenden Fluoreszenz unter UV. Im Gegensatz zu Mineralien findet meines Wissens bei Glas keine Radon-Exhalation statt, da entstehendes Radon aus dem Glas nicht entweichen kann. Benutzen sollte man Uranglas wohl besser nicht, da Säuren (Fruchtsäuren!) Uranyl-Ionen herauswaschen können und so die Gefahr einer Inkorporation besteht. In der Vitrine sind Urangläser aber gut aufgehoben. Wer mehr darüber wissen möchte, kann sich gerne per PM melden, habe ein wenig Literatur zum Thema zusammengetragen.

Grüße,
Markus

Offline cmd.powell

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Re: Große Uranmineralsammlung - Gefahr?
« Antwort #8 am: 04 Sep 11, 16:07 »
Hi

Ich bin mir nicht ganz sicher, aber irgendwas stimmt da nicht: Ich hab mir da Video mal angesehen und ich hab hier den gleichen Geigerzähler liegen wie dort zu sehen. Ich hab ein Pechblendestück, welches etwa ein viertel so groß ist, wie das im Video (liegt unten im Keller) und ich komme nicht mal ansatzweise an die Werte im Video ran, selbst wenn ich den Geigerzähler mit dem Zählrohr auf die Pechblende lege (ab dem Punkt sollte die Gesammtgröße kaum noch eine Rolle spielen, da das Zählfenster komplett mit Pechblende verdeckt ist). Also entweder hat die Frau ein besonders aktives Stück Pechblende (??) oder ihr Geigerzähler tickt (sorry für das Wortspiel) nicht ganz richtig.
Auf jeden Fall wäre eine Gesundheitliche Gefährdung bei den dargestellten Werten definitv vorhanden und man sollte entsprechende Schutzmaßnahmen ergreifen.

@embarak: Ja, das mit den 3 Zehnerpotenzen verschätzen passiert den Leuten häufiger, aber garnatiert  nicht mehr, wenn sie 1 kg Rundstahl (o.ä.) tragen sollen, was dann doch drei Zehnerpotenzen mehr wiegt oder statt der 1 Million im Lotto doch drei Zehnerpotenzen weniger ausgezahlt bekommen  8) Hmm, andersherum würde sich keiner beschweren - ja, ja, so ist das mit den Zehnerpotenzen...