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Autor Thema: Minerale aus Johanngeorgenstadt  (Gelesen 22340 mal)

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Offline uwe

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Minerale aus Johanngeorgenstadt
« am: 29 Oct 11, 17:15 »
Wie unter der Rubrik "Heute unterwegs in Sachsen" bekanntgegeben, bietet Bobo "Zinnwald" Mineralproben aus Johanngeorgenstadt zu sehr günstigen Bedingungen an. Ich habe zugeschlagen und bin auf eine äußerst interessante Mineralparagenese gestoßen.

Zuerst nimmt man an, daß grüne und gelbe Kristalle einer Uranlagerstätte auch Uranminerale sein müssen. Nun aber habe ich festgestellt, daß diese grünen und gelben Minerale, welche nebeneinander auf Mikroklüften auftreten keinerlei Fluoreszenz aufweisen (kurzwelliges UV). Bei grünen Uranmineralen kann das schon orkommen - Zeunerit, Torbernit, Johannit. Aber ein gelbes Kupfermineral fällt mir jetzt nicht ein. Gelbe Uranminerale müßten also alle fluoreszieren, oder?

Der Farbgeber wird also möglicherweise kein Uran sein. Johanngeorgenstadt ist nun die Typlokalität einiger sehr seltener  Nickeloxyde, welche gemeinsam vorkommen: Xanthiosit, Bunsenit und Aerugit. Dunkelpistaziengrüne Bunsenitkristalle sind auf meinen Stücken nicht erkennbar. Dafür aber grasgrüne Kristalle, welche der Beschreibung von Aerugit entsprechen (hexagonal, fine-grained crystalls),

Die gelben Kristalle könnten Xanthiosit sein (monoclinic, microcristallin, golden yellow).

Auf Zonen ohne diese gelben und grünen Kristalle tritt eine grüne Fluoreszenz auf. Das könnte Uranophan sein, welches aber in sehr, sehr winzigen Nädelchen vorliegen muß, denn ich erkenne auch bei 60-facher Vergrößerung nichts.

Ich unterstelle mal daß es hier keine lange Diskussion geben wird. Kieselsteine regen eher dazu an, wie ich bereits festgestellt habe. Auch scheint niemand so recht Interesse an seltenen Erzgebirgischen Mienralen zu haben, denn "Zinnwald" hat immer noch Bestände.

Ich werde mal sehen, wie die angekündigte Rentenerhöhung ausfällt. Dann werde ich nächstes Jahr mal 'ne Analyse machen lassen. Lohnt sich bestimmt.

Gruß
Uwe


 

Offline uwe

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Re: Minerale aus Johanngeorgenstadt
« Antwort #1 am: 29 Oct 11, 17:17 »
Ach so, Bilder vergessen.

Zuerst die grünen Kristalle, welche meines Erachtens nicht wie Uranglimmer aussehen.

Uwe

Offline uwe

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Re: Minerale aus Johanngeorgenstadt
« Antwort #2 am: 29 Oct 11, 17:18 »
... nun mal die gelben, welche leider etwas "out of focus" sind. Aber monoklin könnten die schon sein.

Uwe

Offline uwe

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Re: Minerale aus Johanngeorgenstadt
« Antwort #3 am: 29 Oct 11, 17:19 »
... nun noch ein weißer Kristall. da bin ich im Moment noch ratlos. Sieht beim Drehen unterm Bino wie so ein "Cerrusit-Quirl" aus.

Uwe

Offline geomueller

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Re: Minerale aus Johanngeorgenstadt
« Antwort #4 am: 29 Oct 11, 20:03 »
Hallo,
das gar kein Interesse an dem Material von Bodo vorliegt stimmt nicht ganz, ich habe nähmlich auch welches bestellt :D
was sagt denn eigentlich das Strahlenmessgerät zu dem Material, wie hoch ist die gemessene Strahlung?
Letztendlich wird wohl wieder mal nur eine Analyse helfen, allerdings bei dem Bild "Johannst grün" tippe ich mal ganz stark auf Zeunerit!

Anbei mal eine Liste was an Uranmineralen aus Johangeorgenstadt überhaupt bekannt ist:

Autunit, Fritzscheit, Gummit, Johannit, Liebigit, Nasturan, Pechblende, Saleeit, Schröckingerit, Torbernit, Uraninit, Uranocircit, Uranophan, Uranopilit, Uranosphärit, Zeunerit, Zippeit.

Gruß Jürgen

Offline uwe

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Re: Minerale aus Johanngeorgenstadt
« Antwort #5 am: 29 Oct 11, 20:13 »
Hallo Jürgen,

bin gespannt, auf was für Ideen Du kommst, wenn Du Deine Probe hast.

Uwe

Offline smoeller

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Re: Minerale aus Johanngeorgenstadt
« Antwort #6 am: 29 Oct 11, 20:29 »
Hallo,

Bei dem grünen würd ich auch Zeunerit oder MK Zeunerit/Torbernit sagen, bei dem gelben ist definitiv eine Analyse nötig.

Nicht alle gelben Uranminerale fluoreszieren und nicht alle, die es tun, gleich stark. Insbesondere Cu (scheidet aus, würde grün färben), Pb,  Fe und Mg sind in Uranmineralen starke Fluoreszenzunterdrücker. Ca und Ba hingegen sind typische Elemente, die für starke Fluoreszenz sorgen. Reiner Novacekit (Mg) z.B. fluoresziert so gut wie nicht bis gar nicht, während geringe Ca-Gehalte (Mischkristalle mit Uranospinit) eine bräunliche Fluoreszenz verursachen. Stärkere Gehalte an Ca und/oder Ba verursachen eine gelbliche Fluoreszenz, die aber wesentlich unter der von Heinrichit (Ba) und Uranospinit (Ca) liegt.

Möglich wäre also durchaus ein gelbliches Uranmineral. Uranophan z.B. fluoresziert auch kaum bis gar nicht, ebenso eine ganze Reihe der selteneren Uranminerale.

Glück Auf!
Smoeller

Offline berthold

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Re: Minerale aus Johanngeorgenstadt
« Antwort #7 am: 29 Oct 11, 22:17 »
Hallo,

Zitat
bei dem Bild "Johannst grün" tippe ich mal ganz stark auf Zeunerit!

Zeunerit oder Torbernit war auch mein erster Gefanke.

Gruß
Berthold

Offline uwe

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Re: Minerale aus Johanngeorgenstadt
« Antwort #8 am: 30 Oct 11, 10:41 »
Natürlich war auch mein erster Gedanke: Ein Uranglimmer. Aber bei näherer Betrachtung muß ich feststellen, daß der Charakter der Kristallanordnung und die größe der Einzelkristalle bei Zeunerit und Torbernit anders sind. Ich stelle nochmal ein Bild rein. Bildbreite etwa 3 mm. Uranglimer wachsen nicht so feinkörnig, oder? Außerdem sind die Kriställchen alle glasklar, während Pakete aus Zeunerittäfelchen nach meiner Erfahrung undurchsichtig sind.

Aber nun warte ich erst mal die Meinung der anderen, welche dieses Material erhalten haben, ab.

Gruß
Uwe

Offline geomueller

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Re: Minerale aus Johanngeorgenstadt
« Antwort #9 am: 30 Oct 11, 19:27 »
Hallo uwe,

Außerdem sind die Kriställchen alle glasklar, während Pakete aus Zeunerittäfelchen nach meiner Erfahrung undurchsichtig sind.

dem ist durchaus nicht so (siehe Beispielbild), solche klasklaren idiomorphen Zeuneritkristalle sind z. B. auch aus Schneeberg bekannt, auch aus den neueren Funden von der Kirchgasse.

Deutschland/Baden-Württemberg/Freiburg, Bezirk/Ortenaukreis/Oberwolfach/Grube Clara
Minerale aus Johanngeorgenstadt


Gruß Jürgen

Offline raritätenjäger

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Re: Minerale aus Johanngeorgenstadt
« Antwort #10 am: 31 Oct 11, 10:41 »
Hallo,

Phosphuranylit, Walpurgin, Yingjiangit und solche Scherze gibt es auch in Johannstadt.

Das abgebildete würde ich auch alles für Uranglimmer halten. Torbernit bzw. Zeunerit wäre auch meine Vermutung, eher noch Torbernit, der war dort ja noch häufiger.

Gruß
Andreas

Offline uwe

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Re: Minerale aus Johanngeorgenstadt
« Antwort #11 am: 31 Oct 11, 17:14 »
Habe heute mal etwas von der grünen Kruste auf Kupfer getestet (in konz. Salpetersäure gelöst und mit Ammoniumhyroxyd im Überschuß versetzt). Keine Spur einer Blaufärbung. Der Test kann natürlich schief gelaufen sein, aber Johannit, Zeunerit und Torbernit sind für mich wieder fraglich, wobei auch ich zuletzt für Zeunerit war.

Gruß
Uwe

Offline geomueller

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Re: Minerale aus Johanngeorgenstadt
« Antwort #12 am: 31 Oct 11, 18:08 »
Hallo alle,
ich wiederhole noch einmal meine Frage

was sagt denn eigentlich das Strahlenmessgerät zu dem Material, wie hoch ist die gemessene Strahlung?

oder hat das noch keiner geprüft, da kein Gerät vorhanden?

Gruß Jürgen

Offline uwe

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Re: Minerale aus Johanngeorgenstadt
« Antwort #13 am: 31 Oct 11, 18:40 »
Das Material ist garantiert radioaktiv. Die ominöse grün(gelbe Paragense befindet sich in Mikrofissuren, welche alle in einer Spaltrichtung liegen. Auf Rissen, welche im Winkel zu diesen Flächen stehen befinden sich winzige blasse Uranglimmer, welche grün fluoreszieren. Es fluoreszieren also nur Flächen einer Ebene, während die andere Ebene (grün/gelb) absolut nicht fluoresziert.

Die Uranglimmer sorgen in jeden Fall für Radioaktivität. Es läßt sich somit schwer herausfinden ob alles oder nur die Uranglimmer radioaktiv sind.

Uwe

Offline uwe

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Re: Minerale aus Johanngeorgenstadt
« Antwort #14 am: 01 Nov 11, 19:14 »
Es müßten ja nun einige von uns das Material erhalten und unter's Mikroskop gelegt haben. Was ist denn Eure Meinung?

Von meiner Kupferprobe mal abgesehen - je länger ich die grünen Kristalle anschaue um so mehr denke ich, daß es doch Zeunerit ist.

Uwe

 

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