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Die perfekte Stufe

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Tobi:
Eine interessante Diskussion! Ich selbst sammle ja auch nach ästhetischen Aspekten, einfach nur Belege brauche ich nicht, hebe höchstens von besonderen Mineralien (klassischer Fundort, seltene Paragenese oder Ausprägung etc.) mal einen auf, ansonsten muss es mir schon "gefallen". Auf der einen Seite registriere ich hier in vielen Threads eine gewisse Abneigung gegen diesen Sammelstil, da einige das als charakterloses, steriles Sammeln von Kaufobjekten bezeichnen. Wir haben das oft ausdiskutiert und müssen das hier nicht erneut tun. Jedoch fällt mir, und damit zum Ausgangsthema dieses Threads zurück, selber auf, dass das Sammeln "perfekter" Stufen teilweise eine recht schräge Richtung einschlägt.

Klar gibt es gewisse einheitliche Vorstellungen davon, was eine Stufe perfekt und hochwertig macht, solche Auflistungen wie die von Mario Pauwels (der man als Deutschsprachiger durchaus ganz gut folgen kann) geben da ein recht klares Bild von ab. Mir fällt z.B. jene von Stuart Wilensky ein, der ja nun als Händler der mitunter teuersten und erlesensten Mineralstufen der Welt gilt: http://www.wilenskyminerals.com/about/criteria/

Wenn ich mir das durchlese, dann gehe ich als Sammler schöner Mineralien natürlich weitgehend d'accord, aber so manches Mal finde ich diese Richtlinien auch zu streng ausgelegt, vor allem bei Sammlern jenseits des Atlantik. Damit spreche ich auf hier bereits genannte Aspekte an, z.B. auf Gedeih und Verderb Beläge abzulösen, zu sandstrahlern oder durch Tauchbäder irgendwas zu entfernen, bis wirklich nur noch ein künstlich bearbeitetes Stück "Perfektion" übrig bleibt. Und das ist meiner Meinung nach auch absolut nicht Sinn der Sache. Ich stehe total auf ästhetische Mineralien, aber wenn ich oben lese, dass man bei Wulfeniten aus Los Lamentos Begleitmineralien wegstrahlt, damit der Wulfenit nur mit möglichst großem Kontrast auf einer sterilen, weißen Matrix sitzt - dann kann ich da nur mit dem Kopf schütteln! Ein toller Wulfenit aus Los Lamentos ist ein Traum, wünsche ich mir für meine Sammlung auch - aber einen mit weggefrästem Begleitmineral würde ich nicht haben wollen. Dann sind wir nämlich wirklich fast so weit, dass die Mineralien KUNST STATT NATUR sind, und das sollte nicht das Ziel sein!

Anderes Beispiel wäre Fluorit aus China: Ich sehe manchmal (für mich grottenhässliche) Stufen, bei denen die Kristalle freigeätzt wurden und wie aufgeklebt auf weißem Gestein sitzen. Bei manchem amerikanischen Händlern kostet ein solches Gebilde dann so viel wie ein VW Golf. Ich, der echt total auf chinesische Mineralien steht, würde so ein Teil nicht haben wollen! Dann, ganz ehrlich, doch lieber einen, der mit Calcit überkrustet ist oder so und eine tolle natürliche Bildung darstellt. Zu viel Manipulation ist einfach nicht gut.

Das Gleiche gilt für den totalen Wahn, absolut perfekte Stufen ohne auch nur die kleinste Beschädigung oder den kleinsten verheilten Kristall oder sonstwas haben zu wollen. Das gipfelt dann darin, dass man in Tucson marokkanische Vanadinite für 3000 Dollar kaufen kann, nur weil wirklich jeder Kristall ohne die kleinste Schramme ist und sie alle perfekt ausgebildet sind. Die gleiche Stufe gibt es auf einer deutschen Börse für 30 Euro, dafür sind dann eben ein paar Kristalle eben nicht absolut perfekt. Klar, zerbrochene Kristalle und beschädigte Stufen sind ägerlich und nicht erstrebenswert, wenn sie unter der Beschädigung leiden. Aber mal eine kleine Schramme oder so an einer insgesamt sehr schönen Stufe, wo ist das Problem?!

Ästhetische Gesichtspunkte hin oder her: In meiner Sammlung finden sich zahlreiche Stufen, bei denen die "Perfektion" darunter "leidet", dass sie z.B. von anderen Mineralien überkrustet sind. Nie im Leben würde ich die entfernen wollen. Ich habe diese Stufen nicht trotz, sondern WEGEN ästhetischer Aspekte! Von daher muss man denke ich einen Unterschied machen zwischen "normalen" Ästhetik-Sammlern wie mir und vielen anderen hier, die Mineralien als Natur sehen und erleben und die daran sogar schätzen, dass Mineralien trotz all ihre Regelmäßigkeiten eben auch mal Fehler aufweisen und man an ihnen Entstehungsprozesse erkennen kann, und dann solchen, die ein Begleitmineral wegstrahlern lassen, nur weil dann der Farbkontrast zwischen dem Hauptmineral und der Matrix zu 20 % intensiver ist. Das finde ich selber nicht normal und das ist meiner Meinung nach dann wirklich nichts weiter als Status- bzw. Kunstobjekte sammeln, mit Freude an den Schätzen der Natur hat das nichts zu tun.

Tobi

Sebastian:
Hallo,
jedem das seine... mehr muss dazu nicht sagen.
Denn alle Kriterien sind subjektiver Natur.
Man kann Mineralien nicht wirklich in so ein enges Gerüst von Faktoren zwängen.
Es sind so viele Faktoren dabei vorhanden ob einem die Stufe gefällt oder nicht,
da kann man nicht mit der Liste in der Vitrine umhergehen und sagen "weg, weg und der da auch...".
Aussehen mag ja ein Kriterium sein aber es gibt so viele mehr, die viele nicht verstehen, sondern nur ein jeder für sich.
Und das ist gut so.
Gruss Sebastian

Fluoritxx:
Hallo...jeder sammelt nach anderen Gesichtspunkten oder Themen und hat seine eigenen Vortsellungen wie eine bzw. seine Sammlung aussehen soll.Nur keiner sollte meinen beurteilen zu können wie eine Sammlung auszusehen hat denn dafür haben alle die verschiedensten persönlichen Gründe und Richtungen.Das muss auch jeder bei jedem anerkennen und akzeptieren.
Ob nun Eigenfunde,Belege oder Schaustufen.Da lass ich vor den Schaustufen das Wort perfekt weg denn wer will beurteilen ob etwas perfekt ist oder nicht.Das kann keiner ...es ist dann immer für denjenigen selber Perfekt aber ob es andere auch so sehen weis man nicht.
Das einzigste womit ich Probleme habe ist das herummanipolieren an Mineralien Stufen.
Da fehlt für mich dann irgendwie das natürliche originale und so wie es ürsprünglich gefunden wurde.
Aber auch da macht das eben jeder so wie er es für richtig befindet.

endeavour-minerals:
Hallo,
es ist schön dass diese Diskussion sachlich verläuft und nicht polarisiert wird, wie so oft bei diesem Thema. Danke

Zum Thema: Es ist so dass es viele verschiedene Stilrichtungen für das sammeln von Mineralien gibt. Mario Paulwels tendiert klar in die künstlerische Richtung, was ja auch ok ist. Dieser Trend oder Stilrichtung kommt so wie ich das sehe aus den USA, wo eine bestimmte Klientel von Sammlern und Händlern diese Stilrichtung als hohe Schule des Mineraliensammelns ausgelobt hat. Oft werden Mineralien die in dieses Schema passen in Magazinen und Hochglanzprospekten abgelichtet, was diesen Trend klar fördert. Und da ist der Knackpunkt für mich, es wird vielleicht unbewusst nur eine Stilrichtung überproportional beworben bzw. forciert, dies ist aber perspektivisch negativ für die „Nachwuchsförderung“. Es ist wie beim Hochsprung, hängt die Latte zu hoch, kann sie nicht überwunden werden und somit sinkt auch die Motivation überhaupt Hochsprung zu betreiben.

Einen nächsten Punkt den Mario Paulwels anspricht ist der, wenn ich es richtig verstanden habe, das man auf Börsen lieber nichts kaufen soll als irgendwelche Frustkäufe zu tätigen. Das ist im Grunde ja richtig, aber wenn ich zu 5 Börsen fahre und nur auf einer Börse einen entsprechenden Kauf tätige, sagen wir mal im 200-300 Euro Bereich, dann habe ich aber inklusiver aller Spritkosten auch zu den anderen Börsen am Ende für diese Stufe ein vielfaches mehr ausgegeben, auch wenn sie vielleicht ein Schnäppchen war. Die Rechnung von Mario Paulwels hat somit einen gewaltigen Pferdefuß. Zumal die Stücke die diese Kriterien erfüllen sehr selten zum Schnäppchenpreis zu haben sind, diejenigen die so etwas anbieten wissen meist schon was sie haben.

Wiegesagt bei dieser Stilrichtung bleiben viele Mineralien und auch Fundorte auf der Strecke, weil sie einfach nicht in das Schema passen, wenn das geistig befriedigt dann ist das ok. Aber wer sich intensiv mit seinen Mineralien, den jeweiligen Fundorten oder der Historie beschäftigt, entwickelt ein anderes Verhältnis dazu und wird automatisch von diesen Kriterien abrücken. Und sicher ist es schön die eine oder andere Stufe dieser Qualität in der eigenen Sammlung zu haben, aber nur solche Stufen ist einfach,in meinen Augen eine absolute Reizüberflutung, man verliert dann schnell die Begeisterung für die banalen Stufen.

Ingo

Klinoklas:
Hallo,

ich habe bei so manchen "Wir kaufen ganze Sammlungen" Händler ein mieses Gefühl.
Es ist klar, dass sie an die "German Classics" wollen, aber dafür wird über Leichen gegangen.
Die Sammlungen werden von toten Sammlern für einen Appel und ein Ei aus der Portokasse
gekauft. Nur einzelne Stufen werden dann für ein vielfaches wieder verkauft.

Nicht so gute Stücke landen bei denen wahrscheinlich im Bauschuttcontainer.
Dabei geht sicher der eine oder andere wirklich seltene, aber nicht unbedingt schöne
Schatz für immer verloren.

Gruß
René

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