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Wachstumsphänomene an Kristallen

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Embarak:
Hallo,

Klasse thread ! Lese mit großem Interesse mit, da mein kristallografisches Hintergrundwissen hier dünn wird.
Daher eine Verständnisfrage:
So ist für mich beim Rutil und Hämatit eine Epitaxie noch leicht zu erkennen.

Die Anordnung von Bixbyiten auf Topas habe ich dagegen bisher für willkürlich gehalten und sehe keine orientierte Verwachsung.
Dazu hier mal ein web-Foto:
http://www.watzlminerals.com/img/Updates/20100407/MC18-b.jpg
Ich erkenne die Verbindung vom orthorhombischen Topas zum kubischen Bixbyit nicht. Wo ist die Heteroepitaxie?
Auf der oben gezeigten grafischen Darstellung scheint der Bezug erkennbar, aber auf den beiden äußerst faszinierenden Fotos
sehe ich nur eine Homoepitaxie von Bixbyiten entlang einer Störung im Topas.

Habe beim Stöbern noch ein altes Paper entdeckt :
Orientation of bixbyite on topaz ; Pabst, Adolph, 1938 : Am.Mineralogist, v. 23, p. 342-347

Gruß
Norbert

cmd.powell:
Hallo

Ich halte die Bixbyite auf dem Topas für keine Epitaxie, vielmehr scheint hier der (für mich nicht ganz ersichtliche) Bruch in dem Topas als bevorzugte Kristallisationsfläche gedient zu haben, ähnliche wie das Ausfällen von Kristallen aus einer gesättigten Lösung durch Reiben oder andere mechanische Einflüsse. Das ist sicher nicht 1:1 Vergleichbar, aber der Mechanismus dürfte ähnlich sein. Auf jeden Fall erscheinen die einzelnen Bixbyitkristallfächen nicht exakt genug ausgerichtet zu sein, um eine Epitaxie anzuzeigen. Es schaut eher wie bei den Beryllen auf dem Turmalin von Andreas aus, auch wenn die Bixbyite nich ganz so kaotisch erscheinen. Das mag aber auch daran liegen, das die Bixbyite eher isometrisch sind und nicht prismatisch wie der Beryll, so fallen Winkelunterschiede nicht so sehr auf.
Nichts desto trotz sind das interessante Stücke.

@Norbert: Für eine "erfolgreiche" Epitaxie ist es nicht zwingend nötig, das beide Minerale im selben Kristallsystem kristallisieren, sondern das die Gitterparameter in der Epitaxieebene zusammenpassen. Und diese Epitaxieebene weicht nicht selten von den kristallographischen Hauptachsen ab, so das man letztlich recht viele Möglichkeiten für Kombinationen bekommt. Allerdings müssen nicht nur die Gitterparameter passen, sondern auch die Ionen bzw. Atom/Molekülgruppen müssen zueinander passen. Eine Epitaxie wird wohl kaum entstehen, wenn die Gitterparameter zwar passen, an den entsprechenden Gitterpunkten aber jeweils gleichgeladene Ionen sitzen.

Embarak:
Hallo

@cmd.powell. Vielen Dank für die Erklärung ! Es hatte mich gewundert, daß bei Rutil und Hämatit eine klare Epitaxie erkennbar ist,
zumal dabei trigonal und tetragonal aufeinander treffen. Dadurch wurde mir klar, daß es bei Epitaxien nicht nur auf das Kristallsystem
ankommen kann.
Auf welche Parameter bezieht sich die Fehlerangabe bei Epitaxien in Prozent?

Gruß
Norbert

berthold:
Hallo,

wie aus dem genannten AM-Artikel hervorgeht ist  Epitaxie von Bixbyit auf Topas möglich und von der Thomas Range bekannt. Das Foto in der Arbeit zeigt schon Ähnlichkeit mit den Fotos hier. Bei dem Foto von Josef scheinen mir bestimmte Kristallflächen jedes Kriställchens im Licht zu reflektieren, was ein starker Hinweis auf Epitaxie ist. Beim zweiten Foto vom Manfred ist es etwas schwerer erkennbar, doch auch da würde ich sagen, ja, das ist eine (Hetero-) Epitaxie.

Warum die Kristalle in einer Linie angeordnet sind wird in dem AM-Artikel nicht geklärt. Ich halte die Vermutung einer Wachstumsstörung (z.B. wie Josef schreibt als Flächendefekt) für plausibel.

Gruß
Berthold

Krizu:
Hallo,

die Prozentangaben sind die Gitterfehlanpassung. Wenn der Kristall A in Richtung [xyz] einen Gitterabstand von 1nm hat und der Kristall B in seiner [abc] Richtung 1,1nm hat ist die Gitterfehlanpassung 10% ;-)

MfG

Frank

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