Hallo,
Das fragliche Stück in dem Eingangspost halte ich für Fluorapatit. Härtetest gibt Auskunft (Stahlnadel sollte Apatit ritzen oder zumindest kratzen, Beryll ritzt die Nadel).
Zum Pinitproblem: Ohne zumindest ein paar Bilder ist da nix zu machen. Es gibt in der Literatur des 19. Jhd. eine geradezu inflationäre Anzahl von Bezeichnungen: Pinit, Pinitoid, harter und weicher Fa(h)lunit, Gigantolith, Oosit, die letztlich alle für Pseudomorphosen von Schichtsilikaten (Glimmer, Illit, Tonminerale etc.) nach einem mehr oder weniger prismatischen oder säuligen Silikat gebräuchlich waren. Viele dieser "Minerale" (im 19. Jhd. wurden sie als Mineral (oder gern auch Fossil) gewertet) sind seither nur unzureichend untersucht. In manchen Fällen ist es tatsächlich Cordierit, in anderen Fällen dürften es Glimmer (Biotit nach Muskovit oder umgekehrt?, z.B. durch Metamorphoseereignisse), Feldspäte, evtl. sogar Hornblenden, Pyroxene, in seltenen Fällen auch Beryll gewesen sein. Sobald kein Ausgangsmaterial mehr erhalten ist, wirds schwierig. Bei manchen Metamorphiten lässt sich anhand der Zusammensetzung der gebildeten Minerale noch eine Geschichte des Gesteins rekonstruieren (p-T-Pfad) und daraus auf evtl. abgebaute Edukte rückschließen, in anderen Fällen ist es schwierig.
Im Falle eines Pegmatites wie in Irfersgrün würde ich erstmal die naheliegensten Minerale betrachten anstatt Cordierit. Was ist mit Turmalin, Beryll und Feldspat? Eine Verglimmerung ist bei allen (zumindest in der Theorie) möglich. Alle diese Minerale sind im Pegmatit enthalten. standen also zur Verfügung. Über die Elemente Bor (Turmalin) und Beryllium (Beryll) würde ich mir da keine Gedanken machen. Warme oder heiße wässrige Lösungen sind dafür recht aufnahmefähig. Es ist durchaus möglich, dass dieselben Lösungen, die den Pinit bildeten, später zur Neubildung von Beryll als Aquamarin oder von Turmalin in den Drusen gesorgt haben, wobei die Bestandteile dazu aus dem "Pinit" stammten. Aber das ist leider ohne entsprechende Messungen und Massenbilanzierung nur Spekulation. Soll jetzt nur zeigen, dass es durchaus Alternativen zum Cordierit gibt.
Cordierit ist zwar durchaus aus Graniten und deren Pegmatiten bekannt, nur sind dies in der Regel eher solche Granite (sog. S-Typ-Granite), die durch Assimilation von Material aus der Unterkruste an Aluminium angereichert sind (peraluminous granites, Zweiglimmergranite, Muskovitgranite). Dazu gehört der Kirchberger Granit meines Wissens nicht. Beispiele solcher Zweiglimmergranite aus Süditalien (Kalabrien) zeigen tatsächlich Cordierit, der tw. in Biotit umgewandelt ist (Pinit im eigentlichen Sinne).
Glück Auf!
Smoeller