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Neues Mineralienportrait - Granate und Granat-Supergruppe
kks:
Hallo,
Literatur habe ich auch nicht zur Hand, aber als Zwillingsgesetz beim Granat kommt eigentlich nur das Spinellgesetz (111) in Frage. Allerdings gibt es doppelbrechende Granate, bei denen man an Symmetrieerniedrigung und entsprechende Zwillingsbildung denken könnte.
Gruß,
Klaus
Rockhounder:
Hallo,
Spinellzwilling klingt schon einleuchtend.Aber Symmetrieerniedrigung und Doppelbrechung bei kubischen xx?
Bei einem Zwilling müsste doch die Symmetrie erhöht sein,oder versteh ich da irgendwas falsch? ;)
Gruß Norbert
Collector:
Hallo Mark, Klaus, Holger
Literatur / Referenzen zu Zwillingen bei Granaten (isometrische (besonders Ugrandite) und tetragonale) gibts in ganz großer Menge im Internet. Dass es solche Zwillingsbildung - per se - gibt, ist seit langem bekannt und ist kein Thema mehr. Ich habe Euch ein paar Referenzen angehängt). Ansonsten könnt Ihr die vielen Seiten googeln, ist aber sehr zeitaufwendig.
Ob es - sagen wir mal - echte, makroskopisch sichtbare und als solche erkennbare Zwillinge gibt, kann ich nicht beurteilen, da ich mich bei meinen Recherchen auch mit den Angaben "ansonsten" verlässlicher internationaler Sammler und Händler "bediene" (was aber nicht heißt, dass ich mich darauf verlasse). Ob die gezeigten Bilder Parallelverwachsungen zeigen oder ob dies Zwillinge sind, ist anhand eines 2-dimensionalen Bildes auch nicht unbedingt beweisbar; hier steht das Wort des Original-Beschreibers (i.d.F. der anbietende Dealer).
Und - bitte vergesst nicht und / oder verzeiht mir - ich bin weder Mineraloge noch Kristallograph - nur ein Mineraliensammler mit Spaß an Mineralien-Journalismus und Freude daran, alle Facetten, die Geschichte und die besten Vorkommen eines Minerals zu entdecken und zu beschreiben.
Referenzen:
*Anthony, E.B., Gemologist; Lets Talk Gemstones; 2006; http://www.attawaygems.com/NMFG/Lets_talk_gemstones_Garnet_Group.html; cited: “…..Twinning occurs frequently in andradite and grossular garnets, and color zoning is the norm.”
*Deer, W.A., Howie, R.A., Zussman, J., 1997; Rock-forming Minerals: Volume 1A : Orthosilicates
*Standish, R.B., 1973; Zoned Garnet from Grested Butte, Golorado ; American Mineralogist, Volume 58, pages 840-842, 1973; “….Anisotropic andradite from Crested Butte, Colorado, shows oscillatory zoning and
dodechttps://www2.imperial.ac.uk/earthscienceandengineering/rocklibrary/viewminrecord.php?mID=107ahedral twinning...“
*https://www2.imperial.ac.uk/earthscienceandengineering/rocklibrary/viewminrecord.php?mID=107
Hi Mark
".....Der Uwarowit ist laut Unterschrift ein Titanit...." Ik begrijp niet ???
Gruß
Peter
kks:
--- Zitat von: Rockhounder am 26 Dec 12, 23:17 ---
Bei einem Zwilling müsste doch die Symmetrie erhöht sein ...
--- Ende Zitat ---
Nicht zwangsläufig. Zwilling heißt zunächst einmal nur, dass (mindestens) ein Symmetrieelement auftritt, das am ursprünglichen Kristall nicht vorhanden ist. Dies bewirkt in jedem Fall eine Änderung der Symmetrie, aber führt häufig, verm. sogar meistens, tatsächlich zu einer höheren Symmetrie (sog. mimetische Zwillinge). Es gibt aber auch Fälle, wo die Verzwillingung die Symmetrie erniedrigt, wie z.B. beim Japanerzwilling des Quarzes.
Weiter ist Symmetrieerniedrigung gerade bei kubischen Kristallen ein Thema, denn diese haben ja bereits eine sehr hohe Symmetrie. Es sind viele Fälle bekannt, wo z.B. bei hohen Temperaturen gebildete kubische Kristalle bei der Abkühlung eine Phasenumwandlung zu einer niedriger symmetrischen Phase erleiden und dann unter Beibehaltung der äußeren, kubischen, Gestalt intensiv verzwillingen, wie etwa Argentit, Perowskit oder Cristobalit, oder auch, nicht kubisch, Quarz.
Symmetrieerniedrigungen können auch etwa durch Einbau von Fremdionen verursacht werden, was man vielleicht für die doppelbrechenden Granate vermuten könnte.
Eine kurze Übersicht über Zwillinge findet sich unter http://www.crystallography.fr/mathcryst/twins.htm
@ Peter:
Da gibt es nichts zu verzeihen, im Gegenteil: Du gibst Dir enorme Mühe, eine umfassende und korrekte Darstellung zu erreichen, die man auch ohne Studium verstehen kann, und es kann bei der Fülle des Materials überhaupt nicht ausbleiben, dass manche Fragen nicht vollständig beantwortet werden, zumal, wenn -wie hier- die Experten selbst nicht so recht Bescheid zu wissen scheinen. Ich danke Dir jedenfalls sehr für Deine wichtigen Beiträge.
Gruß,
Klaus
Uwe Kolitsch:
Zur Lit. kann ich auch was beisteuern - detallierte Untersuchungen an nicht-kubischen Uwarowit-Mischkristallen:
Andrut, M. & Wildner, M. (2001): The crystal chemistry of birefringent natural uvarovites: Part I. Optical investigations and UV-VIS-IR absorption spectroscopy. Am. Mineral. 86, 1219-1230.
Andrut, M. & Wildner, M. (2001): The crystal chemistry of birefringent natural uvarovites: Part II. Single-crystal X-ray structures. Am. Mineral. 86, 1231-1251.
[Es gibt trikline, monokline und orthorhombische Proben; die Symmetrieerniedrigung wird hauptsächlich durch Ordnung von Cr3+ und Al3+ auf den Oktaederpositionen verursacht.]
Andrut, M. & Wildner, M. (2002): The crystal chemistry of birefringent natural uvarovites: Part III. Appliction of the Superposition Model of crystal fields with a characterization of synthetic uvarovite. Physicas and Chemistry of Minerals 29, 595-608.
Andrut, M., Wildner, M. & Beran, A. (2002): The crystal chemistry of birefringent natural uvarovites: Part IV. OH defect mechanisms in non-cubic garnet derived from polarized IR spectroscopy. European Journal of Mineralogy 14, 1019-1026.
Und Lit. zu Granditen:
Shtukenberg, A. G., Punin, Yu. O., Frank-Kamenetskaya, O. V., Kovalev, O. G. and Sokolov, P. B. (2001): On the origin of anomalous birefringence in grandite garnets. Mineralogical Magazine 65, 445-459.
Siehe hierzu auch:
Kahr, B. & McBride, J. M. (1992): Optically anomalous crystals. Angewandte Chemie 104, 1-28. (in German.)
Foord, E. E. and Mills, B. A. (1978): Biaxiality in 'isometric' and 'dimetric' crystals. Am. Mineral. 63, 316-325.
Foord, E. E. & Cunningham, C. G. (1978): Thermal transformation of anomalously biaxial dimetric crystals. Am. Mineral., 63, 747-749.
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