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Welches Gestein ist für ein atomares Endlager geeignet?

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Alcest:
Schon. Die sind doch aber nach ein paar Jahren weg? Das I hat eine HWZ von knapp einer Woche, Sr und Cs 30 Jahre. Kein Material, was die Umwelt Millionen von Jahre belasten würde.

Sebastian:
Radioaktive Abfälle aber sind nur in den seltensten Fällen isotopenrein. In aller Regel enthalten sie Mischungen verschiedenster Nuklide mit sehr unterschiedlichen Halbwertszeiten. Dadurch wird das exponentielle Abklingen außer Kraft gesetzt. Beispielsweise enthält der Werkstoff Aluminium außer dem chemischen Element Aluminium stets auch Beimischungen von Kupfer und Zink und Spuren von Nickel und Cobalt. Alle diese Elemente aktivieren sich durch Neutroneneinfang, wenn der Werkstoff in einem Reaktor eingesetzt wird. Nach dem Ende der Neutronenbestrahlung dominiert zunächst die zuvor erwähnte kurzlebige Radioaktivität des Aluminiums. Nach zehn Minuten aber sinkt die Gesamtaktivität nicht exponentiell weiter, sondern es tritt die langlebigere Aktivität des aktivierten 64Cu in den Vordergrund. Nach zwei Wochen ist auch das 64Cu so gut wie weg, nun aber zeigt sich die noch langlebigere Aktivität von 65Zn mit einer Halbwertszeit von 244 Tagen. Es kann deshalb sein, dass man das Werkstück viele Jahre lang sicher verwahren muss, bevor die Gesamtaktivität vernachlässigbar ist.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Radioaktiver_Abfall#Anfallende_und_angefallene_Mengen
Gruss Sebastian
(das meinte ich auch mit informieren  ;D)

Alcest:
Natürlich verfälschen "Mischungen" diese Milchmädchenrechnungen. Trotzdem gibt es diese dominierenden Nuklide wie Co-60, die Rückschlüsse zulassen. In der Uni hatte ich mal reine Proben mit den bekannten Isotopen von Cs, Sr, Co, Am und I, die Anfang der 90er "gebaut" wurden. Bei diesen konnte nach diesen 20 Jahren kaum noch Zerfälle gemessen werden. Das waren insgesamt rund 25 Proben, von denen vielleicht 3-4 für eine Gammaspektroskopie getaugt haben.

Auch wurde dort Silber mit Neutronen beschossen. Die Aktivität war anfangs sehr hoch, nach 5 Minuten war Ruhe. Sicherlich sind die Mengen im Endlagerungsbereich einige Größenordnungen höher. Doch ob dieses "Verseucht für alle Ewigkeit" passt, wage ich zu bezweifeln.

Das driftet vom ursprünglichen Thema aber ab. Dazu denke ich, ist das Gestein zweitrangig. Überlegungen, welches Gestein geeigneter wäre, sind meiner Ansicht nach einfach in dem Sparwillen der Politik zu suchen. Ich bezweifle, dass es technisch nicht möglich ist, den ganzen Kram sicher in dichte, unterirdische Kammern zu bringen. Wenn eine solche Kammer dicht ist, interessiert das den Bims obendrüber nicht. Nur bezahlen will für Müll natürlich niemand. Genauso wenig wie für Hochschulbildung oder Aufklärung über Radioaktivität, die über den 5-Minuten Tschernobyl-Kurzfilm hinausgeht.

ElDjem:
Stand Januar 2013 nach über 50 Jahren: zivile Nutzung der Atomkraft

"ich weiss, dass die Wissenschaft nix weiss" - mal provokativ zusammengefasst.

Wieviel atomarer Müll fällt jeden Tag auf Planet Erde an? Danke für den Blick in die Zukunft.

Und wie soll das jetzt weiterlaufen? Dass der Geigerzähler im Handy Pflicht ist oder? Damit ich sofort gewarnt bin - falls ich an einem strahlenden Müll vorbei laufe. Kurzzeit bestrahlt mache ja nix. So alt werden wir nicht - wo sich das auswirken würde.

Bin echt schockiert - dass die Experten die 5 Möglichkeiten auf Erde nicht einfach auf einer Karte markieren können -obwohl jeder weiss - dass es nur so viele sind, sondern sich die Atomwissenschaftler weiterhin nur - in meinen Augen - bewusst nicht einigen - weil dann keine Forschungsgelder mehr fliessen würden.

Also nochmal: WO in Deutschland soll der Atommüll hin? Nähe Wertingen? da sind Tonlagerstätten?

berthold:
Hallo,

und was ist z.B. mit Plutonium? In einem Leichtwasserreaktor mit 1300 MW elektrischer Leistung entstehen jährlich ca. 313 kg Plutonium. Davon sind 176 kg Pu-239, 74 kg Pu-240, 46 kg Pu-241 und 17 kg Pu-242. Soweit man daraus keine neuen Brennstäbe macht (Wiederaufbereitung - entsprechend Atomgesetz § 9 a Abs. 1 seit 2005 für deutsche Brennelemente verboten) bleibt nur die Endlagerung. Die Halbwertszeit von Pu-239  ist  24.110 Jahre.


--- Zitat ---Dazu denke ich, ist das Gestein zweitrangig.
--- Ende Zitat ---
Ganz im Gegenteil, das ist für einen langfristigen Abschluss von der Biosphäre ist das der entscheidende Faktor.

Wo in Deutschland ein Endlager gebaut wird ist eine politische Entscheidung, nicht eine Entscheidung von Geologen. Die Forscher (in diesem Fall die BGR) beraten die Bundesregierung, sammeln Fakten und geben ihre Einschätzung in Studien weiter. Wie sich das darstellt vermittelt z.B. die Kristallinstudie:  http://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Endlagerung/Downloads/Schriften/3_Wirtsgesteine_Salz_Ton_Granit/BGR_kristallinstudie.pdf?__blob=publicationFile&v=4

Gruß
Berthold

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