Das Fehlen nichtpflanzlicher Fossilien in der SMFFAußer den Pflanzenresten (Kieselhölzer und Holzabdrücke in Limonit, Blattabdrücke, Pollenfloren) sind in der SMFF anscheinend keine weiteren Fossilien überliefert, obwohl – in einem „braided-river“-Flusssystem mit einem riesigen Einzugsgebiet und wohl unterschiedlichen Wald- und Auwaldhabitaten – eigentlich mit einer reichen Säugetierfauna (bzw. allgemeiner Wirbeltierfauna) ebenso wie – in Stillwasserbereichen – mit einer arten- und individuenreichen Molluskenfauna zu rechnen wäre.
Die SMFF wurde daher im Lauf der Forschungsgeschichte auch als „Fossilarme Serie“ oder „Fossilleere Serie“ bezeichnet (
vgl. Nehyba & Roetzel 2010, 52).
Es stellt sich also die Frage, warum (abgesehen von Spurenfossilien im Holz) nur die pflanzlichen Fossilien überliefert wurden – dieses Problem soll hier zur Diskussion gestellt werden.
War das Ablagerungsmilieu eventuell zu sauer für Tierknochen und Molluskenschalen? Das wäre für fluviatile Ablagerungen zwar ungewöhnlich, aber die Flüsse und Bäche im Mühl- und Waldviertel (Böhmische Masse) weisen auch heute einen auffallend niedrigen pH-Wert auf (teils unter 6,0; Böden im Mühlviertel sogar mit 5,73 als Mittelwert !).
Oder wurden kalkige Komponenten erst nach der Ablagerung aufgelöst? Diese Möglichkeit erscheint fast plausibler.
Die Schotter und Sande bestehen vor allem aus sauren/silikatischen Bestandteilen (Quarz, Granit, Gneis, etc.), und sind darin mit anderen fluviatilen Sedimenten in Niederösterreich vergleichbar. So sind z.B. auch bei alten Donau-Schotterterrassen aus der Grenze Plio-/Pleistozän im Raum Krems (aber auch in der Umgebung von Wien) zumindest oberflächennahe die kalkigen Gerölle nicht mehr vorhanden (durch sekundäre Entkalkung vergangen), sondern vor allem Silikate übrig geblieben.
Dann stellt sich aber die Frage, warum dies bei den Ablagerungen der HMF („Urdonau“; sh.:
http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,30292.0.html ) etwas anders ist. Die HMF datiert zwischen die beiden anderen bisher angeführten Schotterkörper (Pannonium, Obermiozän) – hier sind aber (neben Kieselhölzern in den grobklastischen und Blattabdrücken in den pelitischen Anteilen) sehr wohl (und sogar ziemlich häufig) auch fossile Tierknochen (und teilweise auch abgerollte Austernschalen aus umgelagerten/aufgearbeiteten marinen Sedimenten) erhalten, obwohl die Schotter ebenfalls überwiegend aus silikatischen Komponenten bestehen, und kalkige Gerölle meist nur in einem sehr untergeordneten Anteil auftreten (bzw. in einigen wenigen Aufschlüssen gar nicht nachzuweisen waren).
Allerdings ist die Zusammensetzung der HMF-Schotter stark schwankend, in wenigen Aufschlüssen sind sogar die Sedimentgesteine dominierend (
Nehyba & Roetzel 2004, 196-197).
Aber auch in Bereichen mit sehr hohem Quarz- und sehr niedrigem Sedimentgestein-Anteil sind hier reiche Sägetierfunde bekannt, so z.B. aus Hohenwarth (im westlichen Teil) oder im Gebiet des Hollabrunner Waldes (im mittleren Teil der HMF).
Eventuell spielten dabei zusätzlich zum chemischen Milieu unterschiedliche klimatische Bedingungen eine Rolle?
Andererseits dürften aber auch die (ursprünglichen, ungeachtet eventueller sekundärer Entkalkung) Sedimente der SMFF nicht allzu extrem sauer sein. So gibt es einen Marmor-Anteil bei den Geröllen (
Nehyba & Roetzel 2010, 50) und sehr selten auch aufgearbeitete mesozoische Sedimentgesteine (vgl.
Ellenberger et al. 1948, zit. bei
Nehyba & Roetzel 2010). Dies ist auch an der Vegetation erkennbar. So konnten im Bereich der SMFF – wenn auch selten – Pflanzen beobachtet werden, die kalkliebend (bzw. von einem basischen bis neutralen Boden abhängig) sind, und im Waldviertel sonst nur auf Löss oder miozänem Kalksandstein oder sonst irgendwie kalkigen Böden vorkommen, aber nie auf reinen (sauren) Kristallin-Verwitterungsböden – so z.B.
Cypripedium calceolus.
Könnte es also eventuell auch in den feinsandig-siltig-tonigen Lagen einen gewissen (geringen) Karbonatanteil geben? Oder ist das Vorkommen von Pflanzen, die keine sauren Böden mögen, durch den Anteil kaolinitischer Silte/Tone (kaolinisierter Feldspat; angeblich pH 6-7 bei 100 g Kaolin auf 1 l H
2O) verursacht? Denn nach
Wimmer-Frey (1999; zit. bei
Nehyba & Roetzel 2010, 56) sollten die Ablagerungen der SMFF karbonatfrei sein.
Ich komme hier also zu keinem schlüssigen Ergebnis, und kenne auch keine Literatur, die dezidiert auf diese Frage eingeht. Vielleicht hat jemand von euch Ideen oder Hinweise dazu?
Oben noch nicht angeführte Quellen:
• Nehyba und Roetzel 2004: The Hollabrunn-Mistelbach Formation (Upper Miocene, Pannonian) in the Alpine-Carpathian Foredeep and the Vienna Basin in Lower Austria – An example of a Coarse-grained Fluvial System. Jb. Geol. B.-A. 144/2, 2004, 191 ff.
• Wimmer-Frey (1999): Mineralogische und granulometrische Untersuchungen an tertiären Sedimenten in den Bezirken Horn und Hollabrunn. In: R. Roetzel (Hrsg.), Arbeitstagung der Geologischen Bundesanstalt Retz 1999, Wien 1999, 60-70.
• Sicherheitsdatenblatt Kaolin:
http://www.carl-jaeger.de/PDF/SD/KAOLIN.PDF• pH-Wert Fließgewässer und Böden Böhmische Masse:
http://www.lfvooe.at/reviere-und-angelgewaesser/artenschutzprojekt-muehlviertler-stammforelle/ http://www.land-oberoesterreich.gv.at/cps/rde/xbcr/ooe/Infoblatt_aggressive_Waesser_GTW.pdf http://www.google.at/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=3&ved=0CC0QFjAC&url=http%3A%2F%2Fwww.bmlfuw.gv.at%2Fdms%2Flmat%2Fland%2Flaendl_entwicklung%2Fevaluierung%2Fle_studien%2Fauswertungooe%2F44_Auswertungen-der-Bodenuntersuchungsaktion-Ober-sterreich%2F44_Auswertungen%2520der%2520Bodenuntersuchungsaktion%2520Ober%25C3%25B6sterreich.pdf&ei=X91QVKC4HoXSaKnbgig&usg=AFQjCNFBMYt8t-n8ZH3ncfuGP-G4Xzg8Kg&bvm=bv.78597519,d.d2s http://www.trinkwasserinfo.at/trinkwasserqualitaet/trinkwasserbefund/