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Autor Thema: Niederösterreich: Oligozänes Kieselholz der St. Marein-Freischling-Formation  (Gelesen 38617 mal)

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Offline Harald Schillhammer

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Oliver, während die ersten 4 Bilder tatsächlich nach Frassspuren aussehen (eine Größenangabe wäre hilfreich), habe ich bei der zweiten Serie eher den Eindruck als wären das Verwitterungsspuren.
Übrigens, Frassgänge von Insektenlarven sind so gut wie nie gewunden, sondern fast immer geradlinig, entweder senkrecht in das Kernholz hinein (viele Bock- und Prachtkäfer) oder parallel zur Borke wie bei den Kambium"fressern" (z.B. Borkenkäfer). Selbst die denditenartigen Frassgänge der Borkenkäfer sind im Prinzip gerade.
lg

Offline oliverOliver

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hallo Harald,
besten Dank für deine Einschätzung !

eine Größenangabe wäre hilfreich

Ich weiß, hab mich selber ziemlich geärgert, dass ich die Fotos Anfang Mai blöderweise nicht mit Maßstab fotografiert habe -  :-[ - jetzt sind die Stücke leider schwer greifbar (verpackt und aus Platzmangel auswärts gelagert). Aber die größere ovale Spur vom ersten Stück (Foto 1+2) hat grob geschätzt etwa 0,5 x 1 cm, während die kleinen Löcher beim zweiten Stück (alle übrigen Fotos) so um die 1 - 3 mm variieren dürften.

während die ersten 4 Bilder tatsächlich nach Frassspuren aussehen, habe ich bei der zweiten Serie eher den Eindruck als wären das Verwitterungsspuren.

Die Fotos 3+4 sind vom selben Stück wie die Fotos 5-8 (die zugegebenermaßen ungünstige Aufteilung auf die beiden postings erfolgte wegen der Anhangs-Beschränkung, nicht wegen der Zusammengehörigkeit !). Während 3+4 einen "lockereren" Bereich zeigen, wo die lineare Anordnung noch ersichtlich ist, stammen 5-8 aus dem "dichteren" Bereich, wobei ich vermute, dass das "Punktwirrwarr" zumindest teilweise durch eine Überlagerung mehrerer ursprünglich annähernd linearer Anordnungen entstand - sieht zumindest bei der "Großansicht" in manchen Randbereichen so aus (z.B. Foto 5 - rechts oben; Foto 6 - von links unten bis Mitte-unten annähernd horizontal und dann schräg nach rechts oben ziehend; Foto 8 - ebenfalls die untere, leicht geschwungen verlaufende Punkt-Linie).
« Letzte Änderung: 11 Jun 13, 22:26 von oliverOliver »

Offline Harald Schillhammer

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Aha, so klein ist das also. Da kann dann natürlich sehr vieles in Frage kommen - nicht nur Käfer :). Wie auch immer, an Überlagerung glaube ich nicht, denn offensichtlich spüren die Viecher genau wo schon gefressen wurde. Ich habe jedenfalls in der Natur noch nie erlebt, dass sich Frassgänge verschiedener Individuen überschnitten hätten - ich bin aber auch nicht allwissend. Ich weiss zwar nicht ob ich dann eine genauere Aussage treffen könnte, aber das Stück in natura zu sehen würde sicher mehr bringen, v.a. aus Gründen der Orientierung, weil du mir sicher sagen könntest welcher Teil des "Baumes" das war und wo "vorne und hinten" ist :).

lg

Offline oliverOliver

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Aha, so klein ist das also.

Vielleicht täusch ich mich in der Erinnerung auch um den einen oder anderen Millimeter - aber zumindest die Größenordnung der Angabe müsste stimmen.

Zitat
das Stück in natura zu sehen würde sicher mehr bringen

Lässt sich sicher mal einrichten - danke für das Begutachtungs-Angebot ! Wie gesagt, mein Problem ist, dass meine Sammlungen mittlerweile auf vier (!) Standorte in NÖ und OÖ aufgeteilt sind (ich bräuchte ein eigenes Haus ...)

Zitat
weil du mir sicher sagen könntest welcher Teil des "Baumes" das war und wo "vorne und hinten" ist
Das ist bei den durch Kompaktierung oft stark gequetschten Stücken gar nicht immer so einfach, wie man meinen möchte - aber so grob sollten wir das schon hinkriegen ...  ;)

Zitat
an Überlagerung glaube ich nicht, denn offensichtlich spüren die Viecher genau wo schon gefressen wurde. Ich habe jedenfalls in der Natur noch nie erlebt, dass sich Frassgänge verschiedener Individuen überschnitten hätten
Ich glaub auch nicht, dass sich ein Käfer / eine Larve direkt durch den (mit deren Hinterlassenschaften gefüllten !  ;D ) Gang eines/r anderen frisst – aber wenn sich die Fraßspuren ganz knapp über- bzw. untereinander kreuzen, oder/und sehr dicht nebeneinander liegen (Ausweichmanöver ?), könnte das vielleicht in einer gedachten Schnitt-„Ebene“ (die Fläche ist ja nicht ganz eben) so ähnlich aussehen. Es sind ja auf der sichtbaren Fläche manche Spuren stärker, andere seichter eingetieft. Hab mal kurz schematisch aufgezeichnet, wie ich mir das unbedarfterweise in etwa vorstelle.
Kann natürlich auch sein, dass ich völlig daneben liege !
« Letzte Änderung: 11 Jun 13, 17:48 von oliverOliver »

Offline oliverOliver

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Aufschlüsse in der SMFF – Teil 3:

Als nächstes im „Aufschlüsse-Unterthema“ – nach der Unterbrechung durch die Insekten – eine kleine, ebenfalls längst aufgelassene Grube bei Freischling (Foto 1). Ich dachte lange, dass die zweite namensgebende Grube die große, mittlerweile völlig verfüllte zwischen Freischling und Maiersch gewesen wäre. Eventuell war es aber doch eher diese kleine, anscheinend ältere Grube direkt am Ortsrand von Freischling (und nicht die oben im ersten Beitrag angegebene), weshalb sie hier extra angeführt wird.
Das Profil zeigt ebenfalls die typische Abfolge von Sanden, mehr oder weniger stark von Eisenoxiden verfärbt, mit zwischengeschalteten Schotterbändern und Siltlagen (Fotos 2+3).
Auch hier findet sich heute keine Spur von Kieselhölzern, und ich weiß auch nicht, ob in dieser Grube jemals welches gefunden wurde – anzunehmen ist es aber.
 Graben im Sediment, um dies zu überprüfen, würde jedoch, wie generell in der SMFF, aufgrund des - bezogen auf das Sedimentvolumen - doch relativ seltenen Vorkommens und der anscheinend unregelmäßigen Verteilung der Hölzer in den Sanden, ohnehin keinen Sinn machen.

Offline oliverOliver

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Aufschlüsse in der SMFF – Teil 4:

Wie (ganz) oben geschrieben, kommen die meisten Kieselhölzer heute von landwirtschaftlich genutzten Flächen, besonders dort, wo Schichten mit grobem Schotter an die Oberfläche treten. Hier nur ein paar Blicke auf solche Schotterstreuungen, um das charakteristische Erscheinungsbild dieser oberflächig aufgeschlossenen Sedimente zu veranschaulichen, welches sich meist (aber nicht immer !) doch recht deutlich von dem der jüngeren tertiären Schotter (wie etwa der HMF oder der Laa-Fm) unterscheidet. Letztere weisen – grob vereinfacht gesagt – meist einen höheren Anteil besser gerundeter Quarzkiesel kleinerer Fraktion auf, und zudem sind (oft, aber nicht immer) eine größere Anzahl unterschiedlicher Gesteinskomponenten enthalten. So sind etwa in den beiden jüngeren genannten kieselholzführenden Formationen – neben den auch in der SMFF auftretenden Chalzedon- und Jaspisgeröllen – auch mesozoische Hornsteine relativ häufig vorhanden, und auch Geschiebe aus kalkigen, manchmal fossilführenden Sedimenten (nordalpinen Ursprungs oder aus der Flyschzone) kommen – aufgrund der abweichenden Einzugsgebiete – manchmal vor. Solche Sedimentgerölle habe ich in der SMFF bisher erst sehr vereinzelt gefunden, und wenn, dann leider meist in uneindeutiger Fundlage.
Sie sind aber um so spannender, denn sie könnten Hinweise auf ehemalige, heute völlig wegerodierte marine mesozoische Sedimente am Ostrand der Böhmischen Masse liefern (wenn sie nicht überhaupt Ferntransporte etwa aus böhmischen Kreidegebieten sind, wofür theoretisch die Möglichkeit bestünde, die Wahrscheinlichkeit aber relativ gering ist; siehe unten).
Solche (anscheinend überwiegend jurassische) Hornsteine, deren Ursprungsgebiet wir derzeit noch nicht genau zuordnen können, weil es die primären Vorkommen (mesozoische Gesteine) heute anscheinend einfach nicht mehr gibt, kommen auch in jüngeren Sedimenten vor – besonders häufig in der Laa-Fm. Aber auch aus der marinen Fels-Fm (unteres Eggenburgium) sind sie bekannt (Steininger und Roetzel 1999).

Exkurs / Ergänzung zur Möglichkeit des eventuellen Ferntransports mesozoischer Gerölle in die SMFF:
Ein Link zu einem Beitrag über Entwässerungssysteme aus dem böhmischen Kreidebecken nach Südosten – siehe besonders die Abb. gleich zu Beginn:
http://www.kreidefossilien.de/news/forschung-bcb-entwaesserungssysteme-im-boehmischen-kreidebecken
Diese bereits in der Kreide vorgezeichnete Rinne dürfte ja, wie bereits eingangs erwähnt, zumindest teilweise auch das Flusssystem der SMFF genutzt haben – vgl. dazu Abb. 1 und 19 in Nehyba und Roetzel 2010 (vollständiges Zitat im ersten Beitrag).
Zur Ausrichtung der Becken und der Entstehung von Siliziten siehe auch Abb. 3 und Kapitel 6.3. in der Dissertation von Ralf Lehr:
http://www.opus.ub.uni-erlangen.de/opus/volltexte/2008/982/pdf/RalfLehrDissertation_NEU_13_MB.pdf
Exkurs-Ende
.

Zu den Fotos:
(Foto 1): Zuerst eines von der Schotterstreuung auf Feldern im südlichen Teil des Horner Beckens / Kamptal – eher großkörnige, mäßig gerundete Komponenten. Von hier hab ich einige kleinere, zum Teil schön abgerollte („naturgetrommelte“) Holzstücke.
(Foto 2): Dann eines von den Äckern am Ostrand des Horner Beckens (bzw. eigentlich schon knapp außerhalb desselben) – viele kleine, ziemlich gut gerundete Quarze, aber auch deutlich größere, schwach bis mäßig gerundete Brocken. Hier gibt es zwar angeblich Kieselholz, ich hab aber bisher noch keines gefunden.
edit: nach aktuellem Stand der geologischen Forschung werden diese Schotter nicht mehr zur SMFF gezählt, sondern zur miozänen Rodingersdorf-Fm (oberes Eggenburgium) !!
(Foto 3): Als drittes eines von den Flächen im Ost-West verlaufenden Beckenast westlich von Horn – mit einem hohen Anteil an kaum gerundetem lokalem Kristallin-Schutt (die eckigen Kristallinkomponenten können zum Teil aber auch Reste von jüngeren Schuttdecken sein, das ist nicht immer ganz klar aufzuschlüsseln). Hier liegen auch die bekannteren Fundstellen.

• Steininger und Roetzel 1999: F. F. Steininger und R. Roetzel, Mesozoikum (Erdmittelalter). In: F. F. Steininger (Hrsg.), Erdgeschichte des Waldviertels, SchrR. Waldviertler Heimatbund 38, Horn-Waidhofen/Thaya 19992, 73 f.
« Letzte Änderung: 19 May 25, 13:59 von oliverOliver »

Offline oliverOliver

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Zum Abschluss ein Blick über das Horner Becken, von Westen aus gegen Osten Richtung Horn (Foto 4), und als Nachtrag noch zwei Landschaftsfotos aus dem im obigen Beitrag letztgenannten Fundgebiet, Blickrichtung ebenfalls annähernd von Westen nach Osten (Foto 5+6).

Offline oliverOliver

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Seltsame Bohrgänge …

So, hier kurz ein Beitrag, den ich vorgezogen habe, weil’s zu den kürzlich behandelten „Fraßgängen“ passt – eigentlich wollte ich vorher erst was zum „Rostholz“ der SMFF schreiben (auch das gibt’s hier, nicht nur das weitaus bekanntere Kieselholz), das kommt dann demnächst …
Es handelt sich – wie sollte es anders sein – wieder mal um ein Problem  :).
Ich habe hier ein Stück in Limonit-Erhaltung mit “seltsamen“ Bohrgängen (Fotos unten). Seltsam deshalb, weil die Sedimente der SMFF ja fluviatile Ablagerungen sind, diese Bohrgänge aber so aussehen, als würden sie von Terediniden (Bohrmuscheln, marin) stammen.
Die Erklärung liegt möglicherweise darin, dass der Fund aus einem Bereich stammt, wo bereits die frühe Transgression im unteren Eggenburgium (Mold-Fm) fassbar ist, nämlich aus dem Mittelteil des Nord-Süd-verlaufenden Kamptalabschnittes (Gebiet um Maiersch – Plank – Freischling).

Das Stück ist leider nicht besonders gut erhalten. Die Holzstruktur ist weitgehend aufgelöst, Abdrücke davon sind kaum noch bzw. nur sehr partiell erkennbar, eigentlich handelt es sich nur mehr um einen Limonit-Sandstein bzw. „eisenschüssiger Sandstein“ mit den Steinkernen der Teredinidae(?)-Gänge, als Holz kann das Stück kaum angesprochen werden. Das könnte eventuell aber wiederum eine Zuordnung zu den Terediniden bestärken – Stücke in entsprechender Erhaltung kommen in der mehr oder weniger zur SMFF gleichzeitigen marinen Melk-Fm vor.

Eine sichere Bestimmung der Spuren wäre wichtig, weil dann – falls wirklich Bohrmuschel – die Limonithölzer in diesem Fundbereich bereits ins Untermiozän bzw. ins Untere Eggenburgium, also den allerjüngsten Abschnitt der SMFF, datiert werden könnten. Auch die Sedimente mit den Limonithölzern müssten dann klarerweise bereits aus der Transgressionsphase im Unter-Eggenburgium stammen, und damit nicht mehr rein fluviatil, sondern schon marin beeinflusst sein, und wären dem bereits weit nach Norden verschobenen / zurückgedrängten Ästuar des Flusses zuzuordnen.
Schade dass die große Grube bei Maiersch bereits zuplaniert ist – dort waren ja diese jungen, z.T. brackischen Sedimente (Austernbank) vom Übergang der SMFF zur Mold-Fm gut aufgeschlossen (siehe oben) – jetzt fehlt mir da aber leider die Vergleichsmöglichkeit.
Nach Fig. 19 – final depositional stage – in Nehyba und Roetzel 2010 dürfte jedenfalls die Teredinidae?-Fundstelle auch in diesem späten Abschnitt der SMFF noch (knapp) außerhalb des marin beeinflussten Bereiches liegen …..

Nach einem Profil an der Fundstelle könnte der Bereich mit dem Rostholz – und aus dem anscheinend auch das „?Teredinidae?“-Stück stammt – aber auch die Füllung einer etwas jüngeren, in die eigentliche SMFF eingeschnittene Rinne sein – ich weiß aber nicht ob es so was dort gibt, und hab deswegen mal Reinhard Roetzel angeschrieben mit der Bitte um geologische Aufklärung – die Antwort wird ich euch natürlich mitteilen …..
Sollte diese von mir angedachte Interpretation stimmen, könnte es sich eventuell um eine Fließrinne im Gezeitenschwankungsbereich („Rückflussrinne“ ?) handeln.

Oder alles ist viel einfacher, und es handelt sich bei den Gängen doch um Insektenfraßspuren – eventuell von größeren Käfern / Käferlarven ? Allerdings glaube ich das eher nicht – die kenne ich in dieser Form aus der SMFF nicht (was nichts heißt), aber vor allem: an der Grenze der Steinkerne zum umgebenden Gestein ist partiell eine ausgewitterte „Nahtstelle“ erkennbar – dabei dürfte es sich wohl die ehemalige, im sauren Milieu aufgelöste Kalkauskleidung der Bohrmuschel-Gänge handeln, falls ich mit meiner Inerpretation nicht (wieder einmal) völlig daneben liege.
« Letzte Änderung: 29 Jul 13, 22:08 von oliverOliver »

Offline oliverOliver

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Hier nun die versprochene Antwort von R. Roetzel - danke für die rasche Aufklärung !
Passt also eh alles  :) !
"Da es sich in diesem Raum (...) nicht mehr um rein fluviatiles System, sondern bereits um ein Ästuar handelt (geht aus den Sedimentstrukturen hervor), das eng mit dem marinen Bereich in Wechselwirkung steht, darf darin auch Teredo vorkommen. In einem Ästuar, das durch Gezeiten dominiert wird, kann sogar Holz wieder durch den Flutstrom zurück in den fluviatil dominierten Bereich transportiert werden. Ist eine schöne Beobachtung, die für die Faziesinterpretation wichtig ist.
Reinhard"
« Letzte Änderung: 29 Jul 13, 22:08 von oliverOliver »

Offline oliverOliver

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Limonithölzer („Rostholz“) aus der SMFF – Teil 1:

Manchmal lassen sich in der SMFF auch Abdrücke in Limonit bzw. limonitisierte Holzreste finden, sie sind aber anscheinend im Gesamtgebiet eher selten und nur bereichsweise etwas häufiger. Ich kenne sie bisher nur aus dem westlichen Horner Becken und aus dem Süden (Kamptal).

Vom westlichen Bereich habe ich ein offenbar stark verquetschtes Stück aus St. Marein. Es ist – im Gegensatz zu den „reinen“ Limonitkonkretionen von dort, die häufig zu finden sind – sehr bröckelig bzw. rissig. Deshalb – und auch wegen der Bruchform – habe ich den Verdacht, dass hier auch ein kohliger Anteil enthalten sein könnte, also eine limonitisch-kohlige Erhaltung vorliegt (Foto 1-2). Das Stück war zwar aufgefroren (ich hatte es schon im Winter gefunden, aber liegen gelassen, da wegen der angefrorenen Sand- und Lehmkruste keine eindeutige Holzstruktur erkennbar war – als ich es im Sommer „wiederfand“, war leider schon viel abgebröckelt), aber andere Limonithölzer der SMFF (aus dem Südteil) sehen auch nach mehrmaligem Frieren/Tauen nicht so aus, ganz im Gegenteil bleibt dort die massive Limonitbildung kompakt erhalten. Bei diesem Exemplar ist nur an einem sehr kleinem Teilstück die Holzstruktur makroskopisch bzw. unterm Fadenzähler erkennbar (Foto 3-4). Es zeigt aber eindeutig auch einen anderer Aufbau als die dort sonst üblichen plattigen bis schaligen Limonitkonkretionen (die ebenfalls weitgehend frostresistent sind).
Manchmal treten hier (in St. Marein) jedoch Limonitkrusten bzw. teils recht große, in den Wänden steckende „Röhren“ (aus schalig verschachtelten Platten mit lockerer Füllung) auf, die auf den ersten Blick wie Holz aussehen, aber offenbar keines sind – eventuell handelt es sich um die Limonitummantelung ehemaliger, aber vor der Verkieselung vergangener Hölzer bzw. Stämme (siehe Foto 3 in AW#10, ganz links). Es wäre dann zu erwarten, dass in den innersten „Schalen“ dieser – immer horizontal liegenden ! – röhrenartigen Konkretionen auch Stücke mit Holzabdrücken zu finden sein sollten, was mir bisher aber nicht gelang. Sollten diese aber so minimal erhalten sein wie beim gezeigten Stück, wären sie im Gelände mit freiem Auge aber auch kaum zu entdecken.

Offline oliverOliver

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„Große Hölzer“ aus der SMFF
Wie eingangs erwähnt (erster Beitrag dieses Themas), handelt es sich bei den Kieselhölzern aus der SMFF ja meist um „handliche“ Stücke,  größere Funde sind aufgrund der Sandgrubenstilllegungen und der industrialisierten Landwirtschaft mit intensivem Einsatz immer schwererer Maschinen heute eine Rarität. Trotzdem kann man manchmal (wobei „manchmal“ schon eine schamlose Übertreibung ist) noch solche Stücke der Gewichts- bzw. Massenkatergorie „um/über 10 kg“ (bzw. bis ca. 15 kg) finden (sh. z.B. das Stück mit Astloch in AW #5).
„Richtig große“ Hölzer mit Längen um/über 0,5 m und von entsprechender Massivität – „schmale Späne“ und dünne/flache „Bretter“ von dieser Länge gibt es ein klein wenig häufiger – sind jedoch wirklich ausgesprochen selten. Für diese schweren Brocken habe ich mit meiner Freundin während unserer Touren den Kurzbegriff „Großholz“ geprägt. Wenn wir unterwegs sind, und sie schreit „Großholz !“, dann weiß ich, dass ich wieder mal ein Transportproblem habe – was aber ohnehin nur äußerst selten vorkommt. 2012 hab ich beinahe meine gesamte Freizeit – und das war dank Teilzeitanstellungen und flexibler Arbeitszeit doch relativ viel – in der SMFF verbracht, habe aber (zum Glück ?) „nur“ drei Stücke in dieser Größenordnung gefunden (was ohnehin schon sehr viel ist, wie ich mittlerweile weiß).
In meiner Naivität dachte ich mir natürlich, dass das so weiter geht – aber heuer (2013) hab ich kein einziges Exemplar dieser Dimension gefunden, obwohl ich kaum weniger intensiv holzsuchend in der SMFF unterwegs war – es könnte sich also um reines Anfängerglück gehandelt haben ….  ;)
Allerdings war 2013 für mich in der SMFF allgemein ein deutlich schlechteres Jahr als 2012.

Von allen 3 Stücken habe ich schon einmal Fotos ins Forum gestellt:
erstes: http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,7054.msg231028.html?PHPSESSID=lvorruhjvh5f4vtjbvq1to61b3#msg231028
zweites: http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,7054.msg235709.html#msg235709
und http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,31505.msg244491.html#msg244491
drittes: http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,7054.msg237463.html#msg237463 .

Daher stelle ich hier jetzt nur ein Geländefoto vom ersten, die Außenseite samt Detail vom zweiten und eine alternative Ansicht vom dritten ein.
Angeblich haben aber die Bauern im Horner Becken früher beim Pflügen manchmal noch weitaus größere und massivere Kieselhölzer gefunden – ich habe aber bisher noch keines dieser „legendären“ Stücke selbst gesehen (mit Ausnahme des Altfundes im Krahuletzmuseum, siehe den ersten Beitrag). Und auch bei Erdbaumaßnahmen sollen gerüchteweise erst in jüngster Zeit wieder ganz gewaltige Stücke zum Vorschein gekommen sein, die aber angeblich von den Arbeitern – trotz Aufklärung über zu erwartende Funde seitens lokaler Sammler – nicht geborgen, sondern wieder zugeschüttet und überbaut wurden. Da blutet das Herz eines jeden Kieselholzfans !

Foto 1: mein erstes großes SMFF-Holz während der Bergung.
Foto 2: mein zweites, Außenansicht.
Foto 3: dto., Detail.
Foto 4: mein drittes „großes“ (andere Ansicht als in obigem link).
« Letzte Änderung: 06 Nov 13, 19:19 von oliverOliver »

Offline oliverOliver

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Holz aus der SMFF im www
Wie eingangs erwähnt, liegen Kieselhölzer aus der SMFF in vielen Sammlungen. Dementsprechend ist von den „klassischen“ Fundstellen auch einiges an Fundfotos im wwww zu finden. Hier nur einige Beispiele.

Ein Album auf den f-Seiten von P.C. Huber:
http://www.facebook.com/media/set/?set=a.324498207615686.79871.214606828604825&type=3
Aus der Sammlung von Th. Eder (auf unterschiedlichen Unter-Seiten):
http://www.eder-thomas.at/mineralien&fossilien.html
Und natürlich auch auf der website von Wolfgang Putz !
http://www.yamadori-bonsai.info/Putz_VerstHolz_Europa_Austria.html
Sowie einzelne Stücke auch auf folgenden Seiten:
http://members.aon.at/eseitz/page_9_1.html
http://mineralienzimmer.heimat.eu/VersteinertesHolz-01.htm

Offline oliverOliver

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Ich hab oben (AW #25) von den großen „schmalen Spänen“ geschrieben – hier mal so ein Stück (Foto 1). Ziemlich selten, weil meistens, wenn sie längs zerteilt sind, brechen sie auch quer.
Sieht fast aus, als hätte jemand Brennholz gespalten, ohne es vorher auf Scheitlänge zu sägen ….  ;)
Und auch zu den „Brettern“ ein Beispiel (Foto 2). Ist am Bild kaum/nicht zu erkennen, aber das Stück ist trotz seiner Größe ganz dünn.
(sorry für die Fotoqualität – hab die Stücke auswärts zwischengelagert und kann daher dzt. keine neuen Fotos machen).

p.s.:
beides Funde von 2012 - heuer leider keine Stücke mehr in dieser Größenordnung gefunden ...  :(
« Letzte Änderung: 26 Dec 13, 19:19 von oliverOliver »

Offline oliverOliver

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Das Fehlen nichtpflanzlicher Fossilien in der SMFF

Außer den Pflanzenresten (Kieselhölzer und Holzabdrücke in Limonit, Blattabdrücke, Pollenfloren) sind in der SMFF anscheinend keine weiteren Fossilien überliefert, obwohl – in einem „braided-river“-Flusssystem mit einem riesigen Einzugsgebiet und wohl unterschiedlichen Wald- und Auwaldhabitaten – eigentlich mit einer reichen Säugetierfauna (bzw. allgemeiner Wirbeltierfauna) ebenso wie – in Stillwasserbereichen – mit einer arten- und individuenreichen Molluskenfauna zu rechnen wäre.
Die SMFF wurde daher im Lauf der Forschungsgeschichte auch als „Fossilarme Serie“ oder „Fossilleere Serie“ bezeichnet (vgl. Nehyba & Roetzel 2010, 52).

Es stellt sich also die Frage, warum (abgesehen von Spurenfossilien im Holz) nur die pflanzlichen Fossilien überliefert wurden – dieses Problem soll hier zur Diskussion gestellt werden.

War das Ablagerungsmilieu eventuell zu sauer für Tierknochen und Molluskenschalen? Das wäre für fluviatile Ablagerungen zwar ungewöhnlich, aber die Flüsse und Bäche im Mühl- und Waldviertel (Böhmische Masse) weisen auch heute einen auffallend niedrigen pH-Wert auf (teils unter 6,0; Böden im Mühlviertel sogar mit 5,73 als Mittelwert !).
Oder wurden kalkige Komponenten erst nach der Ablagerung aufgelöst? Diese Möglichkeit erscheint fast plausibler.
Die Schotter und Sande bestehen vor allem aus sauren/silikatischen Bestandteilen (Quarz, Granit, Gneis, etc.), und sind darin mit anderen fluviatilen Sedimenten in Niederösterreich vergleichbar. So sind z.B. auch bei alten Donau-Schotterterrassen aus der Grenze Plio-/Pleistozän im Raum Krems (aber auch in der Umgebung von Wien) zumindest oberflächennahe die kalkigen Gerölle nicht mehr vorhanden (durch sekundäre Entkalkung vergangen), sondern vor allem Silikate übrig geblieben.
Dann stellt sich aber die Frage, warum dies bei den Ablagerungen der HMF („Urdonau“; sh.: http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,30292.0.html ) etwas anders ist. Die HMF datiert zwischen die beiden anderen bisher angeführten Schotterkörper (Pannonium, Obermiozän) – hier sind aber (neben Kieselhölzern in den grobklastischen und Blattabdrücken in den pelitischen Anteilen) sehr wohl (und sogar ziemlich häufig) auch fossile Tierknochen (und teilweise auch abgerollte Austernschalen aus umgelagerten/aufgearbeiteten marinen Sedimenten) erhalten, obwohl die Schotter ebenfalls überwiegend aus silikatischen Komponenten bestehen, und kalkige Gerölle meist nur in einem sehr untergeordneten Anteil auftreten (bzw. in einigen wenigen Aufschlüssen gar nicht nachzuweisen waren).
Allerdings ist die Zusammensetzung der HMF-Schotter stark schwankend, in wenigen Aufschlüssen sind sogar die Sedimentgesteine dominierend (Nehyba & Roetzel 2004, 196-197).
Aber auch in Bereichen mit sehr hohem Quarz- und sehr niedrigem Sedimentgestein-Anteil sind hier reiche Sägetierfunde bekannt, so z.B. aus Hohenwarth (im westlichen Teil) oder im Gebiet des Hollabrunner Waldes (im mittleren Teil der HMF).
Eventuell spielten dabei zusätzlich zum chemischen Milieu unterschiedliche klimatische Bedingungen eine Rolle?

Andererseits dürften aber auch die (ursprünglichen, ungeachtet eventueller sekundärer Entkalkung) Sedimente der SMFF nicht allzu extrem sauer sein. So gibt es einen Marmor-Anteil bei den Geröllen (Nehyba & Roetzel 2010, 50) und sehr selten auch aufgearbeitete mesozoische Sedimentgesteine (vgl. Ellenberger et al. 1948, zit. bei Nehyba & Roetzel 2010). Dies ist auch an der Vegetation erkennbar. So konnten im Bereich der SMFF – wenn auch selten – Pflanzen beobachtet werden, die kalkliebend (bzw. von einem basischen bis neutralen Boden abhängig) sind, und im Waldviertel sonst nur auf Löss oder miozänem Kalksandstein oder sonst irgendwie kalkigen Böden vorkommen, aber nie auf reinen (sauren) Kristallin-Verwitterungsböden – so z.B. Cypripedium calceolus.
Könnte es also eventuell auch in den feinsandig-siltig-tonigen Lagen einen gewissen (geringen) Karbonatanteil geben? Oder ist das Vorkommen von Pflanzen, die keine sauren Böden mögen, durch den Anteil kaolinitischer Silte/Tone (kaolinisierter Feldspat; angeblich pH 6-7 bei 100 g Kaolin auf 1 l H2O) verursacht? Denn nach Wimmer-Frey (1999; zit. bei Nehyba & Roetzel 2010, 56) sollten die Ablagerungen der SMFF karbonatfrei sein.

Ich komme hier also zu keinem schlüssigen Ergebnis, und kenne auch keine Literatur, die dezidiert auf diese Frage eingeht. Vielleicht hat jemand von euch Ideen oder Hinweise dazu?

Oben noch nicht angeführte Quellen:
• Nehyba und Roetzel 2004: The Hollabrunn-Mistelbach Formation (Upper Miocene, Pannonian) in the Alpine-Carpathian Foredeep and the Vienna Basin in Lower Austria – An example of a Coarse-grained Fluvial System. Jb. Geol. B.-A. 144/2, 2004, 191 ff.
• Wimmer-Frey (1999): Mineralogische und granulometrische Untersuchungen an tertiären Sedimenten in den Bezirken Horn und Hollabrunn. In: R. Roetzel (Hrsg.), Arbeitstagung der Geologischen Bundesanstalt Retz 1999, Wien 1999, 60-70.
• Sicherheitsdatenblatt Kaolin: http://www.carl-jaeger.de/PDF/SD/KAOLIN.PDF
• pH-Wert Fließgewässer und Böden Böhmische Masse:
 http://www.lfvooe.at/reviere-und-angelgewaesser/artenschutzprojekt-muehlviertler-stammforelle/
 http://www.land-oberoesterreich.gv.at/cps/rde/xbcr/ooe/Infoblatt_aggressive_Waesser_GTW.pdf
 http://www.google.at/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=3&ved=0CC0QFjAC&url=http%3A%2F%2Fwww.bmlfuw.gv.at%2Fdms%2Flmat%2Fland%2Flaendl_entwicklung%2Fevaluierung%2Fle_studien%2Fauswertungooe%2F44_Auswertungen-der-Bodenuntersuchungsaktion-Ober-sterreich%2F44_Auswertungen%2520der%2520Bodenuntersuchungsaktion%2520Ober%25C3%25B6sterreich.pdf&ei=X91QVKC4HoXSaKnbgig&usg=AFQjCNFBMYt8t-n8ZH3ncfuGP-G4Xzg8Kg&bvm=bv.78597519,d.d2s
 http://www.trinkwasserinfo.at/trinkwasserqualitaet/trinkwasserbefund/
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„Große“ Hölzer – Vol. 2

Nach einer „Großholzpause“ von zwei Jahren (!) hab ich jetzt endlich wieder mal ein etwas größeres Hölzchen in der SMFF gefunden – passender weise am Nationalfeiertag, den 26.10. !  ;D (das war allgemein ein gutes Wochenende – sh. auch http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,30395.msg276232.html#msg276232 ).
Es ist allerdings ein „Grenzfall“ – mit 55 cm zwar ziemlich lang, aber mit einer max. Breite von 27 cm bei einer max. Stärke von nicht ganz 20 cm doch bei weitem nicht so massiv wie die drei anderen – und daher zum Glück auch nicht ganz so schwer (es war noch beinahe problemlos transportierbar). Leider hatte ich an diesem Tag die Kamera nicht dabei, es gibt also keine Gelände- bzw. Fundsituations-Fotos.  :(
Das Stück hat zwar einen (älteren) Querbruch, der eignet sich aber gut als Standfläche (wenn man`s positiv sehen will). Die annähend trapezförmige Bruchfläche hat die Ausmaße 20/21 x 16/17 cm (Foto 3).
Am meisten freut mich aber, dass – abgesehen von einigen kleineren Beschädigungen – ansonsten die ehemalige Schwemmholzoberfläche gut erhalten ist, und teilweise eine schöne Struktur zeigt (Foto 4). Und auch die Zellerhaltung dürfte gut sein, soweit mit der Lupe an der Bruchfläche erkennbar. Leider aber ohne Astabgang oder sonstige Besonderheiten.
Aber immerhin – es gibt sie noch, die etwas größeren Brocken! Ich hab ja schon fast nicht mehr daran geglaubt, dass ich noch einmal so ein großes (und „schönes“) finde …

 

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