Die Legende von den blauen Kieselhölzern aus dem Horner BeckenAb und zu (bzw. immer wieder mal) taucht das Gerücht auf, dass es in den Sedimenten der SMFF im Horner Becken „blaue“ Kieselhölzer geben soll – was aber so definitiv
nicht zutrifft.
Was es manchmal gibt, sind silifizierte Hölzer, bei welchen sich in Rissen bzw. auf Spaltflächen eine hauchdünne Auflage aus blauem Chalzedon befindet – der aber niemals Holz war, sondern eine rein mineralische Bildung ist, und dementsprechend auch keine Holzzellen enthält. Das eigentliche Kieselholz selbst hingegen ist hier niemals blau. Gut zu sehen ist das an Stellen, wo die hauchdünne Chalzedonschicht abgeblättert ist wie spröder Lack – man könnte im übertragenen Sinn also beinahe sagen, das Holz ist äußerst farbenfroh „natürlich lackiert“ (ist natürlich Unsinn, dient aber zur Veranschaulichung).
Ich zeige hier mal ein solches Stück, das ich Anfang März gefunden habe. Die Funde an diesem Tag waren sehr bescheiden, und jenes Holz, das sowohl am besten als auch am größten gewesen wäre, war leider vom Pflug zertrümmert und dann den Winter über zusätzlich aufgefroren – ich hab jetzt also eine handvoll Bruchstücke und zudem eine Menge kleiner Splitter. Optimistisch wie ich bin, werde ich aber trotzdem versuchen, das Puzzle wieder zusammenzusetzen – daher habe ich den blauen Chalzedon (zumindest ein Stück davon) zuvor fürs Lexikon dokumentiert, weil er sich nämlich genau auf den Bruchflächen befindet, die dann ja nicht mehr sichtbar sein werden.

Niederösterreich: Oligozänes Kieselholz der St. Marein-Freischling-Formation

Niederösterreich: Oligozänes Kieselholz der St. Marein-Freischling-Formation
Eine zweite Möglichkeit, wie auch ein blauer Schimmer entstehen kann, gibt’s meiner Meinung nach auch noch – dazu habe ich aber jetzt erstens kein Belegstück zur Hand und müsste das zweitens auch noch einmal im Original überprüfen – nicht dass ich das damals falsch gesehen habe ….
Dabei handelt es sich um sehr dicht bzw. „glasig“ silifizierte/chalzedonisierte Hölzer von sehr dunkler (beinahe schwarzer bis violettbrauner) Farbe. Wenn bei diesen der durchscheinende Chalzedon (in diesem Fall nicht als Auflage, sondern als Fossilisationsmittel) oberflächlich verwittert/patiniert und somit weißlich anläuft, entsteht durch den dunkel violettbraunen Hintergrund ebenfalls ein bläulicher Farbton. So habe ich das zumindest in Erinnerung, ich will aber nicht ausschließen, dass es sich dabei in Wirklichkeit ebenfalls um einen „anorganischen“ Chalzedonüberzug gehandelt haben könnte – wenn mir mal ein solches Stück beim Umräumen unterkommt, werde ich das nachprüfen und darüber berichten …