Mineralien / Minerals / Minerales > Allg. Diskussionen Mineralien / General discussions minerals

Bestimmungssicherheit in Sammlungen

<< < (8/9) > >>

Lynx:
Hallo zusammen,

bei uns in der Lithothek gibt es Arbeitstreffen, bei denen wir uns anschauen, was in unserer Sammlung von einem Fundort in der Sammlung vorliegt. Üblicherweise sind wir etwa fünf Leute, die sich Stück für Stück anschauen, bewerten, Bestimmungen hinterfragen. Für eine Fundstelle kann es auch mal zehn Treffen brauchen, bis wir durch sind. Wohlgemerkt, die Sammlungsstücke snd aus unterschiedlichen Quellen, d.h. von unterschiedliche Personen und eventuell auch Ketten von Personen, in die Sammlung gekommen: Spenden, Sammlungsauflösungen, Zukäufe, Exkursionen unseres Vereins...
Das, was wir an Stufen bekommen, trägt meist schon eine Bezeichnung/Bestimmung. Und die wird eben in den Treffen hinterfragt - wobei wir versuchen, immer auch Spezialisten mit einzuladen -  und jetzt wird es interessant: wir stellen immer wieder fest, dass viele Bestimmungen gar nicht sicher sind - nicht einmal die Gruppenbezeichnung - durchaus auch bei Allerweltsmineralien.

Das mag z.B.ein Stück sein, was als Isokit bezeichnet ist (den es am Fundort gibt) - weiß jemand aus der Gruppe, wie Isokit aussieht? Ist das Stück interessant? Was ist die Paragenese? Lohnt sich eine Analyse? Wenn ja - verstehen wir das Ergebnis? Haben wir vom richtigen Material etwas zur Analyse gegeben? Weiss dann der Fotograf, was er Aufnehmen soll?
In einem anderen Fall war die Stufe mit Aurichalcit bezeichnet (Geschenk von einem Spender außerhalb der Gruppe). Am zugehörigen Fundort wird Aurichalcit genannt, aber Zweifel kommen auf: Malachit? Serpiert/Devillin? Da gibt es nicht eine Gruppenbezeichnung. So passiert es im übrigen häufig. (P.S.: Analyse ergab Serpiert).
In wieder einem anderen Fall liegt ein Strengt bezeichnetes Mineral vor. Interessante Paragenese - uns unbekannt. Nebenbei stellt sich dann heraus, dass es kein Strengit war sondern Preisingerit.
Und Bismutit ist wahrscheinlich nicht so häufig, wie es auf den Etiketten steht…

Was tun? Die ursprünglichen Bezeichnungen kommen meist nicht von uns, wir übernehmen zunächst die Stufen so, wie wir sie bekommen…

Also ein erstes Fazit der Arbeit:
1) 10 Augen sehen mehr als zwei, auch die interessante Paragenese neben dem eigentlichen Mineral…
2) Gruppennamen helfen nicht. Und auch zehn Augen können irren.
3) Jemand muss wissen, was wir unter der Bezeichnung XY auf der Stufe sehen sollten -  und der Fotograf sollte wissen, welche Stelle auf der Stufe er fotografieren muss…
4) Auch wenn wir das richtige Material zur Analyse gegeben haben, müssen wir (und auch der mit der Analyse Beauftragte) dann wissen, was das Ergebnis bedeutet (klingt trivialer als es ist). Es mag auch gelegentlich vielleicht etwas neues dabei sein. Und dann?
5) Schließlich müssen die Ergebnisse irgendwie irgendwo publiziert werden, und wenn man das als „Laie“ macht, wo geht man damit hin? (Nein, bitte jetzt nicht  auf Magazine mit bunten Mineralienbildern hinweisen)


Insofern finde ich es garnicht so schlecht, Dinge hier einzustellen und dann eben das Plenum zu haben, das hoffentlich die richtigen Fragen stellt.

Grüße, Martin

P.S. Ich wollte nur mal wieder auf de Idee hinweisen, dass Bilder von Referenzstufen (also inclusive Analysen) vielleicht hilfreich wären, manches Missverständnis aufzuklären.

Lynx:
Hallo zusammen

noch eine Ergänzung (Danke an Gerhard/Anatas ;-))

6) wenn dann bei der Eintragung hier im Atlas alle Läßlichkeiten wie dicke Finger, Verwechslung von Stufen/Fotodateien, Copy-Paste-Fehler, inkompatible Fundortbezeichnungen etc. durch aufmerksame Mitleser, hilfreiche Geister oder unser eigene Nachsuche korrigiert sind, stehen die Einträge im Atlas auch richtig drin...

;-)
Gruß, Martin

Lynx:
Und wie macht Ihr das? Das sind ganz ehrliche und ernst gemeinte Fragen, die jetzt kommen.

Wie geht Ihr mit Eurer Sammlung um? Habt Ihr Zugang zu Analysen? Sprecht Ihr  Eure Funde oder Käufe oder Täusche mit Sammlerkollegen regelmäßig durch?
Wie macht Ihr es in Eurer Sammlung mit >10'000 Stufen?
Was tut Ihr, wenn Ihr einen Nachlaß/ eine Sammlungsauflösung >3000 Stück übernehmt?
Was macht Ihr nach einem Kauf - analysieren lassen?
Wie viele von Euch haben einfachen Zugang zu Analysemethoden, wer kann solche Daten dann veröffentlichen?

Tatsächlich gehen in die Sammlung der Lithothek  einige Tausend (vielleicht eher gute zehntausend?) Mannstunden Arbeit pro Jahr - geleistet von den Mitgliedern des Münchner Micromountern und jenen des Lithothekvereins.. Wieviel Arbeit ist das bei Euch?

Liebe Grüße,
Martin

Axinit:
Servus Martin,

Du sprichst ein wichtiges Thema an. ich denke, ihr seid auf dem richtigen Weg - nach einigen Iterationen sollten sich viele Irrtuemer ausmerzen lassen.

Problematisch bleiben natuerlich all die Minerale, deren Bestimmung den Einsatz kostspieliger instrumenteller Analytik erfordert.

Nachstehend meine Antworten auf Deine Fragen.

GA

Harald



--- Zitat von: Lynx am 19 Oct 18, 18:01 ---

Habt Ihr Zugang zu Analysen?  Ja
Sprecht Ihr  Eure Funde oder Käufe oder Täusche mit Sammlerkollegen regelmäßig durch? Nein

Was macht Ihr nach einem Kauf - analysieren  Ja
Wie viele von Euch haben einfachen Zugang zu Analysemethoden, wer kann solche Daten dann veröffentlichen? Habe ich



--- Ende Zitat ---

Lynx:
Hallo Harald,

EDIT: Grad mitten im Tippen gabs einen Dicken Finger, eigentlich wollte ich noch mehr schreiben, also jetzt als Änderungsnachtrag...


Danke Dir für Deine Antworten!

Ich frage bewußt hier danach, was mit größeren Sammlungen passiert. Meine eigene ist klein... Da weiss ich eher, was ich tu. Andererseits weiss ich aber auch, dass immer wieder Leute Nachlässe übernehmen und das sind dann durchaus ein paar tausend Stück.
Daher die ernstgemeinte Frage. Aber natürlich trifft das auch kleinere Sammlungen. Das ist dann deutlich übersichtlicher und für Analysen leichter handhabbar. Aber wie Du richtig sagst
--- Zitat von: Axinit am 19 Oct 18, 18:14 ---
Problematisch bleiben natuerlich all die Minerale, deren Bestimmung den Einsatz kostspieliger instrumenteller Analytik erfordert.

--- Ende Zitat ---

Gruß




Gruss, Martin

Navigation

[0] Themen-Index

[#] Nächste Seite

[*] Vorherige Sete

Zur normalen Ansicht wechseln