Mineralien / Minerals / Minerales > Allg. Diskussionen Mineralien / General discussions minerals

Grube Clara radioaktive Mineralien?

(1/3) > >>

Markus Fuchs:
Hallo liebe Forum-Mitglieder,

ich arbeite derzeit meine Funde auf, die ich im April diesen Jahres auf den großen Halden der Grube Clara gefunden habe. Ich zerkleinere dazu das Material mit Hammer/Meißel und einer Steinpresse Zuber MP5 in meinem Kellerhobbyraum und bewahre die Mineralien anschließend in Micromountkästchen auf. Dabei staubt es natürlich auch ein wenig.

Nun meine Frage: Muss ich mir Sorgen wegen dem Einatmen von radioaktiven Mineralien in dem Feinstaub machen? Würdet ihr mir einen Mundschutz empfehlen? Ich bin mir fast sicher, dass unter meinen Funden auch einige uranhaltige Mineralien sind, zumindest bei einer Probe mit gelb/orangen kleinen Buscheln schlug mein Zählrohr an.

Wie schützt ihr euch?
Wie beurteilt ihr generell die radioaktive Belastung von Material von den Halden?

(zur Info: ich bin Physiker und sehe daher alles was mit Inkorporation radioaktiver Stoffe zu tun hat "von Amts wegen" natürlich realistisch, wenn auch kritisch.)

Über Antworten würde ich mich sehr freuen!

Beste Grüße aus Regensburg

Markus

Krizu:
Hallo,

von Physiker zu Physiker: Wenn eine Kontamination zu vermeiden ist, sollte sie vermieden werden.

Wenn du also Stücke mit den Büscheln knackst, würde ich im Keller den Mundschutz (Klasse P3!) aussetzen. Auf der Halde an der frischen Luft eher nicht.

Beim Mineralstäuben wird als Grenzwert oft 3mg/m3 als MAK-Wert genannt (Pauschaliserung - gilt nicht allgemein), das zu messen ist als Pivatmann nicht einfach (Filter nach Belegung auswiegen). Aber deutlich sichtbar sind die schon.

LG

Frank


Markus Fuchs:
Hallo Frank,

zunächst mal danke für deine rasche Antwort.

Hast du Erfahrungen, was die generelle Häufigkeit von radioaktiven Material aus der Grube Clara betrifft? Gibt es hier Erfahrungswerte? Als wie wahrscheinlich kann es wohl angesehen werden, dass beim Zerkleinern von Clara-Material es hier zu Problemen kommen kann? Das mit der Maske werde ich wohl in Zukunft beherzigen. Ich möchte ungern mein schönes Hobby aufgeben müssen...

Bisher habe ich der Literatur lediglich entnehmen können, dass solches Material aus der Grube Clara wohl eher Glückstreffer sind. Daher habe ich mir auch nie was gedacht, wenn ich mit meiner Familie dort auf Sammeltour ging. Mein Strahlenmessgerät "Radiation Alert Inspector" zeigt eigentlich recht zuverlässig die drei Strahlungsarten an. Normalerweise liegt die Belastung in meinem Keller bei einer Dosisleistung von 0,10 - 0,15 MikroSievert pro Stunde (was der natürlich hohen Radonkonzentration in unserer Gegend geschuldet ist) und bei Sondierung der Kisten mit dem groben Fundmaterial ändert sich dieser Wert kaum. Bei der besagten Büschelprobe steigt der Wert auf etwa 0,5 - 1,2 MikroSievert pro Stunde.

Hintergrund meiner Frage: Meine beiden Töchter (7 und 9) sind natürlich beim Mineraliensammeln immer dabei und haben auch bereits ihre eigenen kleinen Sammlungen samt eigenen Stereomikroskop. Da möchte ich keinesfalls ein Risiko eingehen, andereseits freut es mich natürlich, wenn meine Kinder mein Hobby teilen.

Danke schon mal vorab an alle die hierzu etwas beitragen können!

Markus

smoeller:
Hallo,

Generell sitzen die meisten Uranmineralien an der Grube Clara in einem schwarzvioletten Flußspat (sog. Stinkspat, weil der beim Anschlagen kräftig wie Halogen (Chlor, Fluor) stinkt). U-Mineralien sind da recht selten, meist ist es Torbernit, Uranophan oder Zeunerit. Von 2001 bis 2008 war ich jedes Jahr mindestens 3-5 Wochen an der Clara und habe wenn es hoch kommt vielleicht 2-3 Mal in der ganzen Zeit wirklich Uranmineralien gefunden. Da gibt es ganz andere Gegenden (im Schwarzwald Wittichen und Menzenschwand, in deiner Ecke Mähring und Großschloppen), da strahlt fast jedes Material aus den Gruben. Da nehme ich dann immer eine Staubmaske aus dem Baumarkt beim Zerkleinern. Mit Kindern würde ich genannte Ecken eher meiden.

Was dein gefundenes Material anbelangt: Ohne Foto ist da nix zu sagen. Neben Uranophan, der auch in solchen bräunlichgelben Büscheln auftreten könnte, gibt es durchaus auch U-Gehalte in Mineralien der Seltenen Erden. Gerade REE-Phosphate wie Xenotim und Monazit, die auch an der Grube Clara vorkommen, können beträchtlich Uran und Thorium einbauen. Allerdings sind die in der Regel unbedenklicher, weil sie schwer löslich und viel stabiler als Uranmineralien sind. Gegebenenfalls ist es auch ein Kaliumhaltiges Mineral (Glimmer?), wo dann die Strahlung vom K-40 kommt.

Glück Auf!
Sebastian

Markus Fuchs:
Hallo Sebastian,

Danke für deine Antwort.

Leider ist die besagte Probe zu klein (<0,5mm) und ungünstig in einer kleinen Druse platziert , um diese mit meinen Mitteln scharf fotografieren zu können. Nach deiner Beschreibung habe ich nun die gelben Büscheln mit den Bildern auf dieser Seite verglichen und bin mir nun einigermaßen sicher, dass es sich um Uranophan handeln müsste (so weit der optische Vergleich).

Nur um sicher zu gehen: Du bist also der Meinung, dass Clara-Sammler was radioaktives Material betrifft, halbwegs unbeschwert ihrem Hobby nachgehen können? Das würde mich (und vor allem meine Frau, wegen der Kinder...) sehr beruhigen.

Übrigens habe ich schon vor Jahren alles Material aus der in meiner unmittelbaren Nachbarschaft gelegenen Wölsendorfer Ecke (im Wesentlichen Pechblende und Begleitmineralien) aus meiner Sammlung entfernt.

Das mit dem Mundschutz werde ich aber dennoch beherzigen, weil der Feinstaub auch ohne radioaktiv bedenkliches Material meine Atemwege reizt.

Danke aus Regensburg!

Markus

Navigation

[0] Themen-Index

[#] Nächste Seite

Zur normalen Ansicht wechseln