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Markasit aus Ronneburg
harzgeist:
Hallo Philipp,
Zur Reaktivität der Vergällungsmittel habe ich keine Kenntnis, denke aber, dass man davon ausgehen kann, dass sie gegenüber Markasit inert sind bzw. eher reduktiv wirken.
Durch Destilation kann nur eine Konzentration von max. ca. 96% erreicht werden, da hier ein Minimum der Siedetemperatur gegeben ist. Deshalb sollte auch ein Trocknungsmittel zum Einsatz gebracht werden. Es entsteht dadurch quasi absoluter Alkohol - und bleibt es auch, selbst wenn aus der Stufe Wasser aufgenommen wird.
96%-iger Alkohol sollte aber auch zu einigermaßen erschwinglichen Preisen erhältlich sein. Den Aufwand mit der Destilation wirst Du Dir sparen können.
Über eine Substitution durch Methanol habe ich noch nicht weiter nachgedacht, sollte aber auch gehen und ist evtl. billiger ...und enthält auch keine Vergällungsmittel. Es kommt ja nur darauf an, dass das Thioglyconat (hoffentlich richtig geschrieben) und die Reaktionsprodukte darin löslich sind. Evtl. die erste Behandlung mal damit durchführen ... und bei Erfolg dann auch die weiteren.
Gruß
Thomas
cmd.powell:
Moin
Das Pyrit und/oder Markasit in der Lage sind, Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff zu spalten, wage ich erstmal zu bezweifeln, werde das aber mal in einem Versuch testen.
Meiner Erfahrung nach erfolgt die Zerstörung von Pyrit/Markasit durch den Luftsauerstoff, ansonsten ließe sich ja schon die Bildung derselben aus hydrothermalen Lösungen nicht erklären. Das Pyrit/Markasit bei erhöhter Sauerstoffaktivität (sprich, in Wasser gelöstem Sauerstoff) nicht mehr stabil sind, ist kein geologisches oder mineralogisches Geheimnis. Genau so entsteht der "eiserne Hut" von Sulfidlagerstätten. Demnach ist - und das entspricht auch meiner bisherigen Erfahrung - der Ausschluss von Sauerstoff ausreichend für eine erfolgreiche Konservierung von besagten Sulfiden. Theoretisch sollte es auch möglich sein, Pyrit/Markasit unter z.B. mit Schwefelwasserstoff gesättigtem Wasser zu lagern, das ist jedoch nicht auf Dauer möglich, da Luftsauerstoff allgegenwärtig ist und der Lagerungsaufwand entsprechend groß ist.
Wasser und Luftsauerstoff arbeiten Hand in Hand bei dem Zerfall von Pyrit/Markasit, daher reicht es aus, einen von beiden sicher auszuschließen und deshalb scheint (!) auch die Ponalmethode zu funktionieren: Die Versiegelung härtet gewiss komplett durch. Zudem enthält Ponal schwermetallbindende Komplexbildner, welche ebenfalls günstig einem Zerfall entgegenwirken (das der Zerfall von Pyrit/Markasit durch Fe3+-Ionen katalysiert wird, ist bekannt). Wichtig ist, das die Imprägnierung möglichst vollständig passiert, damit es in (wenigsten für den Sammler absehbarer) Zukunft zu keinen Austauschreaktionen und somit zu keinem weiteren Angriff kommen kann.
Mein Langzeitexperiment läuft noch und wird es wenigstens so lange tun, bis entweder der Markasit zerfällt oder ich - derzeit sieht es so aus, als wenn ich den Kürzeren ziehen würde (was nicht heißen soll, das ich in absehbarer Zeit in die Kiste springe - bitte nicht falsch verstehen :P ).
Cyanacrylat sollte übrigens wenigstens ebenso gut wenn nicht vielleicht besser zum Imprägnieren geeignet sein, da die Aushärtereaktion Wasser verbraucht. Leider ist Cyanacrylat nicht wirklich billig (vor allem in den benötigten Mengen um darin ganze Stufen zu tränken) und durch einmal ausgehärteten Kleber diffundiert kaum noch nötiges Wasser, was bei größeren Stücken dazu führt, das im Kern der Kleber für lange Zeit flüssig bleibt.
@harzgeist: Du schreibst "Einzig mögliche Erklärung: Wasserstoff !". Das ist leicht experimentell zu beweisen: Hast Du das Gas gesammelt und es ließ sich entzünden oder wie kommst Du zu der Schlussfolgerung ?
harzgeist:
Hallo,
@ cmd.powell:
zum Thema Wasserspaltung. Aufgefangen habe ich das Gas natürlich nicht. Kann nur meine Beobachtung hier noch mal wiederholen: Die Stufe war, wie gesagt, eine Pseudomorphose aus sehr feinkörnigem Pyrit, wobei die einzelnen Körner keine kompakte Masse bildeten, so dass die Stufe insgesamt wasser- und auch luftdurchlässig war, wie ein Schwamm. Die Gasentwicklung setzte erst nahe der Siedehitze ein und dauerte auch ohne Wärmezufuhr noch minutenlang(!) an und zwar so, dass Blasen wie Perlenschnüre an verschiedenen Stellen aus der Stufe austraten. Luft hätte schon während der Erwärmung austreten müssen, und auch nicht in dieser Menge. Eine Wirkung als "Siedestein" schließe ich auch aus, dann hätte die Dampfentwicklung nicht so lange angehalten bzw die Bläschen hätten die Oberfläche nicht mehr erreicht.
Ich habe jedenfalls keine andere Erklärung Wasserstoff, bin aber für alles offen! Natürlich habe ich mir auch schon Gedanken darüber gemacht, wie das mit den Bedingungen für die Bildung von Pyrit vereinbar ist. Wenn man davon ausgeht, dass die Reaktion erst bei höheren Temperaturen stattfindet, wäre es zumindest kein Widerspruch zur Pyritisierung von Fossilien, die i.a. wohl bei tieferen Temperaturen stattgefunden hat. Bei hydrothermalen Bedingungen herrschen höhere Temperaturen, aber auch wesentlich höhere Drücke. Andererseits ist eventuell(?) ein Überschuss an H2S in der Lage, das Redox-Potential so zu beeinflussen, dass -in Verbindung mit dem Druck- das Gleichgewicht zugunsten des Pyrits verschoben wird. Ist zugegebenermaßen nur ein kläglicher Versuch einer Erklärung!!
Zum Ponal:
Ist natürlich allemal besser als nichts zu machen und zuzusehen, wie die Stufe zerfällt!! Ich bezweifele nur die Langzeitwirkung. ... und möchte anmerken, dass mir schon mal eine Stufe, der man kaum was an sah, trotz ausgiebigen Wässerns im Ammoniakbad vom Eisenhydroxid förmlich gesprengt wurde. Aber mit so was muss man wohl immer rechnen, spricht nicht gegen die Methode an sich.
Zum Cyanacrylat:
Eine Tränkung von Stufen üblicher Größe und Form(!) sollte doch, wenigstens theoretisch, mit vertretbarem Aufwand möglich sein. Dazu müsste die in eine Plastiktüte verpackte Stufe in ein Granulat (z.B. Sand) "eingegraben" werden. Wenn jetzt in die Tüte das Cyanacrylat einfüllt, dürfte eine relativ geringe Menge ausreichen, um die wenigen verbleibenden Räume zwischen Tüte und Stufe zu füllen. Das Ganze sollte dann noch im Exikkator unter Vakuum gesetzt werden. Ultraschall fällt natürlich wegen der Sand-Verpackung aus. Anschließend die Stufe mit Aceton abwaschen.
Gummihandschuhe sollte man aber schon benutzen, sonst macht man sich ganz schnell selbst handlungsunfähig ;D
Der Aufwand lohnt sich aber sicher nur für wirkliche Schaustufen, die auch gefährdet sind (also schon erste Anzeichen einer Zersetzung zeigen).
Dieser Kleber ist erwiesenermaßen geeignet und preislich (relativ) günstig: 20ml für knapp 5 Euro.
http://www.conrad.de/ce/de/product/886512/TOOLCRAFT-ROPID-100-Sekundenkleber-20-g?ref=searchDetail
Auch wenn ich mich jetzt zum X-ten mal wiederhole: "Ölsardinen" sind immer noch am haltbarsten, wenn man auf Nummer sicher gehen will und z.B. unersetzliche Stufen erhalten möchte.
Gruß
Thomas
helgesteen:
--- Zitat von: Nathan am 23 Nov 14, 22:29 ---Wie sieht es eigentlich mit den typischen Vergällungsmitteln aus wie ETBA, MEK, usw. aus? Machen die Markasit etwas aus?
Schließlich ist absoluter Ethanol extrem teuer, wie ich am Mittwoch feststellen musste.
--- Ende Zitat ---
Spiritus (vergällt) reicht für die Behandlungsbäder mit dem Pyritkonservierer völlig aus, das Vergällungsmittel ist inert. Nur für die letzten Bäder zum Ausspülen des Konservierers verwende ich höher konzentrierten (96-98%) Ethanol, den man aber auch vergällt erhalten kann. Dann ist der Preis natürlich erheblich günstiger.
Viele Grüße,
Helge
cmd.powell:
--- Zitat von: harzgeist am 26 Nov 14, 05:13 ---zum Thema Wasserspaltung. Aufgefangen habe ich das Gas natürlich nicht. Kann nur meine Beobachtung hier noch mal wiederholen: Die Stufe war, wie gesagt, eine Pseudomorphose aus sehr feinkörnigem Pyrit, wobei die einzelnen Körner keine kompakte Masse bildeten, so dass die Stufe insgesamt wasser- und auch luftdurchlässig war, wie ein Schwamm. Die Gasentwicklung setzte erst nahe der Siedehitze ein und dauerte auch ohne Wärmezufuhr noch minutenlang(!) an und zwar so, dass Blasen wie Perlenschnüre an verschiedenen Stellen aus der Stufe austraten. Luft hätte schon während der Erwärmung austreten müssen, und auch nicht in dieser Menge. Eine Wirkung als "Siedestein" schließe ich auch aus, dann hätte die Dampfentwicklung nicht so lange angehalten bzw die Bläschen hätten die Oberfläche nicht mehr erreicht.
--- Ende Zitat ---
Ich denke dabei weniger an Wasserstoff als vielmehr an z.B. Schwefeldioxid. Je nach Länge der Bläßchenbildung kommen auch im Wasser gelöste Gase in Frage - es ist schon recht erstaunlich, wieviel Gas in Wasser gelöst sein kann ! Aus Wasser welches kurz vorm Sieden steht, perlen praktisch kontinuierlich Gase aus, bevorzugt an als Kondensationskeim wirkenden Fremdkörpern (z.B. dem Pyrit). Schwefeldioxid würde am meisten Sinn machen, da dieser direkt bei der Oxidation vom Pyrit/Markasit entsteht und in heißem Wasser erheblich weniger löslich ist als in kaltem. Hinzu kommt sicherlich auch, das die Oxidation bei höheren Temperaturen schneller abläuft als bei niedrigen, so das auch mehr Schwefeldioxid entsteht.
Würde Pyrit/Markasit Wasser tatsächlich spalten, wäre eine hydrothermale Bildung wahrscheinlich gänzlich unmöglich. Aber grade Pyrit kommt als "Durchläufer" in fast allen Temperaturbereichen vor, selbst im pneumatolytischen Bereich. Spätestens hier sollte die Spaltung von Wasser und die Bildung von Eisenoxiden die Bildung von Pyrit vollständig verhindern. Es gibt aber einige "exotischere" Reaktionen, an denen ist dann zwar nicht direkt FeS2 beteilig, sondern FeS, aber bei den feinkörnigen, ja teils gelförmigen Konkretionen im z.B. Mergel sind auch solche Phasen durchaus zu finden. Das ist übrigens auch eine meiner Beobachtungen: Die Zersetzung findet fast immer nur in besonders feinkörnigen Aggregaten oder feinkörnigen Zonen der Matrix statt und breitet sich dann langsam über die ganze Stufe aus. Wäre denkbar, das hier neben FeS2 auch Phasen mit der Zusammensetzung nahe FeS existieren, die bekanntlich deutlich Oxidationsempfindlicher sind. Hier beginnt die Zersetzung und Freisetzung von Fe3+-Ionen, welche den weiteren Zerfall katalysieren und hierbei auch die stabileren FeS2-Phasen angreifen. Feinkörne Ausbildungen lassen auf eine schnelle Ausfällung und hohe Kristallisationsgeschwindigkeit schließen, was Gitterfehler begünstigt was wiederum die Anfälligkeit der einzelnen Kristallite erhöht.
Das wäre im wesentlichen meine persönliche Theorie zu dem Thema, wobei ich auch die Mitwirkung von Mikroorganismen nicht ausschließen kann/will.
Was das Cyanacrylat betrifft: 5 Euro für 20ml ??? Ich habe für meine Markasitstufe etwa 500ml Ponal/Wasser 1:3 benötigt, das wären allein 125 Euro und den Rest muss ich dann wegkippen, weil der durch die Luftfeuchte langsam aushärtet. Das ist doch ganz schön happig. 500ml Ponal kosten keine 20 Euro und reichen für 2 Liter und sind problemlos mehrmals verwendbar. Also Cyanacrylat wäre demnach die Luxusmethode !
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